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Die Wahrheit · 1935-08-02 · Heft 31 (2.8.1935) · page 2

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 31 (2.8.1935)
Date
1935-08-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 31 — 2. August 1935 DIE WAHRHEIT HOTEL ELISABETHHÖF Zeitgemäße Preise. Kein Mahlzeitenzwang trotzdem wollen wir auch jür Palästina geben, aber nicht nach Vorschrift der Jüdischnationalen für Provisionsvertreter, Propagandareisende und politische Qroßredner. Die Landeskanzlei nehme die Sammlung in die Hand, das wird erfolgreicher und auch sympathischer sein wie bisher, und wir sind sicher, daß das auf diese Weise gesammelte Geld nicht für administrative Zwecke vergeudet wird. Aber solange sich die jüdischnationalen Bestrebungen hinter Pro-Palästina verstecken, solange die Palästinapropaganda sich in den Händen 4er Jüdischnationalen 'befindet, so lange können wir die Pro-Palästinabestrebungen nicht als eine uns berührende Angelegenheit betrachten. Pro¬ Palästina darf kein Schlupfwinkel für den jüdischen Nationalismus sein. Ich sehe, daß durch die Verarmung der jüdischen Bevölkerung einzelne Schichten von den Jüdischnationalen für ihre Propaganda ausgenützt werden. Es muß in diesen Kreisen eine große Kurzsichtigkeit vorhanden sein. In anderen Ländern, wo jüdische nationale Parteien wirken, haben sie an Schlagkraft verloren, und in Oesterreich sinkt der jüdische Nationalismus von Stufe zu Stufe, immer größer und größer wird die Ablehnung im jüdischen Lager gegen die nationale Bewegung. Ich behaupte, daß der jüdische Nationalismus mehr Schaden als Nutzen gebracht hat Ich behaupte, daß diese Bestrebungen weder für die Orthodoxie noch für die Neologen wünschenswert sind. Und so wie Hofnat Samu Stern anläßlich der Botschaft des Präsidenten der Szegeder Gemeinde*) sagen auch wir: Wir wollen fernbleiben dem jüdischnationalen Gedanken, aber die Pro-Palästinabewe- *) Die Szegeder GemeindedistriktskonTerenz nahm, wie wir berichteten, einstimmig eine Resolution an, daß die ungarische Pro-Palästina-Bewegung aus den Händen der Jüdischnationalen genommen 'werden müsse. D. Red. gung fördern, damit diese nimmermehr als Schildträger jüdischnationaler Bestrebungen diene. Der Weg der ungarischen Juden ist gerade. Dasindwirunddableibenwir. Wer von uns Istvan Hallers Ideologie annimmt, der gehe nach Palästina, der soll dort versuchen, glücklich zu werden. Sie sollen nicht versuchen, die Auswanderung zu propagieren, sie sollen sich selbst dort niederlassen. Wir verabschieden uns von ihnen mit der größten Bereitwilligkeit und wünschen herzlich, daß sie dort glücklich werden. Ich bedauere es lebhaft, daß unser vielgeliebter Präsident in früheren Zeiten meine Befürchtungen nicht ernst genommen hat und die jüdischnationalen Mitglieder in die Gemeinde aufgenommen hat. Jetzt haben sie sich für diese Zuvorkommenheit bedankt Wir ungarischen Juden sind nicht wankelmütig geworden in den letzten zwei Jahrzehnten in unserem Empfinden für das Vaterland. Und wenn unser Gott doch auf uns das furchtbare Unglück kommen ließe, daß gegen Gesetz, Recht und Wahrheit, gegen Humanität und im Gegensatz zur christlichen Tugend sich breit machen würden Blindheit, Borniertheit und Dummheit in unserem Vaterland und uns verdrängen würden aus unserer Heimat: als Bettler, hungernd und verachtet auch, würden wir mit dem ungarischen Hymnus auf unseren Lippen auf die Wanderschaft gehen. Du, mein lieber Freund, hast mit mir zusammen im letzten Jahrzehnt manche Schwierigkeiten durchgefochten. Zu Deinem Ruhme sei es gesagt, Du bist unserem Grundsatze treu geblieben. Tue diese Angriffe mit einer Handbewegung ab, ich lächle ja auch schon im vorhinein, wenn ich daran denke, welche Beschimpfungen mich treffen werden wegen meines Artikels. Gehen wir nur weiter auf diesem geraden Wege, zu dem uns unsere Väter, unsere eigene Achtung, unser Glaube und unser Vaterland verpflichten. Dein treuer Freund „ _Sandür Pal. ■■■■■■■■■MIMIMMPIHiMIIIIHHUi. Cafe Pension Eckstein Semmering Krisis oder Festigung? Als jüngst die neue Welle brutaler Verfolgungen gegen alle NichtnationalsozSalisten das Dritte Reich überflutete, Verfolgungen, die so heterogene Elemente wie feudale Studentenverbindungen und katholisch-religiöse Vereine, den reaktionären „Stahlhelm" und die Juden trafen, fragte sich die entsetzte Kulturwelt nach der Ursache dieser gewaltsamen Erschütterungen des inneren Friedens in Deutschland. Man kam ziemlich allgemein zu dem Schlüsse, daß es den nationalsozialistischen Führern um eine Ablenkung der Volksmassen von der krisenhaften Gestaltung der Lage im Staat, Wirtschaft und Parteil zu tun sei. Ueber diese Deutung entrüstet sich der „Völkische Beobachter". Er nennt die tumultuösen Vorgänge, die in der ganzen Welt so unliebsames Aufsehen erregten, daß im Hafen von N e w- York deutsche Schiffe gestürmt und ihre Hakenkreuzflaggen heruntergeholt wurden und in England sogar Gerüchte von einer beabsichtigten diplomatischen Demarche in Berlin entstanden, ein ..Emstmachen mit der Idee" des Nationalsozialismus und schließt daraus auf die Festigung des Regimes. Er gibt zu, daß es unmöglich gewesen sei, in kurzer Zeit das Wunschbild des Nationalsozialismus auf allen Gebieten des deutschen Lebens restlos in dje Wirklichkeit zu übertragen, tröstet aber seine "Leser mit dem Hinweis, duß durch die weitgehende Konsolidierung der außenpolitischen Lage Deutschlands Kräfte freigeworden seien, „die wir nun einsetzen zu der wesentlichsten inneren Aufgabe: der Arbeit an der Geschlossenheit unseres Volkes." Wenn man als das prägnanteste Symbol der angestrebten „Geschlossenheit" des deutschen Vo1kes die — Konzentrationslager wertet, muß man zugeben, daß der „Völkische Beobachter" recht hat, sogar im buchstäblichsten Sinne des von ihm gebrauchten Wortes. Man wird sich _ also künftig eines anderen Maßstabs bei Bewertung der Vorgänge in Hitler- Deutschland bedienen müssen als bisher. Wenn es dort drunter und drüber geht, darf man dies nicht, wie bei Kulturstaaten, als ein Zeichen innerer Krisen qualifizieren, sondern als eine Konsolidierung des Nazi-Regimes. Wenn organisierte Rowdys mit Mistgabeln wehrlose Badegäste angreifen und die Juden mit dem Aufspießen bedrohen, so ist dies ein Sieg der staaitsbeherrschenden Idee. Wenn die Plakatwände von Berlin und München, wo früher auch von der geschäftlichen Bildreklame eän gewisses künstlerisches Niveau verlangt wurde, jetzt die widerlichen Juden-Karikaturen des „Stürmer"-Streicher zeigen und das Volk „aufklären", daß die deutschen Juden keine anderen Sorgen haben, als arische Mädchen zu schänden, während in Wirklichkeit nationalsozialistische Bonzen sich die zynischesten sexuellen Verfehlungen erlauben dürfen, weil jeder Anzeiger Gefahr läuft* im Konzentrationslager zu verschwinden, so bedeutet dies die Realisierung eines „nationalsozialistischen' W u ns c h b i 1 d e s". Der „Völkische Beobachter" ist sich über die Schwierigkeiten leiner solchen Umorientierung der Kritik im Klaren. Er räumt ein, „daß man Menschen!, die Jahrzehnte lang in fremden Gedankengängen gelebt habein, nicht von heute auf morgen für die Gedanken der Partleä gewinnen könne." Sind doch sogar waschechte Parteigenossen, die Jahrzehnte lang die Hakenkreuz-Ideologtöe theoretisch so gut verdaut haben, daß sie mit Führerstellien betraut wurden, von der Praxis wenig erbaut So äußert sich der stellvertretende Gauleiter von Westfalen1, Emil Stürtz, in der „Westfälischen Landeszeitung" folgendermaßen: ..Die Lösung der Judenfrage fängt nicht be* den Juden, sondern bei uns selber, an. Sie liegt viel mehr im Positiven als im Negativen, mehr im Herzu. rraaenhellbadj iQfzmannsdortl (Durgenland) ■ Mioeral-, Moor- und natürliche Kohlensäuresprudelbäder.;! Billiger Pensionspreis inklusive Heilbäder. Zwei rituelle Res- ■ S taurants. — Auskünfte und Prospekte; Generalvertretung! ■ Wien I., Kohlmarkt 8 TeL U >5-104 : ■Neu: Moorpackungen und Moorkompressen in! j allen Apotheken erhältlich. ■ Strebein nach eigener Vervollkommnung als im Geschreäl über diei Minderwertigkeit des anderen." Besonders folgende Sätze des Artikels sind angesichts der Streicherschen Propaganda bemerkenswert: „Halbfertige und Halbstarke mögen es nötig haben, weil! das die große Mode sein soll, durch die Gegend zu laufen und zu schreien: Der Jude ist unser Unglück! Oder da macht einer in moralischer Entrüstung, weil ein haltloses Weibsbild sich an einen Juden wegwirft, und malt den Fall mit lepischer Breite aus. Daß seine Volksaufklärung hart an die Grenze der Pornographie streift, wird diesem „Menschheitserretter" gar nicht bewußt." Wenn solche Symptome des Ekels über die „Stürmer"-Methodik am grünen Holze des nationalsozialistischen Führertums aufscheinen, dann kann man sich ein Bild von dem Widerwillen breiter Volksschichten], in denen noch die kulturelle Tradition des einstigen Volkes der Dichter und Denker lebendig ist, gegen die unmenschlichen Formet!), des Hakenkreuzterrors machen. Aber was tuts? Herrn Hitler gefällt, was Streicher sinnt und trachtet Bekanntlich wurde'eine Nummer des „Stürmer" behördlich beschlagnahmt und das Blatt sollte für einige Zeit verboten werden, weil es Angriffe auf hochgestellte Partei- und Staatsstellen gebracht hat Hitler hat das Verbot sofort aufgehoben, nachdem sich Streicher verpflichtete, Angriffe auf Partei- und Staatsstellen nicht mehr zu bringen. Dafür exzediert die erste „Stürmer"-Nummer, die nach der Konfiskation erschien, in um so wüsteren antisemitisch - pornographischen Ausschreitungen. Ein mit Namen und Adresse genannter jüdischer Frontkämpfer in Düsseldorf wird als Rassenschänder, ein jüdischer Fabriksdirektor als Brandstifter denunziert, angebliche Beziehungen zwischen einer katholischen Missionsschwester .und einem Rabbiner werden dem Geschmack der Leser mundgerecht gemacht und pikant serviert. Herr Hitler aber denkt nicht daran, ein ihm von wohlgesinnter Seite anempfohlenes Verbot des „Stürmer" auf mehrere! Wochen ins Auge zu fassen. Statt dessen wurde Herr Hinke! mit der Aufgabe betraut die nichtarischen Künstler zu überwachen, damit sie sich nicht „unter falscher Flagge über dä© Hintertreppe wieder einschmuggeln". Hinkel droht scharfes Durchgreifen an, hat auch in einem Oesterreich berührenden Fall bereits „durchgegriffen" und verkündet: „Besonders scharf und hart werden wir die Nichtjuden anpacken, die sich nicht scheuen, sich als Strohmänner für 30 Silberlinge an Juden zu verkaufen. Diesem Zustand wird ein Ende gemacht. Wte uns Anonyme unerwünscht sind, so erst recht Gojnomyme." Das ist die nationalsozialistische Regelung von Angebot und Nachfrage. Weil nach dem Filmen des Herrn Goebbels keine Nachfrage besteht, werden unterdrückte jüdische Künstler unerlaubter Angebote verdächtigt, wird ein Jude auf dem Kurfürstendamm durch Vier Revolverschüsse niedergestreckt, werden jüdische Kaffeehäuser gestlrümt den Juden der Besuch von Gaststätten gestürmt, den Juden der-Besuch von Gaststätten orten vertrieben, jüdische Geschäftshäuser durch Boykott-Posten blockiert, wird die jüdische Gemeinde von Andernach am Rhein gezwungen, die Aufschrift ihrer Synagoge „Wir haben alle nur einen Vater" zu entfernen. Das Ganze heißt: Propaganda zur Festigung des Regimes ... Spazialhaua für Wolle und Strickgarne Moritz Nagel Wien, Z~ Bez., TabonlraAe Nr. 17 Fabriksniederlage. Wirku. Strickmodea Telephon A 49-3-69

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