Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 23 (7.6.1935)
- Date
- 1935-06-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 23 ~ 7. Juni 1935 DIE WAHRHEIT Für die Mitglieder der „Union österreichischer Juden" Beratungsstelle für kaufmännische, gewerbliche, Steuer- und Versicherungs- Angelegenheiten. Leiter: Komm.-Rat Alexius Salz er* Eingehende Informationen für jedes Mitglied der »Union" unentgeltlich, und zwar bis auf weiteres Wien I., Kohlmarkt 8, 1. Stock. Tür 4, täglich (mit Ausnahme von Samstag) von 10—12 Uhr vormittags. meinden eine Grabrede eines Rabbiners Reichhorn oder eines Rabbiners Simeon ben Jehuda enthalten ist und daß über eine solche Grabrede absolut nicht bekannt ist. Infolgedessen halten wir uns für berechtigt, zu erklären, daß Mitteilungen über eine solche Grabrede und ihren vermeintlichen Inhalt erfunden sind." „Unerbitflichkeit" in der Jtidcnfcage. Wie „Der Freiheitskampf" in Dresden berichtet, führte Reichsstatthalter und Gauleiter Mutschmann auf einer nationalsozialistischen Kundgebung in Dresden aus: „Mit derselben Unerbittlichkeit, wie gegen den Marxismus aller Schattierungen, kämpfen wir gegen seinen Erzeuger, das Judentum. Wenn die Blumenthals und Rosenfelds und Apfelbaums glauben, unser Antisemitismus werde sich schon im Laufe der Zeit legen und sie könnten eines Tages den ahnungslosen Deutschen wieder das Fell:,über die Ohren ziehen, dann täuschen sie sich gewaltig. Mit Juden gibt es für den Nationalsozialismus kein Kompromiß, und ich verlange von jedem Parteigenossen, daß er in dieser Frage, wie in jedem anderen Grundsatz der Bewegung, nicht um einen Finger breit nachgibt. Wir haben das öffentliche Leben nicht von diesen Fremdrassigen gereinigt, daß sie als Parasiten der deutschen Wirtschaft unser Volk erneut aussaugen. Eigentlich müßte schon jeder Volksgenosse so weit sein, daß er nicht mehr beim Juden kauft; von den Parteigenossen aber erwarte ich unter allen Umständen, daß er das jüdische Warenhaus und den Juden in jeder anderen Betätigung meidet. Mögen die Juden beim Juden kaufen; der deutsche Mann, die deutsche Frau gehören zum deutschen Kaufmann." Vor den griechischen Wahlen. Der Vizepremier und Kriegsminister General C o n d y 1 i s. der "wegen seiner Unterdrückung des venizelistischen Aufstandes im März d. J. vom griechischen Volk als ein Nationalheld gefeiert wird, ist in Saloniki eingetroffen, um für die Regierungspartei den Wahlfeldzug zu leiten. In einer von Zehntausenden besuchten Massenversammlung gab Qeneral Condylis seiner warmen Sympathie für die Juden Ausdruck und sagte u. a.: Die Juden können sich immer auf mich verlassen; solange ich in der Regierung sitze, haben sie nichts zu befürchten. Die Juden sind eine große, mit Vorzügen ausgestattete Rasse: n i e werden wir vergessen, daß wir ihnen unsere Religion zu verdanken haben. Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen erklärte Genera] Condylis, das Gerücht, wonach die Regierung beabsichtige, einen gesonderten jüdischen Wahlsektor in Janina, eine Art „Wahl-Ghetto", zu errichten, sei grundlos und wurde von Feinden der Regierung ausgestreut. Der griechische Monarchistenführer General Met a x a s sprach in einer Massenversammlung in Saloniki unter freiem Himmel. In seiner Rede wandte sich Metaxas auch an die Juden und erklärte: „Ich weiß, daß die Juden Freunde derOrdnung, derArbeit und des inneren Friedens sind. Ich bin überzeugt, daß sie auch der Ansicht sind, das einzige Mittel füT die Wiederherstellung der Ruhe im Lande sei die Zurückrufung eines Königs. Der König ist für die Juden ihrer natürlichen Schutzherr. Erinnert euch an die ersten Tage Georgs I. und Constantins: diese beiden großen Könige sind den Juden stets mit herzlicher Sympathie und aufrichtiger Freundschaft entgegengekommen. Ich bin überzeugt, daß die Juden ihre Stimme für den König abgeben werden, da dies der einzige Weg zur Rettung ist" Z. T. A. * Die Zahl der Jude« Salonikis. Das Präsidium der Jüdischen Gemeinde von Saloniki hat eine Zählung der jüdischen Bevölkerung der Stadt eingeleitet; es wird dies die erste jüdische Volkszählung in der Geschichte Griechenlands sein. Die Zahl der Juden in Saloniki wurde vor dem Kriege auf mehr als 100.000 Seelen geschätzt. Die Juden bildeten damals die Mehrheit der Stadtbevölkerung, sie waren die Träger von Wirtschaft und Handel in diesem Teile der Welt, lebten in einem gewissen Wohlstand und auf einer beachtlichen kulturellen Höhe. Nach dem ersten und dem zweiten Balkankrieg haben maßgebende europäische Staatsmänner den Plan erwogen, die Stadt Saloniki um Umgebung als eine Art jüdischen Freistaat zu erklären. Seither ging es mit den Juden Salonikis wirtschaftlich, sozial und kulturell abwärts, ihre Zahl verminderte sich von Jahr zu Jahr beträchtlich. Heute schätzt man die Zahl der jüdischen Bevölkerung Salonikis auf etwa 60.000 Seelen, die Zahl der seit dem Kriege ausgewanderten Salonikier Juden wird auf etwa 50.000 geschätzt, die natürliche Zunahme auf weniger als 10.000. Der große Brand in Saloniki im Jahre 1917. der einige jüdische Stadtviertel in Asche legte, hat ein wertvolles Material über Zahl, Herkunft und Leben der Juden in Saloniki vernichtet. Z. T. A. Ein Geschenk an den europäischen Geist. Luxemburg ediert Briefmarken zugunsten der Emigrantenhilfe. Das Großherzogtum Luxemburg, das auf philatelistischem Gebiete schon sehr wertvolle Ausgaben herausbrachte, hat am 1. Mai eine originelle Briefmarkensammlung in Verkehr gebracht, die man ohne Uebertreibung als ein Geschenk an den europäisehen G«ist bezeichnen darf. Diese Brietmarken sollen den Intellektuellen unter den Emigranten «Hilfe bringen, indem der Nominalwert der Marken der Postverwaltung zufällt, der Mehrbetrag (die Marken werden um den doppelten Preis verkauft) fließt dem Internationalen Komitee für die Unterbringung von Emigranten-Intellektuellen zu. Die politischen Ereignisse haben zahllose Intellektuelle aus allen Ländern ihres Berufes, ihres Studiums, ihres Unterhaltes beraubt. Sie mußten ihr Heimatland verlassen und versuchen, in der Fremde wieder neuen Boden zu fassen. Intellektuelle, Professoren, Journalisten, Maler, Rechtsanwälte. Aerzte haben in ihrer früheren Tätigkeit meistens keine großen Reichtümer gesammelt, und jetzt, da sie als Flüchtlinge im Ausland leben, müssen sie sich ihren Lebensunterhalt schwer verdienen, schwerer als vielleicht der Arbeiter der Hand, der Kaufmann, denn ihre Arbeit beginnt ia erst nach langer, langer Zeit sich auszuwirken; es dauert oft Jahre, bis ihre Arbeit Früchte trägt. Sollen diese Intellektuellen in der Zwischenzeit verhungern? Internationale Hilfsaktionen und Unter- Herzu. franenhclHradj Tolzmannsdorf! (Burgenland) j S Mineral-, Moor- und natürliche Kohlensäuresprudelbäder. £ ■ Billiger Pensionspreis inklusive Heilbäder. Zwei rituelle Res-; Itaurants. —: Auskünftelw^iospeta:.Generalvertretung!- : Wien L, Kohlmarkt 8 Tel. U 25-104 : :Neu: Moorpackungen und Moorkompressen in! allen Apotheken erhältlich.; stützungsfonds für die emigrierten geistigen Arbeiter aller Länder haben ihr Möglichstes getan, um die Wartezeit bis zur Verdienst- und Arbeitsmöglichkeit für die geistigen Berufe zu überbrücken; aber die Zeit läuft weiter, private Mittel sind zu Ende, und immer größer wird die Not der geistigen A r b e it e r. die noch nicht ihren Arbeitsplatz gefunden haben. Um diesen die Möglichkeit des Wartens auf einen Lebensunterhalt zu geben, die Möglichkeit, eine kleine bescheidene Existenz zu gründen, um die Mittel für die Hilfe der geistigen Berufe aufzubringen und dem Elend unter Wissenschaftlern, Künstlern und Intellektuellen zu steuern, hat nun zum ersten Male ein europäisches Land eine große internationale Hilfsaktion eingeleitet und eine Serie Marken herausgegeben, deren Reinertrag der Hilfe der intellektuellen Emigranten aus aller Welt zugute kommt. Die Marken sind außerdem noch von besonderem Interesse. Sie zeigen die Bilder derjenigen, denen mit ihnen geholfen werden soll: den Professor, den Maler, den Journalisten, den Ingenieur, den Chemiker, den Rechtsanwalt und den Arzt. Die Marken Warden zirka ein Jahr im Kurs sein. Sie sind durch die luxemburgischen Postanstalten und durch alle groJ3en Markenhändler der Welt zu beziehen, insbesondere auch durch das „Comite Internationale de Secours aux Intellectuels, Section philathelique". 7, Rue J. A. Gautier^ Genf. Die vollständige Serie kostet einschließlich des Wohlfahrtsaufschlages Schw. Fr. 13.80. Neuerliche Krawalle im Lodzer Stadtrat. Ein abermaliger Ueberfall der nationaldemokratischen auf die jüdischen Stadträte in einer der letzten Sitzungen des Lodzer Stadtrates hat auf die Juden in ganz Polen einen niederdrückenden Eindruck gemacht. Aber auch große Teile der nicht jüdischen Bevölkerung sind über die Vorgänge empört Die Regierung erhält fortwährend Aufforderungen aus vielen Teilen des Landes, den Lodzer Stadtrat aufzulösen. Zu den blutigen Ereignissen kam es bei der Abstimmung über das Budget Als 105.000 Zloty für das Stadttheater bewilligt wurden, rief der sozialistische Stadtrat Urbach, der kein Jude ist: „Es lebe die polnische Kultur, nieder mit den polnischen Hitleristen!" Die Nationaldemokraten begnügten sich nun nicht damit, gegen die sozialistischen Bänke loszustürmen, sondern sie warfen sich mit ihrer größten Kraft auf die jüdischen Stadträte, auf die sie mit Bänken losschlugen. Am schwersten verwundet wurde der Vertreter des jüdisch-sozialistischen „Bund" Advokat Nutkiewicz, der ins Hospital gebracht werden mußte. Schwer verwundet wurde auch, der Sejmdeputierte Minz- GROSSFLEISCHHAUEREI SIEGM. KORNMEHL WIEN IX., BERGGASSE HR. 19 FILIALE i XVIII., WAHRIHGERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen für Koscherfleisch unter Aufsieht des ehrw. Rabbinates der Isr. Kultusgemeinde Wien« Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen berg, agudistischer Fräsident der Lodzer Jüdischen Gemeinde, der schon bei den nationaldemokratischen Ausschreitungen im Lodzer Stadtrat im April erhebliche Verletzungen erhielt. Leichter verwundet wurden die drei jüdischen Stadträte Fein, Ruß und Seide. Auch drei Nationaldemokraten wurden verletzt. Fünf Aerzte verbanden die Verletzten. Der Angriff wurde von den nationaldemokratischen Stadträten Czernik, Koszychowski und Kowalski geleitet Z. T. A. Ein Denkmai für lettländisch-iiidiSche Freiheitskämpfer. In Anwesenheit von Vertretern der Regierung und der Armee wurde auf dem jüdischen Friedhof von Riga ein Denkmal für die in den lertländischen Freiheitskämpfen der Jahre 1919 und 1920 gefallenen Juden enthüllt. Der ungarische Freiheitskampf 1848/49 und die jüdischen Kämpfer. Der deutsche Dramaturg und Romancier Otto Z a r e k, der seit anderthalb Jahren als Emigrant in Budapest lebt und in Ungarn durch die Uebersetzung seiner Meisterromane „Begierde", „Theater um Maria Thul" und „Treue" bekannt geworden ist "hat kürzlich der Oeffentlichkeit sein biographisches," K o s s u t h- Werk übergeben, das im Verlag zeitgenössischer Werke in Zürich und nun auch in ungarischer Uebertragung im Verlag Rozsavölgyi in Budapest erschienen ist. Besonders bemerkenswert vom jüdischen Gesichtspunkte ist, was Zarek über die jüdischen Kombattanten der Freiheitskämpfe berichtet: „General Klapka bekennt: Ein Zwölftel unseres Korps bestand aus Juden. In allen Bataillonen standen jüdische Freiwilligenscharen. Sie fochten tapfer und mit Auszeichnung. Viele von ihnen fielen auf den Schlachtfeldern, eine große Anzahl avancierte zu Offizieren, wie Ignaz Eisenstädter. Leva, Dr. Rotfeld u. a. m. Viele von den jüdischen Oiiizieren wurden für ihre bewiesene Tapferkeit auf dem Schiächtfelde mit dem militätischen Verdienstorden ausgezeichnet, so Hauptmann Aranyi, der bei Cibakhaza seinen Kommandanten, Graf Leinungen, durch einen kühnen Angriff aus der Kriegsgefangenschaft befreite, Hazai, Just, der als Generalstabshauptmann in Komorn sich auszeichnete, bchlesinger von der Komorner Garnison und Leo Hollander, Chetintendant in Komorn. Diese Tapferkeit erbarmte das ganze Heer, also das im Felde stehende Volk. an. Als jetzt im Auftrage Kossuths Szemere das Gesetz über die Gleichberechtigung der Juden eintrachte, war die Annahme des Gesetzes eine Selbstverständlichkeit geworden." Ein ganzes Bauerndorf will zum Judentum übertreten. Vor einiger Zeit hat sich die Bewohnerschaft eines gesamten weißrussischen Dorfes in der Nähe von Pinsk, bestehend aus 27 Männern, 16 Frauen und mehreren Kindern, an das Warschauer Rabbi na t mit der Bitte gewandt, ihr zu helfen, daß sie zum Judentum übertrete. Das Rabbinat wies auf die aus der Zarenzeit herrührenden und heute noch geltenden Vorschriften hin, wonach es verboten ist, Christen zum Uebertritt zu verhelfen. Nunmehr erschien eine Abordnung von drei Bauern beim Warschauer Rabbinat und bat, drei Mohelim (Beschneidungsfunktionäre) zur Durchführung der Beschneidung an den männlichen Mitgliedern des Dorfes zu entsenden. Die drei Bauern erklärten, die Bewohnerschaft des Dorfes halte schon jetzt an den Vorschriften der jüdischen Religion fest, bete dreimal am Tage und genieße nur rituelle Kost Das Rabbinat versprach den Bauern, bei den Behörden vorstellig zu werden, damit ihrem Wunsche willfahren werden könne. Z T A. Stern"*' Sdiul und Erziehungsanstalt Schuldirektion: Malvine Frledmann _ ____ Wien F., Werdertorgasse 12. YOIKSSOlDle (Knaben und Mädchen). 9 Uhr Beginn, öffentlichkeitsrecht. HaUnlSdlUle mitFranz.,Engl.,Latein(nach Wahl) YorberelfnngShlaSSe für die Mittelschule HeurfilSChe Sprachharse. Neue Schultype für schulentlassene Mädchen. FraiienSCltnle (ein- und zweijährig) 1- Allgemeinbildung (Fremdsprache«!, Literatur, Kunstgeschichte) 2. Praktische Ausbildung (Handelsfächer, Stenographie, Maschinen- 3. schreiben Moderner Kochu. Haushaltungskurs Tagesheim Musik, Sport, Kunstgewerbe. Großer Garten—internal — ferienheim _ am Wörthersee / Tel. u 28-1-97