Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 28 (12.7.1935)
- Date
- 1935-07-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Nr. 28 — 12. Juli 1935 Seite 3 Die Ausrottung der deutschen Juden. Aus durchaus zuverlässigen Quellen in Deutschland gehen der J. T. A. Nachrichten zu, die besagen, daß der neuewirtschaftlicheFeldug gegen die Juden in Deutschland, der sich neuerdings auch in Berlin und in aneren Großstädten zu schweren Krawallen or jüdischen Geschäften äußert, einheitlich eleitet wird und das Ziel verfolgt, den Uebergang der heute noch in jüdischen Händen befindlichen Betriebe in die Hände von Nichtjuden vorzubereiten. Bereits nach dem Boykottsturm im Jahre 1933 haben sehr viele jüdische Kaufleule und Fabrikanten ihre Betriebe unter für sie sehr ungünstigen, zum Teil katastrophalen Bedingungen Nichtjuden übergeben. Die systematisch durchgeführten rücksichtslosen Kreditkündigungen gegen jüdische Warenhäuser seitens der staatlich kontrollierten Banken taten ein Uebriges, um den Zusammenbruch jüdisch geleiteter Unternehmungen und deren Uebergang in nichtjüdische Hände herbeizuführen. Durch von offizieller Seite unterstützten harten Druck wurden sodann gewisse Berufszweige, wie z. B. das Äpothekergewerbe, von Juden gereinigt. Nunmehr wird die Axt an die noch jüdisch geleiteten Kaufläden gelegt, um den Uebergang auch dieser mittleren und kleineren Handelsbetriebe in die Hände von Ariern herbeizuführen. Wie hierbei vorgegangen wird, zeigen folgende Beispiele: Die letzten zahlreichen Ueberfälleaufjüdische Läden in Berlin und in den Vororten spielten sich fast alle in der Weise ab, daß etwa dreißig bis vierzig nichtuniformierte Männer in den Laden stürzten, die Geschäftsinhaber, das Verkaufspersonal und die Käufer rüde beschimpften, mit Stöcken auf sie losschlugen, Waren zerstörten und die Geschäftseinrichtung demolierten. Es kam vor, daß in Textil- und Konfektionsgeschäften die in den Schaufenstern und in den Regalen sich befindenden Waren mit Teer beschmiert wurden. Besonders gelitten hat hierbei ein jüdisch geleitetes großes Konfektionsgeschäft in der Frankfurter Allee, wo viele Kleider durch Uebergießen mit Teer wertlos gemacht wurden. An dem auf diese „Tat" folgenden Tag erschien in der Regel ein gut gekleideter junger Mann bei dem betroffenen Ladeninhaber und erklärte ihm, er habe in betrunkenem Zustande den Ueberfall arrangiert, er bitte, ihm die leichtsinnige Tat zu verzeihen und gegen ihn nicht die Anzeige zu erstatten, weil er sonst seine Existenz verlieren würde. Damit soll zunächst erreicht werden, daß die Parteistelle, die die Ueberfälle organisiert hat, reingewaschen wird. Etwas später erscheinen andere „Herren", um sich darüber zu erkundigen, ob und unter welchen Bedingungen der Besitzer geneigt wäre, seinen Betrieb an Arier abzutreten. Dabei fehlt es nicht an gewissen drohenden Andeutungen. Aber auch durch andere Druckmittel wird das Uebergehen jüdischer Geschäfte in arische Hände vorbereitet. So hatten drei sehr bekannte jüdische Geschäftsleute in Berlin vor kurzem Angebote erhalten, ihre Betriebe an Arier abzutreten; sie lehnten die Angebote ab. Kurz darauf wurden sie auf Grund von Denunziationen unter Umständen verhaftet, die es klar machten, daß zwischen den „Angeboten" und den Denunziationen ein direkterZusammenhang besteht. "Baden bei Wien ROLLETGASSE 7 / HERMINE EICHNER Sehr nette Zimmer, mit und ohne Pension, streng rituelle Küche, Zentralheizung, fließendes Kalt- und Warmwasser, billige Preise, ganzjährig geöffnet. Nachklänge zur Kongreßwahl. Der Kampf der Union österreichischer Juden gegen die Jüdischnationalen ist ein weltanschaulicher, nicht ein persönlicher. Er fließt aus der verschiedenen Weltanschauung in den grundlegenden jüdischen Fragen, ist also grundsätzlicher Art, von prinzipieller Bedeutung. Einen Kampf zwischen Personen kennen wir darum nicht, nur einen der Weltanschauung in jüdischen Dingen. Wir können daher auch Verlauf und Ergebnis der österreichischen Wahlen für den Briefe ins Ausland gehen, bei der Hauptpost Briefmarken kaufen will: „Eine Menge Volkes, alt und jung, steht an dem kleinen Gitter, durch das das müde und matte Gesicht des Beamten schaut, der alle Hände voll zu tun hat. Er ist ja der einzige Markenverkäufer für diese riesenhafte Menge, die aus allen Stadtteilen hinströmt, wie Menschen, die nach Wasser durstig sind. ... All das scheint nur deshalb zu sein, weil die oberste Leitung der Post es sich zur Aufgabe gemacht zu Haben scheint, das Publikum in dieser .Stadt der Zukunft' Geduld zu lehren." Efne andere Klage, die ihren Ursprung ebenfalls in dem mangelnden „Interesse am Kunden" hat, bezieht sich auf die Langsamkeit der Post. Daß Verabredungen nicht eingehalten werden können, weil die Post zu spät zugestellt wird, sei alltäglich. Krafl sei aber z. B. der folgende Fall: S. Cohn, Leiter einer Schule in Raananah, ist der Empfänger eines Briefes, den die. Histadruth von Tel Aviv am 29. Mai-an ihn sendet. Der Brief trägt den Ausgangsstempel von. Tel Aviv, .an-demselben Tage, 29. Mai, kommt-der Brief nach Rechoboth und wird dort ebenfalls abgestempelt, am 31. Mai kommt der Brief nach Magdiel und wird dort. ebenfalls abgestempelt; am V Juni konimt schließlich der Brief an den Empfangsort.; „Der Brief", so schreibt der Beschwerdeführer, »war ei% und dringend, er legte, den Weg von Tel Aviy -nachi,Raananah in fünf Tagen zurück, während die Entfernung zwischen den beiden. Or.ten nur 25 km beträgt und die Autos hiefür 40 Minuten benötigen und 'ünfzehnmäl am Tage verkehren." Bissig fragt jemand, der,.einen Brief von Rischon le Zion am 5. Juni nach Tel Aviv sandte, wo er erst am 11. Juni ankam: „Soll man denn; einen Brief innerhalb des Landes nach. Tel Aviv mit Luftpost senden?" Man kann beim besten Willen nicht daran zweifeln, daS^es sehr viel ypra;guten'Wielen ffgs"-einzelnen«Beamten 4ibhSngf, "der wenigerl Beäm{eV'J''seüi und ein wenig,^e^.JLisbe ^"iXeilnalinie für Land, «nd Leute auffingen* sollte, BWä -ilt^nfcht traurig,- lajj dies die( nationalen, Kreise des .Landes sind* .dlefein solches Verhalten an den Tag legen? Es wäre wahrlich z1i:wünschen-daß;, die- -zionistische Bewegung' etwas »nnenarbeit leistete und ihre Gläubigen zu größerer, webe zueinander, zu weniger Egoismus' uSTzu' "mehr uemeinschaftssinn erziehen würde. Dr. A. P.. Jerusalem. XIX. Zionistenkongreß mit voller Unbefangenheit betrachten und beurteilen. Zunächst der Verlauf^ Er hat eine wahrhaft alles Maß überschreitende Zerfahrenheit und Zerrissenheit der Jüdischnationalen Wiens geoffenbart. Wären wir persönliche Gegner, müßten wir darob Freude empfinden. Wir sind und waren aber niemals persönliche Gegner, stets solche der jüdischnationalen Weltanschauung und müssen nun konstatieren, daß innerhalb der Reihen der Jüdischnationalen selbst eine solche Zersplitterung in größere und kleinere Parteien, in Gruppen und Grüppchen zu Tage getreten ist, daß von einer einheitlichen jüdischnationalen Weltanschauung einfach nicht mehr gesprochen werden kann. Der Welt verband der Allgemeinen Zionisten hat seit dem letzten Krakauer Kongreß eigentlich die Berechtigung verloren, diesen Namen zu führen: England, Polen, Deutschland, die Tschechoslowakei, Jugoslawien, Lettland, Frankreich, die Schweiz, Griechenland, anscheinend auch Amerika, ferner Gruppen aus Oesterreich, Rumänien, Litauen und Palästina sind ausgetreten und haben sich, der Name muß natürlich ähnlich klingen, zu einer Weltvereinigung Allgemeiner Zionisten zusammengeschlossen. Was ist also vom sogenannten Weltverband Allgemeiner Zionisten übriggeblieben? Für Wien ergab sich hieraus ein schwerer, erbitterter, zum Teile auch mit giftigen Angriffen und persönlichen Gehässigkeiten geführter Wahlkampf zwischen jenen Allgemeinen Zionisten, welche dem Weltverband und jenen, welche der neugeschaffenen Weltvereinigung sich zuzählen. Außerdem kämpften um Mandate die Judenstaatspärtei, die gleichfalls von den Allgemeinen Zionisten des Weltverbandes erbittert, vielfach gehässig bekämpft wurde,,-die unter dem Titel „Arbeitendes Palästina'' (Binjah^Haarez) veireinlgte, stark links gerichtete Partei, die Misrächi und der.Adolf Stand-K^ub, ein Anhängsel der Radikalen'Zi£rii$tenvdie der rneuen .Weftverteirugung der: Allgemeinen Zionisten Beigetreten sind/!. " . pje ^Vählbeteiügufig.;.' Die Agitation war zweifellos eine selii-rege. Es wurden rund 17.200 Schekel verkauft, zwei Schilling das Stück. Dieser Schekel erst verleiht ja das Vor lästigen Verfärbungen achatzt ODOL-Zahnpasta Ihre Zähne. ODOL- Zahnpasta reinigt gründlich, ODOL- Zahnpasta macht Zähne wie Pertoni Kleine Tube S — SO Große Tube S 1.40 Wahlrecht zum Zionistischen Kongreß. In der Kultusgemeinde begehrten die Jüdischnationalen das allgemeine Gleichwahlrecht, losgelöst von jeder Steuerleistung. Zum Kongreß muß man es sich um zwei Schilling kaufen! Die Aufrufe ergehen dann geschmackvollerweise an die „Schekelzahler". Daß aber nicht alle „Schekelzahler" zugleich parteimäßig Jüdischnationale sind, geht schlagend aus der Tatsache hervor, daß bloß rund 12.100 „Schekelzahler" gewählt haben. Es haben also rund 5100 Juden den geringfügigen Betrag von zwei Schilling bezahlt, aber nicht gewählt. Da die Jüdischnationalen gewöhnt sind, ihren letzten Mann an die Wahlurne zu bringen, ergibt sich die Schlußfolgerung von selbst: Es haben eben rund 5100 österreichische Juden aus verschiedensten naheliegenden Gründen den ihnen angebotenen Schekel mit 2 S honoriert, ohne für die zionistischen Wahlen Interesse zu haben. Gewählt haben also in ganz Oesterreich rund 12.100 Jüdischnationale; demgegenüber haben sie bei den Wiener Kultusgemeindewahlen 1932 rund 16.000 Stimmen aufgebracht. Sie sind also jetzt um rund 3900 Stimmen zurückgefallen, dies trotzdem seither, seit dem 30. Jänner 1933, der Hitler ismus in Deutschland Herrscher wurde und den Jüdischnationalen angeblich einen erheblichen Zuwachs brachte. Das Wahlergebnis: Die Allgemeinen Zionisten (Weltverband, Listenführer Dr. Oskar Grünbaum) erhielten 4160 Stimmen. Erwägt man aber, daß sie zusammen mit der Wizo, der jüdischnationalen Frauenorganisation, 6200 Schekel aufgebracht und mit dieser auf einer Liste kandidiert haben, so ergibt sich, daß über 2000 Stimmen weniger für sie abgegeben wurden, als sie Schekel aufgebracht haben. Ohne die Schützenhilfe der Wizo, die doch eine neutrale, nämlich für Frauen aller zionistischen Organisatonen zugängliche Organisation ist, hätte es nicht geklappt, eines der drei bisherigen Mandate wäre verloren gegangen;. Auch die Radikalen Zionisten (Listenführer Dr. Plaschkes) hätten auf ein Haar eine Schlappe erlitten; sie erreichten für sich allein nicht die Wahlzahl und habea daher ihr Mandat bloß der Koppelung mit dem „Adolf Stand-Klub" zu verdanken, welcher sage 338 Stimmen aufbrachte. Gut abgeschnitten hat die Judenstaatspärtei (Listenführer Oberbaurat Stricker), der, auf sich selbst gestellt, über 2500 Stimmen errang, gegen rund 4100 Stimmen der mit einem ungleich größeren Apparat und ungleich stärkerem Einflüsse arbeitenden Allgemeinen Zionisten. Diese haben ihn heftig und nicht gerade chevaleresk angefeindet. Und dochhaben sie gerade ihm die Majorität in der Kultusgemeinde zu verdanken: Er hat mit ihnen bei . den KuKusgemeinde-Wahlen 1932 auf der gemeinsamen Zionistischen Liste kandidiert und mit unleugbarem Geschick agitiert, so; däß diese Liste 14 Mandate errang. Stricker hat nun einmal am eigenen Leib, erfahren, 'welche Empfmdtmgen es1 auslöst, wenn in einem Wahlkampfe rein weltanschaulicher Natur persönliche, gehässige, hämische und