Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 24 (14.6.1935)
- Date
- 1935-06-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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niE WAHRHEIT Nr. 24 — 14. Juni 1935 Seite 3 Rerzo. rraoenheilDadl Tafzmaniisdorfj (Bnrgenland) S Mineral-, Moor- und natürliche Kohlensäuresprudelbäder. S! Billiger Pensionspreis inklusive Heilbäder. Zwei rituelle Res-: ■ taurants. — Auskünfte und Prospekte: Generalvertretung;! Wien L, Kohlmarkt 8 Tel U 25-104 j Neu: Moorpadcnngen und Moorkompressen inj! allen Apotheken erhältlich. j darauf, in unseren Reihen jenen Teil der Mitglieder der früheren Organisation zu haben, der einen kompromißlosen Krieg gegen Judentum und Kommunismus will. Wir sind mehr von der Art des irüheren Tannenberg-Bund, unser Führer ist mehr ein Mann wie Ludendorff als Hitler, mehr wie Röhm als Himmler. Wenn wir unser Ziel nur annähernd erreichen, wird kein Jude in den Vereinigten Staaten übrig bleiben" Der Trinkspruch der Lüdecke-Leute lautet: Dem letzten Juden! Interessant ist, daß über die Vergangenheit dieses L ü d e c k e von seinen früheren Bundesgenossen (Deutscher Weckruf, Philadelphia) gesagt wird, daß es sich hier um einen D e f r a udanten, SchwindlerundDieb handelt, der außerdem homosexuell sein soll. (Daher seine Vorliebe für Röhm?) Der Fall Hauptmann hat sowohl den Freunden des Neuen Deutschland, wie auch der Lüdecke-Liga plötzlich einen ungeheuren Auftrieb gegeben. Sie benutzten die tragische Entführung des Lindbergh-Babys, um zunächst in dunklen Andeutungen die Juden zu belasten, und verbreiteten in den Vereinigten Staaten die Lügen vom Ritualmord. In einem Flugblatt, dessen Herkunft nicht klar identifiziert werden konnte, werden die J udenbeschuldigt, dasLindbergh-Baby getötet zu haben. Das sieht so aus: „Das Kind wurde am 1. März entführt, der Leichnam wurde am 12. Mai — 72 Tage später — mit Schädelbrüchen gefunden. Und die in den „New York Times" veröffentlichten Berichte vom 13. Mai 1932 besagen, daß der Tod wahrscheinlich mindestens zwei Monate vor Auffindung der Leiche eingetreten ist. Jüdischer Ritualmord an christlichen Kindern wird anläßlich des „Purim'-Festes vorgenommen, wo der jüdische Haß in den Synagogen aufgepeitscht wird . . ." Dann wird die ganze Streichersche Lügengeschichte vom Ritualmord und die angebliche Methode den Amerikanern aufgetischt und nach Anpreisung eines Buches „Der jüdische Ritualschlächter" gesagt: „Das Lindbergh-Baby wurde offenbar im März geschlachtet. Das Purim-Fest von 1932 fiel auf den 22. März. Lindbergh ist der nordische Held der Vereinigten Staaten, und sein Kind war dazu ausersehen, den vollkommenen nordischen Typus zu repräsentieren." Selbstverständlich war es jüdisches Geld, das die Entdeckung stoppte, die Ermittlungen in eine andere Bahn trieb, und es fehlte nur noch die Mitteilung, daß es jüdisches Geld war, welches den Verdacht auf den Mörder Hauptmann lenkte. Man trieb diese Propaganda um so hartnäckiger, als auch die reichsdeutsche Presse ein stark betontes Eintreten für den Mörder Hauptmann zu erkennen gab. Deutlich heißt es in einem anderen Flugblatt, das in New York und anderen Städten verbreitet wurde: „Die Wollust, mit der die jüdische Presse von New York City versuchte, die Oeffentlichkeit gegen Hauptmann und sein Vaterland aufzubringen, demonstrierten Tag für Tag die Ausdrücke gegen Hauptmann wie Nazi-Mörder, Nazi-Entführer . . . Solche Tatsache aber wirft die Frage auf, warum diese antagonistischen Elemente so extrem in ihrer Ausdrucksweise gegen einen Mann sind, der nur durch Indizien überführt wurde. Darf man die wahren Umstände, die in gewissen jüdischen Kreisen bekannt sein mögen, verschleiern?" Hier ist deutlich das Zusammenspiel reichsdeutscher Naziorgane mit den amerikanischen erkennbar. Man arbeitet mit allen Mitteln, beschuldigt die Juden aller möglichen Verbrechen und behauptet sogar, daß es in den meisten europäischen Ländern achtzehnmal so viel jüdische Verbrecher gäbe wie arische. Man teilt der amerikanischen Oeffentlichkeit alle „Ritualmorde" vom Jahre 418 in Antiochia bis 1932 in Paderborn mit, bedroht in Versammlungen und Flugblättern die Juden und versucht, Hauptmann dadurch zu entlasten, daß man alle Schuld auf den toten Juden Isidore Fish schiebt, so daß schon auf Grund dieser Hetze die Gerichte einschreiten mußten, die die weitere Verbreitung derartigerVerleumdungen verboten. Bei den Bemühungen des Dickstein-Komitees, die Mittel festzustellen, aus denen die über Amerika verbreitete Propaganda gespeist wird, stieß man auch auf einen Dr. Otto Vo IIb ehr, der eine Gutenberg-Bibel an die Kongreßbibliothek verkaufte. Er gab an, daß er tausende Dollars aus eigenen Mitteln für die Verbreitung antisemitischer und faschistischer Propaganda gegeben habe. Vollbehr, der von dem deutschen Gesandten Luther gewarnt wurde, versprach, sich jeder Einmischung in die amerikanischen Verhältnisse zu enthalten und nicht nach Deutschland zurückzukehren. Aber schon nach zehn Tagen hatte dieser Edelmann sein Versprechen gebrochen, fuhr nach Deutschland, und während seiner Abwesenheit wurde von seiner amerikanischen Adresse neues Nazipropagandamaterial verbreitet. Vollbehr lancierte ein Memorandum des Direktors des Rassenpolitischen Amtes der NSDAP, Dr. Walter Groß, in die amerikanische Presse,. „Die Welt- und Rassenanschauung des heutigen Deutschlands". Deutschland habe angeblich nicht die leiseste Absicht, andere Rassen herabzusetzen oder zu brandmarken, man bekämpie angeblich nur die alte Fabel von der Gleichheit aller Rassen. Interessant ist noch, daß der bekannte Journalist Viereck vor dem Dickstein-Komitee zugeben mußte, im Dienste der deutschen Regierung, und zwar des Gesandtschaftsrates Doktor Kiep, gestanden und von diesem große Summen von 500 bis 1750 Dollar monatlich erhalten zu haben. Die Feindschaft zwischen der Lüdecke-Liga und den Freunden des Neuen Deutschland hält an. Den Subventionen, die beide Organisationen erhalten, wird das zunächst keinen Abbruch tun. Diese werden in Form von Inseraten vermittelt, die die deutschen Schiiifahrtsgesellschaften (Hapag und Norddeutscher Lloyd), wie auch die Reichsbahn an die Nazipresse vergeben. Dem Dickstein-Komitee sind Doku- Klaina Tube S — 90 Groß« Tuba 3 1.40 mente dieser Gesellschaften vorgelegt worden, aus denen hervorgeht, daß diese Subsidien von Deutschland angeordnet wurden und für die Schiffahrtslinien monatlich 600 Dollar, für die Eisenbahn monatlich 200 Dollar betrugen. Die amerikanische Oeffentlichkeit ist, wie das Memorandum von Charles Angoff beweist, das er in „The Nation" vom 1. und 8. Mai veröffentlicht, wachsam. Skandal im Palästina-Amt* . Unter diesem Titel beklagt sich ,JO i e Stimme" in ihrer letzten Nummer bitter über die ungerechte Zuweisung von Palästina-Zertifikaten für österreichische Bewerber. Das allgemeinzionistische Blatt bringt Ziffern, die diese nach parteipolitischen Erwägungen vor sich gehende Zu- 3E2 Hotel Bellevue 323 Pörtschach am Wörthersee Vornehmes Haas unter streng ritueller Leitung. Herrliche Lage, direkt am See. Schöne sonnige Zimmer mit Fließwasser. Vorzügliche internation. Küche. Volle Pension: Vor- und Nachsaison S 9.— Hauptsaison -• S 12.— Seebad nnd Garage frei. Geöffnet vom Mai bis Oktober VERLANGEN SIE PROSPEKTE! Weisung illustrieren sollen und wirklich unglaublich klingen, für deren Richtigkeit jedoch „Die S t im m e" die Verantwortung übernehmen muß, denn es ist immerhin auffallend, daß sie mit ihrer Veröffentlichung gerade in jenem Augenblicke herauskommt, da die Kongreßwahlen vor der Türe stehen und es den Gegnern eins aufs Zeug zu flicken gilt. Diesen Beweggrund findet auch „Der jüdische Weg" des Herrn Dr. Plaschkes, der in seiner letzten Nummer die sensationellen Veröffentlichungen der „Stimme" als „Eine wüste Hetze" scharf zurückweist und wörtlich schreibt: „Der Führer der Allgemeinen Zionisten der Wiener Zionisten im Wiener Palästina-Amt hat in einer Rede erklärt, er werde den Wahlkampf mit Lügen führen. ,Die Stimme' löst sein Wort ein." „Die Stimme" und ihre Hintermänner werden sich gegen diesen ungeheuren Vorwurf zur Wehr setzen müssen. Die Erwiderung aber, die die Ziffern der „Stimme" im „Jüdischen Weg", der übrigens mit seiner Entgegnung den radikal-zionistischen Einwanderungsreferenten Jizchak Grünbaum rechtfertigen will, findet, beweist unseres Erachtens nicht, daß das allgemein-zionistische Blatt mit seinen Vorwürfen allzu weit übers Ziel geschossen hat. Diese Vorwürfe gipfeln in folgender Aufstellung: Oesterreich erhielt trotz aller Vorstellungen der Allgemeinen Zionisten 135 Zertifikate zugewiesen, von denen zehn vorschußweise ausgegebene abgezogen wurden. Von diesen 125 Zertifikaten erhalten 16 die Wiener Agudas Jisroel, 25 Verwandte bereits in Palästina ansässiger Personen, 49 Cha 1 uzim, 35 der der herrschenden Arbeiterpartei zuzurechnende Handwerkerverband Hoowed und nur zwei Zertifikate bleiben für nicht In diesem Verband organisierte Handwerker zur Verteilung, obwohl seit mehr als einem Jahr 20 qualifizierte und für die Auswanderung bereits bestätigte Menschen auf ihr Zertifikat warten. An diese Aufstellung knüpft „Die Stimme", wie gesagt, zahlreiche vehemente Vorwürfe. Wenn sie sich darüber beklagt, daß die Wiener Agudah 16 Zertifikate erhält, so hat sie Unrecht, denn diese Zuweisung entspricht einem Abkommen, wonach die Exekutive der Agudah von der Exekutive der Jewish Agency über Auftrag der Palästina- Regierung bei jeder Zertifikatsausgabe eine bestimmte Anzahl von Zertifikaten erhält, deren örtliche Aufteilung die Agudah vornimmt und die Zionisten, also auch „Die Stimme" nichts angeht. Ihre sonstigen Vorwürfe entbehren aber nicht der Berechtigung. „Die Stimme" sagt es klipp und klar, daß die Arbeiterpartei sich ein Monopol auf die Zertifikate gesichert hat. Das ist ein unhaltbarer Zustand und „Die Stimme" droht auch, daß die Allgemeinen Zionisten in Kürze diesen skandalösen Verhältnissen nötigenfalls durch drastische Maßnahmen ein Ende setzen wollen. Denn dafür, ruft „D i e Stimm e", haben die Allgemeinen Zionisten nicht jahrzehntelang „eigennützige Leistungen" gesetzt. Jawohl, „eigen nützige Leistungen", das ist wörtlich. Dieser peinliche Druckfehler ist eigentlich kein Druckfehler. Eigennutz regiert die Zionistische Organisation, ob sie nun, wie jetzt, von der Arbeiterpartei oder, wie ehedem, von deren Gegnern beherrscht wird. „Zorn Juden ernannt . . Zum Tode des Generalobersten von Linsingen. In Hannover verstarb kürzlich 85jährig Generaloberst von L i n s i n g e n, einer der berühmtesten und erfolgreichsten deutschen Heerführer des Weltkrieges. Als im Winter 1914/15 eine deutsche Armee aufge3tellt wurde, um die zurückgedrängten Österreicher in den Karpathen gegen die Russen zu unterstützen, wurde Linsingen mit dem Oberbefehl über diese neugeschaffene deutsche „Südarmee" betraut und eroberte Galizien zurück. Für die Abwehr der Brussilow-Otfensive 1916 erhielt Linsingen den Schwarzen Adler- Orden I. Klasse. Nach dem Frieden von Brest- Litowsk wurde Linsingen Oberkommandierender in den Marken und Gouverneur von Berlin. Nach dem Umsturz nahm der 68jährige Abschied vom Militär und lebte zurückgezogen. Im Juli 1933 wurde er aus dem Deutschen Frontkämpferbund ausgeschlossen, als festgestellt wurde, daß er mütterlicherseits von Juden abstammt. Diese Behandlung des Heerführers hat damals in der Welt viel Aufsehen erregt. Der damals 84jährige aber ließ sich nicht seelisch zu Boden drücken, sondern er schrieb an den Reichsbund jüdischer Frontsoldaten: „Nachdem ich zum Juden ernannt worden bin, bitte ich um Aufnahme in Ihren Bund." Der Reichsbund antwortete, es sei ihm eine hohe Ehre, den Heerführer in seinen Reihen zuhaben, und ernannte Linsingen zum Ehrenmitglied.