Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 24 (14.6.1935)
- Date
- 1935-06-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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ffiE WAHRHEIT Nr. 24— 14 Juni 1935 Seite 5 HERRENKLEIDERSALON S. FROST III., Landstraße Hauptstraße 28 Telephon U 11.2-72 bringt den modernen Hochsommer~Anzug fUr dma eleganten Herrn Feine Mafiarbeit — Beste Ausführung — Billigste Preise des Danziger Senats, ihn wegen mehrerer seiner Berichte in der JTA attackiert hatte, in denen er auf die antijüdischen Maßnahmen der offiziellen Danziger Behörden hinwies. Er wurde damals einige Tage nach seiner Verhaftung vom lokalen Gericht, das die gegen ihn vorgebrachten Beschuldigungen als unbegründet zurückwies, freigesprochen. Rabbiner Dr. Rothschild wieder in Freiheit. Wie das „Israelitische Wochenblatt für die Schweiz" in Zürich erfährt, ist der Rabbiner von Saarbrücken, Dr. Lothar Rothschild, der von der Geheimen Staatspolizei festgenommen war, nach mehrwöchiger Haft wieder freigelassen worden. Feuerkreuz ist nicht Hakenkreuz. Die französische Frontkämpfervereinigung „Croix de feu", die trotz gegenteiligen Erklärungen häufig als antisemitische Organisation hingestellt wird, hat eine Heldenehrung für die jüdischen Gefallenen des Weltkrieges in Form eines Gedenkgottesdiens t e s. veranstaltet, der in der P ariserGroßen Synagoge unter der Leitung von Rabbiner Ca plan abgehalten wurde. Antijüdische Ausschreitungen in Grodno. Am Freitag, den 7. Juni, dem ersten Schwuoth- Tag, kam es in Grodno zu schweren antisemitischen Ausschreitungen. In einem Tanzlokal war ein gewisser. Ladislaus Kuscz in der Nacht zum 4. Juni mit zwei Juden in eine! Prügelei geraten und durch Messerstiche tödlich verletzt worden. Im Anschluß an die Beerdigung am Freitag marschierte eine Gruppe nach dem Judenviertel und ging gewalttätig gegen die. jüdische Bevölkerunn vor. Die Demonstranten plünderten eine Anzahl von Läden, drangen auch in die Wohnungen ein und zerstörten die Einrichtungen. Die Unruhen waren am heftigsten in der Hauptstraße der Stadt, der Dominikanska. Die Huligans konzentrierten sich besonders auch auf die Stadtperipherie und mieden die Stadtviertel, in denen die jüdischen Fuhrmänner und Schlächter wohnen; vermutlich fürchteten sie deren Selbstwehr. Insgesamt wurden 60 Personen verwundet, mehrere von ihnen wurden in ernstem Zustande ins Hospital eingeliefert. Von diesen schwer Verwundeten ist am 9. Juii Israel Bereszczowski, der 21jährige Sohn des Leiters des Synagogenchors, seinen Verletzungen erlegen. Die Polizei befahl, die Beisetzung des Opfers in aller Ruhe vorzunehmen, so daß die Beerdigung am Montag abends in aller Stille erfolgte. In der Stadt ist die Ruhe wiederhergestellt; schwere Polizei-Patrouillen durchstreifen die Straßen. Die jüdischen Schulen sind infolge der großen Spannung geschlossen. Die Eltern weigern sich, ihren Kindern zu erlauben, die Häuser zu verlassen. Ueber 30 ahristliche Rowdies wurden verhaftet, ferner 8 Juden wegen Bildung eines Selbstschutzes. Der offizielle Bericht betont, daß Unterweltselemente an den Ereignissen teilnahmen und auch den Mob lenkten. Der Distriktsleiter hat eine jüdische Delegation empfangen und hat ihr versichert, daß alle Maßnahmen ergriffen wurden, um die Ordnung aufrechtzuerhalten. Der Bürgermeister der Stadt hat einen Appell an die polnische Jugend erlassen, in dem sie aufgefordert wird, nicht die poliischen Traditionen zu entwürdigen und sich nicht durch dunkle Elemente provozieren zu lassen. Z. T. A. Legislative Council schon im Herbst 1935? Die Jerusalemer arabische Presse berichtet, daß die Frage der Schaffung eines Legislative Council (Gesetzgebender Rat) in Palästina in eine neue Phase getreten und! sehr aktuell geworden sei. Schon im Herbst 1935. nach der Rückkehr des High Commissioner. Sir Arthur Wauchope. von seiner geplanten England-Reise, werde die Verkündung des Gesetzes über den Legislative Council erfolgen. Die Jaffaer arabische Zeitun« „Adifaa" meldet, daß die Wahlen zum Legislative Council im Frühjahr 1936 stattfinden werden. Die in Kairo erscheinende Zeitung „AI Ahram" weiß zu berichten, daß Sir Arthur Wauchope von der Schaffung; des Legislative Council sein Verbleiben im Amt als High Commissioner abhängig macht. Sollte das Colonial Office in London der Proklamierung des Legislative Council nicht zustimmen, so sei er zura Rücktritte entschlösse«. Bekanntlich hat der High Commissioner Sir Arthur Wauchope bei verschiedenen Gelegenheiten, u. a. auch bei einer Sitzung der Mandatskommission des Völkerbundes, erklärt, er betrachte die Neuwahl der Munizipalräte in Palästina als eine Art Vorstufe zur Schaffung einer Selbstverwaltungsinstitution für das ganze Land. Man hat diese Erklärung so aufgefaßt, daß der High Commissioner zunächst beobachten wolle, wie die auf Grund des neuen Munizipalitätengesetzes geschaffenen neuen Verwaltungen arbeiten; von dem Erfolg oder Mißerfolg dieser Arbeit mache er die Schaffung des Legislative Council abhängig. Die neuen Munizipalorgane in Palästina wurden bekanntlich im vergangenen Winter gewählt. Sted wir auch schon so weit? In der „Neuen Klostemeuburger Zeitung" finden wir folgendes Inserat: Wie mir von befreundetet Seite wiederholt mitgeteilt wurde, behaupten verschiedene Personen, daß meine Frau, Dr. med. Ella B., eine Jüdin sei. Ohne damit einer gesetzlich anerkannten Religionsgemeinschaft im mindesten nahetreten zu wollen, sehe ich mich veranlaßt, dieses anscheinend in unfreundlicher Absicht verbreitete Gerücht als unwahr zu erklären und festzustellen, daß meine Frau sowohl als ich selbst Familien entstammen, die1 mit ihren arischen Geschlechterfolgen nachweisbar an den Anfang des 17. Jahrhunderts zurückreichen und die, wie aus den entsprechenden Urkunden hervorgeht, stets dem Christentum angehört Dr. Rudolf B., Mittelscbuilehrer. Klosterneuburg." Amsterdam. Königin Wilhelmine von Holland hat dem Verein „Der Jüdische Invalide", der größten jüdischen Vereinigung in Holland, eine große Geldspende zukommen lassen. In einem Begleitschreiben gibt die Königin ihrem Interesse an der Arbeit des Jüdischen Iavaliden- Vereins Ausdruck und nimmt davon Kenntnis, daß der Verein seine zentrale Institution in Amsterdam, in der gegenwärtig 200 jüdische Invalide betreut werden, mit Hilfe einer großzügigen Kampagne so zu erweitern gedenkt, daß die Zahl der Pfleglinge auf 400 erhöht werden kann. s-. Märchen für Berliner Kinder. erzählt in einer der letzten Nummern der Berliner „Jüdischen Rundschau" deren Wiener Korrespondent Dr. Jakob Romenthal den zionistischen Lesern dieses Blattes. Nur als Märchenerzählung kann man seinen „Rückblick" auf die Entwicklung des österreichischen Judentums seit dem Umstürze im Jahre 1918 bis zum heutigen Tag werten. Fast alles, was hier uiber die Ruhmestaten der österreichischen ZiofflsleirTjerTchtet wird, gehört in das Gebiet der Fabel, ist darauf berechnet, den Berliner Juden, die das „Unglück" haben, daß ihre Gemeinde von einer nichtzionistischen Mehrheit verwaltet wird, zu zeigen, wie beglückt sie unter jüdischnationaler Führung leben könnten. Die Ruhmestaten, die da aufgezählt werden, sind schon zu abgedroschen, als daß sie einer besonderen Erwiderung wert wären. Aber ein Märchen, das Herr Dr. Rosenthal, der Hauptschriftleiter der „Stimme", von diesem seinem Wiener Schreibtisch nach Berlin verpflanzen möchte, muß doch wieder einmal seines Fabelinhaltes entkleidet werden. Dr. Rosenthal versteigt sich nach der lobhudelnden Aufzählung der Ruhmestaten der Wiener Kultusgemeinde, die, wie er schreibt, „heute faktisch die jüdische Volksgemeinde ist" (wozu also dann noch die auf diese. „Errungenschaft" hinzielenden Beschlüsse des zionistischen Landeskomitees?), zu der Behauptung, daß diese Leistungen von den offiziellen Staatsstellen durch die bekannten Berufungen von Zionisten in den Staatsrat und in den Rat der Stadt Wien anerkannt und gewürdigt wurden. Das kann Herr Dr. Rosenthal wirklich nur außerhalb Oesterreichs erzählen. In Wien weiß jeder und wissen es nicht zuletzt die Zionisten selbst, daß diese Berufungen nicht der zionistischen Einstellung der Berufenen, sondern ihren Funktionen in der Wiener Kultusgemeinde, als deren Vertreter sie den betreffenden Körperschaften angehören, Rechnung trugen. Die Zionisten versuchen immer wieder aus diesen Berufungen für ihre nationaljüdische Sache Kapital zu schlagen, sie werden es sich gefallen lassen müssen, daß man ihnen bei jedem dieser parteipolitischen Versuche auf die Finger klopft. Maimonides-Feier — ein Lustspiel-' theater. Wir erhalten folgende Anfrage: Geehrte Redaktion! Wie ich aus den Tageszeitungen ersehe, veranstaltet das Zionistische Landeskomi t e e eine Maimonides-Feier am 15. d. M. im L u<s t s p i e 11h e at e r. Beim Durchlesen des Programms glaubt man sich an den Kopf Restaurant Botel Stefanie vormalt Operer II., Taborstrafte lz, Tel. D M-S-Sf mmi« Aosgiebice Brafen-Mends 3 1.60 l*V J n Qenügol- „ S 2.20 lkVJ VonfigUcha Zubereitung — Scfrwechater Biet« — Niturweino Schöner itaatfieier Garten greifen zu müssen. Eine Maimonides-Feier mit folgenden Mitwirkenden: Josef Schmidt, Fritzi Merley usw. Verzeihen Sie die Frage, verehrliche Redaktion: Welches deutsche oder italienische Lied, vom Opernsänger Josef Schmidt vorgetragen, paßt zu einer Ehrung des größten jüdischen Philosophen und Talmudgelehrten? Ich habe mehreren Leuten das Inserat gezeigt und jeder teilte meine Meinung, daß es eine unwürdige, noch mehr: durch die Art der Aufmachung jeden religiös denkenden Juden provozierende Feier ist. Bitte, was ist Ihre Meinung? Hochachtungsvoll J. S., Wien XX. * Unsere Meinung? Wir glauben, daß das Zionistische Landeskomitee, das mit seiner Maimonides-Feier den würdigen Veranstaltungen dieser Art anderer Wiener Organisationen stark nachhumpelt, das jetzt schon nachlassende, bei den Parteipolitikern wahrscheinlich überhaupt nicht vorhandene Interesse an einer solchen Feier durch eine besonders bombastische Aufmachung neu erwecken will, und da ist ihm kein Mittel zu schlecht, auch auf die Gefahr hin, religiöse Gefühle zu verletzen. D. Red. Schlechte Reklame. „Für unsere Vertreibung (?) von den Hochschulen werden wir noch einmal zu danken haben." Dieser Satz steht wörtlich in einer (unentgeltlichen?) Reklamenotiz der letzten „Stimme", die für den Beruf des Reklamefachmannes Propaganda macht, zu dem man im I n s t i t u t für Werbung und Verkauf in Wien ausgebildet werden kann. An der Spitze dieses Instituts steht der bekannte Werbe-Mendel. Bei aller Anerkennung der sonstigen Qualitäten dieses ersten Wiener Reklamefachmannes müssen wir sagen, daß bei Verfassung dieser für das eigene Unternehmen Propaganda machenden Reklamenotiz seine Kunst schmählich versagt hat. Ein solcher Satz darf in keinem für Juden bestimmten Prospekt stehen, eine jüdische Zeitung dürfte ihn nicht abdrucken. Aber der Zweck heiligt eben die — Reklame. „Weg mit den erwerbslosen Juden!" Der „Generalanzeiger für Bonn und Umgegend" meldet aus Euskirchen, daß in der letzten Sitzung der Ratsherren der Beschluß gefaßt wurde, in Zukunft Juden oder jüdisch Versippten den Zuzug nach, Euskirchen nicht mehr zu erlauben. Dieser Beschluß wurde damit begründet, daß im Kampfe gegen das Judentum mit einer baldigen oder späteren Erwerbslosigkeit der Juden zu rechnen sei Durch die neue Verordnung würde vermieden, daß die neu hinzugezogenen Juden der Wohlfahrt zur Last fielen. Mißglückte Ritualmordpropaganda in Lettland. In letzter Zeit haben dunkle Elemente in Dünaburg (Lettland) das Gerücht verbreitet, Juden hätten eine Christin zu rituellen Zwecken ermordet. Diese Hetze rief unter der jüdischen Bevölkerung, die den Ausbruch von Unruhen befürchtete, starke Erregung hervor. Der sofort eingeleiteten behördlichen Untersuchung gelang es. die Namen der Urheber der Hetze zu ermitteln. Ihnen wurde bedeutet, daß rücksichtslos gegen sie vorgegangen werden würde, falls das sinnlose Gerücht weiterverbreitet werden sollte. Dank diesem Einschreiten der Behörden ist die Ritualmordhetze verstummt. Eine neue Aera jüdisch-griechischen Zusammenlebens. Dem Oberrabbiner von Saloniki und Griechenland Dr. Zwi K o r e tz, der jetzt zum ersten Mal sek seinem vor 1^ Jahren erfolgten Amtsantritt die Hauptstadt Athen besucht hat und von der Regierung begrüßt wurde, wurden auf dem „Platz der Konstitution", wo er in Begleitung einer militärischen Ehrengarde mit Militärkapelle erschien, von einer tausendköpfigen Menge lebhafte Ovationen dargebracht. Die Presse von Athen nimmt den Besuch des Oberrabbiners zum Anlaß, ihm herzliche Begrüßungsartikel zu widmen, in denen von dem Beginn einer neuen Aera enger Verknüpfung der Juden mit dem Leben Griechenlands gesprochen wird. Z. T. A.