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Die Wahrheit · 1935-06-28 · Heft 26 (28.6.1935) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 26 (28.6.1935)
Date
1935-06-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 26 — 28. Juni 1935 DIE WAHRHEIT Für me Mitglieder der „Union österreichischer Juden" Beratungsstelle für kaufmännische, gewerbliche, Steuer- und Versicherungs- Angelegenheiten. Leiter: Komm.-Rat Alexius Salz er. Eingehende Informationen für jedes Mitglied der »Union" unentgeltlich, und zwar bis auf weiteres Wien I., Kohlmarkt 8; l. Stock, Tür. 4, täglich (mit Ausnahme von Saaistag) von 10—12 Uhr vormittags. Eine Ehrenliste. Das Rtichsinnenministerium in Berlin hat bekanntlich in seinen „Gründen" zu den neuen Ausbürgerungen die Ausgebürgerten, insbesondere Rabbiner Max Abraham, der gegenwärtig in der Tschechoslowakei lebt, auch in ihrer menschlichen Ehre angegriffen. Rabbiner Max Abraham schreibt dazu der J. T. A.: „Ich habe es mit meiner Stellung als Prediger und Lehrer in verschiedenen Gemeinden Deutschlands — zuletzt Rathenow bei Berlin und Berlin-Groß-Lichterfelde — für unvereinbar gehalten, mich politisch zu betätigen. Ich kannte nur eine Betätigung, und zwar für mein Judentum und den Kampf gegen den Antisemitismus. Zu der Ausbürgerung gehen mir täglich Gratulationen zu. Ich mache mir ganz den Satz zu eigen, den mir ein Prager Freund schrieb: ,Ich und mit mir alle guten Europäer betrachten diese Liste ah eine Ehrenliste. Sie befinden sich in der besten Gesellschaft.' Ich gehörte diesem Deutschland nicht mehr an von der Stunde, da wir Juden gezwungen wurden, uns gegenseitig mit dem Gummiknüppel zu verprügeln. Gerade weil ich als Rabbiner ins Konzentrationslager Oranienburg eingeliefert wurde, hatte ich das schwerste Martyrium zu erdulden, wurde ich zum ,Latrinendirektor' ernannt und gezwungen, diese Latrinenarbeiten mit den Fingern zu verrichten. Die in meiner Schrift ,Juda verrecke' geschilderten Erlebnisse kann ich unter Eid stellen." Brutale Deportierting des Danziger JTA-Korrespondenten. In btrutafer Weise wurde der Danziger JTA- Korrespondent und Herausgeber des „Danziger Echo", Theodor Löwy, deportiert. Zunächst wurde ihm der Aufenthalt um drei Tage verlängert, innerhalb welcher Zeit die Motive für seine Ausweisung zur Kenntnis der lettischen Regierung und der Vertreter anderer Regierungen, die zu seinen Gunsten interveniert haben, gebracht werden sollten. Bevor aber noch diese Frist ablief, wurde Theodor Löwy aus der Redaktion heraus, wo er eben im Begriffe war, sich von seinen Mitarbeitern zu verabschieden, verhaftet und in das Polizeigefängnis gebracht. Unbeschadet seiner Erklärung, daß er im Begriffe sei, freiwillig das Territorium des Freistaates zu verlassen, wurde er unter polizeilicher Eskorte zur polnischen Grenze gebracht. Es wurde ihm verboten, telephonische Gespräche zu führen oder auch nur dem lettischen Generalkonsul, zu dem er bestellt war, eine Mitteilung zukommen zu lassen. In den jüdischen Kreisen Danzigs hat die Ausweisung Löwys niederdrückend gewirkt. Löwy hat unter großen persönlichen Ppforn materieller und moralischer Natur für die allgemeinen Interessen der jüdischen Bevölkerung in Danzig in sehr maßvoller Form gekämpft. In einer Festnummer, die das „Danziger Echo" kürzlich herausgab, haben Vertreter aller jüdischep Richtungen den) großen Wert der publizistischen WBsmmm miAueKbedorf decken Sie am besten und billigsten in der vmiiiMmii* -imiwm HEPrWVM TBCBNEB, »D Wien II, " Ecke-TaborsträBe"^ Große Auswahl von Büchern aller Art, auch antiquarischzu billigsten Preisen. Verlangen Sie PjeiST listen umsonst! Tür Auskünfte R 41-4-20 Modernejiücher können Sie bei uns für nur!{• Gr. pro Tag lesen! Keine weiteren tiebünren. Einzelne Bücher und ganze Bibliotheken Verden; ' angekauft und gut bezahlt! Tätigkeit Theodor Löwys für den Schutz der wirtschaftlichen Existenz und der Rechte der Danziger jüdischen Bevölkerung unterstrichen. Die Jüdische Telegraphen-Agentur hat Vorsorge getroffen, daß auch nach Deponierung Theodor Löwys der Nachrichtendienst aus Danzig in dieser Periode verschärfter antisemitischer Politik nicht unterbrochen werde. Interpellation im englischen Parlament. Colonel Josiah Wedgwood hat eine Interpellation im englischen Unterhaus betreffend die Deponierung des JTA-Korrespondenten Theodor Löwy aus Danzig angekündigt. Henri Bergson nicht zum Katholizismus übergetreten. Der berühmte französische Philosoph und Nobelpreisträger Henri Bergson dementiert in einer der Jüdischen Telegraphen-Agentur übergebenen Erklärung kategorisch die von der Berliner „Germania" gebrachte und von vielen deutschen und außerhalb Deutschlands erscheinenden, auch vpn Wiener Zeitungen übernommene Mitteilung, daß er vom Judentum zum Katholizismus übergetreten sei. Henri Bergson ist einer der einflußreichsten Denker der letzten Jahrzehnte und die von ihm ausgehende Wirkung erstreckt sich über das ganze Gebiet europäischer Kultur. Die antiintellektualistische Strömung der Gegenwart hat in ihm ihren philosophischen Führer gefunden. Der jugoslawische Prinzregent erklärt: Keine Unterschiede zwischen den Juden und der übrigen Bevölkerung. Der bekannte Belgrader Arzt Dr. Bukic Pijade, eine der führenden Persönlichkeiten des jugoslawischen Judentunjs und designierter Präsident der jugoslawischen Großloge des Ordens Bne Brith, wurd zun} Präsidenten der Bejgrader sephardischen Gemeinde gewählt Die innerhalb der .Gemeinde bestehenden zwei starken Gruppen, die sich in den letzten drei Jahren bekämpften, haben sich auf Grund eines Uebereinkommens zu gemeinsamer Arbeit zusammengeschlossen. In seiner neuen Eigenschaft als Gemeindepräsident wurde Dn. iPijade vom Prinzenregenten Paul in Audienz empfangen. Im Laufe der mehr als halbstündigen Unterredung fand der Prinzregent Worte der wärmsten Sympathie für das Judentum, dem en große Verdienste auf wissenschaftlichen, kulturellen und anderen Gebieten zuerkennt. Der Prinzregent äußerte den Wunsch, daß es zwischen den Juden und der übrigen Bevölkerung keine Unterschiede geben möge. Z. T. A. Die künftige jüdische parlamentarische Vertretung Polen. Der polnische Sejm hat endgültig die neue Wahlordnung angenommen und die von den Oppositionsgruppen vorgeschlagenen Aenderungen abgelehnt Aus informierten Kreisen wird der JTA mitgeteilt, - daß laut der neuen Wahlordnung die Juden die Möglichkeit haben werden, sechs Deputierte im Sejm durchzubringen. Im S e n a t werden die Juden durch den nominierten Senator Rabbiner Prof. Dr. S c h o r r und vielleicht durch einen g ewählten Senator vertreten sein. Wiederum Bombenanschlag in Lemberg. Die Serie der in Lemberg von unbekannter Hand geführten Anschläge gegen jüdische Institutionen hat sich nunmehr um einen weiteren schwerwiegenden Anschlag vermehrt. Im Stiegenhiaus des Gebäudes, in dem sich die Lokale des jüdischen Sportklubs Haschacher und der Vereinigung der Zionisten-Revisipnisten Kadimah befinden, explodierte eine Höllenmaschine und richtete ungeheuren Schaden an. Der \3 jährige Emanue] Webner und der 14 j ä jfr i g e Ephrain Fortman wurden schwerverletzt einige andere junge Leute kamen mit leichteren Verletzungen davon. Das Gebäude wurde so schwer beschädigt, daß es f ast unbewohnbar ist Die Urheber konnten ebensowenig wie in früheren ähnlichen Fällen ermittelt werden. König G?eorg salutiert. „Jewish Chrbnicle" berichtet: Anläßlich der Jubiläumsjahr* des Körugspaares durch London war idie Hammersm'iith-Synagoge festlich geschmückt Während der Vorbei- OROSSFLEISCHHAUEREI flEGM. KORNMEHl WIEN IX., BERGGASSE HR. 19 FILIALEi XVIII., WfiURINGERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen mr Koscherfleisch unter Aufsicht des ehrw. Rabbinates der Isr. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen fahrt machte die Königin den König auf das Gebäude und besonders auf. die .S tein-tafein mit den Zehn Geboten[ aufmerksam. Der-König wandte sein Gesicht\der/Ilafei zu und salutierte. Die jüdische Bevölkerung.hat diese Geste mit freudigem Dank aufgenommen. . Hitler-Emissär für Syrien und Palästina. Einer der Jiäuptakteufe bei dem vorjährigen Erwerb der Saarbrücker Wochenzeitung „Westland" durch das Reichspropagandaministerium war bekanntlich * der Nazi-Agent R e i n a n t z. Wie nun das .„Pariser Tageblatt" aus Berlin erfährt, hält sich dieser /Reiriartz ..gegenwärtig zu neuem „Befehlsempfang" in Deutschland auf. Seine jetzige Mission,wird darin bestehen, 'daß er mit einem „Sonderauftrag" nach Syrien und Palästina geht. Die Zeitung schreibt: „Es wird für die an diesen Gebieten interessierten Mächte zweifellös interessant sesini, einen Agewten, der in dem Fingern dunkler Affären bereits seinen Befähigungsnachweis erbracht hat, in seinem neuen Tätigkeitsbereich zu wissen." Hitlers Lieblingslektüre. Nach Nürnberger Meldungen erklärte Julius» Streicher ausländischen Pressevertretern gegenüber, dias einzige BI a ü t, das der Führer Adolf Hitler jeden Tag von Anfang bis zu E n de 1 ese, sei der „S t ü r m e r". „Stürmer" in Amerika verboten, In der letzten Zeit wurde der Nürnberger „Stürmer" in den Straßen New Yorks und anderer amerikanischer Städte verbreitet Nunmehr haben die Behörden ein Verbot der Verbreitung des „Stürmer" in den U. S. A. ausgesprochen.' Einstein Ehrendoktor der Harvard-Universität. Die Harvard-Universität in Cambridge (Mass.) bei Boston, das größte amerikanische Wissenschafts-Zentrum, hat Professor Albert E i nstein zum Ehrendoktor der Wissenschaften ernannt. Wie erinnerlich, hat die gleiche Universität im vergangenen Jahre ein Stiftungsangebot von Hanfstaengel, Hitlers privatem Sekretär, zur Ermöglichung des Studiums von Amerikanern in Deutschland zurückgewiesen. Helene Mayer amerikanische Fechtmeisterin. Die junge deutsche Jüdin Helene Mayer, einst Welt-Fechtmeisterin, die nach Hitlers Machtantritt aus Deutschland auswandern mußte, hat. die im Vorjahre erlangte amerikanische" Fechtmeisterschafs) erfolgreich verteidigt.

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