Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 30 (26.7.1935)
- Date
- 1935-07-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Nr. 30 — 26. Juli 1935 Seite 3 HERRENKLEIDERSALON S. FROST III., Landstraße Hauptstraße 28 Telephon U U-2-72 bringt den modernen Hochsommer-Anzug für den eleganten Herrn Feine Maßarbeit — Beste Ausführung — Billigste Preise Der Vergleich mit dem Apfel und der Birne mag der „Stimme" eingefallen sein, weil sie in den sauren Apfel beißen mußte, meinen Artikel widerlegen zu müssen, ohne es zu können, daher macht wohl auch ihre Widerlegung nur auf einen A-B-C- Schützen Eindruck. Eines nur möchte ich mit allem Nachdruck zurückweisen: die Insinuation, als suchte mein Artikel eine zionistische Gruppe gegen die andere zu hetzen. Nichts liegt und lag mir ferner, mir und jedem Führer oder Anhänger der Union Österreichischer Juden. Wir sehen nicht auf Personen und nicht auf Parteien und nicht auf Gruppen, nicht auf Auszeichnungen, nicht auf Mandate, nicht auf Ehren und Würden. Wir sehen nur auf das Wohl und Wehe der Juden in der Welt und vor allem selbstverständlich der Juden in Oesterreich. Und aus unserer Sorge um das Wohl und Wehe der Juden in Oesterreich und nur aus dieser ergibt sich unsere Haltung gegen die .Jüdischnationalen aller Richtungen. Wir sehen mit Trauer im Herzen, daß die Ideologie der Jüdischnationalen, die sich auffallend oft mit der der Nationalsozialisten berührt, viele Juden in Oesterreich, bzw. in der Welt überhaupt, dahin gebracht hat, den Schwerpunkt des jüdischen Lebens und Wirkens außerhalb Oesterreichs, bzw. außerhalb ihres Vaterlandes zu suchen, und daß Palästina für die Juden Oesterreichs, bzw. der ganzen Welt niemals eine derartige staatspolitische oder weltpolitische, ja auch nur rein wirtschaftliche oder soziale B edeutung erlangen kann, welche eine seelische, geistige oder auch nur gesamtphysische Selbstentwurzelung rechtfertigen könnte. Deshalb unser Kampf um die Bewahrung und Erhaltung der Wurzeln unserer Kraft in Oesterreich gegenüber Bestrebungen, die sich letzten Endes nur als Phantom, als Wunschtraum und als Fata morgana darstellen. In Tautropfen spiegelt sich das Weltall: Der Selbstmord des Wiener Zahnarztes Dr. Karl P., eines begeisterten Zionisteh aus der ersten Zeit des Zionismus, der im Alter von 64 Jahren aus Palästina vor einigen Tagen nach Wien kam, um sich hier aus EnttäuschungüberPalästina zu erschießen, sollte zu denken geben. Dr. Maximilian S t i g 1 i t z. Generalleutnant Daluege über „Kriminalität unä Judentum' Die Ausführungen des Herrn Generalleutnants Da Luege (der Name ist ein Programm) über „Kriminalität und Judentum", die wir dem Berichte der „Frankfurter Zeitung" entnehmen und mit denen die Judenverfolgungen im Reiche begründet werden sollen, müssen niedriger gehängt werden. Die Statistik ist die Lehre von den großen Zahlen; und auch von diesen großen Zahlen sagen die Engländer": „Es gibt Lügen, es gibt Notlügen und die Statistik. VWas aber-Herr Daluegevorbringt, um die Judenverfolgungen in Deutschland zu „begründen", ist das, was er, um gegen die Juden zu hetzen, ihnen besonders zur Last legt: der unverhüllteste Volksbetrug. Man muß kein fachlich gebildeter Statistiker sein, um die plumpe Spielerei mit den Zahlen aufzudecken und festzustellen, daß Daluege mit den Zahlen jongliert, wie es ihm paßt, um etwas zu beweisen, was er offenbar nicht beweisen kann, daß nämlich die Kriminalität unter den jüdischen Deutschen eine verhältnismäßig größere ist als in den christlichen Kreisen der deutschen Bevölkerung. Vor allem'läßt der Herr Generalleutnant die sogenannten Blutdelikte überhaupt aus, ebensodiesexuelle n'V e rbrechen, wiewohl das nationalsozialistische Dogma den Juden einen besonderen Hang zum Mord, Totschlag, Raub, Blutschande, Notzucht usw. andichtet. DesgleichenfehltdieimDritten Reiche so verbreitete Homosexualität. Auch von Hoch- und Landesverrat wird nicht gesprochen. Die regste Phantasie des Herrn Daluege vermochte da die Ergebnisse der Statistik nicht umzudrehen. Auch ah die Brandstiftung durch Juden hat sich der neue Forscher auf dem Gebiete der Kriminalistik nicht "herangewagt. Der große Kriminalist wagt, kaumeinJahr nach dem 30. Juni 1934 in .Deutschland und gerade ein Jahr nach dem 25. Juli inOesterreich,folgendes vor der versammelten deutschen Presse zu behaupten, ohne daß sich ein mutiger Mann fand, der,'ihm ins Gesicht gelacht hätte: „Nachdem das Berufsverbrechertum durch die nationalsozialisrischen Methoden als zerschlagen bezeichnet werden kann, wendet sich unsere Aufmerksamkeit nunmehr dem gemeingefährlichen, berufsmäßigen Betrüger zu, einem Kreis von asozialen Elementen, der mehr in der Stille unter der Oberfläche arbeitet, der aber mindestens die gleichen Schädigungen der Volkswirtschaft verursacht wie. der erstere. Ich denke dabei nicht an große Betrugsaffären, die im heutigen Deutschland nicht möglich sind (!). Ich denke dabei an jene unzähligen „kleineren Fälle"; m denen ein raffinierter Betrüger die Vertrauensseligkeit unerfahrener Volksgenossen ('. der unbeabsichtigte Lapsus spricht wie so oft aus dem Unbewußten die Wahrheit; nach der Phraseologie des Nationalsozialismus gehören doch die Juden bei- Heiraten?? Den idealen jüdischer* Lebensgefährten finden Sie schnell und sicher durch Die indische Heirafszeltang Prag xix.. soborskA 8, CSD. Weiteste Verbreitung im In-- und Ausland. Reichste Auswahl an Ehegesuchen, Einheiraten etc. Prospekt nur geg. Rückporto,, neueste Probenummer Kc 4—, Ausland 2 internation. Antwortscheine leibe nicht zu den Volksgenossen) ausnutzt, um ihnen ihre fetzten Spargroschen zu nehmen und sie zur Verzweiflung zu bringen." Herr Daluege berichtet dann, daß es im Dritten Reiche gelungen ist, die Zahl der Betrugsfälle im Jahre 1934 in der Reichshauptstadt gegenüber 1933 von 31.000 auf 18.000 herabzudrücken. Und jetzt kommt die ohne jeden Beweis hingestellte Behauptung, „daß ein beträchtlicher Teil, wenn nicht der größte dieser betrügerischen Manipulationen immer noch durch — Juden getätigt wird". Was führt Herr Daluege als Beweis für diese unwahre Behauptung an? „In 32 (sage und schreibe zweiundd'reißig) . sogenannten ,S t o ßfirmen', mit denen sich das Betrugsdezernat des Berliner Polizeipräsidiums eingehend beschäftigte, sind 20 Juden (sage und schreibe zwanzig) — teils durch ihr eigenes Bekenntnis, teils aus ihren Geburtspapieren — als beteiligt festgestellt." Also aus 18.000 Berliner Betrugsfällen d'es Jahres 1934 greift der Herr Generalleutnant 32 willkürlich heraus, an denen 20 Juden beteiligt gewesen sein sollen. Warum sagt Herr Daluege nicht, wieviel Juden an den 18.000 beteiligt waren? Dann erzählt der Herr Generalleutnant, der Befehlshaber der deutschen Polizei ist, von einem großangelegten Versicherungsbetrug, «an dem siebzig galizische Betrüger „mit ihrem ganzen Anhang von Söhnen und Töchtern, Schwägern und Vettern" beteiligt gewesen sein sollen. Diese zwei Angaben, die zwanzig Juden, die bei den 32 „Stpßfirmen" mitgewirkt haben, und die siebzig gafizischen Betrüger bilden das ganze Beweismaterial dafür, daß „je mehr man sich mit dem Fragenkomplex der sogenannten Berufsbetrüger beschäftigti diesto öfter die Feststellung, daß das kriminelle. "Element beim Juden beweine Tube S —SO Große Tube 8 1-4Q sonders stark vertreten ist". Also 20 und 70, insgesamt 90 jüdische Betrüger, von denen nach eigener Feststellung ein Teil nicht in Deutschland wohnt, genügen dem militärischen Forscher auf dem Gebiete des Zivüstrafrechts, um d e n 500.000 deutschen Juden den Hauptanteilanden 18.000 in Berlin vorgekommenen Betrugsfällen zum Vorwurf zu machen. Aber „die jüdische Hauptdomäne in krimineller Beziehung ist und bleibt der Rauschgift- " Schmuggel". „Wir haben festgestellt, daß im Jahre * 1931 von 272 internationalen Rauschgif thändlern 69, also 25 Prozent, Juden waren". Der Befehlshaber der deutschen Polizei will den Vertretern der Presse, vor denen er diese Angaben gemacht hat und die sicher Habtacht vor ihm standen, weis machen, daß es im Jahre 1931 nur 272 Rauchgiftfälle gegeben hat, die durch das Bemühen der internationalen Polizeibehörden festgestellt wurden. Der internationalen Rauschgiftkonvention sind nämlich alle Staaten der zivilisierten Welt beigetreten. Für das Jahr 1935 wird die Beteiligung der Juden an internationalen Rauschgiftfällen nur mehr mit 13 Prozent angegeben. Aber Lügen haben kurze Beine. Das sollte auch Herr Daluege wissen. Er will dann nämlich die Beteiligung der Juden an den inländischen Rauschgiftfällen feststellen und gibt an, daß im Jahre 1930 in 210 inländischen Rauschgiftfällen 42 Juden verwickelt waren, das sind 24 Prozent. Glückliches Deutschland, das im Jahre 1930 auf eine Bevölkerung von zirka 65 Millionen nur 210 Rauschgiftfälle hatte, was aber immerhin im Verhältnis zu den Rauschgiftfällen in der ganzen Welt von 272 einen 80prozentigen Anteil bedeutet. Offenbar sind die „Rauschgiftfälle" in Deutschland so selten, weil die Führer ä la Daluege die i vorhandenen Narkotika — die sie sich hoffentlich nicht im Schleichhandel besorgen — für ihr öffentliches Auftreten benötigen, um ihre Zuhörer in einen entsprechenden Rausch zu versetzen und um ihre Besinnung zu bringen. Haben wir früher gehört, daß die jüdische „Hauptdomäne" der Rauschgiftschmuggel ist, so müssen wir kurz danach vernehmen, daß „ein Haupttätigkeitsgebiet der jüdischen Kriminalistik das Falschspiel und verbotene Glückspiel ist." 1933 waren lln 94 Falsch- und Glückspielaffären 57 Juden, also 60,6 Prozent, festgenommen worden. Wir können dem Dritten Reich nur Glück zu seinem „Falschspiel" wünschen, das in gamiz Deutschland (oder in Berlin allein) nur in 94 Fällen festgestellt wurde. In diesen 94 „Affären", an denen natürlich tausende von Personen beteiligt! gewesen sein, können, sind 57 Juden festgenommen, das heißt verhaftet worden. Wenn die Ziffern überhaupt stimmen, so sagen sie gar nichts, weil es doch höchwahrscheinlich ist, daß der Befehlshaber der Polizei a 11 e beteiligten Juden verhaften ließ. Es wird also nicht nur mit Ziffern, sondern auch mit Worten und Begriffen, 94 Falsch- und Glückspiel äff ären, 57 festgenommene Juden, also 60,6 Prozent, jongliert Dieses falsche Spiel ist zweifellos verwerflicher als das mit Karten und Würfeln, denn hier dreht es sich um die höchsten Güter, die Ehre von Menschen und Menschengruppen, um ihre Freiheit und um ihr Leben. Noch ein Hauptgebiet der „jüdischen Kriminalität" hat deir Herr Generalleutnant entdeckt, den