Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1935-07-19 · Heft 29 (19.7.1935) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 29 (19.7.1935)
Date
1935-07-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3062972-3064555-3064583--20287-3085516
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 4 Nr. 29 — 19. Juli 1935 DIE WAHRHEIT Mitglieder und Freunde der ^^S*S!l Sommermonate jeden Mittwoch, ab 8 Uhr abends im reservierten Teil des Restaurant Deutschberger, Prater Äusstellnngsstr. (vis-a-vis dem Lustspieltheater), woselbst auch Gelegenheit zu freier Aussprache gegeben ist. 11.11 Mißstände im Beerdigungswesen der Wiener Kultusgemeinde. Von einem Mirgliede der Chewra Kadisdia. Ohne jeden besonderen Auftrag und nur meinem tiefen Empfinden gemäß, sehe ich mich genötigt, die Oeffentlichkeit anzurufen, um Mißstände, die sich im Beerdigungswesen der Kultusgemeinde eingenistet haben, zu beseitigen. . In den meisten jüdischen Gemeinden des In- und Auslandes wird die Erfüllung des letzten Liebesdienstes, den wir unseren Glaubensgenossen erweisen können, der Chewra Kadischa, dem heiligen Verein, überlassen. Auch die Wiener Chewra Kadischa, aus dem religiösen und seelischen Bedürfnis entstanden, den Mitmenschen im Leben und auch, noch im Tode zu dienen, hat diese Aufgabe jahrhundertelang erfüllt. Gerson Wolf führt ihre Gründung auf das Jahr 1320 zurück. Ihre schriftlichen Statuten, nicht aber ihre Tradition, die viel weiter zurückreicht, stammen aus dem Jahre 1764 und bestehen, wie der verewigte Rabbiner Dr. Adolf Schmiedi sagte, „aus 40 wohlerwogenen, durch innigste Pietät diktierten Paragraphen". a$n> Bei der anläßlich der Gründung der Wiener Kultusgemeinde erfolgten Ülbertragung des Beerdigungswesens hat niemand annehmen können, daß der Grundzug des Wesens, der den heiligen Verein, die Chewra Kadischa, beherrscht, d i e Pietät, verloren gehen und im Bürokratismus und Fiskalismus fast restlos versinken würde. Tatsächlich haben sich auch in den vielen Jahren, in denen die unionistische Majorität die Kultusgemeinde verwaltete, keine Beschwerden ergeben. Erst seit der Herrschaft der Jüdischnationalen wird dieses „Ressort" so verwaltet, daß der möglichste Er trag erzielt wird; jede Beerdigung., jst für die Kultusgemeinde im wahrsten Sinne .des Wortes ein toter Akt geworden, aus dem die Seele entwichen ist Wer jemals Gelegenheit hatte — und es muß leider jeder Wiener Jude diesen traurigen Weg gehen — in das Friedhofsamt der Kultusgemeinde zu kommen, der gewann sicherlich nicht den Eindruck, in ein Amt zu kommen, in dem gteichsam als oberster Grundsatz die Lehre der Pietät waltet. Wer ins Friedhofsamt kommt, muß schon bei der Anmeldung des Begräbnisses feststellen, daß die diensthabenden Angestellten oft in einem unfreundlichen und barschen Ton nach dem Namen der Verstorbenen, nach dem ständigen Wohnort und nach dem Sterbedatum fragen. Aber der Empfang durch den Angestellten im Vorzimmer ist nur die Vorbereitung zu der noch unsanfteren Behandlung durch manchen der diensthabenden Beamten. Eis sind selbstverständlich im Friedhbfsamte Beamte, die sich dessen bewußt sind, daß sie neben ihrer Pflicht gegenüber der Kultusgemeinde auch eine Pflicht gegenüber dem Judentum zu erfüllen haben. Insbesonders von seinem langiahn-/ gen Leiter sei dies ausdrücklich f estgestellt Es gibt aber auch Beamte, die von dieser Pflicht gegenüber dem Judentum nichts wissen wollen, sondern nur darauf bedacht sind, die verzweifelte Situation des erschienenen Leidtragenden dazu auszunützen, ü«n die Taxen für Grabstätten und. Begräbnisse mög-: liehst hoch hinaufzuschrauben. iDies Verhandlungen, die sich zwischen den Parteien :: und manchem Beamten des Friedhofsamtes abspielen, sind einer Kultusgemeinde Wien und dem Sinn und Wesen des letzten Dienstes, den sie ihren Toten erweisen soll, nicht würdig; Den Beamten aber darf nicht das ganze Verschulden beigemessen werden. Ein Teil des Verschuldens liegt auch in den Methoden der Bemessung und der Eintreibung der vorgeschriebenen Friedhofsgebühren. Obwohl die Kultusgemeinde zur Eintreibung der Begräbniskosten über die: politische Exekution verfügt, wird doch der Erlag der Begräbniskosten mit allen Mitteln vor dem Begräbnis verlangt. Diese Forderung wird unter allen Umständen aufrecht erhalten, selbst dann, wenn Leidtragende mit der „prompten" Bezahlung der Kosten, deren „plötzliche Fälligkeit" sie doch überrascht hat, auf unüberbrückbare Hindernisse stoßen! Es ist weiters vorgekommen, daß wegen Nichterlages der Kosten das Begräbnis eines Juden hinausgeschoben wurde, unter Verständigung der Partei, daß zuerst die Gebühren zu erlegen sind. Es erübrigt sich, zu diesen traurigen Tatsachen einen weiteren Kommentar zu geben. Wenn die Leidtragenden das Martyrium der Bestellung eines Begräbnisses, das Martyrium des Verhandeins mit den Beamten und das Martyrium der momentanen Geldbeschaffung hinter sich haben, so haben sie noch länge nicht den Becher des Leides bis zur Neige geleert Schon bei Verkauf der Grabstätte und bei Abschluß der Verhandlungen über die Kosten des Begräbnisses wird dem Leidtragenden eine gedruckte Schrift vorgelegt, aus der er zur Kenntnis nehmen soih daß die Bemessung der Grabgebühren und Begräbnis^ Itaren Biicl»erl»e«lcirf: decken Sie am besteh und billigsten in der : Bncnliandliing - Antiquariat IIEBMÄMN TBtBNEP, in Wienil, Ecke;j^gj£^J$g.52.. Große Auswahl, von Büfchern aller Art, auch antiquarisch zu biilikstenPreisen; Verlangen Sie Preislisten umsonst! Fü¥ "Auskünfte R 41-4-20 Moderne Bücher können Sie bei ans für nur 10 Gr. pro Tag lesen! Keine weiteren Uebühren. Einzelne Bücher und ganze Bibliotheken werden angekauft und g u t bezahlt! IllllS SdiWiKD-lKliimt WIEN Ii., Praterstraoe 33 Telephon B 47-4-49 Unter Aufsicht des ehrwürdigen Rabbinates der Adas Jisroel (Schiffschul). Ausgezeichnete Küche, zivile Preise und sorgsamste Bedienung. A la Carte-Speisen und Menüs von S 2.— aufw. Hochzeiten, Diners und andere Festlichkeiten werden in und außer Haus elegantest ausgeführt. lung geleistet haben, Gerechtigkeit insoferne widerfährt, daß man ihnen zu viel gezahlte Kosten zurückerstattet. Es wird hier und da auf Grund eines wohlbegründeten Ansuchens ein Teil der Begräbniskosten zurückerstattet, aber nur jenen armen Glaubensbrüdern, die ohnedies einen gleichen oder ähnlichen Betrag als Unterstützung von der Fürsorgezentrale erhalten würden. Es ließe sich noch vieles erzählen, aber -es wird wohl genügen, wenn die stärkste Wunde aufgezeigt wird, um die Gesamtheilung aller Uebel herbeizuführen. Ich weiß, daß der Obmann der Friedhofskommission der Kultusgemeinde ein . unionistischer Mandatar ist, ich weiß auch, daß er sich alle Mühe gibt, um den Mißständen abzuhelfen, ich habe mich aber deshalb nicht an ihn gewendet, weil sein guter Wille an den; Widerständen der von der höchsten Stelle dirigierten Verwaltung scheitern muß. Der Finanzreferent und Vizepräsident, der Kultusgemeinde, der der jüdisch-nationalen Mehrheit angehört, hat das letzte Wort, unddaslegt er immer nur als Fiskalist zugunsten der Gemeinde in die Wagischale. Ich will ihm keinen unerbetenen Rat geben, aber es ist wohl die allgemeine Meinung^dsr großen <Mehrheit der Gemeindemitglieder, daß' er an Subventionen für seiner Partei nahestehende Vereine leicht ein Mehrfaches von dem ersparen kann, was er bei einer humaneren und den jüdisch-religiösen Vorschriften, entsprechenderen Handhabung der Taxen und Gebühren bei Beerdigungen verlieren würde. Da aber der Herr Finanzreferent aus sich selbst heraus zu einer anderen Praxis sich kaum entschließen wird, so mache ich den Vorschlag und bitte die unionistfschen Mitglieder des Kultusvorstandes, ihn dort zu vertreten, daß dem heiligen Vereine der Wiener Chewra Kadischa bei der Bemessung der Taxen und Gebühren für Bgräbnisse usw., und bei1 der Handhabung der Tax- und Gebührenordnung der Kultusgemeinde ein beratendes Votum eingeräumt werden möge. kosten nur eine provisorische ist und daß sich der Kultusvonstand vorbehalte, auf Grund der nachher gepflogenen Erhebungen eine Erhöhung der Begräbniskosten vorzunehmen. Von diesem Rechte wird ausgiebigster Gebrauch gemacht. Es werden Erhebungen angestellt, wie groß der Nachlaß ist und auf Grund .der erhobenen Größe des Nachlasses eine tfachtragsforderung in einer willkürlichen Höhe vorgenommen. Bisher wurde eine solche Nachtragsvorschreibung von der Kultusgemeinde nie eingeklagt, aber nicht vielleicht deshalb, weil die Kultusgemeinde vor einer Klageführung zurückschreckt, sondern vielmehr, weil sich scheinbar die das Präsidium bildenden Rechtsanwälte darüber klar sind, daß das Versprechen einer künftigen, ganz unbestimmten Mehrzahlung juristisch " nicht haltbar ist Leider sind natürlich die Mitglieder der Wiener Kultusgemeinde, darüber nicht informiert, denn man kann ja nicht voraussetzen, daß jedes Mitglied der- Kultusgemeinde bei allen Rechtshandlungen, die die Kultusgemeinde "vornmimt, vorher überprüft, ob sie gesetzentsprechend? sind. Eine „provisorische" Bemessung war vielleicht vor der Wirtschaftskrise am Platze, jetzt ist;es wohl sicher, daß eher zu viel als zu wenig berechnet wird. . Was aber seitens .des;Friedhofsamtes nie getan wird, ist die Herabsetzung von Begräbnis-' kosten, respektive, die, Rückerstattung zu hoch bemessener Begräbniskosten'.im Falle der Feststellung, daß ein Nachlaß passiv ist. Bs wird also nur eine Erhöhung der Begräbniskosten, niemals aber eine Reduktion vorgenommen. Von den Mitgliedern verlangt die. Kuli^gemeinde, .daß sie, ihr nach ihrem Vermögen alles geben, um ihren Bestand zu sidhern. Die KüJksgemeihde erachtet.es aber nicht als" ihre Pflicht, daß! jenen Mitgliedern, "die über ihre Verhältnisse und in Unkenntnis > der. .Vermöp'. gensv^häitnisse des Verstorbenen juid unier dem Druck der Beamten des Friedhofsamtes eine Zah- Für jüdische Einwanderung fn die französischen Kolonien. In der soeben erschienenen neuen Ausgabe des Wiener „Palästina-Levante-Courier" tritt der französische Unterstaatssekretär für die Kolonien, M. Candace, für Zulassung jüdischer Einwanderung in die französischen Kolonien ein. Er führt u. a. aus: „Es ist unbe-- dingt notwendig, daß die jüdischen Organisationen in Frankreich die jüdische Immigration in die französischen Kolonien anfeuern und unterstützen. Wenn nun die Juden sich in unseren Kolonien niederLassen wollen, dann müssen wär sie soweit wiemöglich.durch unsere Hilfe unterstützen. Die Mandatsländer Syrien und Libanon könnten von der jüdischen Einwanderung nur profitieren, und ich bin überzeugt, daß die Juden in diesem Lande ein nützliches Werk tun werden, das dem in Palästina gleichkommen wird. Ich für meinen Teil werde die jüdische Kolonisation,:sehr unterstützen, und ich spreche den Wunsch aus, daß die französische Regierung unverzüglich ein Komitee ernennt, das sich mit diesem Problem in allen seinen Details beschäftigt. Ich bin sicher, daß diese. Anstrengungen im Parlament eine Majorität finden; werden. Die. Gouverneure der Kolonien; und der Hochkommissär ^werden, uns sicherlich - ihre Hilfe zur Verwirklichung. dieses Planes nicht verweigern." : Sirene ^3". SEIFELD (TIROL) 1200 Meter Einzigartiger Höhenkurort, intensivste" Höhensonne, Wintersport, Pension QBiefcwlsfiirScheer, im Hotel Hocbalm, bekannt erstklassige .Verpflegung, mäßige Preise,' PährpreiserihBßigting- 1

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.