Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 25 (21.6.1935)
- Date
- 1935-06-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3062972-3064555-3064579--20252-3085477- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
DIE WAHRHEIT Nr. 25 — 21. Juni 1935 Seite 5 Jif CHSChCv ÄrbGitQGbGry fordert anläßlich der Ferienurlaube den Bedarf an Angestellten und Arbeitern beim Verein lür Ulieiltgelflitten ArbeltSnadlWeiS, Wien L, Kohlmessergasse 4, Telephon U 27-0-65 an. Areng hosdkex Vittenttension Jtfreuxfievg äSceitonstein am lemmafntf Telephon 11 Seehöhe 1050 m Leitung: Frau Lola SCHIFF, II.. Krummbaumg. 1/20 Telephon A 44-4-62 Eröffnung 4. funi. - Auf Wunsch Prospekt namhaften Theologen wieder verworfen und von einzelnen Landeskirchen nicht anerkannt. Trotz der Nichtarierbestimmungen gab es einige Beamte, namentlich im Dienste des Auswärtigen Amtes, auf die man „im Interesse der Verwaltung" nicht verzichten wollte. Auf diese fand kein Gesetz, sondern nur der dem Wiener Bürgermeister Lueger zugeschriebene Satz: „Wer Jude ist, bestimme ich!" Anwendung. So erklären sich die zahlreichen Kampagnen, die der sattsam bekannte „Stürmer" gegen Persönlichkeiten führt, welche trotz ihrer Nichtariereigenschaft noch immer verhältnismäßig wichtige Posten bekleiden. An die Einwendungen des Herrn Streicher wird man sich in solchen Fällen aber nicht kehren, man wird die Nichtarier zwar im allgemeinen weiter entrechten, aber einzelne von ihnen dennoch ausnützen, wenn es die Interessen des nationalsozialistischen arischen Staates verlangen. Der General der Flieger Hermann Göring hatridiesen machiavellistischen Grundsatz auf die kürzeste Formel gebracht, als er bei einem Empfang der ausländischen Presse auf die Frage, ob er sich der Erfindung eines Juden bedienen würde, erklärte: „Erfindungen haben keine Großmütter." Wir haben hier von „Nichtariern" und nicht von Juden schlechthin gesprochen. Praktisch ergibt sich nur selten ein Unterschied, ob es sich nun im Einzelfall um einen Vollblutjuden handelt oder um einen Nichtarier, der mir die berüchtigte „jüdische Großmutter" hat. Dennoch ist die Unterscheidung zwischen Nichtariern und Juden nicht ganz bedeutungslos. Die Juden bilden als religiöse Einheit, durch ihr Vereinsleben und ihre Zeitungen eine abgeschlossene Gemeinschaft für sich. Neben diesem durch die Rassengesetzgebung zwangsweise entstandenen neuen jüdischen Ghetto ersteht noch ein zweites nichtarisches, christliches Ghetto. Menschen, die niemals über ihre Abstammung nachdachten, die sich als Christen und Deutsche fühlten, schließen sich unter dem Druck der Verhältnisse zu einer Ghetto- Organisation zusammen, es ist der „Reichsverband nichtarischer Christen", der Angehörige aller Bevölkerungsschichten umfaßt und auch Universitätsprofessoren und ehemalige hohe Staatsbeamte zu seinen Mitgliedern zählt. Er sucht jedoch nicht Anschluß an das Regime, sondern verfolgt die reale Aufgabe, die Härten der Nichtariergesetzgebung durch charitative Tätigkeit und durch Berufsberatungsstellen einigermaßen zu mildern. Darüber hinaus veranstaltet der Reichsverband der nichtarischen Christen ähnlich wie der Jüdische Kulturbund Theaterabende, Konzerte und wissenschaftliche Vorträge. Das Ghetto ist nach jeder Richtung hin vollständig. Neben dem „arischen" Staatsvolk gibt es heute in Deutschland eine nach vielen Hunderttausenden zählende Minderheit: die Nichtarier. Sie genießt weniger Rechte als irgend eine andere Minorität der Welt. „Prager Presse." n i s a t i o n erhalten soll. Bei den letzten Wahlen zum Zionistenkongreß haben die Revisionisten 100.000 Stimmen erhalten. Moralische Niederlage Deutschlands. Weltverband der Völkerbundligen nimmt Resolution gegen die Verfolgung der Juden in Deutschland an. Der Brüsseler Kongreß des Weltverbandes der Völkerbundligen hat mit den Stimmen von elf Länder-Delegationen gegen die Stimme der ungarischen Landes-Delegation bei Stimmenthaltungen der Delegationen einer Anzahl Länder die von der Palästina-Liga eingebrachte Resolution betreffend die Lage der Juden in Deutschland angenommen. In dieser Resolution werden der Völkerbund und alle Regierungen gebeten, wirkungsvoll zugunsten der Juden in Deutschland zu intervenieren und entsprechende Mittel und Wege zu finden, um die bürgerliche und politische Gleichberechtigung der Juden in Deutschland wiederherzustellen und dem in dieser Hinsicht in Deutschland herrschenden, das Gewissen der ganzen zivilisierten Menschheit verletzenden Zustand ein Ende zu setzen. In der Plenarsitzung begründete Dr. Benzion Mossinson im Namen der palästinensischen Delegation die Resolution. Gegen die Annahme der Resolution sprach der Führer der ungarischen Delegation, der zum Ausdruck brachte, es sei nicht angemessen, einen Deutschland betreffenden Beschluß bei Abwesenheit der deutschen Delegation zu fassen. Die deutsche Delegation Restaurant Hotel Stefanie vormals Operer . II., Taborsfrafle 12, Tel. D 46-5-5? «*Mte Ausgiebige Braten-Menüs s 1.60 „ Geflügel- „ S 2.20 iwJ Vorzügliche Zubereitung — Schwecbater Biere — Naturreine Schöner staubfreier Garten Ergebnisse des revisionistischen Plebiszits. Wie dem JTA-Vertreter aus dem Büro der Union der Zionisten-Revisionisten mitgeteilt wird, wurden in ganz Oesterreich 1800 Stimmen für und 70 Stimmen gegen die Schaffung einer Unabhängigen Zionistischen Organisation abgegeben. In Palästina wurden 6500 Stimmen für und 200 gegen die Errichtung einer Unabhängigen Zionistischen Organisation abgegeben. In der ganzen Welt wurden mehr als 160.000 Stimmen für und 3500 Stimmen gegen die Schaffung der unabhängigen Organisation abgegeben, die den Namen Neue zionistische Orga- Facharzt für Augenkrankheiten Dr. GEORG KIMEL ordiniert jetzt II., Taborstraße 24 a, 1. Stiege, Mezz. Telephon Nr. R 47-3-26 hatte nämlich noch am Tage vorher den Kongreß verlassen, als ihr Antrag, die Resolution der Palästina-Liga von der Tagesordnung abzusetzen, abgelehnt worden war. Bei der Abstimmung stimmte die ungarische Delegation als einzige dagegen, andere Delegationen enthielten sich der Stimme. Die deutsche Medizin judenrein. In einer Ausführungsanweisung des Reichs- und preußischen Ministers des Innern, Dr. F r i c k, zur Verordnung über die Aenderung der Prüfungsordnung1 für Aerzte und Zahnärzte werden die Grundsätze für die Zulassung von Nichtariern zu den Prüfungen veröffentlicht. Danach sind nichtarische Kandidaten der Medizin und Zahnheilkunde, die das Studium vor dem Sommersemester 1933 begonnen haben, regelmäßig zu den Prüfungen zuzulassen, ohne daß es der Einholung einer Zustimmung des Ministers bedarf. Die Zulassung erfolgt unter dem Vorbehalt, daß durch die Ablegung der Prüfungen kein Anrecht auf die Approbation erworben wird. Studierende nichtarischer Abstammung, die erst im Sommersemester 1933 oder später das Studium der Medizin oder Zahnheilkunde begonnen haben, können nur in ganz besonderen Ausnahmefällen und nur mit Zustimmung des Ministers zu den Prüfungen zugelassen werden. Bei der Zulassung von Ausländern zu den Prüfunsen wird auf den Nachweis der arischen Abstammung verzichtet es sind außer den Heiratsurkunden der Eltern und Großeltern deren Geburtsurkunden nur dann beizubringen, wenn in den Heiratsurkunden Angaben über Religion und Geburt der Eltern und Großeltern fehlen. Die Approbation als Arzt oder Zahnarzt wird Nichtariern bis auf weiteres versagt. Nur in Ausnahmefällen, die dem Minister zur Entscheidung vorzulegen sind, wird die Approbation erteilt. Ein Ausnahmefall kann dann als gegeben angesehen werden, wenn der Kandidat sich als Frontkämpfer am Weltkrieg beteiligt hat, sowie nach seelischer Haltung und entsprechendem Aussehen einwandfrei erscheint. (Ein blonder Jude wird also einem schwarzhaarigen vorgezogen. D. Red.) Die Einschränkungen iür die Zulassung nichtarischer Kandidaten finden bis auf weiteres keine Anwendung auf die der Minderheit angehörenden Einwohner des Abstimmungsgebietes der Provinz Oberschlesien und auf die Bewohner des S a a r 1 a n d e s, die am 3. Dezember 1934 dort wohnhaft waren. Der sächsische Innenminister hat in einer Verordnung bestimmt, daß die Zulassung zu den Prüfungen als Wohlfahrtspflegerin, Hebamme und technische Assistentin an medizinischen Instituten, Masseurin, Säuglings- und Kleinkinderptlegerin, Säuglings- und Kleinkinderschwester, Krüppelpilege- und Erziehungsschwester, sowie als Krankenptlegeperson vom Nachweis arischer Abstammung abhängig sei. Ausnahmen hiervon können nur beim Vorliegen besonderer Gründe gestattet werden. Gefährliche Situation der Danziger Juden. Die G u 1 d e n - P a n i k, die in Danzig ausgebrochen ist, wird von nationalsozialistischen Kreisen wieder zu einer verschärften Judenhetze ausgenutzt. Kein geringerer als der Präsident des Senats, Greiser, hat in einer Rede die Schuld an der Gulden-Panik der Opposition in die Schuhe zu schieben versucht und hierbei als die „besonders Schuldigen" die „1 and- und rassenf remdeEletnente" bezeichnet. Greiser hat damit offen die Parole wiederholt, die seit Wochen von der nationalsozialistischen Partei in Umlauf gesetzt wird und die „Juden und Polacken" als diejenigen bezeichnete, die „an allem Unglück" schuld seien. Die Boykottzettel, die nach der Guldenabwertung, als die Bevölkerung bei ihren Angstkäufen jüdische Geschäfte bevorzugte (weil deren Preisgebarung besonders streng überwacht wurde), verschwunden waren, sind wieder in Erscheinung getreten. An zahlreichen Geschäften wurden in der Nacht Aufschriften wie „Jude", „Landesverräter", „Juden raus!", „Die Juden sind unser Unglück" mit unabwaschbarer Farbe angebracht. Im Danziger Parlament, das über Maßnahmen zur Rettung der Stadt vor dem Ruin beriet, protestierten Katholiken und Sozialisten gegen die antijüdische Propaganda und Verfolgung und gegen das Beschmieren von Fenstern und Türen jüdischer Häuser mit judenhetzerischen Aufschriften. Sie erklärten, die Danziger Juden seien gute Bürger und die Auslandsjuden seien die besten Kunden Danzigs. In jüdischen Kreisen empfindet man die S i t ua t i o n als gefährlich und erwartet, daß der vom Völkerbund eingesetzte J uristen-Ausschuß sich ohne Verzögerung mit den Petitionen befaßt, damit in Danzig endlicli die Rechtslage wiederhergestellt wird. Der Korrespondent der Jüdischen Telegraphen-Agentur in Danzig und Redakteur des „Danziger Echo", Theodor L ö w y, der vor einigen Tagen verhaftet wurde, ist unter der Bedingung in Freiheit gesetzt worden, daß er innerhalb von sechsTagen das Territorium des Danziger Freistaates verläßt. Theodor Löwy ist lettischer Staatsangehöriger. Er hat stets sehr maßvoll, gerecht und mit großer Sachkenntnis die Situation der Danziger Juden unter dem Nazi-Regime dargestellt. Seine Ausweisung, für die kein irgendwie triftiger Grund angegeben wird, ist wohl mit ein Ausfluß der großen Verlegenheit, in der sich die Danziger herrschenden Kreise jetzt befinden. Margarete Bach im Prager Radio. Die bekannte Rezitatorin Margarete Bach liest Freitag, den 21. d. um 14 Uhr 20 im Radio Prag „Klassische D i c h t Ii n g e n". Beim isr. Tempelvereln Döbling, XIX., Dolllnergasse 3, gelangt die Stelle eines Hausbesorgers, der auch Kanzleiarbelten verrichten u. gegebenenfalls ausderThora vorlesen kann, zur sofortigen Besetzung.