Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 26 (28.6.1935)
- Date
- 1935-06-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Nr. 26 — 28.".Juni 1935 Seite 5 Srtitftl Soljnetifialfee! {fr tjt unentbehrlich. Oullus sndni Saffee-Smport. Weltkonferenz jüdischer Kriegsteilnehmer. Am Donnerstag, den 20. Juni, ging die Weltkonferenz der Länderverbände jüdischer Kriegsteilnehmer zu Ende, nachdem sich vorher noch die Delegierten zu einem Abschiedsbankett versammelt hatten. Am Mittwoch, den 19. Juni, empfing der französische Kriegsminister Oberst Jean' Fabry, umgeben von den Vertretern des Pariser Stadtrates, im Riesensaal der Sorbonne die Kongreßdelegierten, die dem Minister durch Hauptmann Dr eyf us, der zu dieser Feier von der Alliance Israelite beordert wurde, vorgestellt wurden. Die Feier galt dem Andenken der ehemaligen jüdischen Frontkämpfer, die an allen Fronten für ihre Vaterländer starben. Ueber den Verlauf der eindrucksvollen Sitzung, In der Oberst Fabry den Vorsitz führte, berichtet die J. T. A.: Der Präsident der Weltkonferenz, Varnikof, führte aus, der Plan, der Schaffung eines Koniaktes zwischen den jüdischen Frontkämpfern der verschiedenen Länder sei auf dieser ersten Weltkonferenz1 jüdischer Frontkämpfer, an der Delegationen aus zwölf Ländern direkt teilnahmen und der Frontkämpferverbände aus anderen Ländern ihre Zustimmung gegeben haben, realisiert worden. Ziel der Konferenz sei, der Welt in Erinnerung zu bringen, daß Juden überall und mit allen zugleich ihre Pflicht als Soldaten erfüllt haben und daß die jüdischen Frontkämpfer zum Kampf um ihre Rechte und die Rechte ihrer bedrohten jüdischen Brüder, wo immer sie leben, bereit sind. Darüber hinaus solle diese Konferenz von Juden, die ihr Leben für ihre Vaterländer eingesetzt haben, eine Manifestation für Weltfrieden und Völkerverbrüderung sein. Nach einer Ansprache des Vertreters des internationalen Frontkämpferverbändes, des polnischen Generals Qurecki, überbrachte der Führer der österreichischen Abordnung, Hauptmann von Friedmann, den Gruß von 22.000 organisierten jüdischen Kriegsteilnehmern in Oesterreich. Nach einer Ansprache des Führers der ägyptischen Delegation, Dr. Latls Bey, überbrachte der Führer der amerikanisch - jüdischen Kriegsteilnehmer, William Berman, die Grüße von 250.000 amerikanischjüdischen Kriegsteilnehmern. Es sprachen dann der Führer der englischen Delegation (Jewish Ex- Servicemen's Legion) Sarno, der Führer der lettländischen Delegation Sinakius, der Führer der palästinensischen Frontkämpfer Dr. Kaganow, der Führer der großen polnischen Delegation Bregman, der des Marschalls, Pilsuds.ki gedachte, u. v. a. Auf die Ansprachen der Führer der verschiedenen Länder-Delegationen antwortete Kriegsinimster; Fabry, wobei erfeststellte, daß es in Frankire ich keinerlei Unterschiede zwischen "den Frontkämpfern gebe; alle werden;ohne Unterschied der Konfession gleich behandelt. Zum Schluß spnachj.der Kriegsminister seine Hochachtung für den;von den jüdischen Soldaten und Freiwilligen im Kriege bewiesenen Mut aus und zeigte sich besonders empfänglich für die Gefühle, die die jüdischen Frontsoldaten Frankreich entgegenbringen. Die Delegierten der Weltkonferenz der jüdischen Fröntkämpferverbände wurden nach Schluß der Konferenz von der Stadt Paris im Restaurant Botel Stefanie vonnals Operer II., Toborstraoe 12, Tel. IT46-5-S7 Ausgiebige Braten-Menüs S 1.80 „ Geflügel- ., S 2.20 iwJ Vanägtiche Zaber ei tnng — Schwecbater Biere — Natarweiue Schöner staubfreier Garten Raühaus feierlich emp-fangen. Der Präsident des Stadtrats Contonot entbot den jüdischen Frontkämpfern den Gruß der Stadt Paris, im Niamen der ausländischen Delegationen dankte Leutnant Florea, stellvertretender Chef der ameiräkanjschen Frontkämpferverbände, für den Empfang. Der Feier bei der Einweihung des Denkmals für die an der französischen Front gefallenen 1200 orientalisch-sephardischen Juden wohnten neben einem Vertreter des Präsidenten der Republik iJlllllllflllllllllllllllillllllllllllllUlülffllH IEPHRUSSI & CoJ OegrOndet 1856 s 1 Bcumlctf esrtaiifte aller Art 1 g Abteilungen für Wertpapiere und Devisen n M Wien IX., Wasagasae Nr. 2 §| iiimiin^ zahlreiche hohe militärische Würdenträger, der Vizepräsident des Parlaments Henri Pate mit zahlreichen Abgeordneten u. y. a. bei. Die Gedenkrede hielt der PensionsmMster M a p o i 1, der sagte: Die Tatsache, daß der ' Präsident der Republik Lebrun das Protektorat über die Feier übernommen hat, unterstreiche die Wichtigkeit des Augenblicks. Ich empfinde es als Auszeichnung, den jüdischen Helden von 1914 Ehre zu erweisen. Andere Länder verfolgen unbarmherzig die „Rassefremden" und schließen sie von der Mitarbeit aus. Wir Franzosen aber wissen, daß jede Rasse ihr Genie hat. Warnung vor dem Medizinstudium. Die Vereinigung jüdischer Aerzte in Wien sieht sich im Bewustsein ihrer Verantwortung genötigt, die jüdischen Abiturienten und ihre Eltern vor der Wahl des Medizinstudiums in der jetzigen Zeit auf das nachdrücklichste zu warnen. Aus Angst vor dem traurigen Schicksal der Medizinstudenten und Aerzte in der nächsten Zeit soll die Lage, wie sie jetzt für Juden besteht und in Zukunft zu erwarten ist, wahrheitsgemäß dargestellt werden: Das jetzit schon sehr schwierige, mit großen persönlichen und Geldopfern verbundene Studium der Medizin soll sicherem Vernehmen nach um ein Jahr verlängert werden. Auch ist die Einschaltung einer Praxiszeit zwischen Studium und Ausübung des ärztlichen Berufes beabsichtigt Während in früheren Jahren jeder österreichische Staatsbürger nach seiner Promotion zum Doktor der gesamten Heilkunde sich einfach in einem beliebigen öffentlichen Spital zur Praxis, bzw. als Hilfsarzt anmelden konnte, worauf seine Ernennung zum Aspiranten, bzw. Sekundararzt genau turnusmäßig erfolgte, ist seit dem 1. April 1933 dies nicht mehr der Fall. Weder muß die Anmeldung eines aspirierenden Hospitanten entgegengenommen werden noch auch gibt es trotz der in Oesterreich verfassungsmäßig festgelegten Gleichberechtigung eine Möglichkeit, die Ernennung oder Beförderung duchzusetzen, da seit dem erwähnten Zeitpunkt jede Personaländerug dem Ministerium für soziale Verwaltung vorbehalten ist. Die Folge dieser Neueinführung ist, daß seitdem 1. April 1933 bis auf ganz vereinzelte Ausnahmen keine Ernennungen von jüdischen Aspiranten und Sekundarärzten in den Fondsspitälern erfolgten; ähnliches gilt auch für die städtischen Krankenanstalten. Eine Ausbildung ist unter diesen Umständen nur jenen möglich, welche über genügend Geldmittel verfügen, um an Kliniken oder Privatkrankenanstalten — ohne jede Aussicht auf Bezahlung — ihren Studien obliegen können. Für die fernere Praxis ergeben sich aber auch hier Schwierigkeiten. Da angesichts der wirtschaftlichen Lage der ganzen Bevölkerung die sogenannte Privaltpraxis auf ein Minjmum herabgesunken ist und fix bezahlte Kassenstellen in absehbarer Zeit für Juden nicht erreichbar sein werden, bleibt nur die Betätigung in den Klassen mit sogenannter freier Aerztewahl. Diese Kassen aber verlangen den Nachweis der Absolvierung einer mindestens dreijährigen Praxis in einem öffentlichen Krankenhaus. Man sieht also, daß die Aussichten für Juden unter diesen Umständen katastrophal schlecht sind, abgesehen davon, daß auch die allgemeine Lage der Aerzteschaft durch die aus Monarchiezeiten stammende Ueberzahl usw. überaus traurig ist. Amnestie in Palästina ... Im ganzen jüdischen Palästina herrscht gewaltige Enttäuschung über das Scheitern der an das silberne Thronbestefgungsjubiläum des engfischen Königspaars geknüpften Hoffnungen auf eine Amnestierung der im Lande seßhaft gewordenen „Illegalen". Da es sich bei diesen Menschen metisteniteils um arbeitswillige, längst schöpferisch dem Aufbauwerke eingegliederte Elemente handelt (denn Einwanderer, „legitime" wie „illegitime", die sich nicht akklimatisieren konnten, sind freiwillig wieder ausgewandert), erschienen diese Hoffnungen durchaus berechtigt. Trotzdem gingen sie nicht in Erfüllung. Statt dieser nützlichen und friedfertigen Bevölkerungsschicht wurden bloß Araber amnestiert, die während der J udenprogrome schwere Blutschuld auf sich geladen hatten, und auch ein paar Juden, die im Kerker schmachteten, weil sie sich vermessen hatten, sich gegen die Pogromisten zur Wehre zu setzen. Offenbar hält man sie durch die bisher verbüßte Stnafhaft bereits für so weit gebessert, daß sie bei der nächsten Gelegenheit, wenn wiederum eine blutige Regulierung des jüdisch-arabischen Zahlenverhältnisses durch die Araber für notwendig gehalten werden sollte, keinen Widerstand mehr wagen werden . . . Gleichgültig gegenüber der Barbarei. Der Londoner „Manchester Guardian" führt in einem Leitartikel aus, die Lage der deutschen Juden sei heute schimpflicher als die von Parias. Die Zeitung klagt über die zunehmende Gleichgültigkeit i n d e r We 11 gegenüber dieser Barbarei und fordert die Oeffenlichkeit auf, immer wieder gegen die Vorgänge in Deutschland zu protestieren. Seit Anfang Mai, berichtet die Zeitung weiter, bemühen sich die Nazis in Westdeutschland, die Bevölkerung direkt zu antöjüdischen Exzessen aufzureizen; ein Naziführer erklärte seinen Zuhörern in einer Versammlung: „Es kommt die Zeit, da Ihr ungestraft die Juden ins Gesicht werdetschlagen können." Eine Million Dollar für ein jüdisches Hospital. Der vor kurzem verstorbene Chicagcer jüdische Rechtsanwalt! Henry Wolf hat eine Million Dollar zu Errichtung eines jüdischen Hospitals in Chicago hinterlassen. Konbnrsanssibreitung Der Vorstand desjTempelvereines „ChowxarBeth-Hatttlah" und „Bikur Cholim" Im X3E. Bezirk, sucht anläßlich der kommenden hoben Feiertage im Saale „Auge Gottes", Nufldorferstrafle, einen Bai Schachris und einen Bai Mussaw, die gleichzeitig auch Bai Koren sind. Bewerber, die österreichische Staatsbürger, stimmbegabt und in der Liturgie gut bewandert sind, außerdem eine einwandfreie religiöse Lebensführung nachweisen können, wollen ihre Offerte bis spätestens 20. Juli 1. J. an Herrn Salamon Osterxeioher, IX., Liechtensteinstraße 113, - " richten. n