Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 20 (17.5.1935)
- Date
- 1935-05-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Deno. rranenheUDadj Tatzmannsdorfj (Ourgeniand) •Mineral- Moor- und natürliche Kohlensäuresprudelbäder.• '• Billieer Pensionspreis inklusive Heilbäder. Zwei rituelle Res-S : hnrants — A uskünfte und Prospekte: Generalvertretung :! ' Wien 1., KohlmarUS Tel. U 25-104 : 5Neu: Moorpadiungen und Moorkompressen in; : ' allen Apotheken erhältlich.; 1 Die zionistische Bewegung in Deutschland erhebt den Aiispruch, das gesamte jüdische Leben in Deutschland entscheidend zu be e i ni 1 u ssen. Die sachliche Führung gebührt dem Zionismus auf allen Lebens gebieten, tut denen die zionistische Initiative den deutschen Juden neue Wege zu konstruktivem Aufbau und systematischer Hilisarbeit gewiesen hat: in der Frage der jüdischen Schulen, der Berufs- und Wirtschaftspolitik, der Förderung des Palästina-Auibaus und der Auswanderung. Der Zionismus kann sich jedoch bei der gegenwärtigen Qesamtlage der Juden in Deutschland nicht daraui beschränken, einzelne Sachgebiete zu betreuen, sondern muß verlangen, daß die zionistischen Erkenntnisse als Grundlage einer Neugestaltung des gesamten jüdischen Lebens dienen. Arbeitstagung der Z. V. i. D. beschließt: Die deutschen Zionisten fordern eine personelle und organisatorische Umgestaltung der zentralen und örtlichen Instanzen der deutschen Judenheit, die den Zionisten den ihnen zustehenden Einiluß auf die Gestaltung der jüdischen Arbeit in Deutschland verschafft und sichert. Der geschäftsführende Ausschuß wird beauftragt, die zur Realisierung dieser Forderungen notwendigen Aktionen einzuleiten und für ihre Durchführung Sorge zu tragen. In diesem jüdischnationalen Totalitätsprogramm bildet die Eroberung des Berliner Kultusvorstandes bloß ein Detail. Doch dürfte den Zionisten eine bittere Enttäuschung kaum erspart bleiben. Denn die nationalsozialistischen Sympathien für die zionistischen Emigrationspläne müssen folgerichtig ins Gegenteil umschlagen, wenn die Hakenkreuzler merken, daß die Zionisten, statt ans Auswandern zu denken, sich durch Eroberung der führenden Positionen unter den deutschen Juden zum Bleiben einrichten. Aber auch unter den deutschen Juden werden die zionistischen Ambitionen wenig Anklang finden, besonders wenn sie unter der Aegide des Herrn Blumenfeld stehen. Dieser gehört zwar zu den ganz wenigen Zionistenführern, die wirklich nach Zion ausgewandert sind, doch hat er sich im Heiligen Land nicht gerade beliebt gemacht. Die zionistische Presse wirft ihm nichts Geringeres vor, als daß er dort durch Gründung einer deutschtümelnden Partei — assimilatorische Tendenzen propagiere. Umso grotesker ist es, daß er als gelegentlicher Gast in Deutschland entgegengesetzten Anschauungen huldigt. Den deutschen Juden wird das verkehrt erscheinen: Wenn schon jüdischnational, dann in Palästina und wenn schon ..deutschtümelnd", dann in Deutschland! Die Liebe zur tieutschen Heimat und zur deutschen Kultur kann den deutschen Juden durch äußere politische Konstellationen nicht so leicht aus dem Herzen gerissen werden. Daß dies die Hakenkreuzler nicht begreifen können, beweist nur ihre absolute Ahnungslosigkeit in bezug auf das jüdische Seelenleben, braucht aber diesem keine Konzessionen abzuringen. Seit wann lassen wir Juden uns unser Denken und Fühlen von Antisemiten vorschreiben? Es ist grotesk und unwürdig, wenn die Zionisten ihren jüdischen Nationalismus damit begründen, daß uns die Nationalsozialisten nicht als Deutsche anerkennen. Streiten uns doch die Hakenkreuzler sogar das Menschentum ab! Sollen wir uns deshalb etwa auf neuer zoologischer Basis organisieren? Um wieviel angemessener es ist, wenn wir unseren inneren Neigungen unbeirrt treu bleiben, beweist eine erstaunliche Meldung aus Deutschland im Zusammenhang mit der Konstituierung eines Reichsverbandes der jüdischen Kulturbünde. Diese Kulturbünde haben den Zweck, den aus dem öffentlichen Kunstleben ausgeschalteten jüdischen Literaten, Musikern und Schauspielern einen bescheidenen Wirkungskreis vor einem rein jüdischen Publikum, das seinerseits für diese Gelegenheit Künstlerischen Genusses dankbar ist, zu sichern. Es ist eine rein jüdische Angelegenheit, die in der Tagespresse mit keinem Wort erwähnt werden «arf. Umso erstaunlicher ist die Ita-Meldung, daß der jüngst in Berlin abgehaltenen Tagung von 46 Vertretern der in Deutschland bestehenden Kulturbünde zwecks Zusammenschlusses dieser Organisationen zu einem Reichsverband auch der nationalsozialistische Staatskommissär H i n k e 1 beiwohnte und im Einvernehmen mit der Staatspolizei die Zweckmäßigkeit dieses Zusammenschlusses empfahl. Er beantwortete sogar im Verlauf der Sitzung Fragen, die aus dem Kreis der jüdischen Delegierten an ihn gestellt wurden, und es ist bedauerlich, daß die Jüdische Telegraphenagentur nichts Näheres über diese Fragen und Antworten mitteilt. Aber die Tatsache an sich, daß sich staatliche Funktionäre des Dritten Reiches im positiven Sinne für jüdische Kulturbetätigung einsetzen, ist aufschlußreich und beweist, daß das Interesse Restanrant Holet Stefanie vormals Operer Ii Taborstrase 12, Tel. R 46-5-51 MM*ta Ausgiebige Braten-Menüs S 1.60 mm»« „ Geflügel- „ s 2.2U V&J Vorzügliche Zubereitung — Schwecbater Biete — Natutweine dieser Kreise vielleicht doch nicht ausschließlich auf die — Auswanderung der Juden konzentriert ist. Die Juden haben daher noch weniger Veranlassung, ihre Emigration in den Vordergrund ihres Interesses zu rücken und zur Grundlage der jüdischen Gemeindepolitik zu machen. Nur wer sich selbst aufgibt, opfert freiwillig innere und äußere Errungenschaften aus Angst, sie könnten ihm gestohlen werden. Dr. Paul Raumann. Am vergangenen Montag haben wir unseren Dr. Paul Raumann auf dem Döblinger Friedhof zur letzten Ruhe bestattet. An einem Maientag haben wir ihn, der im Mai eines ehrenwerten Lebens von einem unerbittlichen Schicksal dahingerafft wurde, die letzte Ehre erwiesen. Und trotz der Mittagssonne des Maientages fröstelte den Zahllosen, die gekommen waren, weil der Schmerz über dieses tragische Geschick selbst den Fernststehenden erzittern ließ. Und wer vermag gar den Schmerz der Freunde zu schildern, deren Dr. Paul Raumann trotz seines in sich gekehrten Wesens ungemein viele besaß? Vom Tage an, da die Trauerkunde mit Blitzesschnelle die Stadt durchlief, bis zum Tage, da eine unübersehbare Menschenmenge den in der Zeremonienhalle des Döblinger Friedhofes aufgebahrten Sarg umdrängte, konnte man feststellen, wie gewaltig groß die Zahl dieser Freunde war. Die Familie des Heimgeschiedenen wie jene, die ihm in seinem rastlosen Wirken nahestanden, erreichten Trauerkundgebungen aus den weitesten Kreisen, insbesondere die „Union österreichischer Juden", der er in den letzten Jahren seines ach so früh vollendeten Lebens mit treuer Hingebung gedient, erhielt zahlreiche Beileidskundgebungen, nicht nur von Gesinnungsgleichen, sondern auch von jenen, die gegnerische Anschauungen haben, aber mit der „Union" eins waren in der Erkenntnis des schweren Verlustes, der die ganze Gemeinde durch das Hinscheiden dieses prächtigen Menschen betroffen hat. Beim Begräbnisse kam diese allgemeine Trauer zu überwältigendem Ausdruck. Um die schwergeprüfte Witwe und den geliebten Stiefsohn, den rühmlichst bekannten Dirigenten Dr. Kurt Pahlen, und um die Verwandten. und engeren Freunde, die mit den Spitzen der jüdischen Organisationen, in denen Dr. Paul Raumann gewirkt, noch in der Zeremonienhalle Platz fanden, scharte sich eine gewaltige Trauerversammhuig auf dem weiten Räume vor dem Zeremoniengebäude. Aber dieser weite Raum erwies sich als viel zu eng, weit hinaus konnte das Auge schweifen und überall sah man noch tief ergriffene Menschen. Es war alles gekommen, was in diesem jüdischen Wien Rang und Namen besitzt. Eine Aufzählung der Vertreter der Organisationen erweist sich als unmöglich, denn man kann mit ruhigem Gewissen sagen, daß von den Spitzen unserer Gemeinde bis zu den Vertretern der privaten Vereine ohne Unterschied der Parteienstellung keiner fehlte. Diese Einträchtigkeit des Schmerzes wurde auch in den Trauerreden zum Ausdrucke gebracht. Es sprachen viele — und so mancher hätte auch noch gerne Dr. Raumann für sein Wirken öffentlich gedankt —, aber alle sagten dasselbe. Kein Wunder, der Charakter dieses Menschen lag so klar zutage, daß jeder ihn begriff, jeder ihn liebte. Alle priesen sie vornehmlich seine Güte und sein Pflichtbewußtsein. Seine Güte, die er in überschwänglicher Weise den Armen und Bedrängten, vor allem aber den Kindern seines geliebten Waisenvereines zuteil werden ließ, sein Pflichtbewußtsein, das er wie in seinem Berufe in seiner rastlosen Tätigkeit im Kultusvorstand bekundete, in den er durch das Vertrauen seiner vielen Freunde in der ..Union österreichischer Juden" entsandt wurde. Der Schmerz dieser Organisation ist ein besonders großer. Sie hat den unermüdlichen Obmann des Klubs ihrer Kultusvorsteher, sie hat einen bewährten Freund und Berater verloren. Die innige Trauerrede hielt Oberrabbiner Dr. D. Feuchtwang. Herzliche Abschiedsworte sprachen namens der Gemeinde Kultuspräsident Dr. D. Friedmann, für den Klub der unionistischen Kultiisvorsteher Vizepräsident Dr. J.Tic h o, für die B. B.-Loge „Wien" Hofrat Dr. Ludwig Werner, für den Waisenverein Dir. E. G o 1 d- Schmidt, für die engeren Freunde Dr. Friedrich Steiner. Dann trugen die Freunde den Sarg zur letzten Ruhestätte und in dichter Schar folgte die Trauergemeinde. Wir alle verließen den Gottesacker, erfüllt von dem niederschmetternden Gedanken, daß hier ein Mann den ewigen Schlaf schläft, dessen gütiges Herz allzu früh müde wurde. Die kantoralen Funktionen versah Oberkantor D. G r o ß in sehr ergreifender Weise, bestens assistiert vom Oberkantor H. Funke und einem Männerchor. Am Dienstag abends fand in der Kultusgemeinde eine Trauersitzung des Kultusvorstandes statt, in der Präsident Doktor D. Friedmann dem Verewigten einen innigen Nachruf hielt und seine Verdienste um die Gemeinde mit Worten höchsten Lobes rühmte. Am gleichen Abend versammelten sich Zentralvorstand und Klub der „Union" in den Räumen derselben, um das Andenken des Heimgegangenen in einer Trauersitzung zu ehren. Präsident Reg.-Rat Dr. H. Oppenheim hielt tief ergriffen die Trauerrede, an deren Beginn er die Mitteilung stellte, daß Dr. Raumann, als er dem neuen Präsidenten der „Union" zu seiner Wahl herzlichst gratulierte, voraussagte, daß es wohl eine seiner ersten Aufgaben .sein werde, ihm einen Nachruf zu halten. Tiefste Ergriffenheit herrschte im Saale bei diesen Worten snd gerührt nahmen die Teilnehmer der Trauersitzung che liebevolle Charakterisierung entgegen, die Reg.-Rat Dr. Oppenheim vom Wesen und Wirken des Heimgegangenen, insbesondere von seiner rastlosen Arbeit in der „Union" bot, der er mit treuer Hingebung diente. Nach Verlesung der zahlreich eingelangten Beileidskundgebungen, unter denen sich herzliche Briefe des Obmanns des Klubs der zionistischen Kultusvorsteher, Rat der Stadt Wien Dr. J. Ehrlich, und des Obmannes der radikalen Zionisten Dr. L. P1 a s c h k e s befanden, sowie der in den verschiedenen jüdischen Blättern erschienenen Nachrufe wurde die eindrucksvolle Trauersitzung geschlossen. h. * * An der Bahre des so früh verstorbenen Herrn Dr. Paul R au mann stand auch in stummer Ergriffenheit der Vorstand des Vereines „F i n h e i t", Verein zur Errichtung und Erhaltung von Volksspeisehallen, dem Herr Dr. Paul Raumann in treuer Ergebenheit angehört hat. In seiner großen Liebe zur leidenden Menschheit vergaß er auch nicht jener unglücklichen Glaubensbrüder, die hungernd an unsere Tür klopfen. Er gehörte nicht zu jenen Menschen, die ihre Tätigkeit darin erschöpfen, ihre Arbeitskraft den Wohlfahrtsinstitutionen zu widmen, sondern er gab selbst mit voller Hand, ohne daß es die anderen wußten. Wenn er unsei Anstalt betrat und mit eigenen Augen sehen konnte, welche große Hilfe den Hungernden durch unsere Ausspeiseaktion zuteil wird, dann sah man gleichsam, wie seine treuen Augen vor Freude erglänzten, man sah ihm die innere Befriedigung an, die er empfand, an dem Werke der Nächstenliebe mitgeholfen zu haben. Und nun steht dieses Herz, das so viel Liebe gegeben und das so viel für die leidende Mensch-