Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 33 (16.8.1935)
- Date
- 1935-08-16
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3062972-3064555-3064587--20325-3085558- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 6 Nr. 33 — 16. August 1935 DIE WAHRHEIT Es muß bald etwas geschehen! Am Montag, den 15. Juli, abends, brachen die schweren Ausschreitungen am Kurfürstendamm in Berlin aus. Das 12-Uhr-Blatt in Berlin brachte am 15. Juli mittags den hier folgenden Artikel auf der ersten Seite mit der großen Ueberschrift: „Juden wagen es, im Deutschen Lichtspieltheater zu provoziere n." Am Freitag, den 12. Juli, fand in einem Berliner Lichtspieltheater die Erstaufführung des schwedischen Films „Petterson und Bendel" statt Der Film erhielt bei der 5-Uhr- und 7-Uhr-Vorstellung stärksten Beifall. Die Berliner Zeitungen schrieben — bis auf einige bezeichnende Ausnahmen — begeistert über dieses Kunstwerk und sie betonten in ihrer Kritik, daß der Film mit Recht das höchste Prädikat „staatspolitisch wertvoll" verdiene. Auch in der 9-Uhr-Vorstellung spendeten die Zuschauer spontan auf offener Szene wiederholt Beifall. Während der Vorführung der zweiten Hälfte des Films machte sich verschiedentlich, besonders auf dem Rang, Unruhe bemerkbar, deren Ursache man nicht sofort erkennen konnte. An der Stelle, wo der Film vom Lustspielartigen ins Ernste übergeht, versuchte eine Anzahl von Besuchern, die Stimmung planmäßig durch halblaute Zwischenrufe, Gemurmel und spöttische Bemerkungen zu zerstören. Später wurde auch an verschiedenen Stellen völlig unmotiviert geklatscht, so daß man den bestimmten Eindruck gewinnen mußte, daß es sich um eine planmäßige Störungsaktion einiger Besucher handelt. Sie waren anscheinend mit dem Gang der Handlung und vor allem mit der Tendenz des Films nicht einverstanden. Gegen Schluß erhoben sich immer mehr Besucher und verließen unter Gemurmel und leisen Pfiffen das Lichtspieltheater, so daß die Schlußszenen in einer allgemeinen Unruhe untergingen. Man konnte ohne weiteres feststellen, daß es sich durchwegs um Juden handelte, die es wagten, die Vorführung dieses Films zu stören. Das deutsche Publikum fühlte sich durch die Haltung dieser Juden herausgefordert und spendete nun dem Film erst recht stärksten Beifall. Man weiß im ersten Augenblick gar nicht, was man dazu sagen soll. Man stelle sich vor: Im ^dritten Jahr der nationalsozialistischen Regierung wagen es einige Juden, in einem deutschen Lichtspieltheater das deutsche Publikum durch Pfiffe, halblaute Zwischenrufe und Gemurmel zu provozieren, weil sie anscheinend mit dem Inhalt des Films nicht einverstanden sind. Das geht denn doch zu weit!- Es kann doch niemand behaupten, daß das Motiv dieses Films an den Haaren herbeigezogen ist Der Film „Petterson & Bendel" wurde nicht einmal in Deutschland gedreht Er ist einer der meistgespielten schwedischen Filme, der auch in Amerika, Dänemark, Norwegen usw. seit über einem Jahr mit größtem Erfolg gezeigt wird. Der Film wurde von Schweden auserwählt, als Spitzenleistung der nationalen schwedischen Produktion auf dem internationalen Filmkongreß in Venedig Schweden zu vertreten. Wer hat die Juden, die in Deutschland lediglich Gäste sind, dazu aufgefordert oder wer hat ihnen das Recht gegeben, in einem deutschen Lichtspieltheater gegen einen Film Kritik zu üben? Der Zweck dieser jüdischen Provokation ist unverkennbar: Die Juden wollten den Film gleich bei der Erstaufführung vor dem deutschen Publikum lächerlich machen und damit verhindern, daß er weiter in Deutschland gezeigt wird. Es ist überhaupt unverkennbar, daß die Juden in den letzten Monaten ihre freche Anmaßung und ihr herausforderndes Benehmen wieder zur Schau tragen. Beim Ausbruch der nationalsozialistischen Revolution hatten sie sich schnell in ihre Mauselöcher verkrochen. Heute tun sie schon wieder so, als ob gar nichts gewesen wäre. Wenn das Treiben der jüdischen Besucher während der 9-Uhr-Vorstellung im UT-Kurfürstendamm nicht wieder Schule machen soll, dann muß endlich einmal etwas geschehen! Was die Juden sich heute wieder herauszunehmen wagen, dafür ist dieser Fall ein typisches Beispiel. Er äst keine Einzelerscheinung. Wer aufmerksam die Entwicklung in den letzten Monaten verfolgt dem scheint es fast so, als wollten die Juden vorfühlen, wie weit unsere Langmut geht. Sie haben sich verrechnet, wenn sie glauben, der nationalsozialistische Staat würde ihrem frechen und anmaßenden Treiben noch lange zusehen! Hier in Deutschland bestimmen Deutsche, was in einem Lichtspieltheater gespielt wird. Die Juden haben sich als Gäste zu benehmen! Die Tatsache, daß Juden es heute schon wieder wagen, im deutschen Lichtspieltheater einen Film, der von der nationalsozialistischen Regierung mit dem Prädikat „staatspolitisch wertvoll" ausgezeichnet wurde, vor dem deutschen Publikum verächtlich zu machen, zeigt uns, daß es höchste Zeit ist, dem jüdischen Treiben einen Riegel vorzuschieben. Das Maß unserer Geduld ist übervoll. Sollten die alten Zustände nicht wieder einreißen, dann muß bald etwas geschehen. wf. Für die Mitglieder der „Union österreichischer Juden" Beratungsstelle für kaufmännische, gewerbliche, Steuer- und Versicherungs- Angelegenheiten. Leiter: Komm.-Rat Alexius Salz er« Eingehende Informationen für jedes Mitglied der »Union" unentgeltlich, und zwar bis auf weiteres Wien I„ Kohlmarkt 8, 1. Stock, Tür 4. täglich (müv Ausnahme von .Samstag) von 10—12 Uhr vormittags. Was Herr Daluege nicht erzählte. Es gäbe keine L wirtschaftlichen Nöte in Deutschland, härten nur unter Hitler alle Gewerbe einen solchen Aufschwung genommen wie das des Henkers. Früher — und nicht nur in den Zeiten der sogenannten „Knochenerweichung", sondern auch unter dem strammen Preußenregime — wurden in Deutschland durchschnittlich sechs bis sieben Hinrichtungen im Jahre vollzogen. Ein Dutzend Hinrichtungen jährlich war ein Maximum; es wird auch in anderen europäischen Ländern, die die Todesstrafe vollstrecken, so in Frankreich und England, fast nie überschritten. Dem gegenüber sehe man sich, die jüngsten deutschen Ziffern an, wie sie sich aus den laufenden Hinrichtungs-Communiques der deutschen Presse ergeben. Sie sind in Summa vom 1. Januar bis zum 15. Juli : 37 Hinrichtungen. Ungefähr eine Hinrichtung an jedem fünften Tag, Sonn- und Feiertage eingerechnet. Nur eine Minderzahl der Hingerichteten war wegen politischer Delikte zum Tode verurteilt worden, und zwar überwiegend wegen solcher politischer Delikte, die mehrere Jahre zurücklagen, vor dem Machtantritt der Nazis. bewährt seit Jahrhunderten bei Erkrankungen der Blutgefäße, Arterienverkalkung, Gelenksrheumatismus, Nervenleiden, bei Stoffwechselerkrankungen, wie Gicht und Erkrankungen der Luftwege Kur-Methoden: Trink- und Bade-, Kaltwasser-, elektrische Kuren und Röntgenbehandlung . „ Käßige Preise für Logis und Verpflegung Aach rituell-koschere Restaurants luiumiiumiiiupini Diese grauenhafte deutsche Hinrichtungs- Statistik widerlegt klar ein Propagandamärchen, das im Reiche ausländischen Besuchern mit Vorliebe erzählt wird und das auch Herr Daluege der ausländischen Presse erzählte: das Märchen, die Energie des Hitler-Regimes habe zu einem starken Rückgang des Kriminalverbrechens, ja sogar fast zur „Ausrottung" des Verbrechens geführt. Im Gegensatz zu den politischen Delikten, für die im laufenden Jahre der Scharfrichter in Funktion gesetzt worden ist, waren die gesühnten Kriminaliverbrechen Taten aus jüngster Zeit — ausnahmslos aus den Jahren 1934 und 1935. Das Gleiche gilt für weitere, rund 30 Todesurteile, die im ersten Halbjahr 1935 von deutschen Gerichten!' gefällt, aber noch nicht vollstreckt worden sind, weil das Reichsgericht und der „Führer" das leitete "Wort noch nicht gesprochen haben. In den weitaus meisten Fällen handelt es sich um Raubmorde; die Zahl dieser Kapitalverbrechen hat sich gegenüber . der liberälisüschen Aera wesentlich erhöht und wächst immer noch an, — trotz des vermeintlich „abschreckenden Beispiels" der zahllosen Hinrichtungen, die in den Jahren 1933 und 1934 vollstreckt worden sind, und trotz der angeblichen „energischen Ausrottung" des Verbrechertums. Und nicht nur die Zahl, auch die Brutalität der Kapitalverbrechen ist im Zeichen des Hakenkreuzes gewachsen. Das Gegenteil wäre, auch nur verwunderlich. Die allgemeine Verrohung, die der nationalsozialistische Sieg mit sich gebracht hat, mußte unyermeidlicherweise auch dem Verbrechen ihren Stempel aufdrücken. In einigen deutschen Kriminalfällen der letzten Zeit ist der unmittelbare Zusammenhang zwischen dem Verbrechen und dem neuen deutschen Zeitgeist nicht zu verkennen: so etwa in dem Fall jenes Vaters in Frankfurt am Main, der seiner angeblich „entarteten" Tochter—mit Wissen und Duldung der Mutter und Schwester — befahl, ins Wasser zu FRANZENSBAD ERSTES MOORBAD DER WELT. IDEALES FRAUEN- UND HERZHEILBAD. In ebener Lage in ausgedehnte Anlagen und Wälder eingebettet. STÄRKSTE GLAUBERSALZQUELLEN. Ueberraschende Heilerfolge bei Herz- und Frauenleiden, Kinderlosigkeit, Gicht, Rheumatismus, Fettleibigkeit und chronischer Stuhlverstopfung. Saison vom 1. Mai bis 30. September. — Kurbetrieb vom 15. April bis Ende Oktober. PROSPEKTE UND AUSKÜNFTE KOSTENLOS DURCH DIE KURVERWALTUNG. springen, dem befohlenen Selbstmordversuch beiwohnte, und nach Hause heimgekehrt, mit Vaterstolz der restlichen FamMie erzählte, das Kind sei „wie eine Heljdin" gestorben. Die Heldin wurde glücklicherweise noch lebefld aus dem Main herausgefischt, und so kam die Sache heraus. Der, Heldenvater war augenscheinlich von dem nationalsozialistischen Ideal „spartanischer Erziehung" stark beeindruckt gewesen. Freilich bilden die „spartanischen" Väter und Mütter in der deutschen Schafott-Statistik nur eine Minderheit. Die gewöhnlichen Raubmörder sind in der Ueberzahl. Die Statistik verschweigt leider, wie viele davon Pg's, S. A.-Leute und ähnliches waren. Trotzdem beweist sie, daß das Dritte Reich, so häufig es auch den Scharfrichter anruft, fortlaufend das Verbrechen gebärt, das seiner1 Mißachtung des menschlichen Lebens entspricht. Diese Mißachtung des menschlichen Lebens beweist noch eine andere Statistik. Im ersten Halbjahr 1935 wurden von der Nazijusitiz folgende politischen Urteile ausgesprochen: ' Jänner 407 Verurteilte 885 Jahre Kerkiw Februar 662 „ 1352 „ März 485 „ 1298 „ April 250 „ 500 „ Mai 239 „ 588 „ Juni 375 „ 985 „ 2418 Verurteilte 5608 Jahre Kerker Nicht inbegriffen die Tausende, die in Konzentrationslager überführt wurden und gegen, die keine Prozesse anhängig gemacht werden können, weil selbst für Nazijustiz kein Material zur Anklage vorhanden ist. Anschlag auf die jüdische Gemeinde von Sofia. Als die bulgarische Regierung" vor kurzem die seinerzeit aufgelöste faschistische antisemitische Organisation „Rodna Saschtita" (Heimwehr) wieder erlaubte, haben jüdische Führer die Regierung auf die antisemitisch-terroristische Vergangenheit dieser Organisation hingewiesen, woraufhin die Regierung die Versicherung gab, daß die „Rodna Saschtita" nunmehr nur nationalen Idealen nachstreben werde und daß die R e g i erung jede antisemitische Tätigkeit derselben verhindern werde. Am 4. August marschierte nun ein Trupp der „Rodna Saschtita" unter der Führung des berüchtigten Antisemiten Ing. Radeff vor dem Hause der aschkenasischen jüdischen Gemeinde Sofia auf und riß das Gemeindeschild herunter. Der Umstand, daß die einstigen Terroristen ihre neue Wirksamkeit mit einer antisemitischen Tat einleiteten, hat unter den Juden Bulgariens die alte Besorgnis wieder wach werden lassen. Verschärfte Maßnahmen gegen illegale Palästinaeinwanderer. Die Palästina-Regierung hat beschlossen, in Zukunft illegale Einwanderer— einerlei, ob es sich um Orientalen, Europäer oder Amerikaner handelt — nicht mehr gegen eine Geldbürgschaft aus der Haft zu entlassen. Eine Ausnahme soll nur in Fällen gemacht. werden, in denen die Jewish Agency sich diamit einverstanden erklärt, daß die illegal Eingewanderten in die kömmende, der Jewish Agency bewilligte Arbeiter-Schedule eingerechnet weden. Seit tausend Jahren schon wird der Myrrhe-Extrakt, der sich gegen Lockerung der Zähne und Blutung des Zahnfleisches besonders wirksam erwiesen hat, verwendet. Odo 1-Mundwasser' enthält neben dem Odol-Antiseptikum den Myrrhe-Extrakt.