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Die Wahrheit · 1935-07-05 · Heft 27 (5.7.1935) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 27 (5.7.1935)
Date
1935-07-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 27 — 5. Juli 1935 DIE WAHRHEIT auf" die Ant^prt seines Yqrgär|ge.rs, am 26. März 1935.' Damals hatte Sir PWfip PuiUfji-Lister die Fräse, ob er einen Bericht über Nj^lfla^111^?" möglichkeitsn yon J»den in Transiftr&nien erhalten habe pder WSifenängige Konunjssjpn zur Besric^terstattaing hierüber entsenden werde, verneint und erklärt, die Möglichkeit der 'Ansiedlung von Juden in Transjordanien hänge von den örtlichen Verhältnissen ab., bezüglich derer er sjpjj yon den Ratschlägen des High Commissioner leiten lassen müsse. Dieser sei unter den gegebenen Umständen nicht in der Lage, die ErmutigungjüdischerNiederlassungzuempfehle h. Was freie Einwanderung nach G y p e r n betreffe, so würden durch eine solche die Interessen der derzeitigen Bewohner der Insel beeinträchtigt 'werden. Die Antwort des englischen "Kolonienministers ist für die Zionisten eine neuerliche große Enttäuschung. Gerade an den 'jungen MacDoriald hatten sie gefällige Hoffnungen geknüpft, er sollte sich angeblich schon früher in prozionistischem Sinne betätigt und auch seinen Vater, den früheren englischen Ministerpräsidenten, in dieser Richtung bejäinflüßt haben. Nun hat er bei der ersten sich ihm bietenden Gelegenheit bewiesen, daß er an der negativen Einstellung der bisherigen Kolonienminister in bezug auf das Einwanderungssystem festhält und die Einwanderung von dem Prinzip der Aufnahmsfähigkeit des Landes abhängig macht. Daß bezüglich dieser Aufnahmsfähigkeit starke Differenzen zwischen der zionistischen Exekutive und dem High Commissioner bestehen, ist bekannt, diese Differenzen werden also weiterdauern, der neue Kolonienminister will nichts unternehmen, damit sie ein Ende finden. Die Zionisten sind um eine gewaltige Enttäuschung reicher. Ein zweites jüdisches Todesopfer in Grodnp. Die schweren antisemitischen Unruhen in Gr.odno am Abend des Sabbath, 7. Juni, haben nun ein zweites Todesopfer gefordert: Der bei den Unruhen schwer verletzte 50jährige Qedalia Blecher ist am 26. v. M. im Hospital seinen Wunden erlegen. Das erste Todesopfer der Unruhen war der 21jährige Israel Berezowski, Sohni des Chormetsters der Orodnoer Synagoge, dessen Beisetzung damals sich trotz Gegenmaßnahmen der Behörden zu einer eindrucksvollen Tranerkundgebung der gesamten Grodnoer jüdischen Bevölkerung gestaltete. Auch die Beisetzung des zweitem Todesopfers gestaltete sich zu einer gewaltigen Tranerkundgebung der jüdischen Bevölkerung Grodnos. Obwohl der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde erst zu später Nachtstunde verständigt wurde, daß die Beisetzung am folgenden Morgen um 5 Uhr stattfinden müsse, verbreitete sich die Nachricht blitzschnell in der Stadt und am folgenden Morgen hatten sich um S Uhr vor dem jüdischen Krankenhaus viele Hunderte einge&mden. um dejm Toten das letzte Gefeit zu geben. Auf dem Wege durch die Stadt -vergrößerte sich der Trauerzug von Minute zu Minute und wuchs schließlich ungeachtet der frühen Morgenstunde und der außerordentlichen Hitze auf 10.000 Menschen an. Trotz dieser Massenbeiejljgung ^urde strengste Disziplin eingehalten. Die Beisetzung erfolgte Treben dem Grabe des ersten Opfers der letzten Unruhen". Das Trauergebet sprach der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Prof. Krinski. Kopzen^atj^nslager für PjOgromhetzer — in Polen. Als Hauptschuldige an den judenfeindlichen Ausschreitungen, die vor kurzem in Sokoly bei Lomza stattgefunden haben, wurden zwei Führer der Nation aide mokraten in das Konzentrationslager Breza Kartuska gebracht. Ferner wurden zwei Nationaldemokraten aus S u w a 1 k o, wo ebenfalls vor einiger Zeit p ogromartige Ausschreitungen stattgefunden haben, ins Konzentrationslager eingeliefert. Die erste DoIIar-Milfion des United Jewish Appeal erreicht. Felix M. Warburg, der Präsident des Dreieinviertel-Millionen-Dollar-Drives des United Jewish Appeal für Hilfe an die Juden in Deutsch land und Os te u ropa, gab soeben auf einer New Yorker Versammlung des Appeal bekannt, daß die erste Dollar-Million erreicht ist. Er brachte seine Zuversicht zum Ausdruck, daß die Drives zur Fonds-Aufbringung, die, demnächst m" zahUöspn bedeutenden "'(temeinxleh " in "ganz Amerika eingeleitet' werden solleji! ""den gleichen großen ~ Erfolg' erbringe^1 werden. ' Meine Mit-Prasidenten und iclj,'"sagte War^ürg,' erwarten, daß dje volle. Quote Ende dieses Jahres erreicht sein wird/ Die Lag'e dgr"Juden in Deut'schiaiid — VÖairte* Warburg/- hat sich nicht nur nicht"gebessert, sond^'noch verscHärff; die Lage 'deT' Juden "in "Poleh ist. ebenfalls fcatfastYophal. " Staatspolizei verlangt ,/Versa^mlunsspause". Im pemeindeblatt der Jüdischen .Gemeinde zu Berlin: wird auf Wunsch der Siaa'f sppjizei folgende Bekanntina«, cftupg an alle jüdischen Organisationen und Verein^ gericjitet: Iii Anbetracht der allgemeinen Uria$t)szeit im Monat Juli wird erwartet, daß in diesem jtyonat keinerlei Versammlungen, Sitzungen, Heimabende usw. stattfinden. Abgenommen sind Spiel und Sport im Frejen. Sollte es sich, wje wir bemerken, aus besonderen Gründen erweisen, daß Sitzungen $cht aufschiebbar suid, so ist dies dem Gemeindeyorstande rechtzeitig vorher anzuzeigen. Demzufolge bleiben alle Jugendheime im Monat Juli geschlossen. Der Herr Regierungschef. Die JTA erhält aus sehr guter Quelle die folgende verbürgte Nachricht: Der Präsident des Danziger Senate, Greiser, hat eine Schwester, die in Deutschland einen jüdischen Arzt, Dr. Kochmann, geheiratet hat. Doktor Kochmann' ist nicht Frontkämpfer, die Krankenkassentätigkeiit würde ihm infolgedessen entzogen, Senatspräsident Greiser, der „alte Kämpfer" der nationalsozialistischen Bewegung ist, hat für seinen Schwager niichts zu unternehmen gewagt. Dieser konnte sich nicht Halten und ist nach Shanghai ausgewandert. 75 Jßfire Alliance Israelit? Universelle. Kürzlich konnte die Pariser Alliance Israelite Universelle ihr 75jähriees Bestehen feiern. Die Alliance Israelite Universelle wurde 1860 mit der Devise ..Kol Jisrael arewim se base" (ganz Israel bürgt} für einander). Jje^ründet. Ihr Emblem " bilden zwei meipandergescftTuijßene- Hände vor einer Endkugel und über einer. Thora-Rpn.e jnif. der Inschrift „echad" ^einzig). Die Gründer, waren 17 junge Männer. Diese Juntren Jude'n '■wären zu Ihrem Schritt durch die Tatsache' veranlaßt wörderf. daß anläßlich der Ritüalmordheschuldigung in Damaskus im Jähre 1840' und der Entführung .und Zwa.Tigstaufe des jüdischen Kindes Mortara ffi Bologna hjf Jahre 1858 d}e '3)idepheif: jpange]$ 'e)p$T zentrale)!,' in ihrem' Namen sprechenden Örgärrtsatipn ni'chitdie Möglichkeit gehabt halte,' ihre Stimme zu erheben. Sie wollten eine große Vereinigung der Juden der ganzen Well, verwirklichen. „Wenn ihr glaubt", sagten sie in ihrem Aufruf, „daß es eine Ehre für eure Religion, eine LeRre Tür die Völker, ein Fortschritt für die Menschheit, eäh Triumph der Wahrheit und Vernunft jij dj6r Welt sein wird, zu sehen, wie sich alle lebendigen Kräfte des Judentums vereinigen, das zwar klein an Zahl, aber groß'.in der Liebe und dem Willen zum Guter, ist, dann kommt zu uns". Das Programm der A. I. U. wurde in einigen lapidaren Sätzen zusammengefaßt, die den Artikel 1 der Statut enbilden; ..Die A. I. U. hat zum Ziel: 1. überall für die Gleichstellung und den moralischen Fortschritt der Juden zu arbeiten; 2. denjenigen, die in ihrer Eigenschaft als Juden leiden, eine wirksame Stutze zu seih;' 3. jede Veröffentlichung zu fördern, die" geeignet ist, dieses Resultat zu sichern." Die A. I. U. wird von einem Zentralkomitee von ,6Q Mitgliedern verwaltet von denen ungefähr die Hälfte in Paris, die anderen in den verschiedenen Ländern, in denen die A. I. U. Zweigorganisationen besitzt, leben. Die bisherigen Präsidenten waren: L. J. K o e n i g swarter (1860/63). Adolpe Cremieux (1863/66 und 1868/80). S. Münk (1866/67). S. H. Goldschmidt (1881/98), Narcisse Leven (1898/1915). Von 1915 bis 1920 blieb das Amt des Präsidenten unbesetzt, 1920 wurde Sylvain Levi zum Präsidenten gewählt Russische Juden gegen Gottlosenbewegung. Der ..A p i k o i r e s", die einzige antireligiöse jüdische Zeitschrift Sowjetrußlands, hat ihr Erscheinen wegen Mangels an Lesern einstellen müssen. Zum Silberputzen kaufen Sie die feinste Putzpasta. Mit Recht wählen Sie das feinste und beste Putzmittel, damit das Silber blank und glänzend wird und trotzdem nicht den leisesten Kratzer davonträgt. Süber ist kostbar, aber noch kostbarer sind Ihre Zähne. Auch diese sollen glänzen in ihrem schönsten Elieiibeinschmuck, mit ihrem wunderbaren Schmelz. Wählen Sie auch für Ihre Zähne die richtige Pasta, die gründlich reinigt, ohne den Schmelz der Zähne zu beschädigen. 0 d o 1 Zahnpasta ist das feinste Pulver in Pastaform. Nur eine solche Pasta erfüllt die Anforderungen, die Sie an ein ideales Zahnreinigungsmittel stellen können. Odol-Zahnpasta wirkt außerdem erfrischend und belebend. Gemeindeihrqnik. Paris. Unter außerordentlich starker Beteiligungder Pariser Oeffentlichkeit wurden am 25. Juni dfe sterblichen Reste von Baronin Adelheid de Rothschild, Witwe nach Baron Edmond de Rothschild, auf dem Friedhof Pere Lactiaise beigesetzt. Der Friedhofseingang und die ZeremonienihaUe trugen reichen Trauerschmuck. Das Leichenbegängnis wirkte trotz betonter Schlichtheit sehr eindrucksvoll. Viele Tausende Menschen, zum größten Teil Frauen, folgten im langsamen Zug 'dem Sarge. Alle jüdischen und nichtjüdischen WoWfahrJsgesellschaften hatten Abordnungen entsandt Auch die Regieru'rig und"die wissenschaftlichen Institutionen waren vertreten. Die Trauerzerernonie wurde von dem Pariser Oberrabbiner Julien'Weil und dem Direktor des Rabbinerseminars, Rabbiner L i b e r, geleitet. Unmittelbar hinter dem Sarg schritten die Söhne der Verstorbenen, Baron James Edmond Armand und Baron Moritz Edmund Karl Rothschild. Ihnen folgten die Mitglieder des Konsistoriums der französischen Juden und des Vorstands der Alliance Israelite Universelle. Warschau. Die Beisetzung des großen polnischjüdischen Historikers und Diplomaten Professor Simon Askenäzy fand am 25. Juni auf dem Warschauer jüdischen Friedhof imter starker Beteiligung der gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Kreise Warschaus'' statt. Die r e 1 i g i b ri s g e s e t z 1 i c h e rr Vorschriften wurden hierbei — einem ausdrücklichen Wunsch des Verstorbenen entsprechend — streng eingehalten. Unter den Anwesenden sah man Vertreter der polnischen Regierung, der polnischen Akademie der Wissenschaften, der Warschauer und der Lemberger Universität. Sechs Professoren der Warschauer Universität hielten am'offenen Grabe dem Verstorbenen ehrende Nachrufe. Die Warschauer Jüdische Gemeinde hat Prof. Askenäzy ein Ehreng.rab neben dem des Schöpfers des Esperanto, Dr. Ludwig Zamenhof, gewidmet. Die Warschauer Universität und das Außenministerium hatten am Tage des Begräbnisses schwarz geflaggt. Der Präsident der polnischen Republik Professor Moscicki. sandte an die Witwe Prof. Askenazys ein Beileidstelegramm. New York. Aus dem soeben veröffentlichten Bericht des Verbandes der Synagogengemeinden Amerikas ist zu ersehen, daß die Zahl der Synägögengemeinden in den Vereinigten $taaten und Kanada zur Zeit 286 befragt.: Seit' dem 1. Jänner 1935 wurden sechs neue Syhagbgengemeinäen gegründet. In der Isr. KinderbewahranStalt in der Schiffamtsgasse'fand am Donnerstag, den '27. v. M.,' nachmittags eine überaus erhebende Feäer statt. Es galt, den Abschied zu begehen von der Leiterin der Anstalt, Frau Direktor Olga F i s'ch e r, die nach fast 403ähriger ungemein ersprießlicher Tätigkeit ihre Stelle niedergelegt hat, r tim 'sich in den wohlverdienten Ruhestand zurückzuziehen. 'Der schönen Feier wohnten neben der Familie d.er Jubilarin umji dem Gesamtvors.tande des die Ans'talt' erhaltenden Vereines .'."Wohlfahrt'* ü. ä. bei: der Ehrenpräsident des Vereines Altifabbiner Dr. Max G'runwaid nebst Gattin, Oberrabbiner Dr. L Taglicht, in Vertretung der Kultusgemeinde Dr. Ernst Feldsberg, für die Allianz Rabbiner Dr. A. Kamihjca, die Professoren Dr. j. Zapp er t und Doktor W." B r e'Ü e r,' die ' Pr'äsiäentm der „Weiblichen Fürsorge'.' "Frau Dir. Uli mann, Vorständsdamen des Frauenverölnes Leopoldstadt, ' Chefredakteur .0. Hirsch fej d. ppr Präsident des Vereines Herrn M. O e s t e r r e i c h e r begrüßte mit herzlichen Worten die Erschieneneri' und richtete sodann an' die Jubilarin eine Ansprache, in der er den innigsten Dank des Vorstandes für ihre hingebungsvolle Tätigkeit zum Ausdrücke ^rächte. Ehrenpräsident Altrabbiner Dr. Max O^runwä'ld charakterisierte in einem geistvollen historischen Rückblick die1 Vorgänger de;r Jubilarin in der Leitung der Anstalt und lobte irisbesondere das Wirken der „Dynastie Fischer", namentlich das von Frau Dir. OJga Fischer, deren Scheiden von allen aufs lebhafteste bedauert wird. Vizepräsident Dr. Berthold Spie gl er überreichte der Jubilarin eine schöne Adresse und be- Errfißte sie als neue Vorstandskollegin, die ihr großes Wissen und ihre reiche Erfahrung weiterhin in den Dienst der geliebten Anstalt stellen wolle. Besonders herzlich war die Ansprache des Vertreters der Kultusgemeinde Herrn Dr. Ernst Fe)dsberg,:der den Dank all Jener verdolmetschte, die mit der Anstalt je in Berührung kamen und dadurch Gelegenheit hatten, das segensreiche ' Wirken der Jubilarin kennen und schätzen zu lernen. Nun folgten Reden eines Vaters von zwei Zöglingen der Anstalt, der selbst in dieser Anstalt erzogen wurde, sowie der neuen Leiterin Fräulein Jula L ö w i t. die sich um das Arrangement der schönen Feier sehr verdient gemacht hat sowie einer Sprecherin der Hospitantin.nen: in all diesen Ansprachen wurde zum Ausdruck gebracht wie beliebt Frau Dir. Olga Fischer überall 'ist. Besonders rührend war der Abschied der Kinder yon ihrer Mutter. Nachdem drei herzige Kinder ein schönes Abschiedsgedicht vorgetragen und große Blumensträuße überreicht hatten, zogen alle in der Anstalt befürsorgten Kinder mit einem Abschiedschor an dem Platz der Jubilarin vorbei und überreichten ihr kleinere Blumensträuße. Bei dieser Huldigung blieb kein Auge trocken und mit Rührunff nahm man die kurzen, aber herzlichen Dankesworte der Jubilarin entgegen. Es folgte sodann eine Jause am reichhaltigen Büfett, das von den Vorstandsdamen mit Frau M. N e u m a n n an der Spitze und den Damen Kornmehl, Dir. Lassner. I. Sonnenfeld und Frl. Kiraly in liebenswürdiger Weise bedient wurde. Es war eine schöne Feier, würdig der Anstalt die sie beging, undi würdig der Jubilarin, deren Wirken in den Annalen dieser segensreichen Institution unauslöschlich festgehalten bleibt.

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