Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 24 (14.6.1935)
- Date
- 1935-06-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Mitglieder und Freunde der „Union" ÄlÄSd« Sommermonate jeden Mittwoch, ab 8 Uhr abends im reservierten Teil des Restaurant Deutschberger, Prater Äussteüungsstr. (vis-a-vis dem Lustspieltheater), woselbst auch Gelegenheit zu freier Aussprache gegeben ist. Lektüre für das Dritte Reich. Der dritte Vizebürgermeister von Wien, Dr. Ernst Karl Winter, der sich um die Aussöhnung der ehemals sozialistischen Arbeiter mit dem Staat bemüht, gibt bekanntlich ein Wochenblatt „Die Aktion" heraus, das, an einer Verbreitung in Deutschland nicht interessiert, mitunter sehr zutreffend und schlagfertig auf verschiedene Konzessionen an das Dritte Reich hinweist, die ernst zu nehmen wären und bedauerlicherweise sonst nie die Aufmerksamkeit in der Oeffentlichkeit finden, die sie verdienen würden. Es muß vorweg, um Mißverständnissen vorzubeugen, bemerkt werden, daß Dr. Winter und seine Arbeiteraktion keineswegs von philosemitischen Einflüssen oder ähnlichen Dingen angekränkelt sind. Als Beweis dafür führen wir nur an, daß Dr. Winter vor gar nicht langer Zeit in einer Simmeringer Arbeiterversammlung den Schriftsteller Anton Orel sprechen ließ, der bekanntlich, nun sagen wir, der — Propagandist des von der Behörde beschlagnahmten Grazer Ritualmordbuches ist. Wenn also Dr. Winter und seine Bewegung häufig mit dem Dritten Reich und seinen mehr oder minder offenen Trabanten, Nachäffern und Mitläufern in Oesterreich anbindet, darf man das beileibe nicht für eine Stellungnahme für die Juden halten. Der katholische Gelehrte Dr. Ernst Karl Winter ist sich nur darüber klar, daß es keine Konzessionen an dieses Deutschland gibt, wie auch der Dank, den die deutschen Katholiken für ihre Haltung bei der Saarabstimmung ernten, beweist, er ist sich klar, daß, wer von diesem Nationalsozialismus etwas annimmt, daran zugrundegeht, und will als bewußter Oesterreicher die Unabhängigkeit seines Vaterlandes, an dessen Mission als katholischen und sozialen Staat er glaubt, verwirklicht sehen. Von diesem Gesichtspunkte aus muß man den Angriff der „Aktion" gegen jene österreichischen Verleger — es sind die meisten — betrachten, die, auf den Absatz im Dritten Reiche bedacht, nur Werke solcher Schriftsteller akzeptieren, die den literarischen und geistigen Ansprüchen des neuen Deutschlands entsprechen. Die „Aktion" wies darauf hin, daß der Wiener Verleger Tal einen österreichischen Gegenwartsroman von vornherein wegen der Stellungnahme gegen den Nationalsozialismus ablehnte. Sie machte auf den Verlag Zsolnay aufmerksam, der insoferne ein Kapitel für sich ist, als Herr Zsolnay, der aus irgend einer slowakischen Judengemeinde stammt, seine Abstammung zu . verleugnen sucht und zugibt, daß er auf „verschiedene Schriftsteller^ die mehr oder weniger offene Gegner des heutigen offiziellen Deutschland" . sind, verzichtet hat. In diesem Zusammenhang wirft das Blatt Dr. Winters die sehr berechtigte Frage auf, „warum der österreichische Verleger Zsolnay nicht auf jene Autoren, die offene Gegner des heutigen offiziellen Oesterreich sind, wie etwa Frau Urbanitzky, verzichtet hat?" „Die Aktion" weist darauf nachdrücklichst hin, daß österreichische Schriftsteller, die im heutigen Deutschland gedruckt werden wollen, Loyalitätskundgebungen abgeben müssen und erhebt ironisch die Frage, „ob der österreichische Verleger Zsolnay von seinen österreichischen und reichsdeutschen Autoren seinerseits die Erklärung verlangt, daß sie weder öffentlich noch gesellschaftlich gegen Oesterreich Stellung nehmen." Es muß noch erwähnt werden, daß die neueren Werke einiger Teutonen, die früher von dem „betont-nationalen" Verlag Luser verlegt wurden, nun bei Zsolnay ediert werden. -i Die zutreffende Polemik der „Aktion" ist nicht nur deshalb wichtig, weil sie aufzeigt, daß 20jähriger Absolvent des Realgymnasiums, aas gutem Hause, sportgewandt, sucht gegen Reisevergütung, freie Station und event. kleines Taschengeld, über den Sommer Stelle als Hofmeister Im In- oder Ausland. War sdion öfter in dieser Eigenschaft tätig undkannmitausgezeichnetenReferenzen dienen. . i K. GRÜN, Wien IIjTaborstr. 76a, Tel. R 44-7-93 sich hier ein katholisches'> Blatt um Dinge kümmert, denen gegenüber angeblich jüdische Tageszeitungen Vogel-Strauß-Politik betreiben, sie muß auch deshalb besprochen werden, weil ein Großteil der jüdischen Oeffentlichkeit anscheinend noch immer in literarischen Angelegenheiten überaus liberal eingestellt ist. Eine so lesehungrige und wissensdurstige Bevölkerungsschichte wie die Juden hat die Möglichkeit, jenen Verlegern gegenüber, die mit und an dem Hitlerreich Geschäfte machen, die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen. Zu diesen Verlegern gehören vor allem Tal, Zsolnay, Speidel und Konsorten; ihre Bücher sind Lektüre für das Dritte Reich. Spectator. bewußte Irreführung. Wir erhalten folgende Zuschrift: Sehr geehrte Redaktion! Erlauben Sie mir, den Artikel in der vorwöchentlichen Nummer Ihres geschätzten Blattes, in dem Sie die „zwei Großtaten der jüdischen Gemeinde" auf das richtige Maß gebracht haben, noch in einer Hinsicht zu ergänzen. Mit Absicht und gegen das Gesetz wird die israelitische Kultusgemeinde in dem von Ihnen gebührend behandelten Artikel der „Stimm e" immer als „j ü d i s c h e Gemeinde" bezeichnet, worin offenbar eine teilweise Verwirklichung des Programmes der Volksgemeinde der jüdisch-nationalen Mehrheit gelegen sein soll. Was mit dieser Bezeichnungsänderung, welche dem Judengesetze vom Jahre 1890 widerspricht, gewonnen sein soll, ist nicht klar. Sicher ist aber, daß hiedurch der Anschein erweckt wird, als ob neben der Stadtgemeinde und ihren Organen eine jüdische Gemeinde bestehen würde, wodurch die jüdisch-nationale Mehrheit ihr Scherflein zu der Absonderung der Juden von der übrigen Bevölkerung beiträgt. Daß dies nur schädlich sein kann, braucht nicht erst bewiesen zu werden. Jedem nicht von Parteiideologie Verblendeten ist dies offenkundig. "Wir müssen immer wieder den Standpunkt betonen, daß wir vollkommen gleichberechtigte Bürger dieses Staates und dieser Stadt sind, daß deren Organe und Einrichtungen für uns in gleicher Weise bestehen, wie wir auch diesen gegenüber die gleichen Pflichten wie die anderen zu erfüllen haben. Die Kultusgemeinde hingegen ist zur Befriedigung der religiösen Bedürfnisse geschaffen. Für alles, was darüber hinausgeht, hat die für alle Bundesbürger eingesetzte Verwaltung zu sorgen. Die Volksgemeindeideologie der Kultusgemeindemehrheit ist den verfassungsmäßig gewährleisteten Rechten der Juden schädlich. E . W. Jung und alt in Palästina. Einer kommt aus Palästina zu Besuch, ein „echter" Palästinenser, der schon viele Jahre drüben leBt und arbeitet. Er wird mit Fragen bestürmt. Auf die Frage nach den Sprachverhältnissen erwidert er lächelnd: „Ja, das ist so eine Sache. Die Alten beherrschen eigentlich nur vier Worte: den Gruß „Schalom", „B'wakaschah" (bitte), „todah" (danke) und „slichah" (Entschuldigung). Aber die Jungen . . ." „Was ist mit den Jungen? . . ." „Ja, die Jungen, freilich, die beherrschen die Sprache schon virtuos. Nur — es ist zum Staunen — gerade jene vier Worte kennen sie nicht!" Ilmren Dildierbedarl decken Sie am besten und billigsten in der DHChDandlantf - Antiquariat ÜEBMANM TUCH NEU, In WiCOll, Ecke Taborstraße 52 Große Auswahl von Büchern aller Art, auch antiquarisch zu billigsten Preisen. Verlangen Sie Preislisten umsonst! Für Auskünfte R 41-4-20 Moderne Bücher können Sie bei uns für nur 10 Gr. pro Tag lesen! Keine weiteren Uebühren. Einzelne Bücher und ganze Bibliotheken werden angekauft und gut bezahlt! Gegen den ungarischen Numerus clausus. In der Nachtsitzung zum 6. Juni des Abgeordnetenhauses richtete der katholische Abgeordnete Rudolf Rupert, der in den beiden ersten Nationalversammlungen zu Beginn der Zwanzigerjahre in unerschrockener Weise für die prinzipielle Gleichbehandlung aller Bürger des Landes ohne Unterschied der Konfession eingetreten war, eine Interpellation an den Unterrichtsminister, in welcher er die Abschaffung des Numerus clausus verlangte. Er erklärte, daß dieses Gesetz schon beim Entstehen von der ungarischen Oeffentlichkeit abgelehnt wurde und ein Mißgriff war. Rupert wies darauf hin, daß die Jünglinge, die sich im September d. J. an den Hochschulen immatrikulieren lassen wollen, bei Erbringung des Gesetzes im Jahre 1920 unwissende kleine Kinder waren und daß heutzutage infolge der verschärften Devisenbestimmungen für die von den Universitäten ausgeschlossenen Studenten ein« Studium im Auslände geradezu unmöglich sei. Es widerspreche übrigens dem Geiste der nationalen Einheit, den Ministerpräsident Gömbös und auch Kultusminister Ho man wiederholt betonten, daß begabte junge Menschen aus konfessionellen Gesichtspunkten der Lernfreiheit beraubt werden. Der Präsident des Abgeordnetenhauses erklärte, er werde die Interpellation an den Kultusminister weiterleiten. Menschenschmuggel nach Palästina. In der Vorstadt von Mukacevo Rossyegovo hielt die Polizei drei griechische Staatsbürger an, welche Juden die illegale Auswanderung nach P a l ä s t i n a ohne englisches Visum und ordentlichen Paß für Bezahlung von Kc 3000 versprachen. Einer der Verhafteten, Miltiades Emberikos, behauptete auf dem Mukacevoer Polizeikommissariat, mit einem griechischen Minister und Politiker verwandt zu sein. Alle drei sprechen mehrere Sprachen, verfügen über große Geldmittel und benehmen sich sehr selbstbewußt. Die Polizei hat die drei Ausländer in Haft behalten und forscht nach ihrer Herkunft. Z. T. A Die Schweiz gegen die Berliner Olymplade. Das Schweizer Parlament hat zur größten Empörung der braunen Presse mit 82 gegen 57 Stimmen beschlossen, daß die S ch w eiz kein Team zu der Berliner Olympiade 1936 entsenden wird, da ihr eine Teilnahme an den Spielen im Hinblick auf den jetzt in Nazi-Deutschland herrschenden Geist unmöglich sei. Der Danziger JTA-Korrespondent wieder verhaftet. Der JTA-Korrespondent in Danzig, Dr. Theodor Löwy, Herausgeber des „Danziger Echo", wurde am 7. Juni nach erfolgter Haussuchung in seiner Wohnung verhaftet und seine Zeitung wurde konfisziert. Für die Verhaftung wurde kein Grund angegeben. Die Leitung der JTA in London hat sofort Schritte eingeleitet, um die Haftentlassung Dr. Löwys zu erwirken. Wie erinnerlich, wurde Dr. Löwy schon im September vergangenen Jahres verhaftet, nachdem der „Danziger Vorposten", das offizielle Organ Ä Der Verein „Ost Seehospiz In Oratio" (Präsidentin Sofie Grünfeld) sendet Anfang Juli zarte, zu Katarrhen und Blutarmut neigende Mittelstandskinder im Alter von 6 bis 14 Jahren, unter ärztlicher und pädagogischer (männlicher und weiblicher) Aufsicht, in sein eigenes Heim nach Grado (Italien). Ein 30tägiger Aufenthalt am Meer, bei 5 Mahlzeiten (koscher) kostet S 5.— täglich. Der unter dem gleichen Präsidium stehende Verein „Ferienheim" entsendet in sein eigenes, rituell geführtes Heim nach DOd VÖSlaQ (Mühlhof) erholungsbedürftige Kinder in obigem Alter, Verpflegskostenbeitrag S 3—4 täglich. Freiplätze in beschränkter Anzahl an Vollwaisen. Anmeldungen im Vereinsbüro, IX., Türkenstraße 17. von 10—13 Uhr, Tel. R 51-5-63.