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Die Wahrheit · 1935-06-28 · Heft 26 (28.6.1935) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 26 (28.6.1935)
Date
1935-06-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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OiE WAHRHEIT Nr. 26 — 28. Juni 1935 Seite 3 Herzd. rranenneüDüd! Tafimonnsdori] (Ourgenland) 1 [Mineral-, Woor- und natürliche Kohlensäuresprudelbäder. j I Billiger Pensionspreis inklusive Heilbäder. Zwei rituelle Resi Staurants. — Auskünfteund Prospekte: Generalvertretung; ■ Wien L, Kohlmarkt 8 Tel U 25-104; •Neu: Moorpackungen und Moorkompressen inj! " ■'••""** :väiira^pouiefen>er6Sftliär' •'•••■"v"a"" ' j Die Nachricht vom Ableben des Herrn Regierurigsrates Guido Fuchsgelb, hätte sich im Laufe des Sonntagvormittags mit Wirideseile im jüdischen Wien verbreitet und zu der in den frühen Nachmittagsstunden des Sonntags erfolgten Abholung der Leiche aus dem Rothschild-Spital' war eine ansehnliche Trauergemeinde erschienen, die tiefbewegt dem Leichenwagen ein Stück Weges folgte. Gewaltig groß war die Beteiligung beim Leichenbegängnisse, das Dienstag mittags auf dem Zentralfriedhofe, IV.'Tor, stattiarid. Schon früh fanden sich die. Trauergäsfe ein; die geräumige Zeremonienhalle, deren vordem Front Blattschmuck zierte, konnte die unübersehbare Menschenmenge nicht fassen, bis weit hinaus auf dem Friedhofe stand die Trauerversammlung Kopf an Kopf. Das ganze jüdische Wien war vertreten, vom Ktilrtisvorstand bis zu den kleinsten Bethaus- und Wohltätigkeitsvereinen war jeder gekommen, der je mit dem hervorragenden Ersten Amtsdirektor der Wiener Kultusgemeinde in Berührung gekommen war: eine Aufzählung all dieser Deputationen erscheint unmöglich, aber auch überflüssig, denn es fehlte von den mit der Gemeinde stehenden Organisationen und Privatpersonen wirklich niemand. Sehr imposant war auch die Vertretung der nichtjüdischen Oeffentlichkeit, in der Regierungsrat Guido Fuchsgelb das gleiche Ansehen wie in der jüdischen Gemeinde genoß. Er hat es verstanden, bei den Behörden die Interessen der Kultusgemeinde stets mit Takt zu vertreten, und war deshalb auch bei diesen sehr geschätzt. Man sah in Vertretung des Bundesministeritims für Kultus und Unterricht Min.-Rat Dr. Fohr, in Vertretung des Bürgermeisters Dr. Schmitz Rat der Stadt Wien Dr. Ehrlich, in Vertretung des Magistrates Wien Mag.:Rat Dr. Breymann und Dr. Lanzer, in Vertretung des Präsideriten des Bundesamtes für Statistik Dr. Drexel Miri.-Rat Dr. Gurtner, in Vertretung der Polizeidirektion Wien Hofrat Dr. Gans, eine Deputation der Kameraden des ehemaligen k. u. k. Schützenregimenfes Nr.(.25 unter Führung der Herren Oberst Hermann, Oberstleutnant Schusterbauer, Major Zaverl, Major Bunger, Milit.-Ob.-Offizial Malichar und Leutnant Ernst Singer, eine dreigliedrige Deputation der Vaterländischen Front Innere Stadt u. v. a. Umgeben von den Gemeindekantoren im vollen Ornat — auch die Gemeinde- und Vereinsrabbiner hatten sich im Ornat eingefunden — versahen die beiden Oberkantoren des Stadttempels M. Matyas und H. Fischer, unterstützt vom Chor aller Gemeindesynagogen, in überaus inniger Weise die kantoralen Funktionen. Die Trauerrede hielt tief bewegt und erschüttert Oberrabbiner Dr. Feuchtwang. der u. a. sagte:; In tiefster Trauer und schmerzbewegt stehen wir an der Bahre unseres Heben Regierungsrates Guido Fuchsgelb, der uns allzufrüh entrissen worden ist. Wir alle haben einen schweren Verlust erlitten, denn kein xewöhnlicher Mensch war Guido Fuchsgelb. Mit einundzwanzig Jahren ist er in 'den Dienst unserer Gemeinde getreten und 38 Jahre hat er mit ganzer Seele und vollster Kraft dieser Gemeinde gedient und ist emporgestiegen zu einer der höchsten Stellen. Mit Geistesgaben seltener Art ausgestattet und mit! Talenten, die nicht alltäglich; so betrat er seine Laufbahn. Wenn man jemals sagt, daß ein Mensch aus ganzer Seele und ganzer Kraft der Gemeinde gedient hat, kann es für Fuchsgelb gelten. Nur "wenige können ermessen, welch Aufwandes an geistiger Kraft und Herzenskraft, an Verantwortungsgefühl und weit überblickbarem Horizont es bedarf, um in unserer großen jüdischen Gemeinde die Stelle einzunehmen, die er eingenommen hat. Es war sein, unbezähmbarer Ehrgeiz, alle Ressorts der Gemeinde zu überblicken. Es war bewunderswert. wie sich dieser außergewöhnliche Mann in die ihm ierngelegensten Materien einzuarbeiten vermochte. Seine Diensterfüllnug verzehrte seine Kraft so sehr, daß ihm für seine Familie kaum Zeit blieb. Und doch war er der zärtlichste Gatte und fürsorglichste Vater. Fr wird nicht so. bald vergessen sein, denn er hat sieb nichf hur in unserer jüdischen Gemeinde großer Anerkennung und Verehrung erfreut, sondern gewiß auch den besten Ruf in den weitesten Kreisen unserer Stadt besessen. Er hat sein Leben geopfert unserer teiiem Gerneiride, er hat sich damit sein Denkmal selbst gesetzt. Dann sprach Vizepräsident Dr. Löwenherz, der u. a. sägte: Fuchsgelbs nie ermüdende Arbeitslust und Kraft ermöglichten es ihm. >die höchste Stufe des Verwaltungsdienstes' zu1 erklimmen. In dieser Stellung hat er sich unvergängliche' und ' unvergeßliche Verdienste um die Gemeinde erworben. Als Ariitsdirektor und Erster Sekretär hat er nicht nur den gewaltigen Beamten- und Angesteiltenäpparat überwacht und organisiert, sondern er drang auch in alle Zweige der Verwaltung ein, die so umfangreich und' weit verzweigt sind. Er kannte wie niemand änderer die Bedürfnisse der Gemeinde. Er verstand es auch in dieser Stellung; welche besonders in dieser'sturmljew'egieri 'Zeit dem Menschen hohes Verantwortungsbewußtsein auferlegt, seinen Mann zu stellen. 7 Es war ihm beschieden, die "wichtigsten Vorlagen des Präsidiums und des Vorstandes mit Erfolg zu vertreten. Mit feinem Takt und seltenem EÜer intervenierte er oft an höheren Stellen für die Gemeinde, sei es beim Bund oder bei der Gemeinde Wien und verstand es immer und überall, die Interessen des Judentums zu wahren. Mit allen Gruppen stand er in guten Beziehungen, vertrat jedoch nie das Sonderinteresse einer Gruppe oder Partei. Seine Arbeit galt keiner Gruppe oder Partei, sondern nur der gesamten Gemeinde. _ Unter den Beamten war er der erste, nicht nur Kraft seiner Stellung, sondern dank seiner Fähigkeiten und nie ermüdendem Arbeitseifer. Er war stets ein Musterbeispiel treuer Pflichterfüllung für alle Beamten. Er schränkte sich aber in seiner Tätigkeit nicht lediglich aui das Gebiet der Gemeinde ein, die große Liebe seines warm fühlenden Herzens galt auch dem österreichischen Vaterlande, dem er jederzeit ein treuer Sohn und mutiger Kämpfer war: gleich zu Kriegsbeginn eilte er zu seinem Regiment und nahm an der Front an vielen Schlachten teil, um iür Oesterreichs Ruhm und Ehre zu kämpfen und sein Leben in die Schanze zu schlagen. Er schloß sich aus innerster Ueberzeugung der Vaterländischen Front an. in der Hoffnung, daß die V. F. auch den Juden völlige Gerechtigkeit angedeihen lasse und ihnen volle Gleichberechtigung zuteil werden lasse und daß den Juden der Lebensraum geboten wird, der ihnen aui Grund ihrer Pflichterfüllung als gleichberechtigte Bürge* dieses Staates gebührt. Auch in der V. F. stellte er sich in die erste Reihe und wurde noch an seinem Totenbette zum Amtswalter der V. F. für die Kultusgemeinde berufen. Er hätte auch in dieser Stellung Gewaltiges geleistet, wenn ihn nicht der jähe Tod entrissen hätte. Mit inniger Liebe und großer Zärtlichkeit hing er an seiner Familie und. so steht er heute wie er im Leben als ein unverrückbares Wahrzeichen der Liebe und Aufopferung für sein Vaterland, iür die Kultusgemeinde und für seine Familie, vor uns. Treue hielt er der Gemeinde und war der treueste Diener dieser Gemeinde. — Treue um Treue! — So Kleine Tube S — .90 GroBe Tuba S 1.40 ^5 Hotel Bellevue rm Pörtschach am Wörthersee Vornehmes Haus unter streng ritueller Leitung. Herrliche Lage, direkt am See. Schöne sonnige Zimmer mit Fließwasser. Vorzügliche internation. Küche. Volle Pension: Vor- und Nachsaison S 9.— Häuptsaison........S 12.— Seebad und Garage frei. Geöffnet vom Mai bis Oktober VERLANGEN SIE PROSPE KT E! wollen auch wir über das Grab hinaus Treue bewähren und sein Andenken hochhalten. Sekretär Josef Fuchs sagte namens der Beamtenschaft des Reg.-Rates Guido Fuchsgelb der Kultusgemeinde: Guido Fuchsgelb! Wir haben dich mit Stolz als den Ersten unter uns geachtet und verehrt, haben neidlos deinen raschen Aufstieg bewundert, der in der Geschichte unserer Gemeinde vergebens seinesgleichen sucht. Wußten wir doch, daß ein Abglanz der großen Wertschätzung und Anerkennung, die dir der Vorstand unserer Gemeinde zollte, auch auf uns Beamte fiel. Man muß die Tradition unseres Hauses kennen, um zu ermessen, welche große Verdienste du dir um unsere Gemeinde erworben hast, wenn es dir gelungen ist, jene hohe Stelle in derselben zu erreichen, die du innegehabt hast. Wir werden dich nie vergessen. Namens der B.-B.-Loge „Eintracht"" sprach Dozent Dr. J. Fischer Worte des Dankes für des Verblichenen unermüdliche Hilfsbereitschaft und Anhänglichkeit. Für den humanitären Verein „Treue" nahm Obmann Max von dem Verstorbenen in herzlichen Worten Abschied. Zum Schlüsse gedachte Bundesiührerr Stellvertreter S t i a ß n y vom „Bund jüdischer Frontsoldaten" in eindrucksvollen Worten des dahingeschiedenen Frontkameraden. Aur dem Wege zur Grabstätte, zu der die Leiche von Mitgliedern der Chewra Kadischa und flankiert von Frontsoldaten unter Vorantragung der schönen Auszeichnungen des Heimgegangenen getragen wurde, hatte eine Kompagnie des „Bundes jüdischer Frontsoldaten" Aufstellung genommen und leistete, als der Sarg ins Grab gelenkt wurde, die Ehrenbezeugung. Die Wiener jüdische Gemeinde hat mit Guido Fuchsgelb viel verloren. Er war ein außergewöhnlicher Mensch, außergewöhnlich durch seine Fähigkeiten, die er der Gemeinde widmete, außergewöhnlich durch den Arbeitseifer, mit dem sein schwaches Herz nicht Schritt hielt. Alle, die ihn gekannt und geschätzt haben, werden ihn über das Grab_ hinaus ein ehrendes Andenken bewahren. Die Frontkämpfer-Besuche. Die Londoner Zeitung „S t a r" führt aus, daß die jüdische Bevölkerung Englands auf den Besuch deutscher Frontkämpfer mit einem stummen Protest reagierte. Nur die zahlreiche Judenschaft von Brighton hat offen ihr Mißfallen über die Einladung der Deutschen in ihren Bezirk geäußert, wobei darauf hingewiesen wurde, diaß die deutschen Juden, die für ihr Vaterland geblutet hatten, in einer schimpflichen Form aus dem deutschen Volksheer ausgeschlossen wurden. Kein Jude nahm an dem vom Bürgermeister von Hove in der .Stadthalle den Deutschen gegebenen Empfang teil. Der frühere Bürgermeister von Hove und jetzige Stadt älteste Barnett Marks, selbst ein Jude, erklärte dem Vertreter des „Star", er sei Ehrenmitglied der British Legion und habe einen Sohn im Kriege verloren, aber als Jude habe er es nicht übet sich bringen können, der Einladung des Bürgermeisters zur Teilnahme an dem Empfang der Deutschen Folge zu leisten. Er habe die an ihn ergangene Einladung mit den Worten beantwortet, daß er solche Besucher nicht bewirten möchte. Major Brunei Cohen, Schatzmeister der British Legion, der Jude ist, erklärte gegenüber einem Vertreter des „Jewish Chronicle", er habe zugestimmt, daß eine Abordnung der British Legion dem Vorschlag des Prince of Wales gemäß sich nach Deutschland begibt, um den früheren Feinden die Freundschaftshand entgegenzustrecken. Aber von den 4000 j üdischen Frontsoldaten, die der British Legion angehören, werde keiner nach Deutschland gehen. Er, Major Cohen, selbst begebe sich nach Wien, um mit den dortigen Frontkämpfern in Kontakt zu kommen. Der Deutschland-Besuch läge im Interesse des Friedens, an dem Juden wie Nichtjuden gleich interessiert seien. (Major Brunei Cohen, ein Schwiegersohn des einstigen Präsidenten des Boad of Deputies of British Jews Stuart Samuel, eines Bruders von Sir Herbert Samuel, betätigt sich hervorragend in der Friedensbewegung, ist aber zugleich auch ein leidenschaftlicher Kritiker der anrijüdischen Politik der Hitler-Regierung.) Der Präsident der British Legron, General Sir Frederick Maurice, hat soeben in einer Ansprache an die Mitglieder des Maccabean- Zweigs der British Legion erklärt, innerhalb der British Legion gebe es keine Unterschiede nach Glauben. Generalmajor Sir Frederic Maurice war es auch, der die Parade über 5000 ehemalige jüdische Frontsoldaten der englischen Wehrmacht bei der im vergangenen Herbst abgehaltenen Heldengedenkfeier für die jüdischen Kriegsgefallenen abnahm und bei der anschließenden Kundgebung in der Albert Hall daran erinnerte, daß der jüdische General Monash zu den großen militärischen Gestalten des Weltkrieges gehörte. * Die Ausschließung der deutschen Juden vom Wehrdienst In der soeben in London abgehaltenen Sitzung des Board of Deputies of British Jews wurde ein Bericht des Joint Foreign Committee erstattet, in dem es u. a. heißt: Noch vor Verkündung des neuen Staatsbürgerschaftsgesetzes in Deutschland sind die deutschen Juden aus dem aktiven Dienst im neugeschaffenen Volksheere ausgeschlossen und so ihren Mitbürgern gegenüber in eine Position legaler Inferiorität gebracht worden. Bereits in den Napoleonischen Kriegen fochten Juden als Freiwillige im preußischen Heer, ein preußisches Gesetz vom Jahre 1814 hatte Militärdienstpflicht der Juden festgesetzt. In den Kriegen 1866, 1870, 1914—1918

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