Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 21 (24.5.1935)
- Date
- 1935-05-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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—v -^m^r^^fj-"«^^^^-r A •->•<> -.c».-* y v-taiSfeja.-*-ja-•» Jg. _ ^- r^anfH WAHRHEIT Nr. 21 — 24. Mai 1935 Seite 7 Spezialhaus für Woile und Strickgarne Moritz Nagel Wien, Z. Bez., TaborstraBe Nr. 17 Fabriksniederlage. Wirku. Strickmoden _Telephon A 49-3-69_ Kulturspiegel. In der Berliner „Jüdischen Rundschau" werden ein paar Erlebnisse mit jüdischen Kindern in Deutschland erzählt, die schon deshalb nicht als „Greuelmärchen" gelten können, da die Zeitung ja in Deutschland unter deutscher Zensur erscheint. Da heißt es: Ein neunjähriges Kind vernachlässigt sich plötzlich vollkommen, wäscht sich nicht mehr, gibt nichts mehr auf sich: Ich bin ja doch nur ein Jude. — Andere sehnen sich nach ihren Kameraden aus der deutschen Schule: Mutti, darf ich nicht manchmal über den Zaun gucken, wenn meine frühere Klasse Turnen hält? — Ein kleines Mädchen wagt auf der Straße nicht an einem Pferd vorbeizugehen, das mit seinen Vorderhufen auf dem Bürgersteig steht. Ihre Schwester sagt beruhigend zu ihr: Geh' doch, das P.ferd weiß ja nicht, daß wir Juden sind. Das Martyrium der rheinländischen Juden. Dem Prager „Neuen Vorwärts'' wird aus dem Rheinland gemeldet: . . . Banden tragen den Poäromantisemitismus selber in die rheinischen Gebiete, deren alte politische Kultur seit Napoleons I. Zeiten antisemitische Ausschreitungen nicht mehr kannte. Eine Rede von Hitlers Intimus, Julius Streicher, in der Rheinlandhalle zu Köln hat wilde Ausschreitungen gegen jüdische Geschäfte in Kol n, in Düsseldorf und anderen rheinischen Städten zur Folge gehabt. Inständig und angstvoll bitten die betroffenen jüdischen Kaufleute, die Exzesse nicht in ausländische Zeitungen zu bringen und erst recht nicht ihre Namen. Jedermann im Rheinlande weiß aber von den Geschehnissen. Die Schaufenster und Häuser werden mit Beschimpfungen und Drohungen beschmiert. Entfernen die so geschädigten jüdischen Geschäftsleute die K1 e c k s e r e i e n, so werden die Schauenster eingeschlagen und die Ladentüren e m o 1 i e r t. Die Polizei verlangt dann, daß die Schäden sofort auf Kosten der Betroffenen a i! s s e b e s s e r t werden. Weigern sie sich, wie es in einzelnen Fällen geschah, die kostspieligen Reparaturen vornehmen zu lassen, vielleicht weil sie nicht versichert waren oder sie eine Versicherung nicht mehr aufnahm, werden sie polizeilich mit Verhaftung und Konzentrationslager bedroht. Der volle geschäftliche Ruin des Judentums gilt als unab wen dba r, da der Boykott mit Postenstehen und Aechtung der Käufer immer wieder einsetzt. Der „Westdeutsche Beobachter" in Köln, eines der größten nationalsozialistischen Provinzblätter . . ., beginnt jetzt eine Rubrik „Feinde des Dritten Reiches"' einzurichten. In dieser Spalte werden die Photographien von Leuten veröffentlicht, die beim Betreten oder Verassen jüdischer Geschäfte geknipst worden sind. Uebrigens gab es bei der Streicher-Versammlung in Köln einen schweren Zwischenfall. Als Streicher aufforderte, die jüdischen Schacherer mit Peitschen aus dem Lande zu jagen, hatte ein katholischer Priester den großen Mut zu dem Zwischenrufe, die Peitsche gehöre gegen olche Reden angewendet. Der Geistliche wurde aus dem Saale geworfen und erlitt durch die Mißhandlungen schwere Verletzungen. Amsterdam. Königin Wilhelmine von Holland hat iie Ernennung der jüdischen Gelehrten Professor L e v i- C i v i t a in Rom und Professor Wey! in Princeton zu auswärtigen Mitgliedern der Kgl. Niederländischen Akademie der Wissenschaften bestätigt. SemeindeAvamh. Brüssel. Im Alter von 70 Jahren verstarb der Präsident der Brüsseler Jüdischen Gemeinde Jacques M a y, ein Bruder des kürzlich in Washington verstorbenen belgischen Gesandten in den U. S. A. Paul May. Die Brüder May waren Anhänger der jüdischen Orthodoxie. Warschau. Im Alter von 70 Jahren verstarb der bekannte Warschauer Rabbiner Chaim Leib J u dk o w s k i. Er bekleidete seit 35 Jahren das Rabbineramt in Warschau und galt als einer der großen talmudischen Gelehrten Polens. New York. Der Gouverneur des Staates New York Herbert Lehman hat das vom Staatsparlament angenommene Gesetz, wonach das jüdische Lehrerseminar in New York den Rang eines College" erhält, unterschrieben, womit das Ge- ■etz in Kraft getreten ist. Es ist dies das erste Mal " der Geschichte der jüdischen Kulturbewegung in Amerika, daß eine jüdische Bildungsanstalt Universitätscharakter und das Recht, den Doktortitel zu verleihen, erhält. Das jüdische Lehrerseminar wurde vor 18 Jahren gegründet und wird jetzt von Joel Entin geleitet. Jüdische RadiogeSellschaft in London. In London wurde die Jewish Radio Limited eingetragen; als geschäftsführender Direktor fungiert Prozessor S. Goldberg, einst Stifter und Präsident des Berliner Friedenstempets. Wie der JTA mitgeteilt wird, verfolgt die jüdische Radio-Gesellschaft keine politischen Tendenzen, sondern will universales Verständnis für das jüdische Problem durch Demonstrierung der Leistungen von Juden auf künstlerischem, wissenschaftlichem und sonstigem geistig-kulturellen Gebiet wecken und so der ungerechten Behauptung jüdischer Inferiorität entgegenwirken. . Die Gesellschaft will die Ideale von Freiheit und Frieden fördern. Das Kozert im Neudegger Tempel am letzten Dienstag war ein Erlebnis. Die zahlreiche Zuhörerschaft fühlte sich zeitweilig in die Regionen höchster, erhabenster Kunst emporgehoben. In erster Reihe durch den durch seinen Dirigenten G r ü n b a 11, vornehmlich jedoch durch Hermann Sc h o r r künstlerisch so glänzend geschulten Männerchor Hanigun. Ist schon jedes einzelne seiner etwa zwei Dutzend Mitglieder ein gottbegnadeter Sänger, so hat S c h o r r aus ihnen einen Elitechor zu machen verstanden, dessen Leistungen sich selbst in unserer Musik- und Gesangs-Weltmetropole hören lassen können. Jede seiner Darbietungen war bis in ihre kleinsten Details auf das Minutiöseste ausgefeilt und ausgearbeitet, wobei man die jähen, virtuosen Uebergänge vom crescendo zum diminuando, vom accellerando zum sostenuto, vom staccato zum legato, vom pianissimo zum fortissimo (oder immer auch umgekehrt, je nach Maßgabe der Komposition) nicht genug bewundern konnte. Besondere Glanzleistungen an dem Abend waren außer den schönen Darbietungen von Oberkantor Braun und Oberkantor F r ä n k 1 die Soli des Wunderknaben Mottel Schwarz, den man im Tempel in der Leopoldsgasse zu hören Gelegenheit hat. Das Wunder besteht bei ihm vielleicht nicht so sehr in seinem kräftigen, hohen Sopran, als vielmehr darin, daß er den Niggun so trefflich meistert, wie nur wenige im liturgischen Gesang ausgebildete Kantoren. Zu diesen wenigen zählt sicher der Oberkantor Born stein vom Tempel in der Rombachgasse in Budapest, mit dessen herrlicher Darbietung das Konzert endete. Seine schöne, mächtige Stimme erfüllte den Tempel zuweilen wie der Klang einer großen Orgel. Sein lamentoso war aufwühlend für jeden jüdisch Fühlenden. t. e. 60. Geburtstag. Dieser Tage feierte der in weitesten Kreisen bekannte und beliebte Vizepräsident des „Vereines reisender Kaufleute", Herr Max K o h n seinen 60. Geburtstag. Für seine vielen Freunde wird diese Nachricht überraschend klingen, denn der Jubilar erfreut sich einer solchen Frische und Rüstigkeit, daß die Erreichung dieses Alters nicht glaubhaft klingt. Wie für allgemeine und wirtschaftliche Fragen bekundet Herr Max K o h n auch für jüdische Dinge seit jeher ein lebhaftes Interesse und die Bezirksorganisation Leopoldstadt der „Union österreichischer Juden" schätzt in ihm ein durch klugen Rat und eifrige Betätigung wertvolles Mitglied. Den zahlreichen Glückwünschen schließt sich auch die Redaktion, der „Wahrheit" an. JTüdiscfies JKindertkttim „Mtid" In Seebenstein (Pitiental), herrlich gelegen, eig. Waldbestand, ständige ärztliche Aufsicht, individuelle, pädagogische Beeinflussung, vorzügliche Verpflegung, Sport, Gymnastik, Schwimmen, Nachhilfe. Auskünfte, Prospekte, Photoeinsicht u. Anmeldung: Wiener Sekretariat: IX., Schwarzspanierstraße 12, Mezzanin, täglich außer Sa. und So. von 3—6. Tel. A 26-3.73. Verein zur Erhaltung und Förderung der MenSa aeaderaica judaica. Montag, den 6. Mai, fand in den Räumen des Verbandes der israelitischen Humanitätsvereine B'nai B'rith die 11. ordentliche Generalversammlung des Vereines statt. Unter den zahlreich erschienenen wurden besonders begrüßt die Herren Oberrabbiner Dr. D. Feuchtwang und Dr. I. T a glicht, Geza K1 i n g e r und Dr. Leo Landau als Vertreter der Kultusgemeinde. Dr. A. K a m i n k a für die Israelitische Allianz. Bundeskulturrat Hofrat Prof. Dr. S. Frankfurter für den Verband der israelitischen Humanitätsvereine B'nai B'rith, Hofrat Dr. Ludwig Werner für den Israelitischen Humanitätsverein B"nai B'rith „Wien", Prof. Dr. Herbert Elias für den Israelitischen Humanitätsverein B'nai B'rith „Wahrheit". Aus Anlaß des 10jährigen Bestandes des Vereines hat dessen langjähriger Präsident, Herr Obermedizinalrat Dr. Moritz Laub, einen Rückblick über die Tätigkeit des Kuratoriums in den abgelaufenen 10 Jahren erstattet, dem zu entnehmen war, daß der Verein die sich gestellte Aufgabe, armen jüdischen Studenten durch Gewährung eines nahrhaften und kräftigenden Mittagessens zur Fortsetzung und Beendigung ihrer Studien zu verliehen, trotz der Ungunst der Verhältnisse voll und ganz erfüllt hat. Leider hatte der Verein in den letzten Jahren infolge der allgemeinen Wirtschaftskrise mit materiellen Schwierigkeiten zu kämpfen, aber dank dem großen Interesse, welches die jüdischen Körperschaften und eine Anzahl von Mitgliedern und Gönnern des Vereines der eminent charitativen Institution entgegenbringen, war es bisher noch möglich, den immer größer werdenden Anforderungen zu entsprechen. Es ist zu hoffen, daß sich die jüdische Bevölkerung des großen Kulturwerkes bewußt ist, das sich der Verein gestellt hat und ihm die Unterstützung auch weiterhin nicht versagen wird. Unter lebhaftem Beifall der Anwesenden wurde dem Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde, dem Vorstand der Israelitischen Allianz und der Humanitätsvereinigung B'nai B'rith „Wahrheit" für ihre Unterstützungen bestens gedankt. Ganz besonders aber wurde Frau Alice K1 i n g e r gefeiert welche seit Jahren in Erkenntnis der Notlage der jüdischen Studenten die Bestrebungen des Vereines mit seltener Hilfsbereitschaft unterstützt. Auch wurde den Herren Dr. Eduard Nelken und Zentraldirektor Ing. Isidor Pollak für deren große Verdienste um die Förderung der Institution der besondere Dank zum Ausdruck gebracht. Bei der stattgefundenen Wahl in den STEININDUSTRIE CARL BENEDICT Zentrale: III.. Rennweg 112, Tel. U 15-0-52 GRABSTEINLAQER: Zentraffriedhof, 3. Tor, Tel. B53-0-53 Vorstand des Vereines wurden per Akklamation wieder gewählt die Herren: Obermedizinalrat Dr. Moritz L a u b als Präsident, Direktor Fritz Weill als Vizepräsident, Direktor Rudoli Frank als Kassaverwalter, ferner Frau Alice Klinger und die Herren Professor Dr. Herbert Elias, Dr. Eduard Nelken. Professor Dr. Heinrich v. Neumann, 'Zentraldirektor Ing. Isidor Pollak, Professor Dr. Fritz Silberstein, Alexander Teich. Chewra Kadischa, Döblins. Sonntag, den 19. Mai, fand in den Räumen des Döblinger Tempelvereines die 11. ordentliche Generalversammlung der dortigen Chewra Kadischa statt. Der Obmann Herr Dir. Josef Brüll begrüßte die Erschienenen, insbesondere Herrn Rabbiner Prof. Dr. Frankfurter, den Vertreter der Kultusgemeinde und des Döblinger Tempelvereines Herrn Bela F r ä n k 1, Herrn Gustav Oestreicher (Mutterchewra) und Herrn Dr. B a d n e r (Chewra 18), ferner die Vorstandsdamen des Döblinger Frauenvereines F r ä n k L Dr. Frankfurter und S p i r a. Nachdem der Vorsitzende der im Laufe des Jahres verstorbenen Mitglieder pietätvoll gedacht hatte, erstattete er den Rechenschaftsbericht. Ueber Antrag des Revisors Herrn Max Schey wurde dem Vorstände das Absolutorium erteilt. Tempelobmann Herr Bela F r ä n k 1 lobte in anerkennenden Worten die ersprießliche Tätigkeit der Vereinsleitung. Sr. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. F r a n kf u r t e r fand herzliche Worte des Lobes für die „Gemilas Chessed" der Chewra. Herr G. Oestreicher beglückwünschte namens der Mutterchewra. Herrn Dr. B a d n e r für die Währinger Chewra die Vereinsleitung zu den schönen Erfolgen. Am 20. Mai konstituierte sich der Vorstand wie folgt: Obmann: Direktor Josef Brüll. 1. Obmann-Stellvertreter. Gustav Oestreicher, 2. Obmann-Stellvertreter: Ob.-lng. Wilh. Berger. Schriftführer: Salotnon Frankfurter, Stellvertreter: Eduard Trnka. Kassier: Israel Spielholz, Stellvertreter: Moritz Gäl. Armenreferenten: Sal. Altbach, Max Cylinder. Sal. Fröschel. Carl Gold. Leo Grünberger, Dr. Eduard Deutsch, Jakob Weigl. Adolf Waldstein. Verein zur Ausspeisung armer israelitischer Schulkinder für den 16. und 17. Bezirk. Montag, den 27. Mai, um '/,$ yhr abends, findet im großen Saale des Ver- Jinshcimes. XVI., Wtirlitzergasse 11, die 33. ordentliche Generalversammlung statt. Jüdisches Städtchen abgebrannt. Das hauptsächlich von Juden bewohnte polnische Stadtchen Szemel, Kreis Grodno wurde ein Raub der Flammen. Das jüdische Viertel, darunter die Perez- Gasse. die jüdische Bibliothek, die Synagoge usw., brannte bis auf den Grund ab. Einige hundert Menschen müssen unter freiem Himmel kampieren. Landwirtschaftliche Umschulung des ,,'iidisclien Jugendhiliswerkes. Ein Gönner des Jüdischen Jugendliilfswerkes hat ein Grundstück am Bi Samberg zum Zwecke der ersten Ausbildung Jugendlicher in der Landwirtschaft und im Gartenbau zur Verfügung gestellt. Dieser Lehrplatz wurde vom Jugendhilfswerk der ,.E m u n a h". Jüdischer Angestelltenverband, überlassen. Die „Emunah" hat bereits das Grundstück in einzelne Lehrparzellen aufgeteilt, die sie unter fachmännischer Leitung an Umschulungswillige übergibt. Jüdisch-; Angestellte, die iür die Zuweisung einer Gartenparzelle Interesse haben, melden sich in den nächsten Tagen im Verbandssekretariat der „Emunah", von 7—9 Uhr abends, I., Biberstraße 17. Der Verein iür unentgeltlichen Arbeitsnachweis, I„ Kohlmessergasse 4, Telephon U 27-0-65, sucht dringend Stellen für: a) Kontoristen, Buchhalter. Handelshilisarbeiter, Geschäitsdiener, Parker, Inkassanten. Verkäufer, Auslagenarrangeure, Kelii'er. Innenarchitekten. Krankenpflegerinnen, Nachhilfelehrer und -lehrerinnen für Mittelschulfächer; b) Arbeit für gewerbliche Hilfskräfte aller Art, darunter auch Chemiker, Elektrotechniker. Installateure. Bauingenieure, Chauffeure, sowie ungelernte Arbeiter: c) handwerkliche und kaufmännische Lehrstellen iür Knaben und Mädchen. In demselben Verein sind derzeit offene Stellen iür: Geschultes Hauspersonal jeder Art. Kinderiräulein mit Sprachkenntnissen: selbständige Schneiderinnen für Mäntel und Kostüme; gut eingearbeitete Konfektionsnäherinnen (auch Heimarbeit); selbständige Herrenschneider: Tischler: Zuschneider für die Herrenkonfektion (elektrische Maschinen). f :fIreng üosefter Vilfenpenafon JffireusOev* jSrettenateira oanra feinmertntf Telephon 11 Seehöhe 1050 m Leitung; Frau Lola SCHIFF, IL, Krummbaumg. 1/20 Telephon A 44-4-62 Eröffnung 4. funi. — Auf Wunsch Prospekt