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Die Wahrheit · 1935-06-14 · Heft 24 (14.6.1935) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 24 (14.6.1935)
Date
1935-06-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 24 — 14. Juni 1935 Seite? Spezialhaus für Wolle und Strickgarne Moritz Nagel Wien, 2. Bez., Taborstraße Nr. 17 Fabriksniederlage. Wirku. Strickmoden _Telephon A 49-3-69___ gress, zu einer erhöhten Zusammenarbeit in der Bekämpfung der Diffamierung von Juden und Judentum auf. Dabei betonte Cohen seine Gegnerschaft zum Jüdischen Weltkongreß. Schließlich appellierte Cohen an die jüdische Jugend der Vereinigten Staaten, bei der Wahl von Berufen nicht mehrwie bisher die freien Berufe zu bevorzugen, sondern zu versuchen, in mehr aufbauenden Berufen unterzukommen, was für ihr späteres Leben von fundamentaler Wichtigkeit sein wird. Die Convention befaßte sich eingehend mit«der zunehmenden antijüdischen Propaganda in den Vereinigten Staaten und beschloß Maßnahmen zur Bekämpfung dieser zu einem sehr großen Teil von außen hereingetragenen Propaganda. Zu den Beratungen erschien auch der Speaker des Repräsentantenhauses der Vereinigten Staaten Josph B y r n s und hielt eine Ansprache an die Mitgieder der Convention, in der er das gegen die Juden herrschende Rassenvorurteil mit scharfen Worten verurteilte und den Beitrag der amerikanischen Juden zum öffentlichen Wohlstand der Vereinigten Staaten rühmend hervorhob. Amerika, sagte Joseph Byrns, würde ohne die Juden kulturell viel ärmer sein, als es heute ist. Die Convention hat Alf red M. C o h e n zum Präsidenten wiedergewählt. Sarja". 1906 wurde er zum Abgeordneten der ersten Reichsduma gewählt, in der er, der überhaupt ein Redner . von., ganz ungewöhnlicher Zündkraft war, in markanten Reden die Judenfrage schilderte. Infolge Unterzeichnung des Viborger Manifestes mußte er Rußland verlassen. Für die zionistische Bewegung wirkte Levin schon als Student im Verein der russisch-jüdischen Studenten in Berlin. In der Zionistischen Organisation gehörte er dem Aktions-Komitee an, von 1911 bis 1918 war er Mitglied des Engeren Aktions-Komitees. Während des Krieges arbeitete er in Amerika für den Zionismus, seit 1920 stand er im Dienste des Keren Haiessod. 1924 übersiedelte er nach Palästina, wo er mit Bialik den hebräischen Verlag „Dwir" teitete. Schemariahu Levin ist auch in der nichtiüdischen Oeffentlichkeit durch seine publizistische Tätigkeit bekannt. Von seiner Selbstbiographie erschienen deutsch im Berliner Verlag Rowohlt die beiden besten Bände „Kindheit im Exil" und „Jugend in Aufruhr". Chajim Bloch. Blut und Eros im jüdischen Schrifttum und Leben. SenSenverlaa Wien 1935. 191 Seiten- Wissenschaftliche Grundsätze wurden immer als unwandelbar angesehen. In den letzten Jahren, die manchen Wandel mit sich gebracht haben, wurde auch die Wissenschaft in den Wirbel der Zeitereignisse gezogen. So kommt'es. daß der protestantische Gelehrte Erich Bischoff, der in einer Reihe von Schriften den Talmud und die Rabbinen in objektiver Weise behandelt hat. in seinem Werke „Das Blut in jüdischem Schrifttum und Brauch" (Leipzig 1929) eine besondere Bedeutung des Blutgenusses im Judentum zu konstruieren versucht. Das ist deshalb merkwürdig, weil in früheren Schriften Bischoffs betont wird, daß „im ganzen Talmud, die Zensursteüen nicht ausgeschlossen, sich keine Erwähnung oder gar Lehre eines Ritualcder Blutmordes findet." In seinem letzten Werke stellt nun Bischof keineswegs die Behauptung auf, daß im Judentum Ritualmorde vorkommen, er läßt vielmehr, an Hand mehrerer Zitate, die er übersetzt und „deutet", durchblicken, daß im jüdischen Schrifttum nichts vorkommt, das dda Blutgenußausschließen würde, daß vielmehr zwischen Judentum und Blutgenuß ein direk- Jiidiscfies JVinderfieign „Jttid" In Seebenstein (Pittental), herrlich gelegen, eig. Waldbestand, ständige ärztliche Auf- £ sieht,individuelle,pädagogische Beeinflussung, ■g vorzügliche Verpflegung, Sport, Gymnastik, g Schwimmen, Nachhilfe. Auskünfte, Prospekte, £ Photoeinsicht u. Anmeldung: Wiener Sekretariat: IX., Schwarzspanierstraße 12, Mezzanin, täglich außer Sa. und So. von 3-6. Tel. A 26-3-73. Braune Kultur — Jüdische Kultur. Auf Anordnung des Berliner Polizeipräsidiums wurde der Name „Kulturbund Deutscher Juden" umgewandelt in den Namen „ J iidischer Kulturbund Berli n". In der braunen Zelle erhängt. Aus H a 11 e a. d. S. wird mitgeteilt: Der jüdische Arzt Dr. Hirschfeld, Halle an der Saale, Landwehrstraße, wurde im März 1935 verhaftet. Man machte ihm den Vorwurf, jüdische Emigranten finanziell unterstützt zu haben. Er wurde in der Haft schwer mißhandelt. Nach den Mißhandlungen wurde er in seiner Zelle erhängt aufgefunden. Entfernung der Juden aus der deutschen Justiz. Wie der „A n g r i f f" meldet, hielt Reichsminister Dr. F r i c k auf einer Kundgebung in Hannover anläßlich der Gautagung des Bundes nationalsozialistischer deutscher Juristen eine Ansprache, in der er u. a. erklärte: Es ist unerträglich, sehen zu müssen, daß auch heute noch viele tausende Juden in derdeutschen Justiz (Frick konnte nur die frontgedienten Rechtsanwälte gemeint haben, d. Red.) tätig sind. Es wird unsere große Aufgabe sein, für die endliche Befreiung des deutschen Volkes von diesen Fremdkörpern zu sorgen und eine wahre deutsche Justiz zu schaffen. Schemarjahn Levin gestorben. Am Sonntag, den 9. Juni ist Schemariahu Levin im Dr.-Löwi-Sanatorium in Haifa an Herzschlag Plötzlich gestorben. Die Nachricht vom Tode Schemariahu Levins, die sich schnell verbreitete, wurde mit großer Trauer aufgenommen. Am Montag wurde die Leiche nach Tel Aviv überführt, wo sie neben Achad Haam und Bialik bestattet wrde. Während der Ueberführung zum Haifaer Bahnhof waren alle jüdischen Geschäfte geschlossen und alle Arbeit ruhte. Ein unübersehbarer Trauerzug gab Schemariahu Levin das letzte Geleit. Schemariahu Levin, der als Politiker und Propagandist eine hervorragende Rolle in der zionistischen rührune Palästinas spielte, wurde im Jahre 1867 in Swislotsch, Rußland, geboren, studierte in Berlin und. Königsberg; später wurde er zum Kronrabbiner in urodno und Jekaterinoslaw ernannt 1905 übernahm er die Stelle eines Predigers in Wilna. 1904—1906 leitete er in Witna ein russisch-jüdisches Tagblatt „Nowaja MÖBEL Moderne KOchen- Vorzimmer- Wohnzimmer- F. KOHN, Wien II., TABORSTRASSE Nr. 22 Telephon R 40-7-14 Samstag geschlossen. ter Zusammenhang bestehe. Diese Andeutungen Bischoffs wurden auch vollauf gewürdigt, denn eine ganze Reihe antisemitischer Zeitschriften hat bei Bischoff die Belegstellen gefunden, um gegen das Judentum die Ritualmordklage erheben zu können. Chajim Bloch unternimmt es nun, in diese Hexenküche hineinzuleuchten, um die Methoden des Giftmischens anzunageln. Bischoffs Ausführungen werden wörtlich angeführt, um dann zu zeigen, wie Bischoff gearbeitet hat. So werden Stellen aus der Mischna, die von der Reinheit der Pflanzen handeln, welche bei einem Unfall mit Blut besudelt wurden, dahin übersetzt, daß der „Genuß" von Menschenblut straflos bleibt. Auch sonst wird Menschenblut zitiert aus Stellen, wo nicht einmal im entferntesten davon die Rede ist Um dem Leser das Gruseln beizubringen, wird aus den zusammengefaßten Anfangsbuchstaben der hebräischen Bezeichnungen für sieben verschiedene Flüssigkeiten ein Satz gebildet und übersetzt: Hand schlachtet Blut. Ein Beschneidungsbrauch, der in gaonäischen Schritten aus dem ersten Jahrtausend der gewöhnlichen Zeit- ■itilcilsttes Königslichl Seit vielen Jahren das anerkannt beste tM^-noiw Man achte auf die ges. gesch. Marke „Hyglen. Königslicht" und Name Schulz Fabrik und Büro: Wien XIV., Braunhlrschengause 1 TeJepbon R 33-1-87 ftitdlidfrjM Wien l.i Seitenstettenaasse 2 XI., Zentralfriedhof neben dem I. Tor _Samatag gatfalOMen! rechnuug erwähnt wird, wird mit den Worten gebracht: „Also ein noch an der Schwelle des 19. Jahrhunderts bestehender Beschneidungsritus — kein Aberglaube, wie Strack will." Soll man es glauben, daß ein Gelehrter derartiges schreiben kann, bloß weil die Sammlung Jener alten gaonäischen Schriften im Jahre 1799 gedruckt wurde. Daß der Druckort von Saloniki nach Willmersdorf verlegt wird, um den deutschen Juden eins aufs Zeug flicken zu können, ist schon selbstverständlich. Die Anständigkeit der Bischoffschen Methoden wird auch dadurch gekennzeichnet, daß er als Stütze für seine Ausführungen die Verurteilung eines Juden i;i Breslau anführt, wobei er genau weiß, daß die zweite Instanz das Urteil auigehoben und den Angeklagten freigesprochen hat. Letzteres wird aber bloß in einer Fußnote nebenbei angeführt, als ob es an sich belanglos wäre. Soll dies auf Zerstreuung zurückzuführen sein? War es nun bisher unmöglich, die wahre Absicht Bischoffs nicht zu merken, so muß es als faustdick aufgetragen bezeichnet werden, wenn in seinem Buche über das „Blut'' an den Haaren eines Anhanges auch „Eros" herangezogen wird, um über die sittliche Verderbtheit der Juden, wie sie in ihrem Schrifttum zum Vorschein kommt, den Stab zu brechen. Im Jahre 1904 veröffentlichte Bischoff seinen „Talmudkatechismus". In der Einleitung zu diesem Katechismus betont er wohl, daß er auf dem schwierigen Gebiet des Talmud ein „Einäugiger" sei. Dieses eine Auge hat aber ausgereicht, um zu erkennen: „So geht im Talmud die Wertschätzung des Weibes von der tiefsten bis zur höchsten Stufe, je nach Ort, Person und Stimmung." Im Jahre 1929 scheint Bischoff sein Augenlicht ganz eingebüßt zu haben. In einem wohltuenden Gegensatz zu dieser Verhetzung stehen die Ausführungen Blochs, der seine Verwandtschaft mit den „Priestern der Liebe" nicht verleugnen kann. Er wird nicht müde, auf jede „Deutung" und Entstellung hinzuweisen und ihre Unmöglichkeit durch den Vergleich mit dem Urtext und verwandten Stellen in der Literatur zu beweisen. Tiefempfundene Entrüstung spricht aus den Worten Blochs, aber nirgends ist ein beleidigender, scharfer Ausdruck zu finden. Besonders hervorzuheben ist, daß das ganze Buch in leicht zugänglicher Form geschrieben ist und die Fülle des angeführten Stoffes den Ueberblick keineswegs stört. Das Bestreben Blochs, seine Ausführungen für alle zugänglich zu gestalten, brachte es mit sich, daß mancher Hinweis weggelassen wurde, der vielleicht nicht unwichtig wäre. Zur Frage des Hühneropfers vor dem Versöhnungstage hat Bloch reiches Quellen- und Literr.turmaterial herbeigeschafft. Es wäre nur hinzuzufügen, daß dieser Brauch schon bei den Geonim in anderer Form erwähnt und abgelehnt wird. Auch zur Beurteilung des „Meuchelmörders Moses" hat Bloch vieles angeführt, das den Totschlag des Aegypters verständlich macht und entschuldigt. Hier wäre hervorzuheben gewesen, daß im Literaturkreis der späteren Kabbala, dem Bischoff manche Warfe gegen das Judentum entringen zu können glaubt, die Tat Moses verurteilt wird, denn wenn auch der Aegypter die Todesstrafe vielfach verdient hat, so hat Moses doch Blut vergossen. Blut, vor dem das Judentum unendliche Scheu empfindet, das es von sich unbedingt fernhalten will. Doch ist eo> vielleicht gerade das Fehlen einer Ueberlastung mit derartigen Einzelheiten, das die Blochsche Schrift für den weiten Leserkreis anziehend gestaltet. Schmähung ist nach Ansicht des Talmud gleichbedeutend mit Blutvergießen. Durch seine Schmähschrift ist es Bischoff, der Blutströme vergießt und im B1 u t g e n u ß schwelgt. Darauf hingewiesen und den ..Blutgenießer" entlarvt zu haben, ist eine besonders dankenswerte Leistung Blochs. Das Nachwort G r u nw a 1 d s tügt sich stilgerecht in den schönen und würdigen Rahmen des Werkes ein. —n —n. Das hochinteressante Buch ist zu Vorzugspreisen im Sekretariat der „Union", IX„ Berggasse 4, erhältlich. Gemeindectkromti. Budapest. Im Alter vcn 62 Jahren ist in Budapest der Leiter des Beocsiner Industriekonzerns. H o f r a t Ferdinand Baumgarten, gestorben. Die Beisetzung Hofrat Baumgartens, der Mitglied' des Haager Internationalen Schiedsgerichts war, auf dem Kerepeser jüdischen Friedhof gestaltete sich zu einer eindrucksvollen Trauerkundgebung der wissenschaftlichen, parlamentarischen und wirtschaftlichen Kreise Ungarns. Der leitende Oberrabbiner der Pester Israelitischen Kultusgemeinde. Dr. Simon Hevesi, würdigte die wissenschaftlichen und menschlichen Qualitäten des Verstorbenen. Nach ihm sprachen Dekan Dr. Kuncz, Univ.-Prof. Dr. Szladits im Namen des Ungarischen Juristenvereins, der ehemalige Außenminister v. Scitovszky. der Präsident des Landesindustrievereins, Dr, v. Tolnay, Baron Madarassy-Beck, Dr. Banyasz für die Budapester Handels- und Gewerbekammer und die Internationale Handelskammer. Die Beisetzung erfolgte neben dem Grabe des Bruders des Verstorbenen, des ehemaligen Kurialsenatspräsidenten Dr. Isidor Baumgartert Prag. Im Alter von 39 Jahren verstarb in Prag, wo er in der Emigration lebte, der frühere Chefredakteur des Berliner ,3-Uhr- Abendblattes", Hermann Zucker. Seit seinem 20. Lebensjahre gehörte er diesem Zeitungsunternehmen an. das er vermittels

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