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Die Wahrheit · 1935-07-05 · Heft 27 (5.7.1935) · page 2

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 27 (5.7.1935)
Date
1935-07-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seitü 2 Nr. 27 — 5. Juli 1935 DIE WAHRHEIT I HOTEL E Li SAB ETHHOF Zeitgemäße Preise. Kein Mahlzeitenzwang gegenüber Menschichkeit empfehlen, weil sie — so wie dieFlöheTiere — auch Menschen seien. Goebbels fragt: „Aber was für Mensehen?" und spricht dem Juden das Recht ab, „so aufzutreten, als wäre er unseresgleichen". Der Menschenfloh Goebbels kann sich beruhigen: Gerade der Anlaß, aus dem er diese Rede hielt, wird den Juden jeden Anreiz nehmen, sich als seinesgleichen zu werten. Sie würden eine solche Qualifizierung eher als Beleidigung ablehnen. v-,,.. Diese .Rede wurde nämlich am 30. Juni zur Verherrlichung der unvergessenen Bluthaoht vom vorigen Jahr gehalten- Und während wir eingangs einige Fakten anführten, um zu zeigen, wie wenig die Ehtjudüng des Dritten Reiches bisher eigentlich geglückt ist, beweist die Hinmetzelung Roehms und anderer intimster Freunde Hitlers durch diesen das Gegenteil. Zu, blutrünstigen Greueln findet jüdisches Denken und Fühlen keinen Weg des Verständnisses. Hier feierte eine wirklich restlos gelungene UeberWindung des jüdischen Geistes triumphale Orgien. C! Benn. Tatzmaniisdorfj (Burgenland) Jineral-, Moor- und natürliche Kohleasäuresprudelbäder. j Billiger Pensionspreis inklusive Heilbäder. Zwei rituelle Res-) ■ taurants. — Auskünfte und Prospekte; Generalvertretung! . Wien L, Kohltnarkt 8 Tel. U 25-104 | ■Neu: M<K>r^adcungen und Moorkompressen in! allen Apotheken erhältlich. { Das Lessing-Denkmal auf dem Jadenplatz. Wir erhalten folgende Berichtigung: An die Schriftleitung der Jüdischen Wochenschrift „Die Wahrheit"! Unter dem 21. Juni in Nr. 25 Ihres Blattes bringen Sie einen Artikel „Das Lessingdenkmal auf dem Jüdehpläfe". Sie schreiben darin: ... j. „Eine Wiener 'Geo-ichtsver^na^dlung jrnacbte das Kuriosüm publik, daß der Literarhistoriker der Wiener Universität, Prof. Nadler, den Dichter Rainer Maria Rilke wegen seiher jüdischen Abs^m^ng,;irdher äbfäüijg beurteilt hat." Es ist unwahr, daß diese Gerichtsverhandlung dieses Kikiosum publik gemacht hat, wahr ist vielmehr, daß die Gerichtsverhandlung sich nicht um Rilke, sondern um die Beschuldigung drehte, meine Forschung leugne die christliche Lehre. Es ist unwahr, daß ich Rüke wegen seiner jüdischen Abstammung früher abfällig beurteilt habe. Wahr ist vielmehr, daß ich sowohl in der 1. und 2. wie jh der 3. Auflage meiner Literaturgeschichte in unverändertem Wortlaut auf vier umfangreichen Seiten Rilke durchaus positiv, verehrungsvoll und ohne die geringste Spur von Abfälligkeit behandelt habe, wie sich jeder überzeugen kann. 2. Sie schreiben weiter: „Erst seit dem Beginn des christlichen Kurses in Oesterreich hat dait 6. Jail 1935 Nadler sein Urteil revidiert." Das ist unwahr. Wahr ist vielmehr, daß ich mein Urteil nicht revidiert habe. Denn dieses lautet im allen Auflagen meiner Literaturgeschichte gleich. Geändert ist lediglich der fesTsteliende Satz über Rilkes Abkunft in der 3. Auflage. Diese geänderte Feststellung ist .keine „Revision",.sondern ich.konnte im Gegenteil;, wie sich jeder durch Vergleich der .beiden: Auflagen überzeugen kann, in der 3. Auflage aus inzwischen erschienener Literatur als nachgewiesen feststellen, was ich. genau so in der 1. und 2. Auflage vor diesen Neuerscheinungen . nur vermutet .hatte. Der einleitende Passus über Rilkes Abkunft in der 3. Auflage ist keine „Revision", sondern eine Bestätigung des in der 1. und 2. Auflage Gesagten. Es ist schließlich unwahr, daß diese gär nicht vorhandene Revision mit dem ßeginh des christjichen Kurses in Oesterreich zusammenhänge. Denn die 3. Auflage meiner Literaturgeschichte würde in der Handschrift. 1931 abgeschlossen, als ich! noch gär nicht österreichischer, sondern preußischer Professor war und als es noch keinen „Beginn des christlichen! Kurses in Oesterreich" gab. Als der Band Anfang 1932 erschien, war ich zwar inzwischen nach Oesterreich berufen worden, aber der christiiche Kurs hatte in Oesterreich noch immer nicht begonnen. Prof. Josef Nadler. KonstantlhhQgef, II., Oraler Haiiptallee GARTENFEST der »» JUGEND-UNION ü Akademie — Tanz im Freien. Beginn 7»9 Uhr. Ende 2 Uhr. Entree S 1.50. Im Falle ungünstiger Witterung findet das Fest Dienstag, den 9. Juli, statt. Karten im Vorverkauf: Sekretariat der Jugend-Union, Wien IX.. Berggasse 4, I^HHH Telephon: A 19-2-77, Klubheim des Jüdischen Jugend-Klubs. I., BiberstraOe 26_|J KongreBwahlen. Wenn dieses Blatt in die Hände seiner Leser kommt, wird die daran furchtbar interessierte österreichische Judenschaft bereits Antwort auf die sie schwer bewegende Frage erhalten haben, welche von den sechs wahlwerbenden zionistischen Parteien den Sieg bei den am 4. Juli stattgehabten österreichischen Delegiertenwahlen zum Zionistenkongreß errungen hat. Seit Wochen tobte zwischen diesen Parteien ein erbitterter Kampf, dessen Schärfe die Lüge des jüdischnationalen Eimgkeitsgefasels klar enthüllt. In Wort und Schrift würde gestritten, man sparte nicht mit gegenseifigen Verleumdungen. Alle Parteien! haben sich , zur Auffrischung ihres arg ramponierten Renom- .mees Gastredner für ihre auffällenderweise trotz des Ver^ammlungsverbotes erlaubten Versammlungen bestellt, das Entgegenkommen der Behörden wuirdia aber damit belohnt, daß die meisten dieser Wahlversammlungen überaus stürmisch verliefen, ja am vergangenen Montag kam es bei dem Vortrag des zionistischen „Einwanderungsministers" Jizchak Grünbaum im Hotel Continental zu solch schweren Schlägereien zwischen den jugendlichen Anhängern der beiden „allgemeinen" Parteien (Jizchak GrünbauTn kontra .Dr. Oskar .Grünbaum), daß Wache intervenieren mußte.; Es war daher nur naheliegend,. daß am igestrigen Wahltage für den Wahlakt jüdische Lokale herangezogen wurden, und es ist im Prinzip, nichts dagegen zu sagen, daß die Kultusgemeinde ihre Einwilligung zu der Verwendung dieser Lokale gäbe. Mehr als auffallend aber ist es, wenn als Agitationslokal der Liste, auf welcher Dr. Oskar Grünbaum und Frau Sofie Löwenherz; kandidierten, die Kanzlei eines angesehenen Wiener Vereinstempels herangezogen wurde, während das Wahllokal sich in einem Kaffeehaus befindet. ■■■BaBHBraaairaaHiHaHaauiMnliäaai im Pension Eckstein SemiTiering .. IBBaBBB'BBBflBBBBBBBBBBBBBBflBBBriBBBBBH Feuilleton Zeitungsanzeigen. „Wo man singt, da laß dich ruhig nieder." Damit rechnen wohl die vielen amerikanischen Synagogenvereine, die in New Yorker jüdischen Zeitungen gjroße Anzeigen loslassen des Inhalts, daß der bekannte und berühmte Kantor Sowieso dann und dann in der Synagoge X beten wird. Damit die Sache zugkräftiger wird, ist der Anzeige zugleich das BUd des Wunderkantors beigefügt: schließlich will ja niemand sein Geld für eine unbekannte Person ausgeben. Man kauft so wenig die Katze im Sack wie die Billetts für den Gottesdieaisjl, die beim Schammes im Vorverkauf zu haben sind. Das geschieht in New York. In einem Lande sind es die Kantoren, die die Synagogen füllen; in einem andern die Rabbiner mit ihren Predigten. In einem dritten Lande vermögen vielleicht Rabbiner und Kantor die Bethausbesucher anzulocken; m einem vierten vielleicht — beide nicht. „. . . da laß dich ruhig nieder." Da gibt es in eben dem gleichen Amerika z. B. Zeitungsanzeigen, die mehr über gewisse Auffassungen und Gedanken vom Tode aussagen, als es dickleibige Bücher vermögen. So kann man lesen: i,Bes Jisroel Friedhof: hoch — schön — trocken. -Omnibusse von New York direkt bis zum Friedhof." Nun ist es ja wirklich ein nicht zu verachtendes Vergnügen, schön und hoch und trocken zu liegen und trotzdem tot zu sein, außerdem aber schon vorher zu wissen: die Omnibusse bringen die Trauergäste ohne große Fahrtspesen und Mühen direkt bis zum Friedhof. Dann wird die Beerdigung zu leiner unbeschwerlichen Angelegenheit, und man kann sich schon zu Lebzeiten ausmalen, daß selbst Freund X bei unserer Beerdigung zugegen, sein wird, dieweil er, geizig, keine großen Ausgaben und wenig Zeitversäumnis hat, wo doch die Omnibusse ihn zum Grabe bringen. Es gibt überall Menschen, die über den Tod hinaus Rücksicht auf ihre guten Freunde nehmen, die aber auch, wie sie etwas vom Lebern haben wollten, noch im Tode ihren Komfort nicht missen wollen, und sei es auch nur den, hoch, schön und trocken zu liegen. Eine andere Anzeige lockt: „Bes Dovid Friedhof. Neue Wege und Untergrundbahn. Drei Dollar für ein Grab ausheben. Für einen erwachsenen Menschen ist das alles, was der Bes Dovid Friedhof berechnet. Nicht neun und elf Dollar wie andere Friedhöfe: nur drei Dollar. Ueber 1200 der prominentesten jüdischen Organisationen haben bei uns Plätze gekauft.. ." Also auch noch Wettbewerb im Tode, wie es dort in U. S. A. bei Juden und Nichtjuden üblich ist. Eigentlich muß ein solches Angebot zu niedrigen Preisen und mit solchen Referenzen ein Schlager sein. Schließlich wird die Aussicht, neben „den 1200 prominentesten jüdischen Organisationen New Yorks" zu liegen, nicht jeden Tag geboten. Der Chronist muß allerdings feststellen, daß es ah unlauteren Wettbewerb grenzt, wenn ein Friedhof nur ein Drittel oder gar nur ein Viertel des Preises anderer Friedhöfe berechnet. Da ist das „Hochschön-trocken"-Angebot entschieden reeller. * . * Zeitungsanzeigen sind nun einmal ein Gradmesser für Sorgen und Wünsche. Jeder weiß das, wenn er daran denkt, daß es überall in der Welt, in der Presse aller Länder Heiratsanzeigen und Stellungsgesuche oder -angeböte gibt. So annonciert eine kleine jüdische Gemeinde in der Tschechoslowakei nach einem Jeschiwe Bochur, einem Absolventen einer Talmud-Thoraschule, der eine angenehme Stimme hat, vorbeten und Schächten kann und auch gewisse Kaschruthfragen zu entscheiden vermag. „Dieser Posten ist mit der Heirat der Tochter unseres Kultusbeamten verbunden", heißt es zum Schluß. Nun kann man sich schon denken, daß es Gemeinden gibt, die dafür sorgen, daß ihre Mitglieder durch eine angenehme Vorbeterstimme erfreut werden. Aber daß es eine Gemeinde gibt, die sich in solch rührender Sorge darum kümmert, daß die Tochter eines Kultusbeamten unter die Haube kommt, — das ist wirklich alles, was man an Güte und Nächstenliebe von einer juristischen Person verlangen kann. Nur ist zu bedenken: Wenn der Bewerber um diese Kaotorstelle der Gemeinde gefällt und sie ihm, kann immer noch die Kultusbeamtentocher nicht nach seinem Geschmack sein. Unter solchen! Umständen können sich selbst aussichtsreiche Verhandlungen leicht zerschlagen, zumal sich der Verdacht nicht unterdrücken läßt, daß die Kultusbeamtenttochter nicht eben die Schönste im Land sein wird. Denn brauchte die Gemeinde sie als Draufgabe anzukündigen, wenn es anders wäre? Arno Herzberg.

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