Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 29 (19.7.1935)
- Date
- 1935-07-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Nr. 29 — 19. Juli 1935 Seite 5 ift^M' W** W Fl [odrasvorhänge (3rtg-) Iberwurfe. * BaneUdeckenlkompl-i) Velour'öufer p. m I SpoHbUUge Mobe.stoffr.ste usw., ab 2.95 ab 19.- ab 3.40 ab 8 52)KKASION BEIM SCHEIN usw. AM BAUERNMARKT KOMMT UND KAUFT! .Prosperität" in Palästina. Von Peregrinus. Die Leiden der Danziger Juden. Das/jüdische Organ „D a n zig e r E eh o", dessen Chefredakteur Theodor L ö w y kürzlich aus Danzig ausgewiesen wurde (die Zeitung selbst unterlag in der letzten Zeit wiederholt grundlos der Beschlagnahme, wogegen beim - Senat Beschwerde erhoben wurde), führt in seiner letzten Nummer u. a. aus: . Es mehren sich die Anzeichen, daß von gewisser Seite die gegenwärtige schwere Wirtschaftslage der Freien Stadt dazu benutzt wird, um eine neuerliche antisemitische WelleüberdasLand gehen zu lassen. Ganz unzweideutig versucht diese Hetze, die Schuld an der Krisenlage dem jüdischen Bevölkerungsteil zuzuschieben. Das Blatt zitiert folgende Aeußerung des Gauleiters Forst er, politischen Leiters der Danziger NSDAP, in Mariensee: „Unsere Gegner wissen genau, daß sie Danzig politisch nicht mehr beikommen können, und versuchen es daher mit wirtschaftlichen Mitteln. Wenn bei einem Juden 250.000 Gulden in Gold gefunden wurden, so können wir sicher sein, daß es zahlreiche ähnliche Fälle gibt Angesichts dieser Gefahren müssen wir an die Danziger Bevölkerung die Frage richten: Wollen wir an •wirtschaftlichen. Dingen zugrunde gehen?" ,.Danziger Echo" erklärt dazu; „Wir kennen dieses Symptom. Es ist das bewährte Sündenbock- System, das wieder einmal — wie so oft in der Geschichte — herhalten soll, wenn wirtschaftliche Not und soziales Elend sich ausbreiten und man sich keinen anderen Rat weiß. Der Antisemitismus soll wieder einmal das Ventil spielen angesichts der sich verstärkenden Unzufriedenheit . . . Herrn Forster möchten vjjrr sagen: Mögen die Schätze in jüdischen KeHerngjfür ihn agitatorisch-politisch auch eine schier unerschöpfliche Goldgrube sein, so dürfte doch das darin gefundene „Gold"" keineswegs geeignet sein, die Währungslage der Freien Stadt zu bessern. Mit dieser Schatzgräberei wird Herr Forster der Danziger Regierung wohl kaum einen guten Dienst leisten. Denn wenn etwas geeignet ist, die Wirtschaftskrise Danzigs noch weiter zu verschärfen, dann sind es eben die Verdächtigungen, und Beleidigungen des Herrn Förster, gegen die man. ja wehrlos ist, die aber den Danziger Wirtschaftskreisen jede Betätigung in der Freien Stadt endgültig verleiden müssen. Wir brauchen hier nicht besonders hervorzuheben, daß es gerade der jüdische Bevölkerungsteil. Danzigs ist, der unter der gegenwärtigen Krise besonders zu leiden hat_____Aber es geht gar nicht-um wirtschaftliche Probleme, sondern nur darum, die Aufmerksamkeit der Bevölkerung von den eigentlichen Ursachen der gegenwärtigen Depression in Danzig abzulenken." Zu Hause hört man's anders. Der Londoner „Manchester Guardian" berichtet, daß die deutschen Nationalsozialisten in England eine starke Aktivität entfalten und sich zuletzt sogar den Leiter des Rassepolitischen Amtes der NSDAP Dr. Groß zu einem Vortrag haben herüberkommen lassen.' Es hatten sich zu demselben etwa 500 Personen, hauptsächlich weibliche Hausangestellte, Kellner, aber auch Ladeninhaber und Handwerker, eingefunden. Dr. Groß und der Londoner Naziführer Dr. Bene wurden mit „Heil Hitler" begrüßt. Dr. Bene überbrachte die Grüße des deutschen Botschafters Hoesch und des Ersten Botschaftsrates Fürsten Bismarck. (Bekanntlich sollte im Jahre 1933 Fürst Bismarck wegen seiner jüdischen Abstammung mütterlicherseits aus seinem Amt entfernt werden, aber das Auswärtige Amt mit Dr. Neurath an der Spitze konnten dies verhindern.) Dr. Groß, der in Deutschland eine scharfe judenhetzeriische Sprache zujühren gewohnt ist; suchte sich in London zu mäßigen. Rassismus, sagte-er, sei nicht identisch mi't-A n t i s e m i t i s m u s; zu f ä 1- (!!) sei-die rassische Minderheit in Deutschland jüdisch, sie hätte ebensogut japanisch oder der Neger.ras«e zugehörig sein können. Die--Juden Politik des dritten Reiches habe mit Haß und Verfolgung nichts zu tun. Die Behauptung; das Dritte. Reich beraube die Juden ihrer Existenz- ■möglichkeit,-sei Lüge.'Zweifeilos habe die' Rasse n p o Ii t i k manche Tr;ägödieTi"zur Folge, aber dai :. sei; q i oh t \ zW. v e rraei d e ri .. Es sind in dem der jüdischen Siedhing bisher allein offenstehenden, an sich kleinen Gebiete Westpalästina heute schon mehr als hundert jüdische Bauerndörfer von sehr verschiedenem Umfange vorbanden, die weitaus größere Zahl davon nicht älter als ein Dutzend oder fünfzehn Jahre. Auch die neuesten weisen auf eine gedeihliche Fortentwicklung hin. Die Schwierigkeiten, die Klima und Boden der Landwirtschaft entgegensetzen, werden durch planvolles Vorgehen bei der Anlage überwunden. Das Wichtigste ist die Verteilung des Wassers; bereits~naben die Entsumpfungsmaßnahmen eine wesentliche Einschränkung der Malariaherde zuwege gebracht, wenn leider auch die starken Regengüsse des letzten Winters in manchen Bezirken die trockengelegten Flächen wieder: überschwemmten, so daß neue Ausbreitung der Krankheit befürchtet wird. Den Bebauern selbst steht wohl selten viel Kapital zur Verfügung, oft beginnen sie blutarm auf ihrer Scholle, doch die Siedhingsgenossenschaften erhalten aus dem Jüdischen Nationalfonds Kredite für die Melioration des Bodens. An vielen Stellen steigen die Wassertürme aus der Erde, die dem Siedler sein .unentbehrliches Hilfsmittel sichern. Es muß bisweilen aus großer Tiefe erbohrt werden. Man hört manchmal schon davon reden, daß sogar menschenleere Gebiete, wie die „Wüste Juda" beim Toten Meere, durch Bohrungen in fruchtbares Land umgeschaffen werden könnten, was einstweile phantastisch klingt Hart ist die Arbeit und der Ertrag reicht gewöhnlich nur für die Notwendigkeiten des Lebens hin. Besonders unter den Landarbeitern, wo der Sozialismus viele Anhänger findet, ist bestimmend die Idee, mit eigenen Opfern möglichst vielen noch in der Ferne weilenden Stammesbrüdern eine Existenz im Gelobten Lande zu gewähren, nicht aber schwebt es als Ziel, vor, jedem diese Existenz besonders behaglich auszugestalten. Temtthnlc 9<rä1iwUirer speisen VerzflglKk im Restanrant notel Stefanie vormals Opeter II., Taborstraße 12, Tel. B 4« 5 $1 tarnte Ausgiebige Brafen-MenQs S 1.60 mm» \\ff J „ OeflOgel- „ 3 Z20 IkV J sowie a la Carte, Speisen am Rost / Schöner staubfreier Garten In den drei bedeutenderen Städten träft man die gleiche Intensität der Arbeit Hier hält sich der weitaus größte Teil der im Lande lebenden Juden auf. Die israelitische Bevölkerung von Palästina ist bei dem Tempo der Zuwanderung in den letzten Jahren jetzt auf 300.000 oder noch höher zu schätzen, "• aber von der B ebauung der Erde leben wohl nicht mehr als zehn Prozent, die übrigen sind Städter. In allen drei Zentren besteht eine überstarke Bautätigkeit die kaum ausreicht, um den neuen zuströmenden Einwanderern Wohnungen zu mäßigem Preise zu schaffen, die Mieten sind verhältnismäßigt hoch. Daß nun so viele Einwanderer in die Städte einströmen, findet keineswegs den Beifall aller Juden, ganz besonders nicht den der ländlichen Siedler, die in ihrer Arbeit die sittlich wertvollere, für die Zukunft entscheidende erblicken. Auf dem Lande fehlt es an der ausreichenden Anzahl jüdischer Arbeiter, man muß arabische Taglöhner einstellen, ja, es ist eine keineswegs unbeträchtliche Einwanderung aus den angrenzenden arabischen Ländern zu verzeichnen. Vielen Zionisten macht diese ganze Entwicklung große Bedenken, zumal da eine ungesunde Spekulation in Grundstücken die unausbleibliche Folge ist Man hört von ansehnlichen, innerhalb kurzer Zeit erzielten Ge- Die „Nationalsozialistische Parteikorrespondenz", eine -halboffizielle Presseinstitution, macht allen Ernstes den Vorschlag, den Juden unter Androhung dextlfodesstrafe zu verbieten, Nichtjuden äIa.Mieter oder Untermieter aufzunehmen "und nichtifidiscb.es Hauspersonal zu beschäftigen. Gleichfalls mit Tod sollen jüdische Aerzte und Rechtsanwälte bei Betreuung von Nichtjuden bestraft, werden." * - : In einem Aufsatz in der Zeitschrift des Reichsverbandes deutscher Schriftsteller „Der Schriftsteller" schreibt der Reichsverbandsleiter Götz Otto Stoff reges unter anderem, daß nach einer. dreimaligen Aenderung' der Nichtarierbestimmüngen insgesamt 1638 deutsche; Schriftsteller wegen jüdischen Bluteinschlages aus dem Reichsverband deutscher Schriftsteller ausgeschlossen. Winnen und die Käufer sollen sich die Bauplätze und die im Bau begriffenen Häuser aus der Hand reißen. Dabei scheint auf den Banken noch viel ungenutztes Kapital auf Anlage zu warten. Es liegt nahe, zudenken, daß alles dies kein gutes Ende nehmen werde und mancher Ideallst meint sogar, je bälder der Krach komme, desto besser sei es für die Gesundung. Vorläufig überdeckt die Prosperität die Spannungen, deren Vorhandensein erst kürzlich offenbar wurde, als sich der revisionistische Flügel oifen von der im Lande den Ausschlag gebenden Zionistischen Partei lossagte. Der Anhang der Revisionisten scheint stärker zu sein als zugegeben wird, besonders auch unter dem nationaljüdischen Nachwuchs in Mitteleuropa. In einer Krisenzeit würde vermutlich auch der Gegensatz zwischen der stark sozialistisch beeinflußten Landarbeiterschaft und dem die Städte vorwärts treibenden hochkapiitalistischen Geiste hervortreten. Die Revisionisten behaupten auch, daß die Zionistische Partei zu willfährig gegen die englische Landesverwaltung sei, es ist aber schwer einzusehen, wie die Juden ohne ein enges Einvernehmen mit den Engländern in Palästina weiterkommen oder sich auch nur behaupten sollten. Ohne Enttäuschungen kann es dabei nicht abgehen, denn England muß außer an die Juden auch an die Mohammedaner des Landes und an die draußen bis hin nach Indien denken. Nicht zu verkennen ist daß für ein kleines, gänzlich unfertiges Volk, ,dejm zu wünschen wäre, daß es Hunderte von Jahren fern aller großen Politik und den Vorzimmern der Kabinette seinem inneren Auibau leben könne, die Bindung an eine Weltmacht mit Gefahren verknüpft ist Doch ist kern anderer Wer sichtbar, und der bloße Gedanke, . daß England einmal Gründe finden könnte, auf das Palästina-Mandat zu verzichten, muß bei den Juden lebhafte Besorgnisse hervorrufen. Einstweilen ist die arabische Bevölkerung in West-Palästina noch mindestens doppelt so stark wie die jüdische. Das historisch und geographisch zu Palästina gehörige Land östlich vom Jordan ist ein arabisches Emirat in dem die jüdische Siedlung keinen Fuß fassen könnte. Mit etwa 26.000 km2 Fläche ist West-Palästina etwas kleiner als Belgien, das siebenmal soviel Einwohner zählt. Größer und in vielen Teilen gleichfalls anbaufähig ist das Ostjordanland, aber wird es sich den Juden öffnen? Schwere arabische Ausschreitungen, wie sie vor einigen Jahren erfolgten, wird hoffentlich die Regierung durch bessere Vorsorge rn Zukunft verhindern. Indessen verfügt das Arabertum, das gleichfalls in eine Periode des nationalen 'Aufschwungs eingetreten ist, auch über politische Druckmittel. Eine wirkliche Beherrschung Palästinas durch die Juden würde den größeren arabischen Ländern, Aegypten, Syrien, dem Irak, der Halbinsel Arabien das Mittelstück fortnehmen, durch das sie zusammenhängen. Es wird hie und da von einem „semitischen" Gemeinschaftsreich gesprochen, in dem Juden und Araber friedlich miteinander leben werden; man sieht einstweilen nicht gerade viele Spuren einer solchen Gemeinschaft. Die Erfolge des jüdischen Siedlungswerkes sind groß, nur dürfen sie nicht zu Illusionen führen; denn für die Welt bleibt die Judenfrage bestehen. Um ihren Fortfall zu bewirken, ist Palästina viel zu klein; auf der Erde gibt es nach fachmännischen Schätzungen 15 bis 16 Millionen Juden. Ihre Lage wird durch den wachsenden Nationalismus und die tiefen Veränderungen in den wirtschaftlichen Strukturen immer prekärer. Es wäre verhängnisvoll, wenn man glauben wollte, daß diese Menschen abwandern könnten, da sie ja in Palästina Lebensraum fänden. Es wird auch weiterhin viel Nachdenken und guten Willen auf allen Seiten brauchen, um das Problem einer europäischen und christlichen Lösung näher zu bringen. („Neue Züricher Zeitung".) wurden, damit sei ihnen die Möglichkeit, durch schriftstellerische Arbeiten ihren Lebensunterhalt zu verdienen, überhaupt genommen worden. Weiteren 1500 Aufnahmegesuchen von Schriftstellem, die nicht rein arischer Ahstammung sind, sei nicht Folge gegeben worden. Die Wirkung seiner Hetzpropaganda illustriert der „Stürme r" selbst in einem „Jüdische Brutalität" überschriebenen Artikel, in weichem erzählt wird, daß der „Jude Michael Früh" in der „Mannheimer Synagoge" in Fürth einen Nichtjuden „niedergeschlagen'^ hat Wie. kam der Nichtjude in die Synagoge? Der „Stürmer^ antwortet: „Scheinbar war er vom Juden Früh irgendwie begaunert worden und ging in seiner Verzweiflung in die Synagoge, um dessen Jüdisches Herz1 zu erweichea" Zwischen den Zeilen des „Stürmer^-Artikels kann man genau herauslesen,, daß es Aus der braunen Hölle.