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Die Wahrheit · 1935-08-30 · Heft 35 (30.8.1935) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 35 (30.8.1935)
Date
1935-08-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 35 — 30. August 1935 Seite 3 Palästina vor dem Völkerbund. St. :ü,r die begab ir dorihme c.tier gehen r sich. Eüne entsprechende Introduktion für den zeitweilig in arge Schwierigkeiten geratenen Zionistenkongreß bildete die Veröffentlichung des Berichtes der Ständigen Mandatskommission über ihre 27. Tagung, die vom 3. bis 8. Juni 1935 stattgefunden hat. Dieser Bericht, mit dem sich der demnächst m Genf zusammentretende Völkerbundrat zu befassen haben wird, stellt wohl allgemein eine günstige wirtschaftliche und finanzielle Lage Palästinas fest, bezüglich der politischen Lage aber hat die Mandatskommission dem Jahresbericht der englischen Mandatarmacht entnommen, daß die in den früheren Berichten erwähnten Gründe für die Spannungen im Lande auch im Jahre 1934 nicht fehlten. Hinsichtlich der Einwanderung hat die Kommission zur Kenntnis genommen, daß neuerlich Maßnahmen getroffen wurden, um der illegalen Einwanderung und insbesondere der unrechtmäßigen Ansiedlung von Saisonarbeitern einen Riegel vorzuschieben. Die Kommission hofft, daß diese Maßnahmen sich als wirksam erweisen werden und daß die Mandatarmacht weiterhin ihre volle Aufmerksamkeit dem Problem der landlosen Araber widmen wird. Daß die Mandatskommission erst jetzt dem japanischen Dumping ihr Augenmerk zuwendet und die „Gründe dieser Sachlage erfahren" will, haben wir bereits jüngst mit Verwunderung festgestellt. Interessant war die Debatte in der Kominission. Herr Orts (Belgier) wies darauf hin, daß der Jahresbericht der Mandatarmacht, sowie die einleitenden Bemerkungen des englischen Vertreters Mr. Moody die wichtige Fräse der politischen und moralischen Lage in Palästina kaum berührt haben. Das, was der Bericht über die jüdisch-arabischen Beziehungen enthält, ist nicht sehr ermutigend. Die Zusammenarbeit der beiden Bevölkerungsteil e scheint keine Fortschritte zu machen. Man könne sogar sagen, daß die Lage in dieser Beziehung weniger zufriedenstellend ist als vor zehn Jahren. Auch der Vorsitzende. Graf T h e o d o 1 i (Italien), bemerkte, daß außer einer einzigen Anspielung im Jahresbericht dieser,- sowie die vor der Kommission abgegebenen einleitenden Erklärungen Mr. Woodys nichts über die Geistesverfassung der Bevölkerung enthalten. Mr. Moody antwortete ausweichend, daß die britische Regierung und der Oberkommissar ständig daran arbeiten, gute Beziehungen zwischen den verschiedenen Teilen der Bevölkerung herbeizuführen. Die Regierung wird diese Bestrebungen' auch in Zukunft fortführen. Unter diesen Bestrebungen sind vor allem die Bemühungen um Schaffung eines Gesetzgebenden Rates zu verstehen. England will diesen Legislative Council trotz alter zionistischer Opposition nbedingt errichten, Mr. Moody antwortete auf [diesbezügliche Anfragen mit dem Hinweis auf die m Jahresbericht enthaltene Erklärung des Oberommissars, die, wie er sagte, vollkommen 1 ar sei und den wahren Sachverhalt in ieser Frage darstelle. In dieser Erklärung des berkommissars, die im Dezember 1934 einer elegation der Arabischen Exekutive abgegeben wurde, heißt es u. a.: „Es ist meine Ueberzeuung, daß ein Legislative Council mit örgschaften dafür, daß Friede und Sicherheit im ande nichit gefährdet und die Durchführung des anderes nicht gehemmt werden können, wohl rrichtet werden und sich als von allgeleinem Wohl für das ganze Land ereisen kann. Vor zwei Jahren teilte ich in Genf «it. daß die Regierung Schritte zur Bildung eines egislative Councü ergreifen wird, sobald die eue Local Government Ordinance (Munizipalräte) u funktionieren begonnen hat." Diese Munizipaläte sind seit damals eingerichtet worden, die chaffung des Legislatöve Council ist damit in ein ktuelles Stadium getreten. Die Fraget der inwanderung von Arabern aus Transjordanien und Syrien nach Palästina 'ar Gegenstand vielfacher Auseinandersetzungen, röf. Rappard erklärte, daß dte unerlaubte Einwanderung von Arabern aus den Nachbarländern bei de« Juden begreifliche Verärgerung hervorrufen muß. Die Araber aus TransjordanTen haben das Recht, Palästina ohne Paß zu betreten, aber nicht das Recht, sich im Lande anzusiedeln. Ebenso können Araber aus Syrien nach Palästina ohne Paß kommem — und sie kommen insbesondere für die Saisonarbeiten —, aber es ist ihnen ebenfalls verboten, sich anzusiedeln. Infolge dieser Erleichterungen bekommen die Araber die Einwanderungsbestimmungen weniger zu spüren als die Juden. Herr Orts flragte, ob die freie Zulassung der Transjordanier nach Palästina nicht zu Mißbräuchen führe, denn es sei Tatsache, daß eine gewisse Zahl von ihnen in Palästina bleibt. Er möchte daher die Regierung fragen: ist sie sicher, daß die über Transjordanien nach Palästina kommenden Araber (es handelt sich dabei nicht unbedingt nur um transjordanische Araber) nicht von dem den Transjordaniern eingeräumten Vorzug profitieren, sich in Palästina niederzulassen? In beiden Lagern sind die Geister ziemlich erhitzt und es wäre von Interesse, daß diese Frage endgültig aufgehellt wird. Herr Moody antwortete „beruhigend", daß die Regierung die arabische Infiltration aus Transjordanien oder durch Transjordanien und die Ansiedlung dieser Araber in Palästina in einem größeren Ausmaße nicht als ein sehr ernstes Problem betrachtet, das die Kleine Tuba S —SO Groß» Tube S 1.40 Den idealen jüdischen Lebensgefährten finden Sie schnell und sicher durch Die Jüdische Heirafszeitang Prag XIX., Soborshä 8, CSR. Weiteste Verbreitung im In- und Ausland. Reichste Auswahl an Ehegesuchen, Einheiraten etc. Prospekt nur geg. Rückporto, neueste Probenummer Kc 4.— Ausland 2 internation. Antwortscheine Politik der Mandatarmacht irgendwie beeinträchtigen könnte. Lord Lugard macht Hernni Moody auf den in syrischen Zeitungen veröffentlichten Bericht des Gouverneurs von Hauran aufmerksam, wonach binnen wenigen Monaten 30.000 bis 35.000 Hauranen nach Palästina gegangen sind und sich dort angesiedelt haben. Es sei bemerkenswert, daß der Gouverneur den Ausdruck „a n g esiedelt" b e n ü t z t hat. Moody meinte, die Erklärungen des Gouverneurs von Hauran seien sehr ü b e r t r.i e b e n. jüdische Ansiedlung in Transjordanien unmöglich. Prof. Rappard erklärte, daß die Lage bezüglich Transjordaniens wohl die folgende sei: Wenn auch grundsätzlich alle Angehörigen von Mitgliedsstaaten des Völkerbundes das Recht haben, sich in Transjordanien, unter Vorbehalt der Einwilligung der Behörden, anzusiedeln, so ist diese Einwilligung Rücksichten auf das öffentliche Interesse untergeordnet. Augenblicklich sprechen diese Rücksichten gegen eine Bewilligung der Ansiedlung von Jude n. Herr Moody dankte Herrn Rappard für diese Aufklärung, er möchte sich jedoch an die im Vorjahre von seinem Vorgänger Herrn Hall abgegebene Erklärung halten. Diese Erklärung Herrn Halls lautete: Die Juden können nach Transjordanien, ebenso wie andere Personen, als Reisende kommen, aber kein Fremder hat das Recht, sich ohne Bewilligung dort anzusiede! n. Es besteht kein Zweifel, daß man bei der jetzigen Lage in Transjordanien einer Ansiedlung von Juden sehr feindselig gegenübersteht. Angesichts dieser Gefühle der öffentlichen Meinung glaubt die Mandatarmacht, daß es für die Juden besser wäre, sich unter den jetzigen Umständen in Transjordanien nicht anzusiedeln. Aus der braunen Hölle. Die „Magdeburger Zeitung" meldet, daß Gauleiter Juliius S t r e i c h e r in der überfüllten Stadthalle zu Magdeburg zur Judenfrage folgendes ausführte: Es gehit jetzt darum, daß wir der Judenfrage auch in unserer Gesetzgebung Rechnung tragen. Wenn wir nicht heute Gesetze schaffen, die das deutsche Volk vom Juden freimachen, dann könnten wir uns mühen, so viel wir wollen, dann würden wir unser Ziel, die ewige Zukunft Deutschlands, nicht erreichen, dann würde die Prophezeiung des Juden Walter Rathenau (?) Wahrheit, daß in zwanzig Jahren das deutsche Voi!k tot sei. Aber der Nationalsozialismus habe den Kampf gegen das Judentum aufgenommen und habe dadurch sich die jüdische Rasse zum Todfeind gemacht. Wenn das deutsche Volk sich vom Juden befreie, dann werde damit auch in absehbarer Zeit die ganze Welt vom Juden befreit werden. Siege der Jude noch einmal über das deutsche Volk, dann wäre das Ende gekommen, dann siege der Bolschewismus. Deshalb gebe es nur das eine: Wenn es einen Gott gäbe, dann müsse das Gute den Sieg davontragen, dann müsse das herrlichste aller Völker, das deutsche, dem Tag entgegengefahrt werden, am dem es über den Todfeind seiner Rasse, den Juden, triumphiere. Die Wirkungen solcher Hetzreden sind Maßnahmen wie die folgenden, die wir aus der Fülle der J. T. A.-MeMungen aus dem Dritten Reich herausgreifen: Wie der „Manchester Guardian" sich aus Berlin berichten läßt, ist in Elbing den Apothekern verboten worden, Medizin für jüdische Kranke herzugeben. Dieser Befehl wird, was bei dem unerhörten Druck auf die Bevölkerung selbstverständlich ist, strikte eingehalten. Die „Frankfurter Zeitung" meldet: „Ein jüdisches Erziehungsheim in Diez an der Lahn, in welchem vor allem Waisenkinder und Halbwaisen untergebracht waren, wurde, nachdem es vor dem Gebäude zu Sprechchören und Demonstrationen gekommen war, von der Polizei geschlossen und die etwa 50 Insassen zu ihrem Schutz unter polizeilicher Bedeckung nach auswärts abtransportiert." Das „Hakenkreuzbanner" in Mannheim berichtet, daß sich die Gastwirt einnung Mannheims bereit erklärt habe, bereits in den nächsten Tagen Anordnungen zu treffen, daß die deutschen Lokale Mannheims kein Jude mehr betreten darf. Der „Völkische Beobachter" berichtet aus Frankenberg (Sachsen): „In der rechten Erkenntnis, daß das Judentum unser Volk in Not und Elend gestürzt hat, sind für den Bereich der Stadtverwaltung folgende Grundsätze aufgestellt worden, die Erster Bürgermeister Pg. Weichelt in der letzten Sitzung der Stadtverordneten bekanntgab: 1. Wer zum jüdischen Arzt, ins jüdische Kaufhaus oder zum jüdischem Rechtsanwalt geht oder sonst ohne zwingenden Grund im Verkehr mit Juden angetroffen wird, stellt sich außerhalb der Volksgemeinschaft und bewußt in die Reihen der

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