Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 27 (5.7.1935)
- Date
- 1935-07-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3062972-3064555-3064581--20270-3085497- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
flIE WAHRHEIT Nr. 27 — 5. Juri 1935 EÄ^^M.^^ Seite 5 HERRENKLEIDERSALON S. FROST III., Landstraße Hauptstraße 28 Telephon U 11-2-72 bringt den modernen Hochsommer-Anzug für den eleganten Herrn Feine Maßarbeit — Beste Ausführung — Billigste Preise sierenden Orient machen wird. Dabei vergißt man die Schwierigkeiten, die sich dem Aufbau einer Industrie in Palästina bieten. Das Land verfügt über keinerlei Rohstoffbasis und ist gezwungen, .alles aus dem Auslande einzuführen. Alle Rohmaterialien müssen aus weiten Gegenden zu teuren Frachtsätzen herangeholt und dort weiterverarbeitet werden. Der Verbrauch an Maschinen ist infolge des Klimas und der ungeschulten Arbeitskräfte ein bedeutend größerer als in Europa und Amerika^Die wenigen heute schon bestehenden Industrien (Oel, Parfüm. Schokolade und Leder) verdanken alle, mit Ausnahme der Oelmdustrie, ihr Bestehen dem jüdichen Chauvinismus, der das Schlagwort „Kauft palästinensische Waren" zu einem drohenden Imperativ werden läßt. Trotzdem ist keines der Erzeugnisse auf dem Weltmarkt auch nur annähernd konkurrenzfähig, da sie bei gleichen Preisen durch ihre mindere Qualität abfallen. Die Unsicherheit der politischen Verhältnisse Europas wirkt sich bei der starken Abhängigkeit Palästinas von Europa sehr stark aus. Weitblickende Palästinenser sehen mit Besorgnis einem europäisch enKrieg entgegen, da dieser das Land seiner Lebensmitteleinfuhr beraubt. Derselbe Umstand bewirkt, daß man Industriegründungen in Kroßerem Umfang skeptisch gegenübersteht, da diese Fabriken bei einem .europäischen Kriegsfall ihre Rohwarenlieferanten verlören. Die Araberfrage wird nicht einheitlich beurteilt. Man kann heute sagen, daß bei einem Verhältnis von ein Drittel zu zwei Drittel es den Juden gelingen würde, sich jedem bewaffneten Aufstand der Araber erfolgreich zu widersetzen. Wie sich die Engländer in diesem Falle verhalten würden, ist nicht vorauszusagen. Ihre momentane Haltung ist die des absoluten Beobachters, was z. B. aus dem Verhalten eines englischen Polizisten bei einer Meinungsverschiedenheit zwischen Arabern und Juden hervorgeht. Unbewegt steht der Tommy, neben den streitenden Parteien und sieht zu. Die Haltung der Engländer den Juden gegenüber ist um nicht vieles besser, als die einem Kolonialvolk gegenüber. Juden in Palästina sind in englischen Augen nicht vollwertige Weiße, was sich auch im Gesellschaftsieben deutlich erkennen läßt. Verkehr zwischen englischen und jüdischen Familien gibt es in Palästina nicht. Mit scheelen Augen wird von den Arabern die jüdische Einwanderung verfolgt. Di© Hinweise der Juden, daß die arabische Einwanderung aus Trans Jordanien unkontrolliert vor sich gehe und ein Vielfaches der jüdischen Einwanderung ausmache, wird von zuständigen englischen Stelen nicht zur Kenntnis genommen. Der objektive Beobachter kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß auch die Einstellung der Juden den Arabern gegenüber einen großen Teil der S ch ul d an dem schlechten Verhältnis der beiden Völker trägt. Es ist gewiß richtig, daß ein Großteil der arabischen Bevölkerung absolut minderwertig ist, aber wahrscheinlich nur deshalb, weil ihr Lebensstandard noch ein sehr tiefer ist. Gebildete Araber weisen immer empört auf die schlechte Behandlung ihrer Volksgenossen durch die Juden hin. Was die politischen Parteien anbelangt, so pendelt die Stimmung zwischen Extremen. Hie Revisionisten — hie Hrstadruth. Bis vor einem halben Jahr noch kam es mit automatischer Genauigkeit jeden Samstag Nachmittag auf dem Hauptplatz Tel-Avivs zu einer großen Schlägerei zwischen den beiden Gegnern. Der größte Teil der Bevölkerung, insbesondere die arbeitenden Schichten vertreten einen radikal-sozialistischen Standpunkt. Wie in vieüen anderen Dingen hat mani auch da den Eindruck, als ob der erst kürzlich abgeworfene Druck den Leuten) zu Kopf gestiegen wäre. Mit der erst jüngst gewonnenen Freiheit haben sie vergessen, daß Freiheit auch Pflichten auferlegst. Daß es dadurch zu Uebergriffen auf allen Gebieten des täglichen Lebens kommt, ist selbstverständlich. Die schrankenlose Macht der Histadruth äußert sich in viel stärkerem Ausmaß als etwa die Macht der Betriebsräte in 0 esterreich, in den Jahren 1919/1920. Willkürliche Lohnforderung, sofortiges Niederlegen der Arbeit, erschweren Handel und Verkehr. Das krasse Beispiel des Lastwagenunternehmers, dessem Chauffeur einen ihm anvertrauten Wagen mitten auf der Straße stehen! ließ, weil er eine andere, bessere Arbeit bekam, ist nicht alleinstehend. Die bekannte Vielsprachigkeit des Orients ist auch hier zu beobachten. Die Landessprachen sind englisch, arabisch und hebräisch. Die Beherrschung mindestens zweier von. den drei Sprachen ist absolut notwendig. Es ist richtig, daß mit wenigen Ausnahmen Hebräisch sehr schlecht gesprochen wird. Es ist aber notwendig, daß man sich zumindest in dieser Sprache verständigen kann, wenn man, in welchem Beruf immer, und gleichgültig, ob als Unternehmer oder als Angebellter, arbeiten will. Die deutsche Sprache wird oft in der gehässigsten Weise abgelehnt und es kann passieren, daß man am Lande in barscher Weise aufgefordert wird, nicht deutsch zu sprechen. Für den Neueinwanderer, der meistens gar nicht oder nur sehr schlecht Hebräisch kann, gehört die Erlernung dieser Sprache mit zu den größten Schwierigkeiten. Die Sprache so weit zu erlernen, daß man auch darin korrespondieren kann, erfordert die Arbeit eines Jahres. Nur wenige Menschen bringen die Energie und Kraft auf, nach der mehr als anstrengenden Tagesarbeit abends an das Studium zu gehen. Es erweckt durchaus nicht den Eindruck, daß man ein geschlossenes Volk von Juden vor sich hat. Man glaubt, die verschiedensten Nationen vor sich zu haben, deren Religion ---- VILLEHPEHSIOH RREDZBEHG •*» dSzeitensfein am feimiiciiiitf Seehöhe 1050 m Telephon: Breätnstein 11 FÜR KINDER UNO ERWACHSENE Leitung: Frau Lola SCHIFF, (staath.gepr. Kindergärtnerin) ARZT IM HAUSE Geöffnet Mai — Oktober — Auf Wunsch Prospekt 2'«ernannte Strohwitwer speisen torzflgllch Im Restaurant Hotel Stefanie vormals Operer IL, Taborslraße 12, Tel. D 46-5-57 «uit« Ausgiebige Braten-Menüs S 1.60 w*m^ l&J „ Geflügel- ., S Z20 IC-» sowie a la Carte, Speisen am Rost /.Schöner staubfreier Garten dieselbe ist. Der Uuterschied zwischen ost- und westeuropäischem Judentum tritt scharf zutage. Das kulturelle Niveau der osteuropäischen Juden ist naturgemäß ein viel tieferes als das der Mitteleuropäer. Es ist nicht zu verwundern, daß der polnische Einwanderer, der vielleicht aus einem kleinen schmutzigen Dorfe seiner Heimat nach Palästina kommt, sich in einer Wohnung mit Badezimmer wie im Himmel fühlt. Dem Westeuropäer fällt dagegen das Fehlen der Kanalisation unangenehm auf. Hier sind es wieder die Deutschen, die, an hohem Lebensstandard gewöhnt, sich besonders unwohl fühlen. Da sie daraus kein Hehl machen, sind sie sehr gehaßt. Starke Gegensätze ergeben sich auch aus der religiösen Frage. Hie Orthodoxie — hie Atheismus. Die am Schabbath auf den Straßen Tel- Avivs parkenden Autos wurden von Fanatikern schwer beschädigt, da hierin eine Verletzung der Sabbathruhe erblickt wurde. Anderseits fassen es Jugendorganisationen als besonders fesch auf, während des Gottesdienstes auf stark hupenden Autos an den Tempeln vorbeizufahren. Zusammenfassend läßt sich also auf die Unausgeglichenheit des Landes und seiner Bewohner hinweisen. Die Einrede, daß es sich um ein Land im Aufbau handelt, mag sehr vieles entschuldigen. Bestehen bleibt der Extremismus auf allen Gebieten. Baute man zuerst nur Orangen, so ging man dann zum Weinbau über, um diesen mit dem Olivenbau zu vertauschen. Heute kehrt man zur Orangenkultur wieder zurück, morgen wird der Gemüsebau besonders kultiviert werden. Wird ein neuartiges Unternehmen errichtet, so finden sich sofort acht bis zehn Nachahmer, die, ohne den Erfolg des ersteren abzuwarten, ihr Glück versuchen. Die Unausgeglichenheit und Unstetigkeit zeigt sich in allem und jedem. Erscheint bei den Bodenmaklern durch zwei bis drei Tagen kein Reflektant, so fallen die Bodenpreise um 10 bis 15 Prozent, Die bloße, wenn auch nicht kaufkräftige Nachfrage eines einzelnen genügt aber, um die Preise in die Höhe zu treiben. Das einzige Streben geht nach Verdienst. Man fragt nicht, wie geht es Ihnen, man fragt: wieviel verdienen Sie? Eine Deklassierung durch Ergreifung eines sozial tiefer stehenden Benifes ist unbekannt. Der Straßenkehrer ist ebenso viel wie der Bankdirektor. Man hat den Eindruck, daß jeder so rasch als möglich sein Schäfchen ins Trockene bringen will, um dann in einem anderen Teil der Welt die Früchte seines Beutezuges zu verzehren. Die Idealisten kehren der Stadt empört den Rücken und siedeln am Lande. Ala longe gesehen, werden sie sicher das bessere Geschäft machen. Denn daß es in den Städten zu einem Zusammenbruch kommen muß, ist leicht vorauszusagen. Das Leben in den Städten bietet den Eindruck einer Inflation. Nicht das Geld wird inflationiert, sondern die Bodenpreise. Bei dem geringsten Nachlassen der Einwanderung muß es zu einem Krach auf dem Bodenmarkt kommen. Und ob diese Erschütterung von der noch nicht erstarkten Wirtschaft des Landes abgefangen werden kann, ist zweifelhaft. Für den Weiterbestand des Landes wird dieser Zusammenbruch vielleicht nur von Vorteil sein. Automatisch werden dadurch jene Elemente von der Einwanderung ausgeschaltet, die als skrupelloseste Geschäftemacher ins Land kommen. Derjenige, der am Lande siedelt, wird bei härtester, für europäische Verhältnisse unfaßbar schwerer Arbeit sein bescheidenes Drauskommen finden. Das Einwanderungssvstem bleibt. Am 27. Juni hat der neue Minister für die Kolonien, Malcolm M a c D o n a 1 d, die seit längerer Zeit angekündigte Anfrage des Abgeordneten Colone! Josiah Wedgwood betreffend die Zulassung freier jüdischer Einwanderung nach Palästina, Transjordanien und Cypern schriftlich beantwortet. Die Hoffnungen, die in zionistischen Kreisen an diese Interpellation geknüpft wurden, werden durch die Antwort des Ministers enttäuscht. Eine Aenderung des Einwanderung-sSystems wird in ihr abermals mit derselben Motivierung, insbesondere Hervorhebung des Prinzips der „wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit", abgelehnt, die in der Beantwortung früherer ähnlicher Anfragen gegeben wurde. Die Anfrage des Abgeordneten Wedgwood ging dahin, ob nicht im Hinblick auf die feste Entschlossenheit der deutschen Regierung, die Juden aus Deutschland zu eliminieren, sowie auf die Verfolgungen, denen die Juden jetzt in ganz Europa ausgesetzt-sind, die Zulassung freier jüdischer Einwanderung nach Palästina, Transjordanien und Cypern von neuem überprüft werden sollte. Kolonienminister MacDonald erklärte in seiner Antwort, die Einwanderung nach Palästina müsse von dem Grundsatz der wirtschaftlichen Aufnahmsfähigkeit des Landes beherrscht sein. Der High Commissioner beweise volles mitfühlendes Verständnis für die Lage der deutschen Juden, soweit es mit der Beachtung des genannten Grundsatzes vereinbar ist. Betreffend die Zulassung jüdischer Einwanderung nach Transjordanien verwies der Minister Konhursaussdipeibung Der Vorstand des Tempelvereines „Chewra-Beth-Hat- Hlah" und „Bikur Cholim" im ES. Bezirk, sucht anläßlich der kommenden hohen Feiertage im Saale „Auge Gottes", Nußdorferstraße, einen Bai Schachris und einen Bai Mussaw, die gleichzeitig auch Bai Köret» sind. Bewerber, die österreichische Staatsbürger, stimmbegabt und in der Liturgie gut bewandert sind, außerdem eine einwandfreie religiöse Lehensführung nachweisen können, wollen ihre Offerte bis spätestens 20. [uli 1. J. an Herrn Salamon Österreicher, IX., Liechtensteinstrafie 113, richten.