Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 22 (31.5.1935)
- Date
- 1935-05-31
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT Nr. 22 — 31. Mai 1935 Seite 5 Herzu. früuenftcUDaai Tatzmannsdorfj (Bnrgenland)!Mineral-, Moor- und natürliche Kohlensäuresprudelbäder.;! Billiger Pensionspreis inklusive Heilbäder. Zwei rituelle Resj i taurants. — Auskünfte und Prospekte: Generalvertretung:; Wien L, Kohlmarkt 8 Tel. U 25-104 j •Neu: Moorpackungen und Moorkompressen inj S allen Apotheken erbältlich. ) oder zu bekämpfen. Die Regierung hat ihre Pflichten gegenüber den Danziger Juden erfüllt und wird sie in Zukunft weiter erfüllen. Sie glaubt jedoch, daß die Einstellung der Bevölkerung gegenüber dem jüdischen Element sich nicht bessern wird, nachdem die große Oeffentlichkeit erfahren wird, was sie bisher nicht wußte, nämlich: daß die Juden vom Recht der Petition — das man ihnen übrigens nicht %'erbietet und nicht abstreitet — Gebrauch gemacht haben. Die Regierung muß daher bedauern, daß diese Petition eingereicht worden ist. Was die Forderungen der Petition selbst anbetrifft, liält der Senat die Forderung Nr. 1, d. h. Rückgängigmachung von neun verschiedenen Gesetzen und Dekreten wegen ihres angeblich verfassungswidrigen Charakters, für ungerechtfertigt. Ebenso ungerechtfertigt sei die Forderung Nr. 2 bezüglich der „Wiedergutmachung" der durch die Verwaltungspraxis herbeigeführten Diskriminierungen und deren Vorbeugung in der Zukunft. Was den Schutz aller Bürger vor Diffamierung anbetrifft, so hätte die Regierung dieser Forderung bereits Genüge getan. Die Regierung der Freien Stadt Danzjg behauptet schließlich in ihrer Antwort, daß sie an dem Boykott der Juden keine Verantwortung trägt und hierfür direkt auch nicht verantwortlich gemacht werden kann. Der indirekte Vorwurf, daß die Regierung den Boykott nicht zu verhindern sucht, sei ebenfalls ungerechtfertigt, da die Regierung keinerlei Pflicht hat, gegen die Bevölkerung aufzutreten, wenn diese aus eigenem Antriebe und auf Grund ihrer moralischen und politischen Ueberzeugungen es unterläßt, bei Juden zu kaufen oder Juden zu beschäftigen. Da, wo es der Regierung möglich ist, wendet sie sich gegen den Boykott: neue gesetzliche Maßnahmen für diesen Zweck sind nicht notwendig. Petition wird einem Juristen-Komitee überwiesen. Wie der JTA-Vertreter erfährt, wird die Prüfung der Petition der Danziger Juden, ebenso einiger anderer Petitionen der Danziger Bevölkerung, einem Juristenkomitee . überwiesen werden, welches dem Berichterstatter des Rates, Lordsiegelbewahrer E d e n, darüber einen besonderen Bericht erstatten wird. Erst auf Grund dieser Ausarbeitungen wird die endgültig© Behandlung dieser Petitionen durch den Rat anläßlich seiner nächsten Tagung im September i J. erfolgen. Der diesbezügliche Antrag des Berichterstatters Eden lautete: „Im Hinblick auf die fundamentale Verschiedenheit in der Interpretation der Danziger Verfassung, che durch die jetzt dem Rat vorliegenden Dokumente enthüllt wird, ist Ihr Berichterstatter zu dem Schluß gekommen, das beste Verfahren zur Erleichterung der Aufgabe des Rates werde das sein, ein aus drei Mitgliedern bestehendes Juristen-Komitee zu ernennen, welches die Aufgabe hätte, diese Petitionen, sowie die Bemerkungen des Danziger Senats zu ihnen, zu prüfen und dem Rat darüber zu berichten, ob diese Prüfung Beweise dafür erbracht hat. daß die Verfassung im der Form von legislativen Dekreten oder in der Form von administrativen Akten oder Unterlassungen verletzt worden ist." Gegen Intoleranz an amerikanischen Schulen. Gouverneur Herbert H. Lehman hat ein von der Legislative des Staates New York angenommenes Gesetz bestätigt, durch das eine unter schiedtich e Behandlung von Schülern in den aus öffentlichen Mitteln unterstützten Schulen auf Grund vom Religion, Nationalität oder Rasse untersagt wird. James Marshall, der Sohn des vor einigen Jahren verstorbenen amerikanisch-jüdischen Führers Louis Marshall, wurde zum Mitglied der New Yorker Unterrichtskommission ernannt. In einer Ansprache verlangte er, daß ini den Schulen den Sprachen und Kulturen der Einwanderungsgruppen mehr Aufmerksamkeit und Verständnis entgegengebracht werde. Nicht durch Unterdrückung irgend eines Bevölkerungsteils, nicht durch Erzeugung von Scham und Minderwertigkeitsgefühlen, sondern nur durch Erziehung zu gegenseitiger Achtung könne ein einiges Volk geschaffen werden. miUHIllUllHIIllltlllllllUllUUllimWiHllllUUllllillllllMlUUinUUUlIUUi miiuiiiiiiiiiiuiü EPHRUSSI & C& Gegründet 1856 Wien IX., Wasagasse 2 m Zeiehnungsstelle für die Arbeitsanleihe Die „jüdische" Relativitätstheorie, Zum 30jährigen Jubiläum der Einsteinschen Lehre. Von Dr. Rudolf Lämrael, Zürich. Die Judenverfolgungen im Dritten Reich stellen eine geschichtliche Neuheit dar, denn zum erstenmal wird hier der Rassenhaß als >Kampfparole ausgegeben. Wie groß dieser Unterschied gegen religiöse Kämpfe ist, ergibt sich aus der einfachen Betrachtung, daß die Juden früher nur nötig hatten, Christen zu werden, um unbehelligt leben zu können . . . aber Arier können und dürfen sie nicht werden, sie sind also „absolut" verdammt! Versucht man, den Ursachen nachzugehen, so weit sie sich uns heute darbieten, so wird man meiner Meinung nach in erster Linie den Neid der Nichtjuden anführen müssen. Die Juden haben am allgemeinen deutschen Aufschwung einen ganz unverhältnismäßig großen Anteil genommen. Von 34 deutschen Nobelpreisträgern seit 1900 sind mindestens sechs jüdischer Herkunft. Mehrere wichtige Gebiete schienen zu einem verblüffend hohen Prozentsatz „verjudet" zu sein. So die Rechtspraxis und die Medizin in Berlin, das Warenhaus in ganz Deutschland, der Spielwarenhandel" die Schuhläden, die Konfektion. Aber auch die Philosophie, die Physik, die Mathematik, die Chemie und sogar die praktischen Ingenieurwissenschaften zeigten über den jüdischen Prozentsatz der Bevölkerung weit hinausgehende Beteiligung der Juden. Schließlich waren einige der größten Zeitungen in jüdischen Händen. Gerade hier muß ich eine Pause machen. Hier beginnt die Relativität der Dinge! Die „Frankfurter Zeitung" und das „Berliner Tagblatt" waren in jüdischem Besitz. Aber die Brüder Simon, die Enkel des Gründers der „Frankfurter Zeitung", und die Familie Mosse haben durchaus nicht, wie ihnen die Heil-Hitler-Leute vorwarfen, die jüdischen Interessen vertreten. Ebensowenig waren die Dutzende von Kaufhäusern der Vettern Tietz irgendwie jüdische Faktoren: es waren deutsche Kaufhäuser, stark durchsetzt zwar mit jüdischen Angestellten, deren Judentum aber nirgends zu sehen war. Nicht einmal an den Nasen, denn die krumme Nase als angebliches Merkmal aller Juden ist ebenso ein Märchen, wie alle anderen „jüdischen Eigentümlichkeiten" es sind. Natürlich haben diese' Zeitungen und jüdischen Betriebe auch keineswegs dem Antisemitismus in die Hände gearbeitet. Aber die Frage ist, ob sie nicht unbewußte Arbeit dafür, daß antisemitischer Geist sich ausbreitete, geleistet haben? Das eben ist die Frage, die den Kernpunkt des vorliegenden Aufsatzes bildet: Hat die deutsche Welt mit Recht das Gefühl erhalten oder durch Propaganda eingespritzt bekommen, daß solche geistigen Umwälzungen wie die Relativitätstheorie spezifisch j üdischen Geistes seien? Die Frage ist durchaus berechtigt. Es könnte schon sein, daß der Relativismus eine jüdische Denkart ist. Obgleich daraui hingewiesen werden muß, daß die Einsteinsche n,,ntivitätstheorie kaum einen Zusammenhang hat mit dem. was man im Gegensatz zum Absolutismus einen „Relativismus" nennt. Etwa: „Es gibt keine absoluten Werte, alles ist Sache der Anschauung usw." Mit derartigen Gedanken hat die Einsteinsche Theorie gar nichts zu scharfen, diese Verquickung ist nur ein populärer Irrtum. Und doch gibt es da eine leise Brücke: Die alten Hebräer waren cewiß die ausgesprochensten Absolutsten, die die Welt gesehen hat. Ihre Gesetze und Anordnungen bis zum Kalenderwesen, wie verwickelt sie auch waren, hatten absolute Geltung. Und — es könnte ja wohl angenommen und zugegeben werden, daß der Geist der Juden in der 2000jährigen Diaspora sich total geändert habe . . . wenn dafür eben Anhaltspunkte vorhanden wären! Daran fehlt es aber durchaus. Obgleich heute in Deutschland Mathematiker von Ruf aus Ueberzeugung heraus verkünden: es gibt eine spezifisch jüdische und eine andere spezifisch deutsche Mathematik, so ist das doch bloßer Tamtam, unwissenschaftlich und falsch. Denn alles Mathematische ist universell und entspricht dem Wesen unseres Gehirns. Der Inhalt eines Kreises ist deutsch wie jüdisch oder japanisch der gleiche! Es wäre denkbar, daß sich in der Philosophie eine relativistische jüdische Richtung bemerkbar gemacht hätte ... Bergson? Aber nein, durchaus nicht, der ist klassisch und konservativ! Und nun eine wichtige Feststellung, die einen viel zu wenig bekannten Tatbestand betrifft: die von Einstein aufgestellte mathematische Lehre, die einen neuen Raum- und Zeitbegriff mit sich bringt, ist in ähnlicher Weise, nur etwas unvollkommener, vom Franzosen Henry Poincare und vom Holländer H. A. Lorentz ebenfalls aufgefunden und entwickelt worden, nahezu gleichzeitig! Experimentell war noch der deutsche Jude M i c h e 1 s o n aus Chicago beteiligt, dessen Bestimmung der Lichtgeschwindigkeit, unabhängig von der Bewegung der Erde durch den Weltraum, klassische Bedeutung erhalten hat. Die Einsteinsche Lehre gibt der Zeit nicht etwa eine willkürliche Relativierung, sondern bringt sie, ganz im Gegenteil, in einen festen gesetzmäßigen Zusammen- Restaurant Hotel Stefanie vormals Operer Ii.. Taborstraoe 12, Tel. R 44-5-sy «Mk Ausgiebige Bralen-Menfls S l.tto 1*73 „ Geflügel- „ S 2.20 ~wJ Vonäglicbe Zubereitung — Schwechater Biere — Naturweiae Schöner staubfreier Garten hang zum Raum und zum Licht. In_ diesem oberflächlichen Sinn, wie man gewöhnlich von „absolut" und „relativ" als Gegensätzen spricht, könnte man die alte, herkömmliche Kantische Zeitidee als eine relative bezeichnen und die Einsteinsche als die absolute, weil nur bei der letzteren gesetzmäßiges Verhalten gegenüber der Wirklichkeit vorhanden ist. Die Relativitätstheorie ist also weder jüdisch noch ist sie der Ersatz des Absoluten durch ein Willkürliches. Relatives. Das sind populäre Irrtümer, die geschickt von schlechten und dummen Leuten benützt worden sind. Als die Einsteinsche Lehre populär wurde, gab man ihr gewaltsam die Deutung einer jüdischen oder bolschewistischen Anschauung, die gegen den Staat, die Gesellschaft, die Kirche, gegen die Autorität überhaupt gerichtet wäre. Anno 1920 hielt ich in Deutschland Lichtbildervorträge, so auch in München. Damals saß ein junger Mann, finster blickend, schwarze Haare, feurige Augen, in einer der vordersten Reihen und starrte mich beständig an, so daß es mir auffiel ... es war, wie ich später aus Pressebildern ersehen konnte, der noch unbekannte Adolf Hitler! Später war es mehr als einmal, daß ich an der Volkshochschule Jena Vorträge hielt, und nebenan sprach . . . Hitler. Er sprach vor tausenden. und ich vor . . . zwei oder drei Dutzend. Ich sprach unter anderm auch über Relativitätstheorie — er über die Dinge, die er „seinen Kamp f" nannte. Heute hat Hitler gesiegt. Einstein ist verjagt mit bisher /0.000 anderen Juden und politischen Gegnern. Aber die Relativitätstheorie wird bestimmt noch in 1000 Jahren gelten und wahr sein . . . wenn man von Hitler nur noch in der Geschichtsstunde etwas hört, wie heute von Attila oder Nebukadnezar! Es sind jetztgerade30Jahru verflossen, daß Albert Einstein jene kurze, wissenschaftliche Abhandlung m den „Annalen der Physik" erscheinen ließ, die seinen Ruhm und die Relativitätstheorie zugleich begründeten. Einstein selbst, ein wahrhaft bescheidner genialer Mann, hatte zunächst noch gar keine rechte Vorstellung von der Bedeutung der Theorie, die er geschalten hatte. Interessant ist, daß unter den ersten, die sich dieser Bedeutung bewußt wurden, die nichtjüdischen Berliner Naturwissenschaftler Max P1 a n c k und Walter N ernst waren, die schließlich 1914, wenige Monate vor Ausbruch des Weltkrieges, die Berufung Einsteins nach Berlin durchsetzten. Seitdem hat sich in der Außenwelt viel geändert. Im Bereich der Wissenschaft aber ist die Relativitätstheorie zu einem absoluten Wert geworden. „Wir stehen vor einem Abgrund ..." Eine Erkärung von C. A. Loosll. Der schweizerische Schriftsteller C. A. L o o s 1 i, dessen objektives Gutachten im Prozeß um die „Protokolfe" noch in aller Erinnerung ist, erläßt einen „Offenen Brief an Freund und Fein d", der folgendem Wortlaut hat: Ungezählte Zuschriften und Pressestimmen belehren mich, daß meine Pflichtauffassung als Sachverständiger im neulichen Berner Prozeß um die sogenannten „Zionistischen Protokolle" zum Teil nicht, zum Teil mißverstanden wurde. Darum sehe ich mich genötigt, Folgendes öffendich zu erklären: In einem Alter, wo sich der herbstliche Reif des Lebens mählich auf meine Sörne senkt, weiß ich mich davor gefeit, in einem nicht bloß unser Land bewegenden Kampf um persönliche Erfolge zu buhlen. Allein, wir stehen vor einem Abgrund, der da droht, weniger uns, die wir abtreten., als die Zukunft, die schönsten Hoffnungen der menschlichen Gesellschaft z u -/ erschlingen. Was wir als Bildung, Gesittung, - allmenschliche Hochwerte, ohne die wir weder lebei? möchten noch könnten, schätzen und hoch achten, ist schon heute schwer gefährdet und verwundet. Es geht um der Menschheit erhabenste Güter, um ihre Daseinsbedingungen. um die Luft zum Atmen. Das war mir von Anfang an klar; — daher nicht nur meine grundsätzliche Einstellung, sondern auch meine Kampfesweise. m t i ■ zeichnet österreichische 1 5 ArbeUsanlelhe bei der S g FHialdlrekllonU. des „Phönix", g 5 (Direktor O. Wiltlin), ■ ■ II-, Aspernhrii eiterig. Nr. 2 B ■ Telephon R 43-500 ■ r ■ »■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■M9 \