Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 31 (2.8.1935)
- Date
- 1935-08-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Nr. 31 — 2. August 1935 DIE WAHRHEIT Hitler, England und Amerika. Einen Augenblick lang schien es, als ob die Lenker des neuen deutschen Staates, in dem jetzt Pogrome an der Tagesordnung sind, der Geduld des Auslands zuviel zugemutet hätten. Das Weltgewissen, das lange genug geschlummert hatte, schien zu erwachen. Aber es war mancherorts nur Schein. Die englische Regierung hat sich beeilt, die ihr zugemutete Demarche in Berlin zu dementieren, nachdem schon vorher der englische Außenminister Sir Samuel Hoare in mehr als vorsichtigen Worten auf eine Anfrage von Wedgewood, ob das britische Außenamt bereits seine Aufmerksamkeit der neuen Welle von Judenverfolgungen in Deutschland gewidmet habe, reagiert hat. Da verhält sich Amerika anders. Wohl hat sich das Staatsdepartement wegen der Massendemonstrationen gegen die deutschen Schiffe entschuldigt, aber im Senat und im Repräsentantenhaus hat man sich gegen die Abgabe einer Entschuldigung durch den Kongreß ausgesprochen und der Bürgermeister von New York, La G u a r d i a, hat seine mit der Unterdrückung amerikanischer Juden ki Deutschland begründete Verweigerung einer Masseur-Konzession an einen deutschen Staatsbürger trotz Vorstellungen seitens des Staatsdepartements aufrechterhalten. Im Repräsentantenhaus lösten die neuen Judenverfolgungen in Deutschland eine heftige Debatte aus. Der demokratische Repräsentant Samuel D i c k s t e i n schilderte die neuen Ereignisse in Berlin und im übrigen Deutschland und forderte das Repräsentantenhaus, auf, einen deutschamerikanischen Handelspakt wenn überhaupt nur unter gleichzeitigem ausdrücklichen Protest gegen die Verfolgungen von Juden, Katholiken und Protestanten in Deutschland abzuschließen. Dickstein machte den Reichskanzler Hitler persönlich für die begangenen Morde verantwortlich, da, wie er selbst sagte, nichts in seiner Partei und in Deutschland ohne seinen Willen getan w i r d. Senator King hat im amerikanischen Senat, wie wir schon berichteten, eine Resolution eingebracht, eine Kommission zur Untersuchung der Verfolgungen der Katholiken, Juden usw. in Deutschland einzusetzen. Auf einer in New York von jüdischen Organisationen einberufenen Protestversammlung gegen Deutschland behauptete der Abgeordnete Cell er unter großem Beifall, Präsident Roosevelt sympathisiere mit den Zielen der Protestkundgebung und habe dem deutschen Botschafter in Washington Dr. Luther darauf aufmerksam gemacht, daß die Nationalsozialisten Repressalien zu gewärtigen hätten, wenn die Ausschreitungen gegen Juden und Katholiken in Deutschland nicht aufhören. Für die Hitslieder der „Union österreichischer Juden" Beratungsstelle für kaufmännische, gewerbliche, Steuer- und Versicherungs- AngelegenheiteEU Leiter: Komnu-Rat Alexius: Salz er. Eingehendejnformationen für jedes Mitglied der »Union" unentgeltlich, und zwar bis auf weiteres Wien- I., Kohlmarkt 8, 1. Stock, Tür 4, täglich (mit Ausnahme von Samstag) von 10—12 Uhr vormittags. Englands PalästinapolKik. Große Rede James de Rothschilds im englischen Unterhaus. Im Mittelpunkt der jüngsten Debatte über koloniale Fragen im englischen Unterhaus stand eine große Rede des UnterhausrnttgUeds James de Rothschild, Sohnes des Schöpfers der neuen jüdischen Kolonisation in Palästina, des kürzlich verstorbenen Barons Edmond de Rothschild, und Präsidentjen der Palestine Jewish Colonisation Assocatiort (fiCA), welche das Palästina-Werk des Barons Edmond verwaltet James de Rothschild lenkte zu Beginn seiner Rede die Aufmerksamkeit der Regierung auf die Ar^ij de|r Interp,retierung von Art. 18. des Palästina-Mandates, die sich zu Ungunsten Palästinas auswirkt. Dieser Artikel sieht vor, daß Palästina in der Frage der Einfuhrzoll e. keinen Staat, der Mitglied des Völkerbundes ist, einem andern solchen Staate gegenüber begünstigen darf. Palästina ist sonach gezwungen, Waren aus sämtlichen Ländern ohne Einschränkung einführen zu lassen. Dies schafft eine für das Land äußerst ungünstige Situation, wie sie zur Zeit der Formulierung des Mandatssitatuts nicht im geringsten vorhergesehen worden war. Dies trifft insbesondere für den Handel zwischen Palästina und Japan zu. (Dabei ist Japan gar nicht mehr Mitglied des Völkerbundes. Anm. d. Red.) Mehr als alle anderen Länder hat Palästina jetzt unter dem japanischen Dumping in Seide und anderen Gütern zu leiden. Heimische Produktionen müssen infolge der japanii" : Jod Drombad Bad Hall: bewährt seit Jahrhunderten bei Erkrankungen der Blutgefäße, Arterienverkalkung, Gelenksrheumatismus, Nervenleiden, bei Stoffwechseierkrankun- ' gen, wie Gicht und Erkrankungen der Luftwege Kur- Methoden: Trink- und' Bade-, Kaltwasserelektrische Kuren und Röntgenbehandlung, _ Mäßige Preise für Logis and Verpflegung Auch räueü-koschere Restaurants sehen Konkurrenz eingestellt wer den. Hingegen bezieht Japan um keinen Penny Ware aus. Palästina. :Bei einer solchen Interpretation; der erwähnten; JÄandatsbestimmung. ist Palästina vollkommen schutzlos. Nie und nimmer lag es in der Absicht des Völkerbundes, eine solche- Situation zuzulassen. Japan ruiniert das palästinensische Geschäft. Eben erst hat eine große Seidenfirma, die ein Kapital von 80.000 Pfund investiert hatte, die P r oduktion einstellen müssen, nachdem sie; durch den japanischen Dumping ruiniert wordenwar.. (Es handelt sich um die Seidenfabrik „Mesh i", die 120 Arbeiter beschäftigte. Anm. d. Red.). Als England 1911 seinen Handelsvertrag mit Japan schloß, dachte niemand noch an ein Palästina-Mandat. Im Mandat war nicht beabsichtigt, daß der Mandatarmacht das Recht auf alleinige Exploitation des Ma ndatsgebietes; überantwortet werden soll. Zur Zeit der Uebergabe des Mandates an England waren die ökonomischen und die anderen Verhältnässe von den heutigen vollkommen verschieden. Quoten, verschiedenerlei Beschränkungen und Dumping waren damals unbekannte Dinge. Das Resultat ist, daß Palästina in seinen Handelsmöglichkeiten durch Ar t 18 des Mandats heute vollkommen gehandikapt ist Palästina ist besonders deshalb leicht verwundbar, weil sich seine Wirtschaft mit Hilfe des Geldes, welches Juden aus allen Teilen der Welt ins Land bringen, entwickelt Sein Außenhandel ist nicht aus bilanziert Einige Beispiele: 1934 führte die Türkei für £ 500.000 Waren nach Palästina ein, hingegen bezog die Türkeit aus Palästina Waren für nur £ 173.000; Rumänien exportierte 1934 nach Palästina Waren für rund f 1,000^)00, bezog aber aus Palästina Waren für nur £ 60.000. Aehnlich steht es um den Warenaustausch mit den anderen Ländern. Was ist die Ursache dieser Ungleichheit? &och nu^rdie, daß Palästina durch.die Bestimmungend'es Mandates gezwungen is;t jedem Lande freie Einfuhr zu gewähren. Als das Mandat gegeben wurde, wurde angenommen, daß Palästina seitens aller Länder mehr oder minder gleich behandelt werden würde. Man konnte sich nicht vorstellen, daß Länder durch Dumping u. dgl. einander, und besonders Palästina, werden Schaden zufügen wollen. FRANZENSBAD ERSTES MOORBAD DER . WELT. IDEALES FRAUEN- UND HERZHEILBAD. In ebener Lage in ausgedehnte Anlagen und Wälder eingebettet STÄRKSTE GLAUBERSALZQUELLEN. Ueberraschende Heilerfolge bei Herz- und Frauenleiden, Kinderlosigkeit, Gicht, Rheumatismus, Fettleibigkeit und chronischer Stuhlverstopfung. Saison vom 1. Mai bis 30. September. — Kurbetrieb vom 15. April bis Ende Oktober. PROSPEKTE UND AUSKÜNFTE KOSTENLOS DURCH DIE KURVERWALTUNG. James de Rothschilid übte an der Einwanderungspolitik der Palästina-Regierung scharfe Kritik. Er zollte der guten Administration! und den persönlichen Qualitäten des High Commissioner Sir Arthur Wauchope volle Anerkennung, unterstrich aber dabei, daß durch die Beschränkung jüdischer Einwanderung die Prosperität des Landes direkt gehemmt wird. Der bestehende scharfe Mangel an Arbeitskräften führt zu einer starken Erhöhung der Produktions¬ und Lebenskosten und hat ferner einen Zustrom minderwertiger arabischer Arbeitskräfte aus den Nachbarländern zur Folge. Warum, fragte James de Rothschild, läßt man Leultle aus den Nachbarländern frei in Palästina ein, während die Einwanderung der Juden eingeschränkt bleibt. Der Fall Transjordanien sei in dieser Hinsicht vielleicht der markanteste. Er würde gern wissen, was mit der in dieser Sache der Mandate-Kommission übermittelten Petition geschehen ist Hat die Mandate-Kommission, die diese Petition in ihrer letzten Tagung behandelte, dem britischen Vertreter vorgehalten, daß die die Einwanderung. Dach Palästina regelnde Verordnung von 1933 in direktem Widerspruch zu Kapitel 6 des Mandates stehe? Dieser Artikel bestimmt, daß die Einwanderung von Juden der Absorptionsfähigkeit des Landes angepaßt werden müsse. Dieser Artikel wird aber verletzt wenn man transjordanischen Arabern die Möglichkeit gibt, auch ohne Paß nach Palästina zu kommen, währendd es Juden verboten ist, das Land zu betreten, ob sie einen Paß; haben oder nicht James de Rothschild kam sodann auf die Judenverfolgungen in Deutschland zu sprechen. Ihr ale habt sagte Rothschild, über die neue Welle der Judenverfolgungen in Deutschland gelesen. Ich will keine dramatische Szene hier auffuhren; die Tragödie ist so groß, daß sie keiner Steigerung durch dramatische Redewendungen bedarf. Heute sind viele junge Menschen in Deutschland zwischen 17 und 25 Jahren nicht nur jeder Existenzmöglichkeit beraubt sondern auch gezwungen., ihren Verfolgern zu entfliehen. In Belgien, Frankreich und Holland äst ihnen jede Betätigung verboten. Diese jungen Leute würden in Palästina sehr gut gebraucht werden können, sie dürfen aber dorthin nicht gehen, bevor sie nicht entweder über ein entsprechendes Kapital verfügen oder in die begrenzte Schedule aufgenommen werden. Diese Schedule, von der Administration ausgegeben, ermöglicht aber nur einer kleinen Anzahl die Einwanderung. Sollen nun diese armen verfolgten jungen Menschen, die nicht in der Lage sind, ein Mindestkapital von f 250 aufzubringen, in Deutschland umkommen oder in andere Länder fliehen, wo man sie nicht arbeiten läßt? Ich appelliere an den Kolonienminister und an den High Commissioner, nicht so hartherzig gegenüber diesen Menschen zu sein und auch den leidenden Juden in Syrien, Arabien und Aegypten mehr Verständnis entgegenzubringen. Heute, schloß James de Rothschild, sind die Kassen in Palästina voll;, mit jüdischen Schekalim, während Palästinas Häfen und Orangenhaine den tausenden unglücklichen, aber tüchtigen und arbeitsamen Juden verschlossen bleiben. Nach James de Rothschild sprach Wedgewood: In Palästina, sagte er, besteht das wunderliche System, daff kemi Mensch einwandern darf, wenn er nicht ein Kapital; von £ 1000' oder, falls er Handwerker ist, von £ 250 mit sich bringt. Im Falle der deutschen Judenwirkt sich diese Bestimmung so aus, daß jeder Einwanderer dieser Kategorie deutsche Maschinen: oder, andere Waren nach Palästina bringt, was Deutsch!-and in die Lage versetzt, seinen Handel mit