Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 30 (26.7.1935)
- Date
- 1935-07-26
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 30 — 26. Juli 1935 DIE WAHRHEIT 'S i Jod BromDafl Dad Hall bewährt seit Jahrhunderten bei Erkrankungen der Blutgefäße, Arterienverkalkung, Gelenksrheumatismus, Nervenleiden, bei Stoffwechselerkrankungen, wie Gicht und Erkrankungen der Luftwege Kur-Methoden: Trink- und Bade-, Kaltwasser-, elektrische Kuren und Röntgenbehandlung Mäßige Preise für Logis und Verpflegung Auch räuell-koschere Restaurants „Taschendiebstahl". „Vor Inkrafttreten der scharten nationalsozialistischen Maßnahmen gegen das Gewohnheitsverbrechertum lag der Taschendiebstahl, wenn man so sagen darf, fast ausschließlich in jüdischen Händen." „Im Jahre 1932 wurden in 411 Diebstahlsfällen 193 Juden, das sind 47 Prozent, festgenommen. Dabei sind viele Fälle noch nicht erfaßt und konnten auch nicht erfaßt werden, weil man damals in der Handhabung der Gesetze gegenüber Juden auf höhere Weisung hin recht lax vorgehen mußt e." So viel Worte, so viel Lügen. Daß in ganz Deutschland oder nur in Berlin allein in einem Jahre nur 411 Taschendiebstähle vorgekommen sein sollen, das kann Herr Daluege, in Ermanglung einer preußischen Frau Blaschke, seiner arischen Großmutter erzählen. Es sind also offenbar willkürlich 411 Taschendiebstähle herausgegriffen, an deinen vielleicht tatsächlich 193 Juden beteiligt waren. Schon wieder läßt den tiefschürfenden Forscher sein Gedächtnis im Stich, denn schon im näciisten Absatz seiner Ausführungen spricht er davon, daß im Jahre 1932 in 163 Fällen das Auftreten von internationalen Taschendieben beobachtet werden kann, von denen sogar 82 Prozent Juden (man merke 82 Prozent juden von 163 Fällen) gewesen sein sollen. Die Zahl der internationalen Taschendiebstähle ist also nicht cinmai die Hälfte der Taschendiebstähle in Berlin oder gar in ganz Deutschland. Mitglieder Ind Freunde der „Union" ^£X££3T Sommermonate jeden Mittwoch, ab 8 Uhr abends im reservierten Teil des Restaurant Deutschberger, Prater Äüsstellungsstr. (vis-a-vis dem Lustspieltheater), woselbst auch Gelegenheit zu freier Aussprache gegeben ist, Dem Herrn Generalleutnant ist bei seiner ganzen Statistik ein großes Malheur passiert. Er hat in dem Bestreben; das Dritte Reich von Verbrechern gesäubert hinzustellen, um das erreichte hohe Niveau zu illustrieren, die Zahl der Kriminalfälle mit ganz 1 ä c h e r M ch geringen, offenbarfrei erfundenen Ziffern angegeben. Wenn man die von ihm angegebene Beteiligung der Juden an diesen Krimimalfällen zusammenrechnet, so ergibt sich für Berlin oder für ganz Deutschland eine Gesamtziffer von 400 bis 500 kriminellen Juden für ein Jahr. Das würdie, je nachdem ob die Ziffern sich nur auf Berlin oder auf ganz Deutschland beziehen, kaum 1 pro Mille oder nicht einmal 3 pro Mille der jüdischen Bevölkerung Deutschlands oder Berlins bedeuten. So fällt der Versuch der Rechtfertigung der Judenverfolgungen in Deutschland durch die Kriminalität der Juden kläglich in sich zusammen. Seit dem 30. Jänner 1933 ist es dem neuen Deutschland, trotz aller Bemühungen, nicht gelungen, auch nur ein Verbrechen aufzuzeigen, an dem Juden beteiligt waren, das an die Mordtaten eines Haarmann usw. oder eines Lahusen und Konsorten, an die Reichstagsbrandstiftung oder gar an den 30. Juni 1934 im geringsten herangereicht hätte. Alle Rechtfertigungsversuche werden nichts helfen; die zivilisierte Welt und die Geschichte wird, und zwar ohne jeden Rechtfertigungsgrund, die jetzigen Machthaber Deutschlands schuldig sprechen, daß sie durch die Mißhandlungen ihrer treuen jüdischen Mitbürger den Genius des deutschen Volkes geschändet haben. Dr. H. O. Das Problem der deutschen Flüchtlinge. in der Vorwoche fand in London unter Vorsitz oder als direkte Institution desselben ausgeseines Präsidenten Viscount Cecil of Chelsprochen. w o o d die vierte Session des vom Völkerbund einj)je Gesamtzahl der deutschen gesetzten Verwaltungsrates für die deutschen Fl ü ch t i in ge dürfte Flüchtlinge statt. Der Hochkommissär des Völkerbundes für die deutschen Flüchtlinge, James 80.000 G. MacDonald, der zuletzt eine mehrmonatige übersteigen. Ihre ungefähre Verteilung am 15. Juni Reise durch Amerika gemacht und in den letzten 1935 stellt sich nach dem Berichte von James G. Tagen auch in Deutschland geweilt hat, erstattete MacDonald wie folgt dar: einen hochinteressanten umfangreichen Bericht Ueberseeländer ...... 36.800, u. zw.: über das Gesamtproblem der deutschen Flücht- Palästina ......... 27.000 linge, mit dem wir uns in unserer nächsten Num- U- S. A.........6.000 mer noch ausführlich befassen werden. Die Tagung Südafrika 3 300 hatte den Zweck, zu prüfen, was bisher zur Lösung Andere Ueberseeländer . . . 500 des schwierigen Problems getan worden ist und Repatriiert in mittel- und ostwas noch zu tun übrig bleibt; außerdem sollte die europäischen Ländern . . . 18.000 Gelegenheit ergriffen werden die endgültige Sreich' '. So Liquidierung des nochkommissana- Holland .........4.000 tes fü r die deutschen Flüchtlinge, die England ......... 2.500 Ende dieses Jahres erfolgen soll, sowie die Unter- Spanien .........2.000 Stellung der Fürsorge für diese Flüchtlinge unter Cechoslowakei.......1.600 , ° i7-,i i , , Italien..........1.100 einer neuen, direkt vom Volkerbund kon- Skandinavische.Länder .... 1.000 t r o i 1 i e rt e n O rga n isa ti on vorzubereiten. Oesterreich........ 900 Es ist klar, daß das Flüchtlingsproblem — es Belgien . . ,....... 600 existiert bekanntlich ein solches nicht nur für die And*™2 uro LäridlJoo deutschen, sondern auch für russische, armenische n ere europn er . . . . und assyrische Flüchtlinge — durch eine private Die gegenwärtige Verteilung ist weit davon ent¬ Organisation nicht gelöst werden kann. Nur unter fernt, befriedigend zu sein, aber sie bedeutet einen der Patronanz des Völkerbundes kann gewissen Fortschritt gegen früher. Immerhin bleibt dieses schwierige Problem, wenn überhaupt, einer Roch z" lösen das Problem der Unterbringung von Lösung zugeführt werden. Im vergangenen Februar etwa ^-OOO von den 80.000 deutschen Flüchtlingen, hat die e n g 1 i s c h e R e g i e r u n g auf Anregung von denen sehr viele .infolge der Verweigerung von von Lord Ceci! die Initiative nach dieser Richtung Aufenthalts- und Arbeitsbewilligungen am Rande ergriffen, am 27? Juni die norwegische Reder Verzweiflung stehen. g i e r u n g das Völkerbundsekretariat ersucht, das Mit besonderen Lobes Worten äußerte sich Flüchtlingsproblem auf die Tagesordnung der Sepjames G. MacDonald in seinem Berichte über die tember-Session der Völkerbundversammlung zu finanziellen Leistungen für die bedauernswerten setzen, und die Schaffung einer einheitlichen zen- Opfer des deutschen Rassenhasses. Seit April 1933 tralen Organisation des Hilfswerkes für Flüchtwurden in den verschiedenen Ländern linge in Genf unter den Auspizien oder innerhalb . ',. . des Völkerbundes vorgeschlagen. Der Verwaltungszwei MlI,,t»ien Pnind rat für die deutschen Flüchtlinge hat sich ebenfalls gesammelt und unter die Flüchtlinge verteilt. Den für die Schaffung einer solchen internationalen Eingrößten Teil dieser horrenden Summe brachten heitsinstitution für sämtliche Kategorien der jüdische Körper.schatten auf. Allein die Flüchtlinge unter der Kontrolle des Völkerbundes englischen Juden sammelten eine halbe Million Pfund, die amerikanischen Juden zirka 600.000 Pfund, erhebliche Beiträge leisteten die französischen, holländischen und dänischen Juden. Die Refuge Economic Corporation, eine Schöpfung amerikanischer Juden, verfügt jetzt über ein eingezahltes Kapital von 1,250.000 Dollar, die Leitung der Corporation, an deren Spitze Felix M. Warburg steht, hofft, das Kapital auf die. Höhe von zehn Millionen Dollar zu bringen. Diese Organisation arbeitet gemeinsam mit gleichstrebenden Organisationen in Paris, Amsterdam und Prag an der Seßhaftmachung jüdischer Flüchtlinge. Hochkommissär James G. MacDonald berichtete noch ausführlich über seine Verhandlungen mit den süd- und zentralamerikanischen Regierungen betreffend Unterbringung einer gewissen Anzahl von Flüchtlingen in deren Ländern. Ueberall in Süd- und Zentralamerika bestehen Einwaadeningsbeschränkungen, aber in den meisten Ländern ist die Lage eine solche, daß für Flüchtlinge Ausnahmen gemacht werden können. Besonders weitherzig ist in dieser Hinsicht Columbia. Eine Repatriierung derjenigen Deutschlandflüchtlinge, die nirgends ein Unterkommen finden kbnnten, ist wegen der unnachgiebigen Haltung der deutschen Regierung und ihrer Unversöhnlichkeit gegenüber den Rückkehrern unmöglich. Die deutsche Regierung läßt die R ü c kkehrer verhaften und in „Schulungslager" unterbringen. Besonders trist ist die L a g e d e r S t a a t e nlosen, deren Zahl sich infolge der vielen Ausbürgerungen in Deutschland um mehrere Tausend erhöht hat. Nach wie vor setzen die Regierungen ihre rigorose Praxis gegenüber den Staatenlosen fort und weigern sich, deren Aufenthaltserlaubnis über die Gültigkeitsdauer des Ausweises hinaus zu verlängern. James G. MacDonald schloß seinen Bericht mit der Wiederholung jener Feststellung, die Lord Cecil bei der Eröffnung der Tagung vorgenommen hat: Das, was in Deutschland unschuldigen Menschen angetan worden ist, bedeutet eine Herausforderung an die Zivilisation. Deutschland hat diese Herausforderung im letzten Jahre erneuert und leider wurde sie bis jetzt von der Welt nicht in fairer Weise beantwortet. Gefräßigkeit der braunen Bestie. Neben den Katholiken und Juden kommen im Dritten Reich jetzt auch solche Schichten zum Handkuß, die es sich nie hätten träumen lassen, einmal irgendwelcher „Konspirationen mit dem Weltjudentum" verdächtigt zu werden. Dies passierte aber jüngst sogar dem hochfeudälen Heidelberger Korps der Saxo-Borussen. Es wurde aufgelöst, weil in seiner Mitte Zweifel laut wurden, ob der Führer richtig Spargel essen könne. Herr Hitler geriet darob in solche Wut, als ob jemand seine Befähigung im — Judenfressen bezweifelt hätte . . Man erkennt daraus, wie vielseitig der nationalsozialistische Appetit orientiert und wie verfehlt die, Hoffnung rivalisierender Schichten ist, ungefressen zu bleiben, weil gerade der andere gefressen wird. Ausbau des Judenviertels von Saloniki. Die griechische Regierung erklärt, daß sie für Ausbau und Erweiterung des Judenviertels von Saloniki^ 10 Millionen Drachmen zur Verfügung stellen werde. Irland braucht kein antisemitisches Blatt. Die Wochenschrift „Aontas Gaedheal Weekly Post", die erste antisemitische Zeitung des Irischen Freistaates, die die Schaffung einer antisemitischen politischen Partei im Freistaat Irland und die Ausschaltung der Juden aus dem öffentlichen Leben des Landes propagiert hat, hat ihr Erscheinen nach fünf Wochen infolge Interesselosigkeit des Publikums einstellen müssen.