Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 26 (28.6.1935)
- Date
- 1935-06-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 26 — 28. Juni 1935 die Wahrheit! Samslag, daa 6. Jali 1935 KonstantlnhQgel, II,, Prater Hauptallaa i «>' h ti- GARTENFEST L der „JUGEND-UNION" Akademie — Tanz im Freien. Beginn V»9 Uhr. Enäe 2 Uhr. Entree S 1.50 Im Falle unf ünstiger Witterung findet das fest Dienstag, den 9. Juli, statt, Karten im Vorverkauf: Sekretariat der Jugend-Union, Wien IX., Berggasse 4, Telephon: A 19-2-77, Klubheim des Jüdischen Jugend-Klubs, I., Biberstraße 26 haben Juden Seite an Seite mit ihren christlichen Kameraden für ihr Vaterland gekämpft. Die neue Rassengesetzgebung will die Erinnerung an die Vergangenheit auslöschen; in Friedenszeiten jedenfalls werden die Kinder und Enkel von Generafioneni deutschjüdischer Frontsoldaten nicht mehr für würdig erachtet, die Uniform zu tragen. Der Präsident des Board of Deputies, Neville Laski, verlas eine Erklärung des am Erscheinen verhinderten Leonard Montefiore, in der festgestellt wird, daß, so lange die deutsche Regierung in ihrer Politik gegenüber den jüdischen Bürgern jede Wahrheit und jeden Willen zu Gerechtigkeit vermissen läßt, es sckwer seit an Deutschlands Wunsch nachFrieden und Versöhnung zu glauben. Die gleichen Menschen, die sich jedes Mittels bedienen, um unter den Bürgern anderer Länder Feindschaften zu erzeugen, können nicht als wirkliche Friedenssucher betrachtet werden. Wenn die Deutschen zu Grausamkeit und Intoleranz innerhalb der deutschen Grenzen erzogen werden, so wird diese Haltung schließlich auch gegenüber anderen Menschen als den Juden für den deutschen Menschen bestimmend sein. Der Geist, der in den Schulen des heutigen Deutschland herrscht, sollte der Welt viel Anlaß zum Nachdenken geben. Zionisten — Störer der jüdischen Gemeinschaft. Wir haben bereits wiederholt, zuletzt im Leitartikel unserer vorigen Nummer, darüber berichtet, daß die deutschen Zionisten seit einiger Zeit den Rücktritt der so segensreich wirkenden liberalen Mehrheit der Berliner jüdischen Gemeinde und einen ausschlaggebenden Einfluß in dieser größten jüdischen Organisation Deutschlands diktatorisch fordern. Diese Forderung hat, wie wir hören, unter den Berliner Juden lebhaftes Erstaunen und Befremden hervorgerufen, wie aus folgender Resolution der führenden jüdischen Organisation Berlins, des Landesverbandes Groß-Berlin des Centrai-Vereins hervorgeht: Der Landesverband Groß-Berlin des Centrai-Vereins gibt seinem tiefsten ^Bedauern darüber Ausdruck, daß durch die völlig unbegründet erhobenen Machtansprüche der Zionisten der notwendige und von uns selbstverständlich gewahrte inneriüdische Frieden gestört wird. Ein innerjüdischer Kampf gegen jüdische Gesamt-Organisationen und gegen die Gemeinde-Führung in diesem Augenblick entbehrt jeder sachlichen Grundlage und zeugt von einer mangelnden Verantwortung - gegen die gesamtjüdischen Inter- - essen, die heute gemeinschaftliche Arbeit im Dienst der gefährdeten Judenheit erfordern. Für persönliche Machtansprüche und Organisations-Egoismen haben die Berliner Juden keinerlei Verständnis; sie hoffen, daß die überwältigende Mehrheit der Berliner Juden den Friedensstörern jede Gefolgschaft verweigern'wird. Diese Resolution bringt die Stimmung der gesamten Berliner Judenschaft zum richtigen Ausdruck. Helle Empörung herrscht in den Reihen aller Mitglieder der Berliner jüdischen Gemeinde. Gleichgültig, ob der Einzelne in den Gedankengängen des Centrai-Vereins denkt, ob er dem Zionismus zuneigt, ihn sogar bejaht, oder ob er den jüdischen Fragen indifferent gegenübersteht... alle sind entsetzt darüber, daß es unter den Berliner, Juden in der heurigen Zeit Menschen gibt, die sich als Führer der Gesamtheit bezeichnen und dabei nicht einmal so viel Instinkt haben, zu sehen, daß die jüdischen Menschen Berlins mit aller Entschiedenheit innere Störungen ablehnen! Auf allen Gebieten des jüdischen Lebens in Deutschland, in allen jüdischen Familien herrscht starke materielle und. ideelle Not. Ueberau findet sich seelisches Leid. Fieberhaft wird an allen dazu ■w VILLEHPERSIDH KREUZBERB ----- äSrettemsrfeira am lanmerfntf Seehöhe 1050 m Telephon-. Breitenstein 11 FÜR KINDER UND ERWACHSENE Leitung: Frau Lola SCHIFF.fstaatLgepr. Kindergärtnerin) .. ARZT. IM HAUSE Geöffnet Med — Oktober — Auf Wunsch Prospekt berufenen Stellen gearbeitet, um das über die deutschen Juden gekommene furchtbare Schicksal einigermaßen zu meistern. Oft genug muß leider die Hilfe versagen! Und da halten es Führer der Berliner zionistischen Organisationen für angemessen, einen Streit zu entfesseln, von dem kein um das eigene und das Gemeinschaftsschicksal besorgter Berliner Jude auch nur das Geringste wissen will! ., Der gesunde Sinn der überwältigenden Mehrheit der Berliner Juden bäumt sich auf gegen solche Verirrungen sogenannter Führer. In voller Einigkeit werden von allen Berliner Juden die Störungen der jüdischen Arbeit zurückgewiesen. Das Ergebnis der Spandau er Kult uswahlen, bei denen die siegessicheren Zionisten eine katastrophale Niederlage erlitten^ hat bewiesen, daß auch außerhalb Berlins der jüdischnationale Machtdünkel die verdiente Ablehnung findet. Das Präsidium und der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Wien geben auf das tiefste bewegt Nachricht von dem überaus schweren Verluste, den die Wiener Israelitische Kufousgemeinde durch das am 23. Juni 1935 erfolgte Ableben des Herrn Regierungsrates Buido Fuchsgel Amtsdirektor und erster Sekretär der Wiener Kultusgemeinde, Hauptmann i. d. Res., Besitzer des Militärverdienstkreuzes HI. Klasse mit der Kriegsdekoration usw. usw.; erlitten hat '• Der Verewigte, der der Kultusgemeindemit Leib und Seele ergeben war und ihr mit seinen hervorragenden Fähigkeiten in unermüdlicher Hingabe und in höchstem Pflichtbewußtsein bis zu seinem Lebensende diente, hat sich durch seine 38jährige beispielgebend© Wirksamkeit ein dankbares und ehrenvolles Gedenken gesichert. - Clark Gable Joan Reberl Crawford Montgomery Ein Herz ist zu ittieii Opern-Kino Votivpark-Klno Saboteure cles Fremden-] Verkehrs. Wir haben in unserer letzten Nummer be* «ehret, in welch energischer Weise das Oesterreichische Verkehrsbüro t den Unfug emigen „Unentwegter", ihre Sommerfrischenp.ro. paganda mit Prospekten zu treiben, die den Aufdruck „Arische Sommerfrische" tragen, abgestellt hat Die betreffenden Pro. spekte wurden vernichtet Ein Vorfall der letzten Tage zeigt, daß unverantwortliche Elemente immer noch am Werke sind, den guten Ruf Oesterreichs als Sommeraufentlialt zu untergraben. Die Bewohner des Ortes Ramsau bei Schladming scheinen noch nicht zur Kenntnis nehmen zu wollen, daß auch ihr Heimatsort in Oesterreich liegt. Die Vorgeschichte ist kurz: Eine Dame der Wiener Gesellschaft, Jüdin, wollte diesen Sommer in Ramsau verbringen. Sie ließ sich ein Hotel empfehlen und schickte diesem auch gleich eine Angabe auf ihlre Bestellung. Durch eine warnende Veröffentlichung des „E c h o" aufmerksam gemacht — in der die Ramsau namentlich angeführt war — wandte sie sich in einem höflichen Brief an die Ortsgemeinde und fragte an, ob sie als Jüdin unbesorgt nach Ramsau reisen könne. Darauf erhielt sie nachfolgenden Brief: Fremdenverkehrverein Ramsau bei Schladming. Arische Sommerfrisch.eäiv Juden nicht erwünscht! no- Ramsau, am 19. Juni 1935. Frau X. X., Wien. Hotels, Gasthöfe und Pensionen sowie alle privaten Vermieter unseres Ortes nehmen „bewußt keine Juden auf, da wir den' ArTefParagraphen in unseren Satzungen haben. Außerdem fühlt sich bei ans selten ein nicht Arier wohl, daher empfiehlt es sich, unseren schönen Fleck Erde nicht aufzusuchen, wenn man der jüdischen Rasse angehört Gez. Heiner Perner. Beilage: Prospekt. Es würde sich empfehlen, wenn der Fremdenverkehrsverein Ramsau vorerst Stunden in der deutschen Rechtschreibung nehmen würde. Dei Herr Urgermane Heiner Perner, scheint es noch dringend nötig zu haben. Wir zweifelnr nicht, daß der Wunsch deT Ramsauer in Erfüllung gehen wird und daß alle, die in der Sommerfrische Erholung und nicht politische Hetze suchen, dieser Gegend fern bleiben werden. Schließlich gibt es in. Oesterreich noch genug andere schöne Orte. Leute, die vom Fremdenverkehr leben wollen, aber sich stolz brüsten, daß sich Sommergäste" wegen ihrer Abstammung bei ihnen „selten wohl fühlen", gehören eben nicht in dieses Gewerbe. Sie sind Saboteure des Fremdenverkehrs. Antisemitische Propaganda auf Bundesbahnsonderzügen. Am 16. Juni ging ein Sonderzug in die Raimundgegend, um Gutenstein ab. Am Mariahiltberg wurde ein Raimundspiel von C. K a r 1 w e i s aufgeführt, der ein Jude war,- was'den Darstellern der' Sonderfahrt nicht bekannt gewesen sein dürfte. Denn als abends die Fahrtteilnehmer in den Zug zurückkehrten, fanden sie auf allen Plätzen den Prospekt eines Gutensteiner Ferienlagers für Buben und Mädchen vor, das auf einen propagandistischen Hinweis in den „W i ener Neuesten Nachrichf&n" aufmerksam mächte und "folgende Bemerkung enthielt: „Kinder jüdischer Eitern werden nicht aufgenommen." Was sagt der Hot-Bürgermeister von Gutenstein, der die Reiseteilnehmer, unter denen sich viele-Juden befanden, herzlich begrüßte, und der Reiseleiter Oberinspektor S t einkellher dazu? Gehört es zu den Obliegenheiten der Eisenbahner, derartige Prospekte in die Waggons zu bringen? Spectator.