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Die Wahrheit · 1935-08-23 · Heft 34 (23.8.1935) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 34 (23.8.1935)
Date
1935-08-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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OIE WAHRHEIT Nr. 34 — 23. August 1935 Seite 5 Ihren Bttdierbedarf decken Sie am besten und billigsten in der Dacnhandlantf - Antiquariat BEBPIAMN TDCBMEB. In Wien II., Ecke Taborstraße 52 Große Auswahl von Büchern aller Art, auch antiquarisch zu billigsten Preisen. Verlangen Sie Preislisten umsonst! Für Auskünfte R 41-4-20 Moderne Bücher können Sie bei uns für nur 10 Gr. pro Tag lesen! Keine weiteren Gebühren. Einzelne Bücher und ganze Bibliotheken werden angekauft und gut bezahlt! utina gehen wollen. Teile ihres Vermögens in der Form deutscher Waren in Palästina ein uhren dürfen wird den Kongreß lebhaft beschäftigen. Eine AnzaW führender Delegierter will entschieden für die Aufhebung des Transferabkommens eintreten. N. Z. O. beansprucht die Führung. In einer Pressekonferenz der Neuen Zionistischen Organisation, die bekanntlich anfangs September ihren Gründungskongreß in Wien abhält, führte das Mitglied der provisorischen Exekutive Ing. Kopelovicz u. a. aus: Die N. Z. O. und ihr Kongreß erheben Anspruch auf die Führung des jüdischen Volkes. Die alte Zionistische Organisation hat in dem Augenblick, da die Revisionisten sie verließen, ihre Eigenschaft als Repräsentant des jüdischen Volkes eingebüßt. Sie ist, weil in ihrem tragenden Teile von der klassenkämpferischen sozialistischen Partei beherrscht, bestenfalls darauf aus, bestimmte soziale und philanthropische Ziele in Palästina zu verwirklichen, während die Neue Organisation und ihr Kongreß die Judenfrage in ihrer Totalität im Sinne des Begründers des Zionismus, Theodor Herzl, auf politischem Wege zu lösen gedenkt. Ist dies allein schon ein prinzipieller Gegensatz, der die Trennung zur Notwendigkeit machte, so ergibt eine Analyse der heutigen Situation in Palästina den aktuellen Unterschied. Wir sehen die heute herrschende Wirtschaftskonjunktur, die sogenannte Prosperity, als eine Scheinblüte an, die möglicherweise morgen schon zum Wirtschaftskrach werden kann. Sie wird ihre Ursache in der völlig verständnislosen Administration Palästinas haben, die durch ihre Gesetzgebung eine gesunde Fundierung der jüdischen Wirtschaft im Lande verhindert. Wir konstatieren schon jetzt: Alle eventuellen Rückschläge im Wirtschaftsleben Palästinas werden weder im Mangel an jüdischer Energie und jüdischem Kapital noch in der angeblich begrenzten Aufnahmsfähigkeit Palästinas ihren Grund haben, sondern ausschließlich in der völlig verfehlten politischen Administration der Mandatarmacht in Palästina. Die N. Z. O. zeigt aber auch nach innen den Aspekt, der mit der politischen Repräsentanz nach außen korrespondiert. Sie bildet das Moment der nationalen Einigung, indem sie alle Klassen und Schichten des jüdischen Volkes für das eine Ziel zusammenfaßt. Während die alte Organisation ein Bild der Zerrissenheit zeigt, im Lande selbst den Wirtschaftskrieg und den Klassenkampf verschuldet, bildet die Losung der N. Z. O. von der nationalen Schiedsgerichtsbarkeit als Ausgleich der Konflikte zwischen Kapital und Arbeit ein einigendes Band für den Frieden. Aus der braunen Hölle. Aus Berlin wird gemeldet, daß zur gleichen Stunde, da Schacht in Königsberg vor antisemitischen Einzelaktionen warnte, in Berlin über den Kurfürstendamm mit SA-Leuten -besetzte Lastautos fuhren, auf denen Sprüche "i;rzü lesen waren, wie: „Erst wenn der letzte Jude fällt, ist Friede in der ganzen Weit!", „Jude, lass' ab von deutschen Frauen, sonst wird der Hintere dir verhauen!" Diese Aussprüche erschollen auch von Zeit zu Zeit im Sprechchor. Die Wagen blieben jedesmal vor jüdischen Cafes stehen und ein Sturmführer hielt eine kurze judenhetzerische Ansprache, in der indirekt zu jenen ungeregelten Einzelaktionen aufg efordert wurde, vor denen Dr. Schacht gewarnt hatte. * Wie die „Frankfurter Zeitung" mitteilt, hielt der Staatskommissar für das Gesundheitswesen, Ministerialdirektor und Universitätsprofessor Dr. W. Schultze, im Rahmen der Festveranstaltung der Deutschen Akademie in der Universität München einen Vortrag, in dem er ausführte: Die Gesetzgebung dürfe nicht mehr auf den Arierbegriff abgestimmt sein, sondern müsse sich offen die Judenfrage zum Gegenstand nehmen. Es sei ein Gesetz in Vorbereitung, das die Eheschließung zwischen Juden und fialbjuden auf dereinen und Deutschen auf der anderen Seite verbiete. Auch der außereheliche Geschlechtsverkehr zwischen Juden und Deutschen werde unter Strafe gestellt werden. Ferner müsse die jüdische Jugend von der Gemeinschaftserziehung der deutschen Schulen ausgeschlossen werden. Darüber hinaus forderte Dr. Schultze das Verbot, daß Juden Betriebsführer sein können und sich deutsche Dienstmädchen halten dürfen. * In Dortmund hat der Oberbürgermeister den Juden das Versetzen von Gegenständen im städtischen Leihamt sowie die Teilnahme an Versteigerungen untersagt. Von Juden angekaufte Pfandscheine dürfen nicht eingelöst oder erneuert werden. Auch wer im Auftrag von Juden an Versteigerungen teilnimmt, muß ausgeschlossen werden. * Auf der Konferenz für Akademische Freiheit, die kürzlich in Oxford abgehalten wurde, brachte Professor Lascelles Abercrombie die verzweifelte Lage der emigrierten deutschen Lehrer, Dozenten und Professoren zur Sprache. Professor Norman Bentwich erwähnte in seinem Referat die Tatsache, daß die Nazi-Diktatur 1200 Universitätsprofessoren und Dozenten davongejagt hat. * Die deutschen Behörden haben das Erscheinen des „Israelitischen F a m i 1 i e n b 1 a 11 e s" und der im Philo-Verlag erscheinenden, dem Centrai-Verein nahestehenden jüdisch-wissenschaftlichen Monatsschrift „Der Morgen" verboten. Eine Begründung dieser Verbote wird nicht gegeben. Bekanntlich ist das Organ des Centrai-Vereins, die „C. V. - Z e itung", seit mehreren Wochen verboten. Das „Isr. Familienblatt", das keiner Partei nahesteht und allgemein-jüdische Tendenz hat, ist eine der verbreitetsten deutsch-jüdischen Zeitungen. Bs wurde seit Hitlers Machtantritt bereits mehrmals verboten. Das Ansuchen zionistischer Führer bei den Behörden, das Ende Juli gegen die „Jüdische Rundschau" ausgesprochene Erscheinungsver- ¥erwöhnie SlrotawUwer Spellen Torzngllcb In Restaurant Hotel Stefanie vormals Operer II.. Taborstraße 12, Tel. S 46 5 51 «mh Ausgiebige Brafen-Menfis S 1.60 «m»* l»V-) „ Geflügel- ., 3 2.20 IV? J sowie i la Carte, Speisen am Rost / Schöner staubfreier Garten bot für drei Monate im Hinblick auf die. Notwendigkeit der Berichterstattung über den Zionistenkongreß abzukürzen, war von Erfolg begleitet; die „Jüdische Rundschau" erhielt die Erlaubnis, wieder zu erscheinen. Unter Hinweis auf das Wiedererscheinen der „Jüdischen Rundschau" fordert die Nazi-Presse, daß den jüdischen Zeitungen verboten werde, antijüdische Gesetze der Regierung zu kommentieren. Zum Tode Helmuth von Gerlachs. Helmuth von G e r 1 a c h, der große Kämpfer für Frieden und Freiheit, der kürzlich 69jährig in Paris gestorben ist, war ein ehrlicher Freund der Juden. Er kam aus einer alten schlesischen Junkerfamilie und schloß sich in frühester Jugend dem Antisemitismus an, bis er noch nicht 23 Jahre alt die Ungerechtigkeit dieser Bewegung einsah. Und so wurde sein ganzes Leben ein tapferer Kampf gegen jeden Antisemitismus, so wie er sich stets für Gerechtigkeit und Freiheit einsetzte. Seine Freundschaft mit den Juden hat ihm unablässig die gemeinsten Angriffe in Deutschland von der Reaktion und später von den Nazis eingetragen, dafür wurde er nicht allein in Deutschland, sondern in allen Demokratien Europas wegen seines Gerechtigkeitssinnes geschätzt. Als Chefredakteur der „Welt am Montag", des einst bedeutendsten politischen Wochenblattes Deutschlands, hat er sich in unzähligen Artikeln gegen den Antisemitismus gewandt. Die Ehrungen, die ihm die Weltpresse und u. a. die jüdischen Organisationen von Paris, wo er sich hauptsächlich der Flüchtlingshilfe widmete, bei seinem Tode zuteil werden ließen, tragen ein wenig von der Dankesschuld ab, die ihm alle freiheitlich gesinnten Menschen, speziell auch die Juden, für seine aufrichtige Kampfgesinnung schulden. Sein Tod bedeutet gerade heute eine große Lücke in der Abwehrfront gegen die Wühlarbeit des Dritten Reiches. H. 1äiiAt2h,71lm 1. bis 7. September 1935 (Rotunde bis 8. September) Luxus- und Gebrauchsartikel / Möbel / „Kunst im Handwerk" / „Elektrizität im Haushalt" / „Neuzeit liehe Gasgeräte" ITALIENISCHE AUSSTELLUNG UNGARISCHE AUSSTELLUNG Textilmesse / Bekleidungsmesse / Wiener Strickmode Pelzmodesalon / Hausindustrie TECHNISCHE MESSE / RADIOMESSE Bau- und Straßenbaumesse / Mal- und Anstrichtechnische Messe / „Der Realitäten-Vermittler und -Verwalter" / österr. Tabak-Regie / Erfindermesse Bürobedarfsmesse / Wintersportausstellung Österreichische Zeitungs- und Zeitschrittenschau Jubiläumsausstellung des Gewerbeförderungs-Institutes der Kammer für Handel, Gewerbe und Industrie Kollektiv-Ausstellungen der Stadtgruppe Wien des österreichischen Gewerbebundes / Kollektiv-Ausstellungen des Gewerbeförderungsamtes der n.-ö. Landesregierung LEBENSMITTELAUSSTELLUNG Land- und forstwirtschaftliche Musterschau Bundesweinkost Rinder-Zuchtviehschau: 6. bis 8. September Bedeutende Fahrpreis-ErmäBigungea! Messeausweise a S 6.— bei der Wiener Messe-Aktiengesellschaft, Wien VU., Hessepalast — Eintrittskarten (mm einmaligen Besuch der Rotunde oder des Hessepalastes und der Neuen Burg) a S 2.50 bei dea Kassenschaltern der Messehäuser. Das „zivilisierte" Europa schweigt. Die „Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit", deren Hauptbüro in Genf ist, veröffentlicht einen „Aufruf an die Nicht-Juden Europas", der sich gegeni. das Schweigen des „zivilisierten" Europas angesichts der Verfolgungen von Juden, Katholiken, Protestanten, Kommunisten, Sozialisten, Pazifisten und Demokraten in Deutschland wendet. „Im Herzen Europas", heißt es in dem Aufruf, „werden Pogrome aufgeführt und das „zivilisierte,, Europa schweigt. Streicher, der Herausgeber des „Stürmer", erhält von Hitler Ehrenauszeichnungen und das „zivilisierte" Europa schweigt. Das „zivilisierte" Europa schweigt, weil es Mittäte r i s t. Es ist Mittäter, weil es durch Anleihen und bedeutende Kredite, durch Lieferungen von Waren und Rohstoffen zu den Rüstungen und . zur Stärkung des Kriegspotenzialis Deutschlands beiträgt und so das dort herrschende Terrorregime befestigt und stabilisiert. Das „zivilisierte" Europa ist Mittäter, wenn es, um die heutigen Herrscher Deutschlands zur Rückkehr in den Völkerbund und in die Abrüstungskonferenz zu bewegen, einen Schleier über ihre Verbrechen breitet und sie toleriert . . . Wir appellieren an alle, die in Europa noch fähig sind, das Leid der Leidenden zu teilen und denen die Entrüstung und der Schrecken angesichts der Verfolgung hilfloser Opfer keine Ruhe läßt, an alle, die noch nicht vollkommen untätig, geistig taubstumm geworden und die ihre innerliche Unabhängigkeit und Unbestechlichkeit bewahrt haben. Wir appellieren an alle, die darauf bedacht sind, ihre Heimatländer vor einem derartigen Schreckensregime zu schützen, und machen sie darauf aufmerksam, daß nicht nur der äußere Frieden, sondern auch Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit unteilbar sind. Alle, die noch Mut und die nötige Freiheit besitzen, mögen zusammen mit uns ihre Stimmen erheben, um öffentlich alle offenen oder versteckten Pogrome und die schreckliche Schmach, mit der Hitler das zivilisierte Europa bedeckt, zu verurteilen. Mögen sie den Opfern dieser Pogrome zu Hilfe kommen und sich weigern, durch Schweigen zu Mittätern dieses Verbrechens gegen die Zivilisation und Menschheit zu werden." ,Di. Krttaei-Heim' Zentralanstalt für Mädchenerzichung and Fortbildung Telephon A 4S-S-77 Wien II., MalxgaMC 7 Volks- und Hauptschule für Mädchen. Dreijährige Höhere Lehranstalt fSr wirtschaftliche Frauenberufe. Zweijährige Fachschule für Kleidermachen und Wäschewarenerzeugung. Beth Jacob Religionslehrerinnen-Seminar. Zweijährige Kindergärtnerinnen-Bildungsanstalt. Einjähriger praktischer Fortbildungskurs Mr Maturantinnen. Prospekt anf Wonach. Internat. Streng rclltf. Hanaaalt.

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