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Die Wahrheit · 1935-07-12 · Heft 28 (12.7.1935) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 28 (12.7.1935)
Date
1935-07-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Jüdische Sonderrechte". Die Antisemiten und die zionistischen Kongreß wählen. „Die in iQesterraich lebenden Juden, die sich auf so manchem Gebiete Sonderrechte anmaßen, machen-'auch eine Ausnahme von der derzeit geltenden Regel, daß in Oesterreich bis auf weiteres nicht gewählt wird. Denn am 4. d. JVL gingen die österreichischen Juden zur Urne, um ihre Vertreter zum 19. Zionistenkongreß in Luzern zu wählen. Von 17.500 -wahlberechtigten Juden übten rund 12.000 ihr Wahlrecht aus. In Oesterreich gibt es auch keine Parteien mehr, aber bei dieser Judenwahl bewarben sich nicht weniger als sechs Parteien um die Gunst der jüdischen Wähler. Es gibt in Oesterreich auch keine sozialistischen Parteien jnehr, sie wurden aufgelöst. Aber von diesen sechs jüdischen Parteien ist die Hälfte sozialistisch, bzw. jüdischnationäl-soziaUstisch orientiert. Sie koppelten ihre Listen und bildeten so einen linken Block. Und noch interessanter ist es, daß dieser Linksblock von 11.811 abgegebenen Stimmen 4370 auf sich vereinigte, also eine beachtliche Minderheit darstellt." So fruktifizieren die antisemitischen „W i e n e r Neuesten Nachrichten" den Rummel, den die Zionisten jüngst mit ihren Kongreßwahlen verursachten. In Wirklichkeit verraten — wie wir an mehreren Stellen unserer heutigen Nummer nachweisen — die Ergebnisse dieser Wahlen bloß das absolute Desinteressement der österreichischen Juden an dem Frosch- Mäusekrieg im zionistischen Lager, in dem Partei zu ergreifen die „Wiener Neuesten Nachrichten" als jüdische Anmaßung von „Sonderrechten" qualifizieren, obwohl diese Sonderrechte um 2 Schilling, den Kaufpreis eines „Schekels", zu haben waren. Bedenkt man noch, daß diesen Kaufpreis durchaus nicht alle Wahlbeflissenen aus der eigenen Tasche zu bezahlen brauchten, daß vielmehr die diversen Parteileitungen die Schekalim en gros — wenn auch hoffentlich zum Detailpreise — erstanden und zur Schaffung von „Wählern" an ihren Anhang verteilten, dann bekommt man erst die richtige Vorstellung von dem „Geriß" um das fabelhafte „Sonderrecht" angesichts der Tatsache, daß sogar auf diese Weise in ganz Oesterreich nur 17.500 Wähler, d. s. 12 Prozent der jüdischen Gesamtbevölkerung zustandegebracht werden konnten, von denen dann noch 5500 mit samt ihrem Schekel zu Hause blieben,;" weil sie. entweder die Wahl , nicht interessierte oder ihnen die Wahl zwischen den Kandidaten zu schwer wurde. Eine Wahl ist leicht, wenn weltanschaulich streng differenzierte Gruppen um die Entscheidung ringen. Bei den zu den Kongreßwahlen kandidierenden zionistischen Parteien diente der Verbrauch ideologischer Schlagwörter aber meistens bloß zur Tarnung rein persönlicher Rivalitäten. Kann jemandem ernstlich zugemutet werden, gedankliche Nuancierungen zu suchen, wi> der Gegensatzsich in den Schlachtrufen kundgibt: „Hie Weltverband der Allgemeinen Zionisten" und „Hie W e 11v e r e i n i g u n g der Allgemeinen Zionisten"? Kürzer und genau so vielsagend War die Bezeichnung „Allgemeine Zionisten A" und „Allgemeine Zio-. nisen B". Die Einführung von Buchstaben zur Kennzeichnung der Parteiverschiedenheit ist jedenfalls das beredteste Zeugnis iür das Fehlen geistiger Differenziertheit. Die Zionisten, die auf diese Firmenbezeichnungen verfielen, haben nicht einmal so viel „nationalen" Geist aufgebracht, wenigstens hebräische Buchstaben zu wählen. Allerdings trägt das hebräische Alphabet mit seinen bloß 22 Buchstaben dem Spaltungsbedürfnis des zionistischen Lagers weniger Rechnung als das deutsche mit seinen immerhin 24 Lettern. Hoffentlich erweist sich dieses bei dem Aufmarsch der zionistischen Fraktionen zur nächsten Kongreßwahl noch als ausreichend! Schuld an diesem Spaltungsbedürfnis ist der (Jeberfluß an Persönlichkeiten mit Führer-Ambition, der in groteskem Gegensatz zu dem Mangel an Ihren Bildierbedarf decken Sie am besten und billigsten in der Duchnandlana - Anüqaarlal HERMANN TUCH NEB, 1« WICH II-, Ecke Taborstraße 52 Große Auswahl von Bächern aller Art, auch antiquarisch zu billigsten Preisen. Verlangen Sie Preislisten umsonst! Für Auskünite R 41-4-20 Moderne Bücher können Sie bei uns für nur 10 Gr. pro Tag lesen! Keine weiteren (Jebühren. Einzelne Bücher und game Bibliotheken werden angekauft und gju t bezahlt! Anhängern steht, die sich führen lassen wollen. So wurde denn auch der Wahlkampf im Zeichen rein persönlicher Gehässigkeit ausgetragen, die durch ideologische Schlagwörter nur schlecht drapiert wurde. Die zionistischen Rivalen entlarvten sich in ihren Versammlungen und in ihren Parteiblättern gegenseitig als Demagogen, und zwar in so überzeugender Weise, daß,man gern allen Recht gab. Darüber hinaus behelligten sie mit „Interviews" und propagandistischen Annoncen und Ankündigungen in den Tageszeitungen auch die nichtjüdische Oeffentlichkeit, so daß diese Von dem innerzionistischen Wahlkampf, der die" überwiegende MehrheitderösterreichischenJude.n ganzkaltgelassen hat, so übertriebene Vorstellungen erhalten mußte, wie sie sich in der eingangs zitierten Darstellung der „Wiener Neuesten Nachrichten" spiegeln. Zusammenarbeit ohne weltanschauliche Opfer. Im Anschluß an den Luzerner Zionistenkongreß tritt heuer wieder der Council der Jewish Agency zusammen. Das Mitglied der Palästina- Exekutive der Agency Dr. Senator bereist derzeit die europäischen Länder, um die „Nichtzionisten" (richtiger: Nicht-Jüdischnationalen) für eine aktivere Mitarbeit an der Agency zu gewinnen, eine Mitarbeit, die bisher — wir wollen hier die Schuldfrage nicht untersuchen — vermißt wurde. Unter anderen führte ihn sein Weg auch nach Deutschland. In einer Berliner Versammlung führender jüdischer Persönlichkeiten, die unter Vorsitz des Rabbiners Dr. Baeck stattfand, trat Doktor Senator der Anschauung entgegen, daß England an der Aufrechterhaltung der Gegensätze zwischen Juden und Arabern interessiert sei. England, so führte er aus, wünsche vor allem die für die Entwicklung des Landes notwendige Ruhe. Ebenso falsch wäre die Annahme, daß seitens Englands eine Fixierung des Ausf*' . 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Diese Haltung des Führers des Centrai-Vereines zeigt eine Einsicht für die Notwendigkeit des Augenblicks,' die beispielsweise die österreichischen Jüdischnationalen immer wieder vermissen lajssen. Diese Einsicht ist aber in Deutschland nicht auf den Centrai-Verein beschränkt, sondern auch Zionisten mancher deutscher Großstädte bekunden sie in wohltuendem Gegensätze zu den Berliner Jüdischnationalen, die bekanntlich neuestens unberechtigte Machtansprüche in bezug auf die Führung der dortigen Gemeinde stellen. In München dagegen nahm die auf Grund einer Einheitswahlliste zustande gekommene Gemeindevertretung der Israelitischen Kultusgemeinde München in ihrer ersten Sitzung die Wahl eines zehngliedrigen Gemeindevorstandes vor, dem sechs Vertreter der religiös-liberalen Richtung, dreiZionisten und e i n Mitglied der orthodoxen Fraktion angehören. Zum ersten Gemeindevorsitzenden wurde Oberlandesgerichtsrat Dr. Alfred Neumeyer, zu iseinen Stellvertretern Justizrat Dr. Carl O e s t r e i c h und R.-A. Dr. Siegbert Feuchtwanger wiedergewählt. Das böse Beispiel von Spandau, wo die Jüdischnationalen einen Wahlkampf wagten und eine schwere Niederlage erlitten, hat wohl mit dazu beigetragen, daß in München dem Ursprungsort des Nationalsozialismus, die Jüdischnationalen die Führung durch Assimilan ten anerkannten und sich verstanden zu jener Parole, die die österreichischen Jüdischnationalen nie begreifen werden: Zusammenarbeit ohne weltanschauliche Opfer. maßes der jüdischen Auswanderung beabsichtigt sei. England biete den Juden eine durchaus faire Chance, wenn auch gegen die Drosselung der Arbeitereinwanderung, die aus politischen Rücksichten auf die.Araber entgegen den Verpflichtungen des Mandats vorgenommen wird, angekämpft werden muß. Es gelte ein b e h u tsames Ringen um diese Probleme mit der Regierung, die, statt entsprechend den Mandatsbestimmungen der Entwicklung vorauszugehen, ihr nur langsam folgt Trotz diesen grundsätzlichen Beschwerden sei festzustellen, daß die Regierung zugelernt hat. und daß insbesondere der gegenwärtige High Commissioner die Bereitschaft zeige, zuzulernen. Dr. Martin Rosenblüth behandelte die Frage des Legislative Council, die demnächst wieder aktuell werden dürfte. Für die Juden sei es unerläßlich, in dem einzigen Land, das ihnen noch geblieben ist durch Bestimmungen zu einer Minorität gestempelt zu werden. In der folgenden Aussprache warf der erste Vorsitzende des Centraivereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens,. Justizrat Dr. Julius Brodnitz, die Frage auf, was getan werden könne, um die Bedeutung der September-Tagung des Council zu heben. Die zionistische Leistung in Palästina sei immer anerkannt worden. Anderseits seien sich die deutschen Juden Rabbi Kook schwer erkrankt Der berühmte aschkenasische Oberrabbiner von Palästina, Rabbi Abraham Jizchak Kook, ist in der Vorwoche schwer erkrankt; nach letzten Meldungen wird sein Zustand von den Aerzten noch immer als ernst bezeichnet, wenn auch der Kranke sich jetzt etwas besser fühlt. In allen Synagogen Palästinas werden Gebete für die Wiedergenesung Rabbi Kooks gesprochen. Aus Paris wurde Professor Desatti an das Krankenbett berufen, der mit Professor Zondek, der den Kranken behandelt eine Konsultation abgehalten hat Oberrabbiner Kook, der als einer der bedeutendsten Rabbiner der Jetztzeit gilt, ist auch eine der populärsten Persönlichkeiten in der Palästina- Judenheit. Er ist der Verfasser einer Anzahl philosophischer und ethischer Schriften und hat auch Gedichte geschrieben, die von der Kritik rühmend erwähnt wurden. Rabbi Kook steht an der Schwelle seines 70. Geburtstages. Es ist beabsichtigt, aus diesem Anlaß einige seiner Manuskripte zur Veröffentlichung zu bringen. In vielen Ländern werden bereits Vorbereitungen getroffen, um seinen 70. Geburtstag entsprechend zu feiern. Der Tel Aviver Stadtrat ehrte ihn als erster, indem er ihn im Februar zum Ehrenbürger wählte. RjnfeurciiissdireibiMg Der Vorstaa l desTempelvereine* ,,Cb.«wraV-B«th.-H*vt- Ulali" und „BUcar ofcolim" Im XX. Bezirk, sucht anläßlich der lr.ommeu.lrn hohen Keieria«e im Saale „Auge Gottes", Nnödorterstrafle. einen Bai Schachris und einen Bai Mnssaw, die gleichzeitig auch Bai Koreh sind. Bewerber, die österreichische Staatsbärger, stimmbegabt nnd in der Liturgie gut bewandert sind. auBeidem «ine einwandfieie religiöse Letieoslührung na bweisen können, wollen ihre OSene bis spätestens Iah I. |. an Herrn Salamon Oaterroiolier, IX., Liechtensteinstrafe 113, liebten.

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