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Die Wahrheit · 1935-05-24 · Heft 21 (24.5.1935) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 21 (24.5.1935)
Date
1935-05-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Für die Mitglieder der „Union österreichischer Juden" Beratungsstelle für kaufmännische, gewerbliche, Steuer- und Versicherungs- Angelegenheiten. Leiter: Komm.-Rat Alexius Salz er. Eingehende Informationen für jedes Mitglied der »Union" unentgeltlich, und zwar bis auf weiteres Wien I., Kohlmarkt 8, 1. Stock, Tür 4, täglich (mit Ausnahme von Samstag) von 10—12 Uhr vormittags. Saarbrückener Oberrabbiner in Haft? Aus Saarbrücken in Genf eingetroffene Nachrichten besagen, daß der Oberrabbiner des Saarlandes Dr. Rothschild von der Geheimen Staatspolizei verhaftet worden ist Eine offizielle Bestätigung dieser Nachricht war bisher nicht zu erlangen. Oberrabbiner Dr. Rothschild ist ein aus Deutschland stammender junger jüdischer Gelehrter, der bis vor kurzem das Rabbineramt in einer jüdischen Gemeinde in der Schweiz bekleidete und, als der saarländische Oberrabbiner Dr. R ü 1 f kurz räch der Abstimmung das Saarland verlassen mußte, um nach Palästina zu gehen, sich bereit gefunden hat, seinen bequemeren Posten in der Schweiz mit dem schwierigen Amt eines Rabbiners in dem nun zu einem Teil des Dritten Reiches gewordenen Saarland zu vertauschen. Wie sein Vorgänger Dr. Rülf hat sich auch Dr. Rothschild nicht in politische Angelegenheiten gemischt, sondern war darauf bedacht, in sehr maßvoller Weise das angegriffene Judentum in den Spalten des Gemeindeblattes der saarländischen Juden zu verteidigen. München unter dem Terror Streichers. Der Münchener „Times'-Korrespondent meldet seinem Blatt: Seit der Eröffnung eines Filialbüros von Streichers Wochenschrift „Der Stürmer" werden in München an Brücken, Tramwaystationen oder anderen auffälligen Stellen Herrn Streichers Lieblingschlagworte tausendfach plakatiert, etwa: „Sterilisiert die Juden!" und „Die Juden hetzen das Volk in den Krieg hinein und profitieren davon!" In dem Büro einer jüdischen Firma, deren Leiter im Krieg in der deutschen Armee diente und dreimal verwundet wurde, sind die Fenster zweimal eingeschlagen worden und in einer Hauptstraße wurden große Schaufenster durch Beschmieren mit Pottaschsilikat ruiniert. Daß all dies mit der Billigung der Behörden geschieht, geht aus einer Rede des bayrischen Ministers des Innern hervor, der auf einer Bauernversammlung am letzten Sonntag sagte, er freue sich, die Plakate zu sehen. Der Völkerbund und die Emigration. Chief Rabbi, Dr. J. H. Hertz und Mrs. Neville Laski, die Gattin des Präsidenten des Board of Deputies of British Jews, gehörten einer von Lord C e c i I geführten Delegation an, die sich aus Vertretern einer Reihe bedeutender Organisationen zusammensetzte und die dem britischen Außenminister Sir John Simon im Foreign Office Anträge zur Lösung des FlüchtlingsproWems unterbreitete. Aus dem vorgelegten Material geht hervor, daß es etwa eine Million russischer, deutscher, armenischer und assyrischer Flüchtlinge gibt, für die unbedingt internationale Hilfe beschafft werden muß. Die Delegation gab der Befürchtung hinsichtlich der Folgen der für das Jahr 1938 vorgesehenen Liquidierung des Nansen-Amtes und Einstellung der Subsidien für die Flüchtlinge seitens des Völkerbundes Ausdruck. Die Delegation empfahl die Beibehaltung einer Zen traIorgan isa tion. und zwar entweder unter Führung des Völkerbundes oder als dessen integrierender Teil, welche für alle Flüchtlinge, also auch für die deutschen, Sorge tragen solle. Bisher sei dem Hochkommissariat für die deutschen Flüchtlinge keinerlei finanzielle Unterstützung seitens des Völkerbundes oder der Regierungen zuteil geworden; der Völkerbund werde sich aber der Pflicht, auch für die deutschen Flüchtlinge zu sorgen, für die Dauer nicht entziehen können. Der Minister des Aeußern Sir John Simon nahm die Vorschläge mit Verständnis entgegen und fügte hinzu, es sei wahrscheinlich, daß sich die Angelegenheit bereits auf der Tagesordnung der künftigen Völkerbund- Versammlung befinden könnte, wenn eine hinreichende Unterschriftenanzahi für die Anerkennung der Dringlichkeit dieses tragischen Problems aufgebracht werden wird. Die gutbegründeten Anträge werden, so erklärte schließlich Minister Simon, sicherlich die Unterstützung seitens der britischen Regierung finden. Z. T. A. London. Neväte Laski, King's Couneil, wurde zum Stadtriehter von Biirley, an Stelle von N. B. Goldie, der zum Stadtrichter von Manchester avancierte, ernannt i Arischer Geschäftsweiser. Herr Ph. Mr. Hans Posch, Apotheke zum Patriarchen, Wien II., Biutnauergasse 15, richtete an unseren Chefredakteur folgendes Schreiben, das auf die Propaganda-Methoden des „Arischen Geschäftsweisers" ein bezeichnendes Licht wirft: „Von befreundeter Seite werde ich erst heute darauf aufmerksam gemacht, daß mein Apotheke in dem Adreßbuch „Arischer Geschäftsweiser" aufgenommen wurde. Diese Aufnahme erfolgte ohne mein Wissen und ohne meinen Auftrag. Da infolge Unauffindbarkeit des Herausgebers obgenannter Schrift eine andere Form des Widerrufes nicht möglich ist, ersuche ich Sie dringendst, da ich mich absolut nicht mit diesen Tendenzen identifiziere, in der nächsten Nummer der „Wahrheit" meinen Widerruf ausdrücklich zu veröffentlichen, damit ich auf diese Weise dieser Willkürüchkeit entgegentreten kann. Hochachtungsvoll Ph. Mr. Hans Posch, II., Blumauergasse 15." Eine Falschmeldung, der „Reichspost". Die „Reichspost" meldete am IS. d. M., daß während der Abstimmung im Prager Stadtrat über die Aufstellung eines Riesenkreuzes auf dem Wenzelsplatz zu Prag anläßlich des Katholikentages die jüdischen Stadträte gegen die Aufstellung des Kreuzes gestimmt haben. Wie der Prager JTA-Vertreter zuverlässig erfährt, beruht diese Mitteilung auf Erfindung. Weder der Stadtrat der Jüdischen Partei Norbert Adler noch Stadtrat Wiesmayer von der Deutschen Demokratischen Partei haben der betreifenden Sitzung überhaupt beigewohnt. Es hat also kein jüdischer Stadtrat gegen die Aufstellung des Kreuzes gestimmt, noch sich an der diesbezüglichen Debatte beteiligt. Herzu. rrauenheilbadi Tafzmaimsdorfi (Durgenland) ■ s Mineral-, Moor- und--natürliche Kohlensäurespmdelbäder. S S Billiger Pensionspreis inklusive Heilbäder. Zwei rituelle Res- £ 5 taurants. — Anstfinftennd Prospekte: Generalvertretung: ■ Wien L, Kohlmarkt 8 Tel. U 25-104 ■Neu: Moorpackungen und. Moorkompressen in;; allen Apotheken erhältlich.! : : Skandalöse Zustände im Städtischen Krankenhaus von Tel Aviv. Im englischen Unterhaus fragte Captain Strickland den Kolonienminister, ob er wisse, daß infolge des Bettenmangels im Tel Aviver Städtischen Krankenhaus pflegebedürftige Einwohner vielfach in auswärtigen Krankenhäusern untergebracht werden müssen. Der Abgeordnete fragte weiter, ob der Minister mitteilen könne, daß die Regierung nunmehr dem Ansuchen der Tel Aviver Stadtverwaltung um Erweiterung des Krankenhauses entsprechen wo-lle. Der Minister antwortete, er könne den ersten Teil der Frage nicht bestätigen. Bezüglich der zweiten Anfrage habe er sich mit dem High Commissioner für Palästina in Verbindung gesetzt, jedoch noch keine Mitteilungen über die Absicht der Regierung in bezug1 auf die von der Tel Aviver Stadtverwaltung vorgeschlagene Finanzierung der Erweiterung und technischen Verbesserung des Städtischen Krankenhauses erhalten. Der Belegraum dieses Krankenhauses, zu dessen Kosten die Regierung beitrage, sei im vergangenen Jahr von 125 auf 184 Betten erhöht worden. Als der Abgeordnete Strickland unter dem Hinweis darauf, daß zurzeit Notbetten in den Korridoren des Krankenhauses aufgestellt und Patienten nach auswärts geschickt werden müssen, verlangte, daß der High Commissioner ersucht werde, die Angelegenheit zu beschleunigen, erklärte der Kolonienminister, er werde den Vorschlag an den High Commissioner weiterleiten. Er sei überzeugt, daß dieser die Angelegenheit mit dem erforderlichen Nachdruck betreibe. Abg. Barnett Janner bemerkte, der Minister möge feststellen, daß es seiner Meinung; nach unrichtig sei, zu sagen, daß für Entbindungen GROSSFLEISCHHAUEREi SIEGM. KORNMEHL WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE i XVIII., WAHRINGERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A16-9-34 Lieferant für Hellanstalten Abteilungen rar Koscherfleisch unter Aufsicht das ehrw. Rabbinates der Isr. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen keine besonderen Vorkehrungen zu treffen sind, daß nur zwei Betten für je 1000 Einwohner vorhanden sein sollen. 184 Betten seien für eine Bevölkerung von 124.000 Menschen gänzlich unzureichend. Demgegenüber erklärte der Kolonienminister, es wäre unangebracht, dem High Commisisioner, der, wie dem Hause bekannt sei, diesen Fragen sorgfältigste Beachtung schenke, solche Einzelheiten mitzuteilen. (?) Bischof Baltazar gegen den Rassenhaß. Das ungarische Oberhausmitglied Desider Baltazar, der schon mehrfach in seiner Eigenschaft als Landesbischof der ungarischen Kalvinisten seinen Sympathien gegenüber dem Judentum Ausdruck verliehen hat, hielt am Sonntag im Dery- Museum in Debrezin einen Vortrag über das Thema „Rassentheorie und die Heilige Schrift". Der Rassenhaß, sagte er, erniedrigt die Menschen und diskreditiert den christlichen Gedanken. Die Idee der Liebe und des Verstehens muß auf der ganzen Linie den SiCg davontragen. Die Rassentheorie soll das unnütze Spiel der Gelehrten und Biologen bleiben und nicht zur Lösung religionsethischer Probleme herangezogen werden. Wir sind nicht nur dem Körper nach, sondern auch der Seele nach Menschen. Japan wirbt um jüdische Wissenschaftler. Zuständigen jüdischen Stellen in Deutschland ist es bekannt, daß sich offizielle japanische Regierungsstellen bereit erklärt haben, einer Anzahl der vom Berufsbeamtengesetz betroffenen jüdischen Universitätsprofessoren Lehrstühle an japanischen Universitäten zu übertragen. Bisher sind aber noch keine jüdischen Lehrkräfte an japanische Hochschulen berufen worden, mit Ausnahme von Klaus Pringsheim, der gegenwärti; an einer Tokioer Musikakademie als Lehrer der Dirigentenklasse wirkt. Beachtenswert in dieser Beziehung sind die folgenden Ausführungen der japanischen Zeitung „H o k k a i Times" vom 19. April, in denen die Frage der Berufung jüdischer Lehrkräfte behandelt wird: „. . . Japan braucht die Dienste befähigter ausländischer Gelehrter. Unter den jüdischen Emigranten aus Deutschland werden sich viele Persönlichkeiten befinden, deren Dienste zum Fortschritt der japanische;) Wissenschaft wesentlich beitragen könnten. Unter normalen Umständen müßten erlnebliche Geldmittel aufgewandt werden, um sich ihre Dienste zu sichern, aber unter den gegenwärtigen Verhältnissen wären wahrscheinlich jüdische Gelehrte bereit, zu kommen, wenn man ihnen die Reisekosten ersetzt und ihnen das gleiche Gehalt gibt wie die japanischen Professorea Die japanische Regierung entsendet alljährlich 50 junge Gelehrte auf Studienreisen in fremde Länder. Sofern sie nicht peinlich überwacht werden, können sie leicht in den Wirkungskreis schädlicher Gedanken geraten. Anstatt sie ins Ausland zu schicken, würde die Regierung gut tun, hervorragende jüdische Gelehrte anzustellen, die ihnen in der Heimat ihre Ausbildung geben." Jüdische Opfer der „Maxim Gorki"-Katastropfte. Bei der Katastrophe des russischen Riesen- Aeroplans „Maxim Gorki" kamen auch zwei jüdische Frauen ums Leben: Raisa Nudelman und Frau Ingenieuer Anna M i r k i n, Gattin des Kommaridanten des Zentralen Aeronautischen Staatsinstituts. Der „Maxim Gorki" verdankte seine Existenz der Initiative des jüdischen Journalisten Michael Kollow. Die jädiselte Kölöiiisationsjfeselischaft OZET gehörte zu den Organisationen, die die Fonds aufbrachten, jüdische Handwerker „Sffendefen über 100.000 Rubel für den ..fliegenden Palast der Kult« und Propaganda". Deutscher Terror stört eifttfiscfc-^etrfeclre Beziehungen; Im englischen Unterhaus haben die Parlamentarier Maiton, Aneurin, Bevan imä sieben weitere Uhterhausnu'tglieder eine Resolution eingebracht, in der die englische Regierung aufgefordert wird, der deutschen Regierurig Kenntnis zu gebe» „von den Gefühlen des Absehens, die der iew in Deutsehland herrschende Massenterror in Englan« erweckt." Ferner möge die englische Regierung da deutschen Reigiemig zur Kenntnis bringen, daß solch? Zustände in Deutschland die zwischen Deutschland ur» England herrschenden Beziehungen nninnstie beeinflussen müssen. Z. T. A.

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