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Die Wahrheit · 1935-08-02 · Heft 31 (2.8.1935) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 31 (2.8.1935)
Date
1935-08-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
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^^^^SK^^&I DIE WAHRHEIT Nr. 31 — 2. August 1935 Seite 7 Palästina und dem nahen Orient zu ntensivieren. Das Transfer-Abkommen war falsch sowohl im Interesse Englands als auch im Interesse Palät i n a s. Die £ 1000-Bestimmung sei an sich schon für Palästina schädlich, weil sie jüdische Einwanderung hemmt, das Transfer-Abkommen aber habe noch dazu geführt, daß diejenigen, die ach Palästina gehen, zu deutschen Importeuren werden. Die Taxe von £ 1000 für Kapitalisten-Einwanderer müßte auf £ 250 herbgesetzt werden. Der Minister für die Kolonien Malcolm Maconald antwortete auf alle diese vehementem Anklage» gegen Englands Palästinapolitik mit nichtssagenden Erklärungen. Dollfuß-Gedenkfeiern. In allen Wiener Gemeinde- und Vereinstempeln, auch in der Provinz, fanden am Vorabend des Tages, da Bundeskanzler Dr. Engelbert D o 11 f u ß von feiger Mörderhand ruchlos hingemeuchelt wurde, Gedenkgottesdienste statt, die einen erhebenden Verlauf nahmen. Die eindrucksvollsten Feiern wurden im Seitenstettentempel und im großen Leopoldstädter Tempel abgehalten. Im ersteren erschienen in Vertretung des Bundeskanzleramtes Min.-Rat Eberstaller, fn Vertretung des Unterrichtsministeriums die Min.-Räte Fohr und Huber sowie hervorragende Vertreter der Behörden, der Vaterländischen Front, der militärischen Verbände und der jüdischen Organisationen. Nach einem weihevollen Choral bestieg Oberrabbiner Doktor fleuQhtwang die Kanzel und hielt folgende Gedenkrede: Der 25. Juli wird für alle Zeit in den Gedenkblättern der Geschichte Oesterreichs als ein Tag des Schreckens und der Trauer eingetragen bleiben. Noch zittert bei der Erinnerung an die Unglück verkündenden Stunden unser Herz; damals stand Oesterreich m Rande eines Abgrunds, in den es fraglos gestürzt wäre, hätten nicht Beherztheit, Kraft und Treue einiger weniger Männer es gerettet Und: als die Schreckensbotschaft zu uns drang: Kanzler Dollfuß ist ermordet, erstarrten wir alle wie gelähmt gegenüber dieser menschlich wie politisch entsetzlichen Schandtat; voll Schauder und Abscheu vor den schwarzen Gewalten, die diesen Raubanfall auf Kultur, Religion, Menschlichkeit und Staatsordnung in Szene gesetzt und vollbracht hatten. Für einige Stunden waren die Oesterreicher völlig verzweifelt und von Schmerz zerrissen. Kein Wunder fürwahr! De'nn Kanzler Dollfuß war uns Inbegriff und Verkörperung des erneuertem Leben erwachten, schwer leidenden und heimgesuchten Vaterlandes, dem feste Form und vielverheißenden Inhalt zu geben, des Kanzlers eiserner Wille war. Nicht nur der Wille, sondern die höchste Fähigkeit, und nicht allein die Fähigkeit, die innere Bsrufung waren in Kanzler Dollfuß vorhanden, diesen Willen zur Schaffung eines neuen Oesterreich durchzusetzen. Und das wollten finstere, kulturfeindliche Mächte verhindern. Diese Verhinderung sollte durch Gewalt und Mord erzielt werden, die bis heute das einzige blutige Werkzeug dieser Höllenkräfte sind. Das teuie Leben des mutigen, tatendurstigen, von leidenschaftlicher Liebe zu Oesterreich erfüllten, gottergebenen, frommen Kanzlers mußte verströmen. Die ganze Welt war erschüttert von dieser Schandtat und wie von einem meuchlings geführten Axthieb getroffen; fast die ganze Welt war mit uns in tiefste Trauer versetzt bis auf die mitschuldigen Anstifter und Mordgesellen innerhalb und außerhalb Oesterreichs. Der Kanzler war tot — doch sein Werk blieb lebendig; die schmerzerfüllte Trauer wurde gemildert durch den Gedanken an das aus Gewaltherrschaft gerettete Oesterreich. Wehmuterfüllt gedenken wir in dieser Stunde des so jäh und jung dem Vaterlande geraubten besten seiner Söhne, von dem man sagen kann, was auf dem Denkmal eines österreichischen Herrschers steht: Quisalutipublicaevixitnondiusedtotus; hat für das Wohl des Vaterlandes gelebt, nicht lange, aber ganz. Und für dieses unser Vaterland ist er als Märtyrer gestorben. Sein Andenken v/ird dauernd sein; denn sein Werk wird fortgesetzt für ein freies, unabhängiges, nur von den Grundsätzen der Religion und Kultur regiertes Oesterreich. Jedes Abweichen von diesen Grundsätzen auch nur einem Teile der Bürger gegenüber vernichtet den Staat. So wie wir für das Seelenheil des verewigten Kanzlers beten, so beten wir auch für das Leben des jüngst aus drohender Lebensgefahr geretteten Nachfolgers des heute betrauerten Kanzlers, der in dessen Geiste die Geschicke unseres Vaterlandes leitet. Gott beschütze den Bundespräsidenten und seinen Kanzler; tröste ihn und verleihe ihm Kraft und Weisheit: Gott beschütze unser geliebtes Vaterland, Gott beschütze Oesterreich. ' Mit dem Liede „Seele, was betrübst du dich", ergreifend vorgetragen vorf Oberkantor M a t y a s und dem Chor, und der Bundeshymne schloß die eindrucksvolle Feier. Am gleichen Abend fand im Großen Tempel in der Tempelgasse ein vom „Bund jüdischer 1*rontsoldaten Oesterreichs" veranstalteter Trauergottesdienst statt In dem bis aufs letzte Plätzhen gefüllten Gotteshaus erschienen in Vertretung des Bundeskanzlers Dr. Kurt v. Schuschnigg Obstlt Ba'rtl, in Vertretung des Ministers für Aeußeres Dr. Berger-Waldenegg Legationsrat Laytermayer, in Vertretung des Bundesministeriums für Unterricht Ministerialrat Erich H u b e r, für den Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft Reiter GM. Dr. v. Mihalek, für den Staatssekretär für Landesverteidigung G. d. Inf. Zehner Oberst Ing. Friedrich Moro und Obstlt Andreas Klieraann, für den Polizeipräsidenten Dr. Skubl der Generalinspektor des freiwilligen Schutzkorps und der freiwilligen Wehrverbände General v. K ö n i g s b r u n n, für den Stadtkommandanten von Wien OM. Haselmayer Obstlt. Reichert für das Polizeipräsidium Stadthauptmann Hofrat Weybora und Polizeimajor Noßberger, für das Militärvikariat Feldbischof Reg.-Rat A1 m e r. Unter den diversen Kameradschaftsverbänden sah man eine starke Deputation des „Ring österreichischer Soldaten" unter Führung des Ringtührerstellvertreters Dr. Ritter v. Kaschenreuther, Obstlt. Ehrenberger und Dir. Hanny. Die einzelnen Bezirksvertretungen der Vaterländischen Front waren stark vertreten. Nach einem Choral, vorgetragen von den vereinigten Chören der Kultusgemeinde unter Leitung des Chormeisters Fischer, entzündete der Bundesiührer Hptm. Edler v. Friedmann das Seelenlicht für Dr. Engelbert Dollfuß. Nach einer Trauerminute brachte Oberkantor M a r g o 1 i e s ergreifend einen Psalm zum Vortrage. Nun hielt Rabbiner Dr. M. J. Bauer die zu aller Herzen gehende gehaltvolle Gedenkrede, welche in der Forderung an die Andächtigen ausklang, auf dem vom fldärtyrerkanzler beschrittenen Weg fortzuschreiten und alle Kräfte für ein freies, unabhängiges, glückliches Oesterreich zu vereinigen. Nach dem Totengebet intonierten Chor und Orgel die Bundeshymne. Ein dringendes Bedürfnis war nach den Behauptungen unserer Jüdischnationalen die neue jüdische Volksschule. Jedem, der es hören wollte, und auch jedem, der es nicht hören wollte, wurde mit Emphase verkündet, daß die Wiener jüdischen Eltern geradezu mit Sehnsucht darauf warten, ihre Kinder in eine von der Gemeinde errichtete jüdische Volksschule zu schicken. Herr Dr. Plaschkes sprach in der öffentlichen Debatte, die sich um den Standort der neuen Schule drehte — der prinzipielle BeSchluß auf Errichtung einer solchen Schule wurde bekanntlich in vertraulicher Sitzung gefaßt — davon, daß es sich bei dieser Schule, „die unserer Weltanschauung entspricht", um eine „zionistische Existenzfrage" handle. Den Zionisten mag die Errichtung einer solchen Schule eine Existenzfrage bedeuten, den Wiener jüdischen Eltern nicht. Denn nach alleu möglichen propagandistischen Bemühungen, nachdem an 600 im Umkreis der neuen Schule wohnende jüdische Eltern Prospekte verschickt worden sind, nachdem in allen der Gemeinde zur Verfügung stehenden Lokalitäten Anschläge auf difeise Schule aufmerk- Jüiliatfues JVinrfevAcim ..Jätid" In Seebenstein (Pitlental), herrlich gelegen, eig. Waldbestand, ständige ärztliche Auf- £ sieht,individuelle,pädagogische Beeinflussung, ■g vorzügliche Verpflegung, Sport, Gymnastik, g Schwimmen, Nachhilfe. Auskünfte, Prospekte, :£ Photoeinsicht u. Anmeldung: Wiener Sekretariat: IX., Schwarzspanierstraße 12, Mezzanin, täglich außer Sa. und So. von 3-6. Tel. A 263-73. sam machten und nachdem in allen Wiener jüdischen Zeitungen diesbezügliche Hinweise erschienen sind, haben sich bisnun sage und schreibe dreiundzwanzig jüdische Schüler um die Aufnahme in die erste Klasse der neuen jüdischen Schule beworben; von diesen haben die meisten mit ihren Anmeldungen gleichzeitig Gesuche um Schulgeldbefreiung eingebracht. Da kann man wirklich nur sagen: Es kreißten die Berge und ein Maus wurde geboren. Das Desinteressement der Wiener jüdischen Eltern an der neuen Institution, auf die sich die jüdischnationale Mehrheit des Kultusvorstandes so viel einbildete, wird besonders deutlich, wenn man zum Vergleiche die Gesamtzahl der heuer in Wien die erste Volksschulklasse besuchenden jüdischen Schüler heranzieht. Im Jahre 1929 wurden in Wien ungefähr 1300 jüdische Kinder geboren. Von diesen dürften zirka 1200 heuer das schulpflichtige Alter erreicht haben, davon 800 in der Leopoldstadt und in der Brigittenau. Von diesen 1200 heuer schulpflichtigen jüdischen Kindern haben sich also 23 für die neue jüdische Volksschule angemeldet, das sind nicht einmal zwei Prozent Schlagender konnte die Berechtigung des Auftretens der „Union" gegen die Errichtung einer jfidischnationalen Schule nicht erwiesen werden. Es steht nun einwandfrei fest, daß das Wiener Judentum auch die jüdischnationalen Bestrebungen auf dem Gebiete des Schulwesens, eHtsoWeden ablehnt; die jüdischnationale Mehrheit Wiener Kultusvorstandes ist um eine e m p f i n d 1 i e h e B1 a m a g e reicher. Seit Menschengedenken wird Myrrhe-Extrakt gegen Lockerung der Zähne und Blutung des Zahnfleisches wirksam verwendet ODOL-Mundwasser enthält außer dem Odol-Antiseptikum den Myrrhe-Extrakt. STEININDUSTRIE CARL BENEDICT Zentralem III.. Rennweg 112, Tel. U 15-0-52 GRABSTEINLAGER: Zentralfriedhof, 3. Tor, Tel. B 53-0-53 Berliner Juden während der Pogrom- Tage. Mitteilungen von aus Berlin in Wien eingetroffenen nichtjüdischen Persönlichkeiten ist zu entnehmen, daB die Berliner Juden während der Pogrom-Tage nicht nur Beschädigungen an Körper und Eigentum erleiden mußten, sondern auch in schwerer Sorge um ihre Existenz gelebt haben. Die Unruhen waren keineswegs auf den Kurfürstendamm und dessen nächste Umgebung beschränkt, sondern sie breiteten sich auf viele westliche Viertel, wie z. B. Bayerischer Platz, Tiergarten- Viertel usw. aus. Auch in diesen sonst stillen Wohnvierteln hausten die Streicher-Banden wie Vandalen, sie zerstörten von Juden gehaltene Eisdielen, schlugen in den Kaffeehäusern und Geschälten die Fensterscheiben ein und mißhandelten brutal die Eisdielen- und Katfeehausbesucher, unter ihnen auch zahlreiche jüdisch aussehende Christen. Die Geschäfte wurden mit Aufschriften wie „Jüdischer Mist", „Aus Paläsina importierter Dreck" u. ä. m. beschmiert. Käufer wurden gewaltsam verhindert, die Geschäfte zu betreten. Die meiste Sorge bereitete aber der Besuch von Streicher-Posten, und S. A.-Leuten in den Wohnhäusern, wo sie sichüberall erkundigten, ob und welche Juden in diesen Häusern wohnen und sich Namen und Adressen genau aufschrieben. Man hat den Eindruck, daß die schnellen Meldungen der Auslandspresse und die Art, wie das Ausland auf die Ereignisse in Berlin reagiert hat, noch Schlimmeres, als das, was geschah, verhindert hat. Aber die Angst ist noch nicht gewichen. Friedhoischändung in Böhmlsch-Leipa. Neben dem Stadtpark in B ö h m i s c b,y L e i p a befindet sich ein uralter jüdisch er Friedhof mit sehr alten Grabdenkmälern, von denen einzelne gegen 400 Jahre alt sind. Die Anlage steht unter Denkmalschutz. Dort haben in, der Nacht von Samstag zum Sonntag unerkannt gebliebene Täter 13 zum Teil historisch sehr wertvolle Grabdenkmäler umgeworfen und beschädigt. Es ist nicht schwer, von der Handlung auf die geistige Einstellung der Täter Schlüsse zu ziehen. Von einem Bubenstreich wird man nicht gut sprechen können. Vielmehr läßt alles darauf schließen, daß es sich um die gleiche Art antisemitischer Verhetzung handelt, wie sie in völkischen Kreisen getrieben wird und wie sie aus dem Dritten Reiche über die Grenzen schlägt. Besserung im Befinden von Rabbi Kook. Das Befinden des erkrankten aschkenasischen Oberrabbiners von Palästina, Rabbi Abraham Jizchak Hakohen Kook, hat sich etwasgebessert, sein Zustand ist aber immer noch als ernst zu bezeichnen. Er liegt jetzt nahezu vier Wochen zu Bett und in Anbetracht seines Alters von über 70 Jahren ist dabei Grund zur Besorgnis vorhanden. In ganz Palästina und in zahlreichen Orten der Diaspora wurden für Rabbi Kooks Genesung Bittgottesdienste veranstaltet. An der Klagemauer in Jerusalem versammelten sich über 60 angesehene palästinensische Rabbiner und beteten um die Wiederherstellung des Erkrankten. Gemeindedkvomfe. Berthold Israel gestorben. Im Alter von 68 Jahren starb in Berlin der Alleininhaber des Kaufhauses N. Israel, Berthold Israel. 47 Jahre lang leitete er das Kaufhaus und führte es zu seiner jetzigen Bedeutung. Seine stete soziale Einstellung und sein Eintreten für all diejenigen, die Hilfe brauchen, besiimmte sein Wirken. So schuf er für die Angestellten seiner Firma zahlreiche soziale Einrichtungen, eine Pensionskasse und eine Betriebskrankenkasse. Er beteiligte sich bei zahlreichen jüdischen Wohl- ,Dr. Krünei-Hcim' Zentralanstalt für Mädchenerziehung und Fortbildung Telephon A 48-»-77 Wien II., Malxgaue 7 Volks- und Hauptschule für Mädchen. Dreijährige Höhere Lehranstalt für wirtschaftliche Frauenberufe. Zweijährige Fachschule für Kleidermachen und Wasch ewarenerzeugang. Beth Jacob Religionslehrerinnen-Seminar. Zweijährige Kindergärtnerinnen-Bildungsanstalt. Einjähriger praktischer Fortbildungskurs für Maturantinnen. Prospekt auf Wunsdi. Internat. Streng rellg. 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