Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 28 (12.7.1935)
- Date
- 1935-07-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite? Nr. 28 — 12. Juli 1935 DIE WAHRHEIT Herzn. FraoenlieWmdj Tafzmannsdorf! (BHriteDiond) j Mineral-, Moorand natürliche Kohlensäuresprudelbäder.!!Billiger Pensionspreis inklusive Heilbäder. Zwei rituelle Res-:! taurants. — Auskünfte und Pi ospekte: Generalverfretnng ■ ■ Wien L, Kohlmarkt 8 Tel. U 25-104 S ■Neu: Moorpackungen und Moorkompressen in! S allen Apoibeken erhältlich. Schulen durch die Kultusgemeinde so umzudeuten, als ob die „Union" Gegnerin der fakultativen religiösen Schule wäre. Die „U n i o n" hat wiederholt und klar ihren Standpunkt dahin präzisiert, daß sie für die Unterstützung der Talmud- Thora-Schule als einer fakultativen konfessionellen Schule eintrete, sie hat auch nie gegen die Errichtung fakultativer religiöser Schulen, so weit es sich um die religiöse Erziehung und nur um diese handelt, Stellung genommen. Sie hat es aber mit Recht abgelehnt, der derzeitigen Mehrheit bei Errichtung der neuen jüdischen Schule Gefolgschaft zu leisten, weil sie der Ansicht ist, daß gerade in der heutigen Zeit die Absonderung der Schüler nach Konfessionen vermieden werden soll; wer ernstlich gegen die Scheidung der Schüler in Parallelklassen nach Religionszugehörigkeit ist, muß noch entschiedener gegen die Errichtung jüdischer Schulen auftreten! Daher ist die „Union" dagegen, daß die israelitische Kultusgemeinde als öffentliche Körperschaft eine solche Schule errichte, weil sie der Ansicht ist, daß hier privaten Vereinen und Organisationen die Initiative überlassen werden muß. Sie hat sich aber vor allem deshalb gegen die Errichtung konfessioneller Schulen durch die israelitische Kultusgemeinde ausgesprochen, weil sie zur derzeitigen Mehrheit nicht das Vertrauen hat, daß es sich hier wirklich um die Befriedigung des Bedürfnisses nach einer jüdischreligiösen Lehranstalt handelt Auch die Bemerkung der „Stimme", daß wir uns hei den letzten Wahlen mit den werktätigen Juden verbunden haben, soll hier nicht unbeantwortet bleiben. Die Jüdischnationalen, welche sich immer so aufregen, wenn ihnen vorgeworfen wird, daß sie nicht ausschließlich und allein mit diesem Boden verwurzelt sind, auf dem wir leben, können es nicht unterlassen, bei jedem auch noch so unmöglichen Anlasse darauf hinzuweisen, daß wir bei den Kultuswahlen 1932 mit einer Gruppe von Juden zusammengegangen sind, welche der sozialdemokratischen Partei nahestanden oder ihr gar angehörten. Jeder, der die „Union österreichischer Juden" kennt — und man kann ruhig sagen, daß es nahezu die gesamte jüdische Bevölkerung ist —, weiß ganz gut, daß die „Union" stets ausschließlich und allein alle bürgerlich und vaterlandstreu eingestellten bodenständigen Juden zusammengefaßt hat. Und wenn bei den letzten Wahlen von ihr eine gemeinsame Liste mit den werktätigen Juden aufgestellt wurde, so geschah dies deshalb, weil die Nationaljuden die Majorität in der Kultusgemeinde erlangen wollten und sich daher alle nicht national eingestellten Juden zusammentaten, um eine Umwandlung dieser bloß zur Befriedigung religiöser Bedürfnisse bestellten Gemeinde in eine politische Volksgemeinde zu verhindern. Deshalb wurde, um eine Zersplitterung der nichtnationalen Stimmen zu vermeiden, den werktätigen Juden die Aufnahme in die Liste der j,Union" gewährt. Die „Stimme" tut nicht gut daran, wenn sie immer wieder auf den Splitter im Auge der „Union" hinweist und dabei .glaubt, daß der Balken in ihrem eigenen Auge nicht gesehen wird. Waren es doch nur die zionistischen Sozialdemokraten radikalster Färbung, welche den Zionisten die Mehrheit im Kultusvorstande brachten. _ - Die Poale-Zionisten, d. i. die jüdischnational eingestellte sozialdemokratische Arbeiter-Partei, hat bei den letzten Kultuswahlen vier Mandate erobert. Die Zionisten, welche nur 14 Mandate errungen haben (gegenüber 15 der „Union"), haben sich sofort nach der Wahl mit den Poale-Zionisten verbunden, um hiedurch die Majorität in der Gemeinde gegen die „Union" zu bilden. Es ist auch nicht uninteressant festzustellen, daß auch bei den jetzigen österreichischen Delegiertenwahlen zum 19. Zionistenkongreß Caf€ Pension Echsfein Semmering die Poale-Zionisten, also die radikal links eingestellten Zionisten in Oesterreich rund 3000 Stimmen zustande brachten, also im ganzen nur um rund 1000 Stimmen weniger als die Allgemeinen Zionisten. Die Jüdischnationalen können, wenn sie wollen, in ihrem Blatte die Sache so darstellen, als ob die Mehrheit der österreichischen Juden jüdischnational eingestellt wäre. Jeder weiß, daß dies nicht wahr ist. Die Zeit hat es mit sich gebracht, daß auch jene, welche sich bisher um die Wahlen in die Kultusgemeinde nicht kümmerten, wissen, daß von der derzeitigen Kultusvorstandsmehrheit die nationale Sonderstellung-. deEösterreichischen Juden propagiert wird, während die „Union" auf dem Standpunkte steht, daß die österreichischen Juden lediglich eine Religionsgenossenschaft bilden und sich nur durch ihre Religion von den anderen Staatsbürgern unterscheiden. Und damit kommen wir zum Ausgangspunkte zurück. Prof. Dr. L u g m a y e r hat dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur klar und deutlich gesagt, daß er „im Judentum eine Re- BADtiASTEM HOTEL " 9 ELISABETHHOF Zeitgemäße Preise. Kein Mahlzeitenzwang I 1 i g io n s g e m e i n s c h a f t sehe, die wahrscheinlich so lange existieren wird, wie die christliche existieren werde." Er hat der „Union" gegenüber die.sen Standpunkt wiederholt. Es ist den Jüdischnationalen offenkundig nicht recht, daß wir nur als eine Religionsgemeinschaft angesehen werden. . Wie ernst derartige Angriffe der „Stimme" zu werten sind, erhellt am besten aus dem zitierten Artikel vom 7. Juni 1935. Lob und Tadel wird dort stets vom Standpunkte der eigenen Parteianschauung erteilt. Deshalb sind wir auch gar nicht gekränkt darüber, daß die „Stimme" die „Union österreichischer Juden" angreift. Wir wissen, daß wir unsere Pflicht erfüllen. Es wäre traurig um die „Union" bestellt, wenn die Jüdischnationalen sich mit ihrer Politik einverstanden erklären und sie loben könnten. Wir wollten mit unseren heutigen Ausführungen den denkenden Wiener Juden wieder einmal vor Augen führen, wie die Jüdischnationalen, so unbedeutend ihre Zahl in ganz Oesterreich ist, nach außenhin immer den Eindruck erwecken möchten, als ob sie die Majorität der jüdischen Bevölkerung hinter sich haben, wir wollten aufzeigen, wie unernst ihre Kritik ist, mögen sie loben oder tadeln. Ernst und traurig ist aber die Tatsache, daß die Wortführer der Jüdischnationalen noch immer nicht einsehen, daß die von ihnen auf allen Gebieten betriebene Absonderung der Jude-ni ins Ghetto führen und daß die immer wieder von ihnen betonte Sonderart der Juden nur Wasser aui die Mühlen der Antisemiten treibt. Höhenluft und Höhensonne tot Montessori-Sommerheim für 3—1$jährige Kirchberg am Wechsel. : herrliche Villa; Bad, fließendes Wasser, eleklr. Licht, W. C. 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Wie grüßt hierzulande der Schüler den Lehrer? In der Hauptsache grüßt er ihn .gar nicht, wenn er ihm außerhalb der Schulräume begegnet, er guckt ihn großartig an, um noch großartiger'zum Ausdruck zu bringen: Wenn du überhaupt ein Machtgebiet hast, es ist auf die vier Wände der Schule beschränkt, hier kenne ich dich nicht, schalom sägen oder gar den Hut lüften, na, das erwartest du doch wohl nicht Und im Schulgebäude, da gibt es zwei Arten des Grußes: entweder sieht man den Lehrer nicht, auch wenn man ihn ansieht oder man grüßt ihn mit herablassender Gleichförmigkeit und Unterstreichung dessen, daß darin um Himmels willen nicht etwa ein Zeichen von Achtung gesehen werde, „schalom mori" wird dem Lehrer mit Nicken und Lächeln zugerufen. Woher sollten die Jungens und Mädels es auch lernen? Wer geht in einen Laden und gibt und empfängt einen Gruß? Wer? Die, die diese europäischen bürgerlichen Sitten hier womöglich noch einführen wollen. Unglaublich, diese Deutschen! Diese deutschen Juden! Wer hält die schönsten Plätze im Autobus besetzt? Die Jugend soll etwa vor dem Alter aufstehen, der Arbeiter vor der einkaufenden, mit Neteen und Paketen beladenen Hausfrau? Das wäre ja gelacht! Dafür lebt man ja im Lande der Freiheit! An den Haltestellen der Autobusse ein Gedränge und Gestoße! Wer am.besten stoßen kann, bekommt am ehesten einen Platz, und das auf ist wichtiger als alle Höflichkeit, alle Rücksicht ältere Personen, auf Frauen mit Kindern usw. Trotzdem, es ist dies keine Ausartung von Schlechtigkeit oder Böswilligkeit, sondern vielmehr eine ungeheure Lässigkeit und Gleichgültigkeit, die nicht empfunden wird. Das Schlimme ist nur, daß sie nicht gerügt wird und daß deshalb eine Besserung nur sehr schwer zu erwarten ist Es sei denn, daß die deutschen Juden hier mehr durchdringen und sich weniger „zugewöhnen", so daß. der Händedruck etc. nicht mehr Gegenstand des Hohnes, sondern wieder der Achtung wird. j. * Diese Lässigkeit zeigt sich in ganz eigenartiger Weise auf einem anderen Gebiete. Stelle dir vor, lieber Leser, du betrittst einen. kleineren oder mittelgroßen Laden .in Jerusalem oder Tel-Aviv; der Inhaber ist Herr und Angestellter. Du freust dich vielleicht schon vor dem Schaufenster, das du eingehend betrachtest, mit welcher Ehrfurcht und Achtung dir der Chef entgegengehen wird. Aber selbst wenn er unbeschäftigt ist, bleibt er auf seinem Platze stehen oder sitzen und wartet gnädig, bis du näherkommst und ihm deine Wünsche mitteilst. Er ist auch keineswegs beflissen, dir zu danken, dich aufzufordern oder zu bitten, wiederzukommen, es sei denn, daß er in dir einen häufigen Kunden vermutet, den er einem anderen Kaufmann abspenstig machen kann. Dauert es dir zu lange, bis er nach deinen Wünschen fragt, so bist du gern entlassen. Du kannst hinausgehen, niemand wird dich zurückholen; es scheint als begehrte niemand deine Millim oder deine Piaster. Ja, es hat den Eindruck, als wollte der Geschäftsinhaber nicht gestört, nicht zu viel belästigt werden. Wie man — du erinnerst dich doch — von jenem alten. Juden in irgendeinem Dorfe Polens erzählt: Er hatte seine gemara auf seinem Ladentische und studierte eifrig in ihr, wie es sich gehört. Auf die allabendliche Frage seiner Frau, wie die Geschäfte gegangen seien, antwortete er stets oder häufig mit besonderer Freude und, Genugtuung: „Nun, ich bin boruch haschem heute nicht viel gestört worden. Du wirst natürlich gär nicht erst fragen, woran diese unhöfliche Bedienung liegt Du weißt ja, im Lande der Väter herrscht „prosperity"! Man hat es eben nicht nötig! Aber nein, so ist es keineswegs. Würden' sich diese Inhaber der kleineren Geschäfte über den Gang ihrer Unternehmungen Rechenschaft abgehen, so würden sie sich um Kundenwerbung im besten Sinne des Wortes bemühen! Aber sie wissen nichts über den Stand ihrer Dinge, Geld geht ständig ein und aus, es ist Bewegung — tatsächlich.— in allen Zweigen des Geschäftslebens, man ist auch insofern sehr fleißig, als es weder für Anfang noch Ende eines Arbeitstages eine Grenze gibt, und so leben sie in dem guten Glauben, auf eine oder auch zehn Einnahmen mehr, komme es wirklich nicht an. Dieses Bild trifft natürlich nicht auf die modernen großen Läden europäischen Zuschnittes zu. die mit Angestellten arbeiten, deren erste Pflicht der Dienst am Kunden ist Aber — wer wagt es zu bezweifeln — das sind natürlich auch meistens die deutschen Juden, die diese Unruhe in den Betrieb gebracht haben und deren Konkurrenz Wachsamkeit erforderlich macht. " Vielleicht ist manch einer froh, daß er diese Lässigkeit im privaten Leben und den kleinen Dingen des Tages kennenlernt Das ist eine gute Vorübung für den Verkehr mit den Behörden, wobei wir heute nur von'der Post sprechen wollen. Man muß hier an ■ sich halten, um nur gemäßigte Ausdrucke zu wählen. Denn es ist unglaublich, mit welcher Schlaffheit und: Herablassung Juden speziell von: Juden bei allen" Postämtern bedient werden. Daß die englischen oder arabischen Beamten den Juden nicht mit einer achtenswerten Freundlichkeit begegnen, wer wollte etwas anderes erwarten? Aber Juden gegen Juden! Welche Töne, welche Mienen, welches Hinwerfen der Briefmarken, welche unhöfliche, ungefällige, natürlich dadurch sehr unzutreffende Auskunft!. Wie interesselos der Briefträger, — der leider, das muß man zugestehen, oft erbärmlich besoldet ist — vor sich geht, wie es ihm letzten Endes nicht darauf ankömmt, die Post hin zu tun, wo es ihm beliebt, davon kann man sich keine Vorstellung machen. . Daher hören .die Klagen gerade gegen .die Post nicht, auf, aber Abhilfe wird nicht geschaffen. In den letzten Wochen ist gerade wieder eine Reihe von Beschwerden .'eingelaufen, von .denen" die 'ZeitunS ..Haaretz", einzelneabdruckt; So schildert jemand die Leiden dessen,/ der .in Haifa aii einem Tage, an dem