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Die Wahrheit · 1935-07-05 · Heft 27 (5.7.1935) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 27 (5.7.1935)
Date
1935-07-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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niE WAHRHEIT Nr. 27 — 5. Juli 1935 Seite 3 Nazi-Deutschland und Palästina. Die Berliner „C. V. - Z e i t u n g", das offizielle ©rgan des Centraivereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, wurde, bis' zum 25. September verboten. Ein Grund wurde bisher nicht angegeben. Trotzdem kennt man ihn. Wir haben in unserem Blatte söhon wiederholt auf die freundliche Einstellung der riationaisoziaüstischeh Mächthaber in Deutschland gegenüber dem Zionismus hingewiesen, die diesem die werktätigste Förderung angedeihen lassen, indem sie alle dem Zionismus entgegenwirkenden Kräfte unter den deutschen Juden gewaltsam unterdrücken. Die vom Centralvere i n vertretene Ansicht, daß die Judeninihrer deutschen Heimat bleiben und sich den v e r ä n d e r t e h V e r h ä 11 n i s s e n a n p a s s e n sollen, stößt auf den größten Unwillen der deutschen B e h ö r d e n, die den Prozeß der L i q u id i e r ü n g d e r d e u t s c h e n J u d e n beschleunigen wollen. In Verfolg dieser Politik wurde bekanntlich in der letzten Zeit prominenten Vertretern des Centraivereins verboten, in Versammlungen zii sprechen. Nunmehr ist den vom Centraiverein vertretenen Juden in Deutschland auch ihr Organ genommen worden. Was ist nun — abgesehen von der „ideologischen" Uebereinstimmung zwischen Nationalsozialismus und Zionismus — der eigentliche Grund für diese auffallenden Sympathien? Bemerkenswerte Aufklärungen hierüber finden wir in dem Kölner Nazi-Organ „Der Westdeutsche Beobachte r", der in einem Artikel von Rudolf Goltz „Die Boykottlücke Palästina" eine Sachlichkeit aufbringt, die man sonst bei Besprechung jüdischer Angelegenheiten von Hakenkreuzblättern nicht gewohnt ist. "" Die nationalsozialistischen Sympathien gehören vor allem dem in Palästina in Erscheinung tretenden Durchbruch des Anti-Deutschlandboykotts, der die deutsche Wirtschaft aufs schwerste bedroht. Der Autor sagt darüber: Soweit die Boykottbewegung von Juden getragen wird, weist sie eine Lücke an einer Stelle auf, an der man sie gewiß am wenigsten vermutet hätte: in Palästina. Das Land, dessen jüdischer Sektor den Anspruch erhebt, das Judentum und die Judenheit .2U repräsentieren, öffnet sich in steigendem Maße der deutschen Ware. Gewiß fehlt es nicht an zahlreichen Bemühungen, den Boykott auch hier generell zu machen, und die Kennzeichnung vieler reichsdeutscher Waren als „österreichisch" weist darauf hin, daß auch im Publikum eine entsprechende Strömung besteht. Aber bis auf den keineswegs lückenlosen Filmboykott sind alle organisatorischen Ansätze dieser Art hier niemals weit gediehen! Der-Verkauf deutscher Markenartikel macht nur relativ geringe Schwierigkeiten und wird kaum ernsthaft verhindert. Gerade das „Detailgeschäft" mit deutschen Waren, das natürlich ohne die Spannungen noch ibesser (!) sein würde, weist darauf hin, daß nicht nur wegen des Transfer-Akommeris die deutsche Ware Eingang findet. Diese bemerkenswerte Erscheinürig findet ihre Erklärung einerseits in dem Willen, den Strom der deutschjüdischen Auswanderung nach Palästina zu lenken, und andererseits in der besonderen Psychologie des jüdischen Aufbauwerks im Heilige^ Lände. Das Nazi-Blatt ist mit den günstigen Auswirkungen des Transfer-Abkommens, das Palästina dem deutschen Markt erhalten, ja zum Teil sogar erst erschlossen habe, sehr zufrieden. Denn es „rangierte Deutschland 1933 mit 1,193.300 Pfund oder 10,75 Prozent an dritter und 1934 mit 1,658.993 Pfund oder 10,95 Prozent bereits an zweiter Stelle im Palästina-Import Ein Stillstand dieser Entwicklung ist vorläufig nicht anzunehmen, wenn sich auch für den Augenblick gewisse Schwierigkeiten ergeben haben." Diese Schwierigkeiten veranlassen Herrn Goltz zu liebevoller Versenkung in die jüdische Psyche, um zu erforschen, ob der Durchbruch des Boykotts für die jüdischen Massen in Palästina bloß durch den Zwang der Verhältnisse oktroyiert sei oder ob ihm eine gewisse Freiwilligkeit zukommt. Bei Beantwortung der aufgeworfenen Frage kommt Herr Goltz zu dem Schlüsse, daß das offizielle Festhalten der Palästina-Juden an dem antideutschen Boykott bloß als—Purimscherz zu werten sei, da es nur bei Purim-Umzügen in Erscheinung trete, während über alle bei seriöseren Gelegenheiten, hauptsächlich von Seite der Revisionisten ingebrachten Anträge zwecks Verschärfung des Boykotts zur Tagesordnung übergegangen werde, wie dies jüngst erst bei der Tagung des zionistischen Aktions-Komitees geschah. Der „Westdeutsche Beobachter" zollt deshalb den Zionisten hohes Lob, für die kein Grund zum Boykott vorliege, da es — so wur4e auf dieser Tagung erklärt — ja gerade zum" Wesen der zionistischen Theorie gehöre, daß die Judenfrage außerhalb Palästinas niemals zu befrieden sei. Dieses Axiom, dieser Grundsatz aber habe durch das Dritte Reich nur seine Bestätigung gefunden, und gerade Zionisten dürften dieser Tatsache gegenüber nicht überrascht sein. Palästina sei stets durch „Katastrophen" aufgebaut worden, die die Judenheit in der Diaspora betroffen hätten. Den jüdischen Massen in Polen und Amerika, die aus affektivem Bedürfnis an der Boykottparole festhalten, spricht der „Westdeutsche Beobachter" die Fähigkeit zum Erfassen der zionistischen Doktrin ab, auch wenn sie sich zum Zionismus bekennen. Die Hakenkreuz-Begeisterug für das jüdische Aufbauwerk erklärt sich also psychologisch aus der Witterung für das gute Geschäft, zu dem Deutschland im ganzen nahen Orient von Palästina aus nach der Ansicht des „Westdeutschen Beobachters" einen glänzenden Start habe. Um die Richtigkeit dieser Meinung sinnfällig zu machen, Kleine Tube S —SO Große Tube 8 IAO 383 Hotel Bellevue ^2 Pörtschach am Wörthersee Vornehmes Raas unter streng ritueller Leitung. Herrliche Lage, direkt am See. Schöne sonnige Zimmer mit Fließwasser. Vorzügliche internation. Küche. Volle Pension: Vor- und Nächsaison ■ S 9.— Hauptsaison........S 12.— Seebad und Garage frei. Geöffnet vom Mai bis Oktober VERLANGEN SIE PROSPEKTE! weist Goltz auf das Interesse Englands und auch Mussolinis für das kleine Palästina hin. Der Autor übersieht bloß, daß diese beiden Mächte die schöpferischen Kräfte der Juden auch in ihren eigenen Ländern zu schätzen wissen und fördern. Würden die deutschen Nazi ihre jüdischen Landsleute nicht durch die Parteibrille, sondern mit derselben Objektivität, die der „Westdeutsche Beobachter" den Palästina-Juden gegenüber aufgebracht hat, betrachten, dann würden sie entdecken, daß die Juden auch in ihrem deutschen Vaterland mindestens ebenso Ersprießliches für sich und die deutsche Wirtschaft leisten könnten wie im HeiHgen Lande. Für Österreich, für den Frieden! In Graz hat kürzlich eine sehr imposante Heldengedenkfeier des Bundes jüdischer Frontsoldaten stattgefunden, der der Grazer Bürgermeister und prominente Vertreter der Wehrmacht und der Vaterländischen Front beiwohnten, die in bemerkenswerten Ansprachen die Tapferkeit der jüdischen Soldaten im Weltkriege lobten. Von jüdischer Seite wurden außer von den Wiener und Grazer Führern des Bundes gehaltvolle Ansprachen vom Präsidenten der dortigen Kultusgjemeinde, Dr. K. Sonnenwald, und vom'Ländesrabbiner, Prof. Dr. D. Herzog, Graz, gehalten. Die aufsehenerregende Rede des letzteren veröffentlichen wir im folgenden: Wir haben uns heute hier nicht etwa darum eingefunden, um mit diesen Grabeshügeln, die auf unserem Heldenfriedhofe sich befinden, zu prahlen oder gar zu paradieren, denn solche Gräber hat jedes Volk und jede Glaubensgenossenschaft aufzuweisen, sondern wir sind heute hierhergekommen, um, nachdem es dem „Bund jüdischer Frontsoldaten" gelungen ist, unseren Heldenfriedhof würdig und mit einem Heldenmal auszustatten, in tiefer Wehmut derer zu gedenken, die als Helden auf dem Felde der Ehre gefallen sind und entweder hier oder in den weiten Steppen Rußlands, auf den Berghängen der Karpathen, am felsigen Karst, in Serbien, Albanien oder sonstwo ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Doch nicht nur Wehmut ist es, die heute unser Inneres erfüllt, sondern auch das Gefühl tiefer Dankbarkeit drängt sich in unsere Herzen für all das Große und Erhabene, das diese Menschen geleistet haben, indem sie das Kostbarste und Wertvollste, das der Mensch hier auf Erden besitzt, das Leben, geopfert haben. Sie haben für die Erhaltung der Heimat, ihrer Ehre und Freiheit ein ehrenhaftes und schlichtes Heldentum auf sich genommen. Ich sage absichtlich ein „schlichtes Heldentum". Denn allen diesen Männern stand ich in ihren letzten, schweren Stunden zur Seite, geleitete sie zu ihren letzten Ruhestätten und manche haben in meinen Armen ihren letzten Atemzug ausgehauch. Ich darf aber ruhig hier an geweihter Stätte sagen, daß sie alle von einem eisernen Pflichtgefühl erfüllt waren, das mich oft an antike Größe gemahnte. Sie brüsteten sich nicht mit ihren Taten, gebrauchten keine großen Worte, sondern haben es als heiligste Ehrensache betrachtet, ihre Pflichten restlos bis zum letzten Atemzuge auf sich genommen zu haben. Man wird gewiß begreifen, wenn ich in dieser Stunde, da ich im Begriffe stehe, unserem Heidenmal die religiöse Weihe zu geben, meine Gedanken über der Vergangenheit in die Gegenwart und Zukunft gerichtet sind, die mir sagen, so sehr wir die Heldentaten unserer Soldaten im Kriege bewundern — denn was Oesterreichs Soldaten im Kriege geleistet haben, wird stets mit goldenen, unauslöschlichen Lettern in der Heldengeschichte der Menschheit eingezeichnet erscheinen —, muß doch unser Streben dahin gerichtet sein, Kriege zu vermeiden. Sagte ja auch Bismarck, daß ..jeder Krieg, auch der siegreiche, immer ein großes Unglück ist für das Land, das ihn führt". Denn nur der, der den Krieg selber miterlebt hat. weiß, welch namenloses, schier untragbares Opfer der Krieg den Menschen auferlegt, wie viele Kultur- und Kunstwerke durch ihn zerstört werden. Es wäre das Leben sinnlos wenn seine Zielsetzung der Krieg wäre! Ich weiß, es gibt weite Kreise, die da meinen, nur Feiglinge und Schwache erheben ihre Stimme für den Frieden. Mag sein. Wir sind aber trotzdem mutig genug, für den Frieden einzutreten, denn wir halten es mit dem Propheten, der der Menschheit die ehernen Worte zugerufen hat: Nicht rühme sich der Weise seiner Weisheit, der Starke seiner Stärke, der Reiche seines Reichtums, sondern deß rühme sich, der sich rühmen will, daß er wissend mich erkenne, daß ich der Herr es bin, der Gnade, Recht und Gerechtigkeit auf Erden übt, denn an diesen habe ich Wohlgefallen (Jer. 9,22—23). Ja, wissend Gott erkennen, das ist es, was wir erstreben sollen, damit Liebe, Hilfsbereitschaft und Menschenachtung die Menschen umschlinge. Denn kann es etwas Betrüblicheres geben, als wenn Menschen, die von der gleichen Sonne beschienen werden, die doch alle einen Vater haben, sich gegenseitig bekriegen? Ist es nicht edler, segenverheißender, gottgefälliger, wenn wir uns gegenseitig die Hände zu gemeinsamer Arbeit reichen, um unser heißgeliebtes, herrliches Oesterreich zur höchsten Entfaltung zu bringen? An das alles soll uns auch unser Heldendenkmal erinnern. Denn wie diese Männer, bei welchen die feindliche Kugel nicht darnach gefragt hat, weß Glaubens und Stammes jemand sei, gemeinsam für die Erhaltung unseres Vaterlandes gekämpft und trotz aller Gefahren und vielleicht auch Unterschiedlichkeiten treu zusammenhielten, so sollten auch wir gemeinsam am Aufbau eines gläubigen, friedlichen und sozial gerechten Oesterreich mitarbeiten. Dann wird' dieses Denkmal nicht allein ein Zeichen soldatischer Treue sein, sondern auch ein Symbol der Aufforderung an uns, stets unsere Verbundenheit mit unserem Oesterreich und seinen regierenden Männern zu bekunden. Ja, möge uns dieses Denkmai ein Symbol der Einigkeit sein! Den Kameraden aber sei es überdies eine Erinnerung an gemeinsam erlebte Gefahren, den Alten ein Trost daß sie sich ihrer Kinder nicht zu schämen brauchten, den Jungen aber eine Aufforderung, daß, wenn das Vaterland wieder ruft, sie Gut und Blut für dasselbe opfern müssen. Du müder Wanderer aber, der du dereinst an diesen Grabeshügeln vorbeiziehen wirst, halt ein wenig inne und bete ein stilles Gebet für die dort Schlummernden, die auch Vater und Mutter liebten, von welchen mancher eine treue Frau und geliebte Kinder hatte, die aber dennoch rnutvoll ihr Leben opferten, weil sie meinten, durch ihren Opfertod auch jene Zeit herbeizuführen, in der zur allgemeinen Erkenntnis werden soll das Wort des großen Propheten: Nicht durch Kraft und nicht durch Gewalt, sondern durch meinen Geist, spricht der Ewige Sebaoth, soll die Welt erlöst werden. „Laßt uns einig sein, so haben wir genug allgemein'". Möchte doch diese Zeit bald heranreifen! Danksagung. Anläßlich des schweren Verlustes, den wir durch das Ableben unser innigstgeliebten Mutter und Gattin Ff au Amalia Wadisberger erlitten haben, sind uns so viele Beweise herzlfcher Anteilnahme zugekommen, daS wir uns veranlaßt sehen, auf diesem Wege allen Freunden und Bekannten innigen Dank zu sagen. Familie W°achsberg«r. wmam^Bwmmmammmmmmmmmmmmm

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