Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 25 (21.6.1935)
- Date
- 1935-06-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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OSE WAHRHEIT Nr. 25 — 21. Juni 1935 Seite 3 HERRENKLEIDERSALON S. FROST III., Landstraße Hauptstraße 28 Telephon U 11-2-72 bringt den modernen Hochsommer-Anzug für den eleganten Herrn Feine Maßarbeit — Beste Ausführung — Billigste Preise meinden des Bundesstaates Oesterreich als Proponenten des Qemeindebundes „Verband der israelitischen Kultusgemeinden im Bundesstaate Oesterreich" haben bei der am 10. Juni 1935 in Wien stattgefundenen Tagung nachstehende Beschlüsse gefaßt: 1. Die Delegiertentagung hält im Hinblick auf die Dringlichkeit und Notwendigkeit einer autoritativen Gesamtorganisation der Juden Oesterreichs daran fest, daß der von ihr vorgeschlagene Gemeindebund ehestens geschaffen werde. Sie beauftragt die israelitische Kultusgemeinde Wien, weiterhin alle jene Schritte zu unternehmen, die zur Herbeiführung des angestrebten Zieles erforderlich und zweckdienlich sind. Die Tagung gibt neuerlich ihrer Ueberzeugung Ausdruck, daß nach dem gegenwärtigen Rechtszustand der Bildung des Gemeindebundes ein gesetzliches Hindernis nicht im Wege steht. 2. Die Delegiertentagung beschließt bis zur Konstituierung des Gemeindebundes die Schaffung einer Arbeitsgemeinschaft der israelitischen Kultusgemeinden des Bundesstaates Oesterreich zur Vertretung der gemeinsamen Interessen, sowie zur Behandlung und Durchführung der gemeinsamen Angelegenheiten der der Arbeitsgemeinschaft angehörenden Gemeinden. Denjenigen Gemeinden, welche dieser Arbeitsgemeinschaft derzeit nicht angehören, wird der Beitritt offengehalten. Durch die Gründung der Arbeitsgemeinschaft soll die angestrebte Schaffung des „Verbandes der israelitischen Kultusgemeinden im Bundesstaate Oesterreich" nicht tangiert und der gesetzliche Wirkungskreis der einzelnen Gemeinden in Ansehung ihrer besonderen, daher nicht gemeinsamen Angelegenheiten nicht berührt werden; insbesondere bleibt jede der Arbeitsgemeinschaft beigetretene Kultusgemeinde im Besitz ihrer Selbständigkeit in religiöser Beziehung. Die Arbeitsgemeinschaft bestellt eine ständige Delegation als ihre Exekutive, die aus elf Mitgliedern und ebensovielen Ersatzmännern gebildet wird, und zwar: Den drei Mitgliedern des Präsidiums der Wiener israelitischen Kultusgemeinde, dem Oberrabbiner der Wiener Kultusgemeinde, zwei vom Vorstande der Wiener Kultusgemeinde zu nominierenden Delegierten, zwei Delegierten von Niederösterreich und Burgenland, einem Delegierten der Kultusgemeinden von Steiermark, einem Delegierten der Kultusgemeinden von Oberösterreich und einem Delegierten der Kultusgemeinden von Tirol, Vorarlberg, Salzburg und Kärnten zusammen. Als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft und der ständigen Delegation fungiert der jeweilige Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Wien, bzw. der von ihm (sie!) namhaft zu machende Stellvertreter. Die Wiener israelitische Kultusgemeinde wird ermächtigt, von der Gründung der Arbeitsgemeinschaft dem Bundesministerium für Unterricht Kenntnis zu geben. Hotel Bellevue ™2 Pörtschach am Wörthersee Vornehmes Haas unter streng ritueller Leitung. Herrliche Lage, direkt am See. Schöne sonnige Zimmer mit Fließwasser. Vorzügliche internation. Küche. Volle Pension: Vor- und Nachsaison .... 6 9.— Hauptsaison........S 12.— Seebad und Garage frei. Geöffnet vom Mai bis Oktober VERLANGEN SIE PROSPEKTE! Weltkonferenz jüdischer Frontkämpfer in Paris. In dieser Woche findet in Paris eine Konferenz von Verbänden jüdischer Kriegsteilnehmer zahlreicher europäischer und außereuropäischer Länder statt. Vertreten sind auf dem Kongreß u. a. jüdische Frontkämpferbünde aus Aegypten, Australien, Belgien, Bulgarien, England, Frankreich, Litauen, Oesterreich, Palästina, Polen, Südafrika, der Tschechoslowakei und den Vereinigten Staaten von Nordamerika. Der australischen Delegation gehört auch der ehemalige Generalstabschef der australischen Streitkräfte auf dem europäischen Kriegsschauplatz, Oberst H e yman, an, der den Kommandanten der australischen Armee im Weltkrieg, General Sir John Monash, der bekanntlich ebenfalls Jude war, wirksam unterstützt hatte. Auch der Gründer der jüdischen Legion, die an der Eroberung Palästinas teilnahm, Wladimir Jabotinsky, befindet sich unter den Delegierten des Kongresses, der von dem Verband der ehemaligen jüdischen Frontkämpfer und Kriegsfreiwilligen Frankreichs einberufen worden ist. Die feierliche Eröffnungssitzung fand unter dem Vorsitz des früheren Kriegsministers General Mau r in am Abend des 15. Juni statt. Es sprach u. a. der bekannte französisch-jüdische Dichter Edmond F1 e g. An die Eröffnungssitzung schloß sich ein Marsch zum Grab des Unbekannten Soldaten, wo Kränze niedergelegt wurden. Am Sonntag, den 16. Juni, nahmen die Delegierten des Kongresses an der feierlichen Einweihung eines Denkmals für die auf dem Felde der Ehre gefallenen Ostjuden teil. Diese Feier stand unter dem \ Ehrenschutztdes Präsidenten der franzöjsischen Republik und unter der Leitung des \ Pensionsministers M a m p o i 1. Bei dieser. Gelegenheit hielt der Vorsitzende des Pariser Stadtrates Contenot eine Rede, in welcher, er erklärte, diese Kundgebung werde i n der ganzen Welt ein Echo finden. Die ^parteiische Wertöffentiichkeit werde nicht um- ".in können,, einen Vergleich anzustellen zwischen diesem ergreifenden Zeichen der französischen Dankbarkeit und der Politik eines Volkes, das im Namen einer Rassenmystik 12.000 Juden, die für sein Land gefallen sind, aus den Annalen seiner Geschichte auslöschen will. Hierauf folgte ein von der A11 i a n c e Israelite Universelle anläßlich des Jubiläums ihres 75jährigen Bestehens zu Ehren der Kongreßdelegierten veranstalteter Empfang. Am Abend wohnten die Kongreßteilnehmer der Flammenzeremonie beim Are de Triomphe bei. Am 17. Juni fand ein Fe st gott es dienst in der Synagoge in der Rue de la Victoire statt. Der Rest des Tages war den Beratungen der Kommissionen gewidmet. Weiters ist geplant ein Festempfang im Pariser Rathaus und eine Festsitzung, bei der u. a. auch der gegenwärtige Kriegsminister Oberst Fabry das Wort ergreifen wird. Mit einem Bankett am 20. Juni finden die Veranstaltungen ihren Abschluß. Die Tagesordnung des Kongresses, über den wir noch berichten werden, umfaßt u. a. eine Erörterung der Geschichte und Statistik der Beteiligung der Juden am Weltkrieg, Fragen der Zusammenarbeit der jüdischen Frontkämpferverbände, sowie der jüdischen Kriegsverletzten und Maßnahmen zur Wahrung des Ansehens und der Rechte der jüdischen Gemeinschaft. Z. T. A. Zwei Monate Gefängnis für den „amerikanischen Hitler". Der Führer der amerikanischen Nazi-Partei, Raymond Healey, der sich „Der amerikanische Hitler" nennt, wurde zu 60 Tagen Gefängnis, verbunden mit Zwangsarbeit, verurteilt Die Verurteilung erfolgte, weil Healey judenhetzerische Piakate anbringen ließ. Straf verschär iend wirkte sein arrogantes Auttreten vor Gericht, das er mit dem Nazi-GruB betrat 1 Vor lastigen Verfärbungen sehatzt ODOL-Zahnpast» ihre Zahne. ODOL- Zahnpasta reinigt gründlich, ODOL- Zahnpaata macht Zähne wie Perlen 1 Kleine Tube 8 —SO Große Tube 3 IAO Schluß mit den „arischen Sommerfrischen"! In verschiedenen österreichischen Sommerfrischen findet man Privathäuser und Pensionen, in denen Schilder ausgehängt sind „Nur an Arier zu vermieten" — „Arische Pensionen" usw. Es ist auch versucht worden, in dem offiziellen Oesterreichischen Hotelbuch Hinweise auf „arische" Fremdenherbergen einzuschalten, und manche Orte haben sogar Prospekte ausgegeben, in denen sie generell als „arische Sommerfrische" bezeichnet sind. Dieser Unfug ist rasch abgestellt worden, die Leitung des Oesterreichischen Verkehrsbüros hat an die ihr untergeordneten Steilen den Auftrag ergehen lassen, derartige Prospekte sofort zu vernichten. Man hat daraufhin die Propagandaschriften der betreffenden Orte sofort zurückgezogen. Selbstverständlich werden die obenerwähnten Prospekte auch nicht ins Ausland geschickt und es ist angeregt worden, durch eine ministerielle Verordnung die einzelnen Landesverbände für Fremdenverkehr zu veranlassen, dem Beispiel des Oesterreichischen Verkehrsbüros zu folgen. Eine neue Spaltung im Zionismus. In Krakau hat anfangs dieser Woche eine Weltkonferenz der Allgemeinen Zionisten stattgefunden, auf deren Tagesordnung auf Anregung des Führers der Radikalen Zionisten Dr. Nahum Gold mann die Bildung eines Mittelblocks in der zionistischen Bewegung stand. Obwohl die von Goldmann geführten Gruppen bereit waren, bedingungslos in den Verband der Allgemeinen Zionisten einzutreten, refüsierte die bürgerliche Mehrheit desselben aus machtpolittschen Gründen dieses Friedensanbot. Also mußte Nahum Goldmann mit seinen Leuten unverrichteter Dinge abziehen, aber auch die mit ihm sympathisierenden Gruppen des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten verließen voll Empörung die Tagung, über deren deprimierenden Verlauf Nahum Goldmann in einer am Dienstag in Wien stattgehabten Versammlung allerhand Interessantes mitzuteilen wußte. Der „Gabboimgeist" dieser Konferenz, wie er ihn nannte, hat es mit sich gebracht, daß nun aus den Radikalen Zionisten und den ausgetretenen Gruppen der Allgemeinen Zionisten eine neue zionistische Partei, die der progressiven Zionisten gebildet wird. Ein kennzeichnender Titel. Die Spaltung im Zionismus befindet sich in — Progression. Majestät empfängt . . . Im Wiener revisionistischen Organ „D e r Judenstaat", Ausgabe vom 6. Juni 1935, heißt es auf Seite 7, Spalte 1: „Samstag vormittags empfing Jabotinsky Vertreter des Bundes jüdischer Frontsoldaten, des Bundes tegitimistischer jüdischer Frontsoldaten und des Ringes der Altherrenverbände, die um Audienzen angesucht hatten." Und auf derselben Seite, Spalte 4: „Der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, Dr. Desider Friedmann, machte Sonntag vormittags bei Jabotinsky in dem Hotel, wo er abgestiegen war, seine Aufwartung. Jabotinsky versprach, bei seinem nächsten Wiener Aufenthalt die Institutionen der Kultusgemeinde zu besuchen." Kommentar überflüssig.