Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 33 (16.8.1935)
- Date
- 1935-08-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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^^^^mi^miSäs^m^Bsm^ässs^sa^amsms^mismä^w^mm.. DIE WAHRHEIT Nr. 33 — 16. August 1935 Seite 5 gut die Gestion der Friedhofskanzleien auf den Friedhöfen kontrolliere? Diese Kontrolle erstreckt sich aber nicht allein auf das persönliche Erscheinen, sondern ich halte es für meine Pflicht als Jude, selbst Hand anzulegen und dadurch eines unserer heiligsten Gebote zu erfüllen. Ich ersuche Herrn Waltuch, auch diese meine Tätigkeit einer Kritik zu unterziehen, glaube aber, daß diese Kritik mangels eigener Wahrnehmungen ebenso fadenscheinig sein wird wie die Kritik meiner Tätigkeit im Friedhofsamte. Herr Waltuch behauptet weiters, daß er im Vorjahre, als er ene Zeitlang mit der Leitung der Friedhofskommiission betraut war, eine große Anzahl Gesuche hauptsächlich wegen Ermäßigung der Grabsteingebühren vorfand, welche wochen- und monatelang unerledigt liegen geblieben waren. Zu dieser Behauptung muß ich feststellen, daß ich als Obmann der Friedhofskommission Anträge an das Präsidium nur auf Grund mir vom Amte vorgelegter Akten stellen kann. Ich bin nicht Beamter des Friedhofsamtes und kann daher nicht selber die notwendigen Vorarbeiten zur Erledigung der Akten leisten. Herr Waltuch kann aber nicht behaupten, daß er Akten vorgefunden hätte, die für den Obmann der Friedhofskommission vom Amte bereitgestellt waren, vom Obmann aber nicht erledigt wurden. Der Angriff des Herrn Waltuch richtet sich also gegen das Amt selbst. Herr Waltuch hat in den Sommermonaten interimistisch die Amtsgeschäfte der Friedhofskommission geführt. In diesen Monaten häufen sich die unerledigten Ansuchen um Ermäßigung von Grabsteintaxen, weil einerseits fast alle Grabsteine in den Sommermonaten aufgestellt werden, anderseits die zur Verfügung stehenden Beamten sich auf Urlaub befinden. Es wäre daher notwendig, daß zur Aufarbeitung dieses Materials genügend Beamte zur Verfügung gestellt werden. Ich habe wiederholt an das Präsidium das Ansuchen gerichtet, diesen Uebelständen in den Sommermonaten abzuhelfen. Leider wurde für die Aufarbeitung dieser Rückstände nicht genügend vorgesorgt. Des weiteren beschäftigt sich Herr Waltuch mit meiner Behauptung, daß meine Anträge an den Kultusvoretand zur Abstellung der Uebelstände wenig Aussicht auf Erfolg hätten, weil im Kultusvorstand die jüdischnationale Majorität entscheidet. Herr Waltuch hat diese meine Behauptung nicht widerlegt, sondern „scharf zurückgewiesen". Mit dieser Zurückweisung hat er aber noch immer nicht den Beweis erbracht, daß ich Unrecht hätte. Ich bin nach wie vor der Ansicht, daß die meisten Anträge der Minorität im Kultusvorstand von der jüdischnationalen Majorität aus parteipolitischen Gründen abgelehnt werden. Herr Waltuch behauptet schließlich, daß ich durch meine eben erwähnte Erklärung die Hintergründe dieser ganzen Kampagne verraten hätte. . Darauf kann ich nur erwidern, daß ich mich absolut nicht mit den Beschwerden über das Bestattungswesen, die in der „Wahrheit" vorgebracht wurden, beschäftigt habe, sondern lediglich eine Behauptung des Präsidiums der Kultusgemeinde widerlegt habe. Ich hätte niemals zu dieser Kampagne irgendwie Stellung genommen, wenn ich nicht gerade vom Präsidium der Kultusgemeinde zu dieser Stellungnahme herausgefordert worden wäre. Dr. Ernst Feldsberg, Obmann der Friedhofskommission. Ihren Btldterbedarf decken Sie am besten und billigsten in der Dachhandlana — Antiquariat HEBMANN TBCHNEP, In Wien II, Ecke Taborstraße 52 Große Auswahl von Büchern aller Art, auch antiquarisch zu billigsten Preisen. Verlangen Sie Preislisten umsonst! Für Auskünfte R 41-4-20 Moderne Bücher können Sie bei uns für nur 10 Gr. pro Tag lesen! Keine weiteren Uebühren. Einzelne Bücher und .ganze Bibliotheken werden angekauft und gut bezahlt! Judenverfolgungen in Permanenz. Die scharfen Judenverfolgungen nehmen in ganz Deutschland — gemäß der Geheiminstruktion der Leitung der NSDAP an sämtliche Parteiinstanzen, in der der Monat August 1935 zu einem Monat der Judenverfolgungen bestimmt wurde — ihren Fortgang, wie folgende aus der Fülle ähnlich furchtbarer Nachrichten herausgegriffene J. T. A-Meldungen beweisen: Vor dem Hauptgebäude der Berliner Jüdischen Gemeinde in der Oranienburgerstraße, im Zentrum Berlins, wurde ein Riesentransparent aufgehängt, die darauf angebrachte Zeichnung zeigt einen Juden, dem man die KleidervomLeibe gerissen hat, darunter ist in Riesenschrift zu lesen: „Auf solche Weise werden wir die Juden zwingen, Deutschland zu verlassen." Wie „Temps" aus Berlin meldet, hat die Berliner Polizeileitung im Zuge der angekündigten scharfen Maßnahmen gegen den Zuzug „unerwünschter Elemente", d. h. Juden, Agenten in alle Stadtviertel Berlins entsandt, um nach zugezogenen Juden zu fahnden. Polizeiagenten ziehen von Haus zu Haus, um sich bei den Portiers nach der Rassezugehörigkeit der Hausbewohner zu erkundigen. Auch Wohnungen werden besucht. Auf diese Weise werden schwarze Listen der Juden aufgestellt, die auch zu anderen, gefährlicheren Zwecken dienen könnten. Andere Pariser Zeitungen melden, daß infolge dieser Polizeiaktion in der jüdischen Bevölkerung der Reich'shauptstadt größte Erregung herrscht und ernsteste Befüchtungen gehegt werden. Die gesamte jüdische Bevölkerung der Stadt Riedersdorf bei Berlin wurde durch Verordnung gezwungen, innerhalb 24 Stunden die Stadt zu verlassen. Dieser Verordnung ging eine beispiellose Terroraktion voraus. Etwa 100 SA-Leute griffen zu nächtlicher Stunde die von Juden bewohnten Häuser an und riefen im Sprechchor ununterbrochen: ..Hinaus mit den Juden!" Die SA-Leute waren aus Berlin und aus benachbarten Orten gekommen. Die Ortsbevölkerung mit dem Bürgermeister an der Spitze versuchte, bei den Eindringlingen zugunsten der Juden zu intervenieren, aber ohne Erfolg. Nicht einmal eine angemessene Frist zur Ordnung der dringendsten Angelegenheiten wurde der jüdischen Bevölkerung gelassen. Der Bürgermeister von München hat eine Kundgebung erlassen, wonach keinerlei Zuzug aus auswärtigen Gemeinden nach München geduldet werden darf. Wird ein neu zugezogener Jude in München angetroffen, so hat er eine erhebliche Geldbuße zu zahlen und wird sofort abgeschoben. Aus Parchim in Mecklenburg, wo jüngst die gesamte 34 Seelen zählende jüdische Bevölkerung in Haft genommen worden war, wird gemeldet, daß die jüdischen Häftlinge freigelassen wurden; die Kaufleute unter ihnen mußten sich aber verpflichten, ihre Geschäfte nicht wieder zu öffnen. Wie der „Völkische Beobachter" meldet, hat Innenminister Gauleiter Adolf Wagner an die Stadt Bad Tölz folgendes Telegramm gerichtet: „Ich beglückwünsche die Stadt Tölz zu dem Entschluß, an Juden keine Kurkarten mehr auszugeben. Ich freue mich, daß die Stadt Bad Tölz durch diese Tat künftig sich von Juden rein hält, und wünsche, daß das ganze bayerische Oberland diesem Beispiel folgen möge." Aus Tilsit wird gemeldet, daß in dieser Woche seitens der dortigen Stadtverwaltung eine Versammlung der Bäckermeister der Stadt Tilsit einberufen wurde. Auf dieser Versammlung wurde den Tilsiter Bäckern eine Entschließung zur Unterschrift vorgelegt, wonach sich alle Tilsiter Bäcker verpflichten, an keinen Juden Brot zu verkaufen. Alle, bis auf zwei Bäcker, gingen die ihnen vorgelegte Verpflichtung ein. Die zwei übrigen Bäcker erklärten, die Verpachtung: aus rein menschlichen Gründen nicht eingehen zu können. Des weiteren haben sich alle Friseure in Tilsit verpflichtet, für die Zukunft keine Juden mehr zu rasieren. Ebenso gingen die Tilsiter Hausbesitzer eine Verpflichtung ein,, an keinen Juden mehr eine Wohnung zu vermieten. In der Tat haben denn auch alle Hausbesitzer der Stadt den Juden, die in Ihren Häusern Wohnungen innehaben, diese Wohnungen gekündigt. fenvöhnte §<rohwliwer speisen loritimicft im Restaurant flotel Stefanie vormals Opeier II.. TaDorstrafle 12, Tel. R 46 5 51 Ausgiebige Braten-Menüs 3 l.uo ^«»-s \W«J „ Geflügel- „ 3 2.20 \WJ sowie ä la Carte, Speisen am Kost I Schöner staubfreier Garten Der Pogrom in Danzig. Ueber den während der Danziger Messe« gegen jüdische Aussteller veranstalteten Pogrom ist noch zu melden: Das Zentrum der Ueberiälle bildete der Rummelplatz beim Luna-Park. Dort überfielen etwa 40 Nazis die jüdischen Kaufleute, die dort Waren ausstellten, zerstörten die Kojen, warfen die Waren durcheinander und raubten einen großen Teil derselben. Die jüdischen Kaufleute wurden schwer mißhandelt, so daß 20 von ihnen erheblich verletzt wurden und ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußten. DÜe Polizei mischte sich nicht ein, einige Polizisten sahen lächelnd dem Treiben zu, wodurch die Pogromisten und Räuber in ihrem Werk ermutigt wurden. Später wurden einige Pogromleute verhaftet, aber sofort wieder freigelassen. Die gesamte jüdische Kaufmannschaft verließ den Messeplatz. Die Verletzten und durch Plünderung geschädigten Kaufleute reichten beim Gericht Klage gegen die Anführer des Pogroms ein, die hohe Posten in der Danziger Nazipartei bekleiden. Da mehrere der Geschädigten polnische Staatsbürger sind, hat sich das polnische Generalkommissariat der Klage angeschlossen. Als Beweis dafür, daß der Ueberfall bis ins Einzelne vorbereitet war, kann die Tatsache dienen, daß eine größere Expeditionsfirma amtlicherscits den Auftrag erhielt, zur bestimmten Zeit a;i einem bestimmten Ort mit ihren Wagen zur Stelle zu sein, um die Opfer des Ueberfalls und ihre Ware transportieren zu können. Die Huligans haben auch die Frauen der jüdischen Kaufleute auf das barbarischeste mißhandelt. Die Bezeichnung „Deutscher Jude*4 verboten. Der „Hilfsverein der deutschen Juden" teilt mit, daß sein Name von nun an lautet: „Hilfsverein der Juden in Deutschland"; er hat diese Namensänderung auf behördliche Weisung vollziehen müssen, da die Bezeichnung „deutscher Juden" nunmehr verboten ist. Baron Franchciti ein Jude. Der bei dem Flugzeugunglück in der Nähe von Kairo zusammen mit dem italienischen Arbeitsminister umgekommene Baron Raimondo Franchetti, ein berühmter italienischer Forscher und erste Autorität in Fragen Abessiniens, war Jude und mit den Rothschilds verwandt. Er war ein Sohn des Komponisten Baron Alberto Franchetti, dessen Mutter die Baroneß Louisa Rothschild war. Franchetti hat testamentarisch verfügt, daß er in der Erde Afrikas, und zwar in A s s a b (Erythräa), bestattet werde, wohin er die sterblichen Reste des italienischen Forschers Kapütän Giulietti gebracht hatte, die er, Franchetti, bei einer seiner gefährlichen Forschungsreisen aufgefunden hatte. Die Schändung des Judenfriedhofs in Leipa. Auf dem uralten jüdischen Friedhof in Leipa wurden, wie bereits mitgeteilt, 17 Grabdenkmäler umgeworfen. Wie nun die „Bohemia" aus Leipa meldet, forderte die israelitische Kultnsgemeinde in der Sitzung der Verwaltungskommission erhöhten Schutz ihrer Objekte und eine strenge Untersuchung der vollständigen Passivität der städtischen Sicherheitswach e, bei der die Anzeige erstattet wurde, ohne* daß sich die Wache weiter um diese Angelegenheit gekümmert hat. Die Verwaltungskommission leitete gegen zwei Organe der Sicherheitswache die Disziplinaruntersuchung ein und setzte eine Belohnung von 500 Kc für den aus, der Angaben zur Ergreifung des Täters mache« kann. ■AHhMrilttn