Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 21 (24.5.1935)
- Date
- 1935-05-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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MF WAHRHEIT Nr. 21 — 24. Mai 1935 Seite Jüdische Trauer um Pilsudski. Sämtliche jüdischen Zeitungen haben anläßlich des ödes Marschall Pilsudskis Trauer- und Gedenknum- ,iem veröffentlicht. In den von schwarzen Trauerleisten umrahmten Leitartikeln wird der tieien Sy turnt hie des polnischen Judentums mit dem erstorbenen Führer Ausdruck gegeben. Ebenso wie das kölnische Volk seien auch die Juden Polens nach dem Tode Pilsudskis verwaist zurückgeblieben Das polnische Judentum beuge trauererfüllt sein riaupt im Andenken an den Marschall, in dem die beten Traditionen polnischer Toleranz und freiheitlichen Deistes gegenüber allen Nationalitäten Polens verkörpert gewesen seien. In Zeiten der Freude wie des Schmerzes hätten die Juden Polens stets an Pilsudskis iohe menschliche Persönlichkeit appelliert. Mit dem Tode des Schöpfers des polnischen Staates sei eine 'roße geschichtliche Epoche für alle Volksstämme im Haate zu Ende gegangen. . Der Klub der jüdischen Abgeordneten im polnischen Beim hat an Ministerpräsident Slawik folgendes Beieidstelegratnm gerichtet: „Mit der ganzen Nation in intröstlichem Schmerz und tiefer Trauer über den Tod les ersten Marschalls Polens. Joseph Pilsudski, ver- >int, huldigen wir dem Qeist des Verstorbenen, eingeienk seiner historischen Leistungen als Gründer und 3aumeister Großpolens. Die Erinnerung an ihn wird iem Herzen des jüdischen Volkes für ewige Zeiten eingeprägt bleiben." Am Donnerstag, den 16. Mai, mittags, tand in dei Warschauer großen Synagoge der feierliche Trauergotesdienst für Pilsudski statt. Die Trauerrede hielt Rabjiner Prof. Dr. Moses Schorr. Das polnische Radio verbreitet unter den Trauertundgebungen auch diejenigen zahlreicher jüdischer Organisationen.! In der Trauersitzung des Rates der Warschauer üdischen Gemeinde hielt der Präsident des Rat.es die olgende Ansprache: „Wir Juden, polnische Bürger, verinigen uns mit dem ganzen polnischen Volk im tiefen chmerz um das Hingehen des großen Führers und Bereiers. Die polnischen Juden, die seit 800 Jahren chicksalhaft eng mit dem ganzen polnischen Volk verjunden sind, haben stets höchste Verehrung und Ehrurcht dem Manne gezollt, der Polen aus der Knechtchaft befreit hat und dem polnischen Volk die Unablängigkeit und Selbständigkeit wiedergegeben hat. Die olnischen Juden haben für Josef Pilsudski eine beondere Verehrung auch darum, weil er gleicheitig mit der Erneuerung des polnischen Staates auch lie polnische Tradition der Toleranz gegenüber illen Einwohnern ohne Unterschied von Nation ind Glauben erneuert hat. Möge sein Geist Polen auf lern Wege zu einer ruhmvollen und glücklichen Zukunft voranleuchten." Der Inhalt der Rede wurde in "orm einer Resolution zum Beschlüsse erhoben, ferner leschlossen. eine Biographie des verstorbenen Marrfialls für die jüdische Schuljugend herauszugeben. Das Warschauer Rabbinat proklamierte eine viervöchige Trauer, .in deren Verlauf in der jüdischen Sphäre keine. festlichen Veranstaltungen stattfinden''dnreti und an jedem Samstag, Montag und Donnerstag Qeiete zum Andenken an Marschall Pilsudski gesprochen »erden sollen. Ueber Aufforderung des Rabbinerverlandes waren während des Leichenbegängnisses die üdischen Geschäfte und Werkstätten in a n z Polen zum Zeichen der Trauer g ec h 1 o s s e n. An den Leichenteierlichkeiten in Warschau und in Krakau nahmen Abordnungen der repräsentativen Körperschaften der polnischen Judenheit in großer Zahl teil. Besonders fiel eine starke Abordnung des Rabbinats im Trauerzug auf. An der Spalierbildung beteiligten sich die Schüler sämtlicher jüdischen Schulen. In sämtlichen Synagogen brannten während des ganzen Tages Kerzen. Auf den Eisenbahnstationen zwischen Warschau und Krakau fanden sich überall Abordnungen auch der jüdischen Bevölkerung ein, um dem toten Marschall den Tribut der Ehre zu erweisen. Am folgenden Samstag wurden in allen Synagogen Trauergebete gesprochen, die Rabbiner würdigten in den Predigten die Verdienste des toten Marschalls. Unter dem Vorsitz des Präsidenten der Warschauer Jüdischen Gemeinde, Mazur, fand eine Sitzung von Vertretern aller großen jüdischen Organisationen statt, in der über eine Aktion zur Schaifung einer dauernden Institution zum Andenken an Pilsudski beraten wurde. Es wurde ein Komitee aus 50 Personen gewählt, welches die Aufgabe hat, eine allpoinische jüdische Vertreterschaft zur Verewigung des Andenkens des Marschalls durch das polnische Judentum zu organisieren. Das Komitee hat bereits eine Beratung von Vertretern aller jüdischen Gemeinden Polens arrangiert, die in etwa 14 Tagen stattfinden wird. Z. T. A. Trauerfeier im Seitenstettentempel. Im überfüllten Tempel in der Seitenstettenga9se fand Sonntag eine auf Veranlassung der jüdischen Mitglieder der polnischen Kolonie in Wien veranstaltete Trauerandacht für Marschall Josef Pilsudski statt. Der polnische Gesandte, Jan Qawronski, war in Begleitung aller Herren der polnischen Gesandtschaft und des Konsulats erschienen, außerdem fand sich der Präsident der österreichisch-polnischen Handelskammer, Minister a. D. Dr. von Twardowski mit den Kammersekretären ein. Die Feier wurde durch den Choral „Seele, was betrübst dich" eingeleitet, worauf Oberrabbiner Dr. Feuchtwang die Trauerrede hielt, in der er die tiefempfunden Trauer der gesamten Judenschaft, sowie die Teilnahme an dem Schmerz der polnischen Nation zum Ausdruck brachte und in bewegten Worten die unvergeßlichen und einmaligen Verdienste des verschiedenen Marschalls um die Sicherheit, den Frieden und die Gerechtigkeit hervorhob. Oberkantor Fischer rezitierte eindrucksvoll die Trauergebete. Restaurant Botel Melanie vormals Operer iL. Taborstrafte 12, Tel. n 4S-5-57 Ansgiabife Brafen-MenOs S I.SO km* '•»•J ., QenUget- „ S 2.20 I^J Vorzügliche Zubereitung — Schwechtter Biere — Naturreine Biro-Bidschan ein Jahr autonomer Rayon. Biro-Bidschan feierte jüngst den ersten Jahrestag er Proklamierung zum jüdischen autonomen Rayon, lle Moskauer jiddischen Zeitungen widmen diesem reignis festliche Betrachtungen und stellen u. a. est: Biro-Bidschan hat sich im abgelaufenen 'ahr außerordentlich entwickelt. Die Saatfläche hat ich um 20 Prozent vergrößert, 10.000 ha Boden wurden mu melioriert Die industriellen und kooperativen Unterlehmungen haben sich befestigt, die jüdischen Siedlungen ■ urden stabilisiert. Die Stadt Biro-Bidschan entwickelt ich rapid. Das Schulnetz, Post- und Telegraphenweseti reiten sich aus. Für kulturelle Bedürfnisse wurden im ahr 6 Millionen Rubel ausgegeben. Die 90 Schuleji in iro-Bidschan werden von mehr als 10.000 Kindern beucht. Es bestehen ferner 90 Vorschulen, ein pädagoisches und ein landwirtschaftliches Technikum, ein taatstheater, Kinos, 10 Spitäler, eine Radiosendestation a. m. 1935 sollen 4000 Familien mit 12.000 Seelen neu ngesiedelt werden Die Goldgruben von Biro-Bidschan Iben im ersten Jahresviertel den vorgeschriebenen Proluktionsplan um das Dreieinhalbfache überschritten. Das netallurgische Zentrum wurde vergrößert und wird 1937 ines der größten in der Sowjetunion sein. Am Jubiläumstag fand in der Stadt Biroldschan eine Festsitzung statt, in der der Vizepräsident der Kommission für Aufbau Biro-Bidschans, antorowitsch, erklärte, innerhalb der nächsten 5 Jahre werde das Land Biro-Bidschan laut dem Aufbauplan 150.000 neue Einwanderer aufnehmen, so daß das Land zusammen mit seiner jetzigen Bevölkerung im Jahre 1940 220.000 Seelen zählen wird. Um die neue Bevölkerung aufnehmen zu können, muß schon jetzt das landwirtschaftliche Anbau-Terrain erhöht werden. Das Land wird sich selbst ernähren können, allein die Weizenanbaufläche wird 1940 mindestens 40.000 ha betragen. Die sich immer vergrößernde metallurgische Basis wird im Jahre 1940 10.000 Arbeiter beschäftigen. Das Eisenbahnnetz wird ausgestaltet, die transsibirische Luftlinie (Moskau—Ferner Osten) wird im jüdischen Land Biro-Bidschan eine Landungsstation haben. zeichne* Österreichische Arbellsemleihe bei der | FHialfllrekllonn. des „Phönix«', CDlreklor G. Wlltlin), II., Aspernbrüdkeng. Nr. Z Telephon R 43-500 HERRENKLEIDERSALON S. FROST III., Landstraße Hauptstraße 28 Telephon U 11-2-72 bringt den modernen Frühjahr» - Ulster und den feinen Maßanzug in prächtigsten Dessins für den eleganten Herrn haben wir beschlossen, für die Einwanderungsperiode. 1935/36 einige tausend ausländischer Juden zur Ansiedlung zuzulassen. Die Frage der Teilnahme ausländischer jüdischer Organisationen an der Ansiedlung von Auslandjuden in Biro-Bidschan wird jetzt von den zuständigen Regierungsämtern erwogen. Dies bezieht sich aber nicht mehr auf die bereits beschlossene Zahl ausländischer Einwanderer, die unabhängig von der Teilnahme der Organisationen angesiedelt werden sollen, sondern auf zukünftige Siedlungsaktionen. In Betracht kommt die Ansiedlung von Juden aus Polen, Litauen, Lettland und anderen Nachbarländern Rußlands. Erst später sollen Juden auch aus anderen Ländern angesiedelt werden. Aber schon jetzt sollen Ausnahmen gemacht werden. Die Auswahl der Einwanderer geschieht durch die Gesellschaft OZET; diese geht dabei sehr gründlich vor, damit die Aktionen nicht durch eine Rückwanderung ungeeigneter Elemente kompromittiert wird. Die Einwanderungsbewegung wird Ende dieses Jahres besinnen. HM 4500 ausländische Juden jährlich nach Biro-Bidschan. Von autoritativer Seite wird! dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur mitgeteilt, daß die russische Regierung beschlossen hat, für die Siedlungsperiode 1935/36 die Einwanderung von 1000 ausländischen jüdischen Farrulien und 500 alleinstehenden ausländischen jüdischen Personen, insgesamt 4500 Seelen, naich Biro-Bidschan, dem zu einen jüdischen autonomen Sowjetrepublik ausersehenen Lande im russischen Fernen Osten, zuzulassen. Der diesbezügliche Regierungsbeschluß wird in den nächsten Tagen veröffentlicht werden. Die zur Regelung dieser EinwanderungsbewegunE ausländischer Juden benötigte technische Maschinerie wird bereits eingerichtet, auch wertden die bei der Auswahl des Siedlungselements anzuwendenden Grundsätze ausgearbeitet Es steht schon heute fest daß qualifizierte Arbeiter und im Baufach tätige Personen bei der Zulassung ins Land den Vorzug haben werden. Professor Josef Liberberg, Vorsitzender des Exekutivkomitees des jüdischen autonomen Rayons Biro- Bidschan, äußerte sich gegenüber dem JTA-Vertreter zu dem Beschluß der Sowjetregierung, die Ansiedlung ausländischer Juden in Biro-Bidschan zuzulassen, wie folgt: Die maßgebenden Sowjetbehörden haben seit langem die Frage der Zulassung ausländischer Juden erwogen. Doch war der autonome Rayon bis jetzt noch nicht genug entwickelt, um eine Masseneinwanderung absorbieren zu können. Jetzt aber, wo der Aufbau von Biro-Bidschan sich auf breitester Grundlage vollzieht. Danziger Juden klagen beim Volker» bund. Offiziell wird mitgeteilt, daß auf der Tagesordnung der ietzigen Session des Rates des Völkerbundes sieben den Freistaat Danzig betreffende Punkte stehen, davon betrifft ein Punkt eine Petition Danziger Juden an den Hochkommissar des Völkerbundes in Danzig, L e s s t e r, vom 8. April 1935. Darin werden auf 100 Schreibmaschinenseiten die Lage der jüdischen Bevölkerung in Danzig und die Schikanen und Verfolgungen, denen sie immerwährend ausgesetzt ist, geschildert. An Hand konkreter Tatsachen wird nachgewiesen, daß durch die Behandlung der Danziger Juden seitens des Senats viele Bestimmungen der Danziger Konstitution, die sich auf den Versailler Vertrag stützt, ausdrücklich verletzt werden. Verletzt werden ferner die Pariser Konvention sowie das Abkommen zwischen Danzig und Polen, schließlich auch die allgemeinen Bestimmungen über Schutz der Minderheiten, denen sich auch Danzig unterworfen hat. Hingewiesen wird auch auf die faktische Einheit der Danziger Regierungsorgane mit den Organen der Danziger NSDAP und auf die schweren Folgen, die der von der nationalsozialistischen Leitung organisierte antijüdische Boykott für die Juden Danzigs hat. Die Petition behandelt auch die Folgen der Durchdringung der Danziger Beamtenschaft mit systematischer antisemitischer Propaganda und antisemitischem Geist. In der Petition bitten die Juden um Schutz ihrer Interessen und ihrer Ehre. Der Hochkommissar des Völkerbundes L e s ster hat beim Völkerbund Beschwerde gegen die Haltung des Danziger Senats gegenüber Petitionen Danziger Bürger erhoben. Lesster klagt, daß die Danziger Regierung die Petitionäre als Landesverräter brandmarkt und behandelt, wo doch nach dem Statut Gruppen der Einwohnerschaft durchaus ein legales Recht auf Petitionen und Beschwerden beim Hochkommissar haben. Z. T. A. Starkes Rauchen verursacht Bildung gelber, brauner oder schwarzer Beläge auf den Zähnen. Für Raucher und Raucherinnen ist daher die regelmäßige, täglich mehrmalige Zahnpflege mit ODOL-Zahnp a s t a eine unbedingte Notwendigkeit, wenn sie der Veriärbung der Zähne vorbeugen wollen. Odol-Zahnpasta reinigt die Zähne sicher, ohne den Zahnschmelz anzugreifen, Odol-Zahnpasta hat infolge ihres hohen Gehaltes an kolloidalen Bestandteilen die größte Absorptionskraft; sie beseitigt daher alle Unreinigkeiten, unangenehmen Gerüche und alle Farbstoffe, die etwa durch Rauchen, Speisen und Getränke an den Zähnen haften und ihre Verfärbung herbeiführen können. Odol- Zahnpasta macht weiße Zähne und verleiht reinen Atem.