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Die Wahrheit · 1935-06-14 · Heft 24 (14.6.1935) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 24 (14.6.1935)
Date
1935-06-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 24 — 14. Juni 1935 DIE WAHRHEIT i I $! f*r i'i r'.i -• :i "*.l3f!r f S". iji* V;| "■I ,j III' :j 'S $ V'I:i ij «. i!l 'Ii- ] &f Ml Für die Hitsifeiler „Union österreichischer Juden4' Beratungsstelle für kaufmännische, gewerbliche, Steuer- und Versicherungs- Angelegenheiten. Leiter: Komm.-Rat Alexius Salzer. Eingehendelnformationen für jedes Mitglied der »Union" unentgeltlich, und zwar bis auf weiteres Wien I„ Kohlmarkt 8, 1. Stock, Tür 4, täglich (mit Ausnahme von Samstag) von 10—12 Uhr vormittags. Mosley an Streicher. Wie die Berliner Zeitungen melden, hat der Führer der britischen Faschisten, Sir Oswald Mosley, an Gauleiter Julius Streicher das folgende Telegramm gerichtet: „Lieber Herr Streicher. Ich danke Ihnen sehr für Ihr Telegramm, das meine Rede in Leicester (die gefährlich judenhetzerisch war, D. Red.) betrifft Ich schätze Ihre Botschaft inmitten unseres harten Kampfes sehr. Die Kräfte der jüdischen Korruption müssen in allen großen Ländern besiegt werden, bevor die Zukunft Europas in Gerechtigkeit und Frieden sichergestellt werden kann. Unser Kampf ist hart, aber unser Sieg ist gewiß. Ich danke Ihnen. Ihr sehr ergebener Mosley." Die Göbbels-Mark rollt. Vor einem Strafsenat des Leitmeritzer Kreisgerichtes unter dem Vorsitz des OGR. Irsa hatte sich der Aussiger Rechtsanwalt Dr. Friedrich Chvatal, wohnhaft in Teplitz-Schönau, wegen Vergehens nach dem Schutzgesetze durch Störung des allgemeinen Friedens zu verantworten. Mit ihm war eine Reihe anderer Personen angeklagt Ende August 1934 war zur Kenntnis der Behörden gelangt, daß in Aussig, Teplitz und an anderen Orten eine organisierte Boykottbewegung gegen die jüdischen Advokaten im Gange ist Seitens der Staatsanwaltschaft in Leitmeritz wurde zum Teil auf Grund abgelegter Geständnisse, zum Teil auf Grund der durchgeführten Erhebungen gegen Dr. Chvatal und seine Helfershelfer die Anklage erhoben. Das Flugblatt das in Aussig und Teplitz verbreitet und auch mit der Post versendet worden war, hatte folgenden Wortlaut: „Der Jüdische Weltkongreß in Genf hat den schärfsten Boykott deutscher Waren beschlossen. Es ist ein Gebot deutscher Selbstachtung, Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Keiner spreche darüber, jeder handle im stillen. Schlagartig mit 15. September d. J. setzt die Abwehrbewegung gegen den Terror des Weltjudentums ein ... Ehrlos handelt jeder Deutsche, welcher bei Juden einkauft oder jüdische Aerzte, Rechtsanwälte, Ingenieure usw. verdienen läßt" Die Erhebungen nach der unter dem Flugblatt unterschriebenen „Deutschen Liga zur Bekämpfung jüdischer. Anmaßung" sind ergebnislos geblieben, dagegen wurden einige Personen als die Verbreiter sichergestellt Bei einer Haussuchung in der Privatwohnung von Dr. Chvatal wurde der Durchschlag eine Briefes gefunden, der an das Ministerium für Volksaufklärung und Propaganda, Berlin, gerichtet war and in welchem die deutschen AintssteUen ersucht wurden, mittels Radio alle Auslandsdeutschen zur Boykottieniat der Juden aufzufordern und ihn (Dr. Chvatal) mittels Ansichtskarte verabredeten Inhalts hiervon zu verständigen. Das Gericht erkannte Dr. Chvatal des Vergehens der Störung des allgemeinen Friedens schuldig und verurteilte ihn zu zwei Monaten strengem Arrest und 2000 Kö Geldstrafe. Auch die Mitangeklagten wurden gebührend bestraft. * Wie die „Nationalsozialistische Korrespondenz" mitteilt" legt die „Zentralstelle für internationales Recht" <Jau „Ausland" des Nationalsozialistischen Juristenbundes gegenwärtig eine Weltkartei aller arischen Rechtsanwälte, Notare. Patentanwälte und Wirtschaftsrechtler an, „um in der ganzen Welt im nationalsozialistischen Sinne geeignete Rechtswahrer benennen zu können". Der Hd eines Juden gilt weniger als der eines Ariers. In Landau (Pfalz) fand vor kurzem ein MeineidprozeB gegen einen halbjüdischen Angeklagten Scharff statt Im Rahmen des Plädoyers führte der Oberstaatsanwalt Grassl bei der Würdigung von Eiden u. a. aus: . ,J3ie Persönlichkeit des Klägers Scbnepfs sei in jeder Beziehung einwandfrei. Seinen Angaben sei daher Unbedingt Glauben zu schenken. Auch wenn Otto Scharff ein unbescholtener Mann wäre, müsse sein Eid ganz anders beurteilt werden als der Eid Schnepfs, Hier stünden sich zwei Welten gegenüber, auf der einen Seite der Arier und Frontoffizier, auf der anderen Seite der Jude Scharff. Kein Gericht in Deutschland könne den Eid des Schnepf zurückstellen hinter dem Eid des Angeklagten. Das wäre eine Ras- «enschande." Der Staatsanwalt fuhr fort: „Sie wissen selbst, daß das Religionsgesetz der Juden sagt, der Christ sei ein Goi, ein Vieh, mä daß man in einem Prozeß gegen einen Goi einen Meineid schwören dürfe." Argentinien läßt deutsche Flüchtlinge ein. Der Hochkommissar des Völkerbundes für die deutschen Flüchtlinge James MacDonald, der kürzlich ans Buenos Aires nach Uruguay abreiste, erklärte Pressevertretern, die argentinische Regierung verhalte sich günstig zu dem von ihm, MacDonald, gestellten Verlangen, eine gewisse Zahl'Flüchtlinge aus Deutschland nach Argentinien einzulassen, wo sie sich seßhaft machen sollen. MacDonald verhandelte auch mit der Regierung von Uruguay und begab sich von dort nach Brasilien, um mit der dortigen Regierung die bereits im April begonnenen Verhandlungen wegen Seßhaftmachung deutscher Flüchtlinge in Brasilien zu Ende zu führen. Z. T. A. Ein neuer Erpressungsfeldzug im Dritten Reich; " Die „Leipziger Neuesten Nachrichten" und andere deutsche Zeitungen bringen folgendes Inserat: „Firmen und Geschäftsleute, die insbesondere während der wirtschaftlichen Krisenjahre von Juden betrogen odfer geschädigt oder deren Notlage ausgenutzt worden ist, wollen zum Zweck einer gemeinsamen Aktion ihre Anschrift bekanntgeben! unter usw." (Diese Inserate scheinen einen neuen Erpressungsfelldzug vorzubereiten, wie er nach der Ergreifung der Macht durch Hitler in ganz Deutschland im Schwünge war. Mit Hilfe der damals allmächtigen SA, deren Mitglieder laut Befehl Goerings von einem staatlichen Organ nicht angerührt werden durften, konnte jeder Nichtjude, der je mit einem Juden Geschäfte machte und sich einbildete, beeinträchtigt worden zu sein, oder der überhaupt Lust hatte, mit den Juden „abzurechnen", vom seinem jüdischen Partner eine „Entschädigung" herausholen) in welcher Höhe er wollte; zu jener Zeit war ein gjroßJer Teil des jüdischen Vermögens in Deutschland in die Hände von Erpressern gelangt. D. Red.) „Angriff" kündigt neue Offensive gegen die Juden an. Der „Angriff" kündigt an, er werde im Laufe der nächsten Wochen Gelegenheit haben, sich wieder eingehender mit der Judenfrage zu beschäftigen. Das Blatt bestreitet jedoch, daß es sich um eine neue antisemitische Welle handle, denn, so meint es, die Judenfrage habe niemals aufgehört, gestellt zu werden. Die deutschen Juden beobachteten nur scheinbar eine Zurückhaltung. In Wahrheit arbeiten ihre Glaubensgenossen im Ausland mit ihrer traditionellen Beharrlichkeit, um die Stellung des Weltjudentums zu stützen und das neue Deutschland auf- Drawegen anzugreifen. Für alle neuen Maßnahmen, die eventuell gegen die Juden ergriffen würden, trage das Judentum die Verantwortung. „Wir haben unsere Haltung klar umrissen. Die weitere Entwicklung wird einizig von den Juden selbst abhängen." Stawsky verhaftet Der aus dem Arlosoroff-Prozeß bekannt gewordene Revisionist Stawsky hat seine Anwesenheit in Polen und den Nimbus, mit dem man ihn seitens der revisionistischen Propaganda umgab — wurden doch sogar Verschlußmarken mit seinem Bilde herausgegeben —, dazu banützt, um eine „illegale A1 i j a h" nach Palästina zu organisieren, die unter beschämenden und empörenden Umständen zusammengebrochen ist. Er ließ sich kürzlich von 40 jungen Juden größere Geldbeträge ausfolgen und versprach, sie dafür auch ohne Zertifikate nach. Palästina zu bringen^ Weit sind sie nicht gekommen, denn diese Alijah fand bereits in Polen ein Ende. Die vierzig jungen Menschen sind um eine schöne Illusion und um eine große Summe Geldes ärmer, die sie sich vielfach nur unter den schwierigsten Bedingungen beschaffen konnten. Einer von den Betrogenen, das Mitglied des Brit Trumpeldor Hersch Kelma teilt im Warschauer „Haynt" mit, daß er das Geld hu Anwesenheit des Obmannes der revisionistischen Union Nürnberger und des revisionistischen Kreisleiters Ing. Lubäinsky, die bei der Propaganda dieser „Alijah" kräftig mitgeholfen hatten, Stawsky ausgefolgt habe, der für ihn bis dahin das Sinnbild jüdischer Ehre und Würde gewesen) war. Nun hat sich seine Meinung gründlich geändert. Stawsky, der nach seiner ersten Verhaftung freigelassen worden war, ist jüngst auf Grund w eit er erBes ch nl digu.ngen und Zeugenaussagen abermals verhaftet worden. Antijüdlsche WarnungSSchUder „Kunstwerke". Unter dieser Ueberschrift schreibt" die „Fränkische Tageszeitung" in Nürnberg: „Der Bürgermeister der Gemeinde Oberasbach, Bezirksamt Fürth i. J3., ließ innerhalb seiner Gemeinde Schilder aufstellen, die die Einwohner und insbesondere die Bauern auf die QROSSFLEISCHHAUBREI HEGM. KORNMEHL BMHMMHi^MMMHHMHMKMHM^Ml WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE i XVIII., WÄHRINGERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten AbteilungenfürKoscherfleisch unter Aufsicht das ehrw. Rabbinates der Isr. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Gefahr hinweisen sollen, die ihnen entsteht, wenn sie mit dem Juden Geschäfte machen. Das Warnungsschild stellt in Holzplastik einen alten vergrämten Bauern, einen feisten Juden und eine Kuh dar. Der Bauer sitzt vergrämt auf einem Stein und sieht zu, wie ihm der Jude seine schönste Kuh wegführt. Unter der Holzplastik ist folgender Spruch angebracht: „Schaut Leute, euch den Bauern an, welch Leid der Jud ihm angetan!" Die Schilder sind ein Kunstwerk und zugleich ein weithin sichtbares Warnungszeichen für die Einwohnerschaft und die Besucher der Gemeinde Oberasbach. Es sollte heute keine Gemeinde mehr geben, in der die Einwohnerschaft nicht öffentlich vor dem ewigen Juden gewarnt wird. Wenn nun in Form von Schildern gewarnt wird, dann muß auf Kunstsinn ein Hauptaugenmerk gelegt werden; denn erstens bilden Schilder in der Art derhiesigen ein Kunstwerk für die Gemeinde und anderseits ist dem einheimischen und in so schwerem Existenzkampf liegenden Kunsthandwerk etwas aufgeh o 1 f en." Juden sind nicht deutsche Bürger. Der „Bürgerverein für Harvestehude und Rotherbaum" ist von der Polizei aufgelöst und verboten worden, weil „sein Bestehen und. seine Tätigkeit den staatlichen Interessen zuwiderlaufen". Den Mitgliedern des Vereines ist es verboten, sich unter anderem Namen zusammenzuschließen. Zu diesem Verbot schreibt das Gauorgan, das „Hamburger Tageblatt": „Die Polizeibehörde hat den Bürgerverein aufgelöst, weil er unter Leitung von jüdischen Personen steht und sich überwiegend aus jüdischen Mitgliedern zusammensetzt. Die Juden können heute nicht mehr als Staatsbürger angesehen werden, sondern sind nach allgemeiner Auffassung nur .deutsche Staatsbürgerjüdischen .Volkstums'. Der Jude aber, der sich in einem Verein als Mitglied befindet, der sich .Bürgerverein' nennen darf, wird sich nach wie vor als Bürger betrachten. Bürger aber kann nur sein, wer Volksgenosse ist, Volksgenosse aber nur, wer deutschen Blutes ist. Ein Jude kann daher niemals Staatsbürger sein." Deutscher Antisemitismus in Luxemburg. Das „Luxemburger Wor t", die größte Zeitung Luxemburgs, hat sich von der deutschen antisemitischen Propaganda ins Schlepptau nehmen lassen. Die Zeitung veröffentlicht die bekannten deutschen antisemitischen Legenden und fordert zum Boykott der jüdischen Geschäfte in Luxemburg auf, wobei sie die jüdischen Geschäftsleute als „zugereiste Fremde" bezeichnet, die die Konjunktur zu Ungunsten der angestammten Luxemburger Kaufmannschaft ausnutzen urfi die Fäden der wirtschaftlichen Macht in ihre Hände bringen. Die jüdische Wirtschaftssituation in Deutschland. Nach dem Bericht der „Berliner Nachtausgabe" vom 25. Mai über den Vortrag des Reichsministers Heß in Stockholm sind in Preußen 33.500 jüdische Erwerbstätige in Industrie und Handwerk, 89.000 in Handel und Verkehr festgestellt worden. Wie die Statistische Abteilung der Reichsvertretung der deutschen Juden der Jüdischen Telegraphen-Agentur mitteilt, beruhen diese Angaben mutmaßlich auf den Ergebnissen der Berufszählung von 1933. Vergleicht man sie mit den entsprechenden Ziffern aus dem Jahre 1925, so ergibt sich, daß die Zahl der Juden in Industrie und Handwerk bereits im Juni 1933 um fast ein Drittel zurückgegangen war, während die Zahl für die Gesamtbevölkerung ziemlich konstant geblieben war. Die jüdischen Erwerbstätigen der Wirtschaftsabteilung „Handel und Verkehr" nahmen um ca. 20 Prozent ab, während die entsprechende Zahl der Gesamtbevölkerung um über 11 Prozent stieg. Von 100 Erwerbstätigen in Industrie und Handwerk waren darnach 1933 nur noch 0,43 Juden gegenüber 0,63 im Jahre 1925. In Handd und Verkehr sank die jüdische Quote von 3,45 Prozent auf 2,46 Prozent Antijüdiscfie Diskrimination in Amerika. Der Unabhängige Orden Bnei Brit in Amerika hielt in Washington seine 14., alle fünf Jahre stattfindende, Convention ab. Der Weltpräsident des Ordens, Alfred M. C o h e n, führte in seiner Ansprache aus, daß die an ti jüdische Diskrimination im gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben der Vereinigten Staaten, namentlich wo es sich um Beschäftigung jüdischer Angestellter handelt, ernste Proportionen annimmt. Alfred M. Cohen forderte die zwei fuhrenden P£>- Msch-jüdischen Organisationen Amerikas, American Jewish Commitee und American Jewish Con- ■ ^t^oBs^s^K^s^y^x-^r^^i^

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