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Die Wahrheit · 1935-08-30 · Heft 35 (30.8.1935) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 35 (30.8.1935)
Date
1935-08-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 35 — 30. August 1935 DIE WAHRHEIT en Mitglieder und Freunde der „Union" Sommermonate jeden Mittwoch, ab 8 Uhr abends im reservierten Teil des Restaurant Deutschberger, Prater Äusstellungsstr. (vis-a-vis dem Lustspieltheater), woselbst auch Gelegenheit zu freier Aussprache gegeben ist. Staats feinde und verdient, entsprechend behandelt zu werden. Der so gekennzeichnete Judenfreund hat künftig damit zu rechnen, daß er a) mit städtischen Lieferungen nicht mehr betraut wird, b) von jeglichen städtischen Arbeitsmöglichkeiten, insbesondere auch Notstandsarbeiten ausgeschlossen! wird, c) keine Unterstützung aus städtischen Mitteln irgendwelcher Art erhält, d) als Siedleranwärter ausscheidet. 2. Beamte, Angestellte und Arbeiter der Stadt und der städtischen Betriebe, die den Juden unterstützen oder durch Angehörige unterstützen lassen, verwirken ihre Stellung... Nach Meldung der „Frankfurter Zeitung" hat der Bürgermeister von Bad Reichenhall bekanntgegeben, daß im Einvernehmen mit den zuständigen Staatsdienststellen an Juden r e i c h sdeutscher Staatsangehörigkeit die Ausstellung von Kurtaxkarten nicht mehr erfolgt. Jüdische Aerzte werden aus der Liste des Kurvereins gestrichen und auch nicht in den Kur- und Wohnungslisten geführt. Die „Frankfurter Zeitung" meldet weiter, daß nach einer Bekanntmachung des Ortsvorstehers von Mainz-Bischofs heim sämtliche Gemeindeäcker und -wiesen all denen gekündigt werden, die mit einem Juden Geschäfte machen, bzw. bei Juden kaufen. In Berlin sind in den letzten Tagen .wiederum Massentlassungen jüdischer Angestellter erfolgt und VerbotefürBerufsausübung erlassen worden. Die „Lippische Staatszedtung" berichtet, daß der Kreisausschuß des Kreises Detmold darauf hinweist, daß Unternehmer, Gewerbetreibende, Bauern und Landwirte, die mit Juden geschäftlich verkehren, von der Vergebung von Aufträgen durch den Kreis Detmold ausgeschlossen werden. Wer vom Kreis erhaltene Aufträge an Juden oder Judenfreunde ganz oder teilweise überträgt, hat mit sofortiger Zurückziehung des Auftrages zu rechnen. „Der Mitteldeutsche" berichtet, daß die Leitung der Magdeburger Straßenbahngesellschaft außer den Transparenten der NS-Hago auch noch Schilder „Juden sind hier unerwünscht" an den Straßenbahnwagen anbringen läßt Nach Meldung der „Frankfurter Zeitung" haben *die Betriebsführer der Lichtspieltheater in Apolda, Bad Berka und Blankenhain (Thüringen) im Einvernehmen mit der Deutschen Arbeitsfront Juden den Zutritt zu ihren Lichtspieltheatern verboten. Die „Mecklenburgische Zeitung" berichtet, daß die Kreisamtsleitung der NS-Volkswohlfahrt in Schwerin Stadt und Land nunmehr endgültig darauf hinweist, daß Volksgenossen, die in jüdischen Geschäften ihre Einkäufe tätigen oder sonstwie in Verbindung mit Juden stehen, von nun an keinerlei Unterstützung* durch die NSV mehr erhalten werden. Der „judenkenner" fordert Verbot der jüdischen Religion und Niederreißung der Synagogen. Die letzte Nummer des Berliner „Judenkenner* verstieg sich zu folgenden Ausführungen: „Auch dem blindesten Deutschen müßte doch nun endlich Einsicht über den Juden und seine Religion aufgehen. Eigentlich kann man ja gar nicht von einer jüdischen Religion sprechen, denn nach deutscher Auffassung ist eine derartige Lehre, wie sie die jüdischen Gesetzbücher zeigen, keine Religion. Nach unserem Programm muß also die jüdische Lehre verboten werden, die Synagogen sind'abzureißen, die Ausführung der jHäischen Gesetzvorschriften muß mit dem Tode bestraft werden." Um den Legislative Council In der englischen Presse wird die Frage des Gesetzgebenden Rates in Palästina, an dessen Schaffung die englische Mandatarmacht trotz aller zionistischen Einwendungen (siehe den Bericht „Palästina vor dem Völkerbund") unentwegt festhält, in der letzten Zeit lebhaft diskutiert. Nachdem vor kurzem der Jerusalemer Korrespondent der „Times" den Vorschlag gemacht hatte, daß in dem geplanten Legislative Council Juden und Arabern eine gleich starke Vertretung gegeben werden solle, da dadurch am besten die berechtigten Befürchtungen derJuden in bezug auf einen vorwiegendarabischen Council, der vermutlich die Annulierung der Mandatsbestimmungen anstreben würde, zerstreut werden könnten, widmet nun die dem englischen Kolonialamt nahestehende Zeitschrift „Near East and India" den Leitartikel ihrer letzten Nummer dem XIX. ZiomTstenkongreß in Luzern und erörtert dabei ausführlich die Frage des Legislative Council. Das Blatt ist der Ansicht, daß die bedingungslose Ablehnung des Legislative Council durch die Zionisten vor allem daher stammt daß sie befürchten, „seine Einsetzung werde unvermeidlich verbunden sein mit Diskriminierung gegen sie als von der Mehrheit verschieden — mit anderen Worten, daß sie zur Minderheit gestempelt werden würden, daß ihnen also gerade jener Stempel aufgedrückt wird, den zu vermeiden so viele von ihnen Europa verlassen habend. Demgegenüber sei, so sagt die Zeitschrift, darauf hinzuweisen, daß es mindestens zwei •G r ü n d e gebe, die dafür sprechen, daß der Legislative Council die erwarteten schädlichen Auswirkungen auf das Jüdische Nationalheim nicht haben wird: der erste sei idie Zusammenarbeit von Arabern und WIEN II.. Prafersfrooe Telephon n 47-4-49 Unter Aufsicht des ehrwürdigen Rabbinates der Adas Jisroel (Schiffschul). Ausgezeichnete Küche, zivile Preise und sorgsamste Bedienung. A la Carte-Speisen und Menüs von S 2.— aufw. Hochzeiten, Diners und andere Festlichkeiten werden in und außer Haus elegantest ausgeführt. Juden in den Gemeindevertretungen sowie im allgemeinen Landwirtschaftsrat und seinen zahlreichen Kommissionen, eine Zusammenarbeit, die die Zionisten selbst stets zu unterstreichen bemüht waren — diese Gemeindevertretungen gelten seit langem als wesentliche Vorläufer einer umfassenderen Selbstverwaltung in Palästina —; der zweite Grund sei der, daß die Einsetzung eines Legislative Council von vielen Arabern nur mit tauwarmen Gefühlen aufgenommen wird, da sie glauben, daß er als Instrument gegen die Errichtung eines Jüdischen Nationalheims wertlos sein werde. Im Hinblick auf diese Gründe werden die Zionisten in dem Artikel aufgefordert, „sich die .möglichen Folgen eines vollständigen Fernhaltens von diesem Legislative Council vorzustellen". Als Außenstehende würden sie wenig tun können; innerhalb des Council trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit viel. Der in seinen politischen Anschauungen im allgemeinen demokratisch einsichtsvolle Ziomäst müsse wissen, daß nach den Bestimmungen des Mandats Palästina früher oder später eine auf Volksvertretung beruhende Regierung erhalten muß. Könnte dies, fragt das Blatt, vom zionistischen Standpunkt aus gesehen, unter günstigeren Umsitändeini als den jetzigen geschehen? Durch die Verhinderung der Verwirklichung des Legislative Council bis zu der Zeit, da die Juden die Mehrheit haben würden, müßte für immer die Chance verloren gehen, die Bereitschaft (goodwill) der Araber zur Zusammenarbeit zu gewinnen. Realgymnasium für Mädchen, II., Novaragasse 30. Einschreibungen und Auskünfte täglich von 10 bis 12 Uhr vormittags. Telephon R 49-3-75. Die jüdische Karriere des Herrn Schacht. Wir besprachen in) unserer letzten Nummer die Rede, die Dr. Schacht in Königsberg gehalten hat und die seiner Geschäftstüchtigkeit alle Ehre macht: er gibt sich zwar in dieser Rede den Anschein, als ob er gegen die antisemitischen Pöbeleien sei, was ihn aber keineswegs daran hindert als hervorragendster Pfeiler des heutigen Regimes in Deutschland zu wirken, jenes Regimes, dessen stärkste praktische Aufbauarbeit und umfassendste ideologische Untermauerung vor allem der Radau-Antilsemitismus ist. Herr Schacht ist nicht immer so gewesen. Vor dem Kriege war er Mitarbeiter des recht obskuren „Kleinen Journals" in Berlin, von wo ihn erst der Jude Eugen Gut mann, Begründer der Dresdener Bank, ein Jahr vor dem Kriege an das Tageslicht bringt und ähm die Möglichkeit bietet, in der damals aufstrebenden Dresdener Bank seine Fähigkeiten unter Beweis zu steilem. Es war auch jüdischer' Einfluß, dem Herr Schacht es zu verdanken hat, daß er 1916 an die Spitze der Nationalbank von Deutschland berufen wurde: kein anderer als der Generalkonsul Eugen Landau, ebenfalls ein Jude, hatte ihm diese Chance verschafft. Wären nicht diese beiden Juden im Leben des Herrn Schacht aufgetaucht, so wäre Stresemann nie auf den Gedanken gekommen, ihn im Jahre 1923 zum Währungskommissar und zum Präsidenten des Reichsbankdirektoriums zu ernennen. Gegen die Diskriminierung der Juden, gegen ihre Entrechtung, gegen ihre moralische und materielle Vernichtung wagte; er kein Sterbenswörtchen; erst jetzt nachdem es ihm infolge der Reaktion des Auslandes an den Stehkragen geht, findet er gegen die Antisemiten — Nützlichkeitsargumente. In seiner ganzen Rede findet sich nämlich kein einziges humanitäres Wort. In Wahrheit protestiert er nur gegen dem „ungeregelten" Antisemitismus, während der „geregelte" seinen vollen Beifall findet. Hebräisch — unverständlich. Die gut zionistische Prager „Selbstwehr" schreibt über die Eröffnungssitzung des Luzerner Kongresses: Es herrscht eine auffallende Diskrepanz zwischen Aufmachung und Inhalt unserer Eröffnungssitzungen. Sie sind in erster Reihe auf internationale Repräsentation eingestellt. Während der Kongreß selbst eine wirkliche Beratung und Auseinandersetzung zwischen unseren einzelnen Gruppen und Richtungen ist, ist die Eröffnungssitzung eine große internationale Repräsentation der zionistischen Judenheit vor dler Welt. Sie ist technisch glänzend vorbereitet; man reißt sich um die teuersten Karten; die Journalistentische sind überfüllt von Vertretern der ganzen Weltpresse. Und was bietet man ihnen? Zwei hebräische Reden, welche, mögen sie noch so hervorragend sein, von der Welt nicht verstanden werden. Es muß einmal offen gesagt werden, daß das Hebräische wohl unsere Sprache ist, in der wir zu verhandeln haben, daß es aber nicht die Sprache ist, in der wir uns an die Welt wemden können. Seltsamerweise versagt hier unsere berühmte Psychologie. Hier, in dieser Eröffnungssitzung,; wäre einmal Gelegenheit, der Welt wirklich unsere Meinung zu sagen, würdig und deutlich, politisch wirkungsvoll in unsrer Weise, aber verständlich. Hier wäre die Gelegenheit zu einer großen Manifestation vor dem breitesten Forum. Aber wir müssen auf diesem unserem Forum auch zur ganzen Welt zu sprechen wissen. Das mußte einmal gesagt werden. ODOL-Mundwasser enthält neben dem wirksamen Odol-Antiseptikum noch den aus der .Myrrhe gewonnenen Extrakt, der sich gegen Lockerung der Zähne und Blutung des Zahnfleisches, als ganz besonders wirksam erwiesen hat D^e Myrrhe wird für diesen Zweck schon seit tausenden Jahren verwendet.

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