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Die Wahrheit · 1935-05-17 · Heft 20 (17.5.1935) · page 2

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 20 (17.5.1935)
Date
1935-05-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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BAP^ÄSTIDNI IHOTEL ELISABETHHOF Zeitgemäße Preise. Kein Mahlzeitenzwang Sodann erteilte der Gerichtspräsident noch einmal dem von jüdischer Seite gestellten Experten, Universitätsprofessor Dr. Baumgarten. Basel, bekanntlich ein Arier, das Wort. Prof. Baumgarten besprach die weltanschauliche Seite des Kampfes für und wider die Echtheit der „Protokolle'" und sagte u. a.: Wenn wir uns aller geistiger Güter entäußern, die irgendwie vom Judentum infiziert sein könnten, dann müssen wir, um an den reinen Born geistiger Werte zu gelangen, in eine vorjüdische. legendarische Vergangenheit herabsteigen oder alles aus uns selbst schöpfen, wozu kein Mensch und keine einzelne Generation von Menschen fähig ist. In der geistigen Leere, in die der .nichtjüdische Mensch durch den Glauben an die Protokolle; versetzt wird, muß dieser Mensch — wenn es überhaupt einen solchen gibt — zu dem Glauben kommen, daß die Weisen von Zion die einzigen Personen sind, die etwas geleistet haben in der Geschichte, und wenn man sie bekämpfen will, dann bleibt gar nichts anderes übrig, als daß man b e i ihnen in die Schule geht, ihre Methoden sich zu eisen macht und sie zur Anwendung bringt. Unsere Losung ist Gewalt und Täuschung, sagen die „Protokolle", und' wer an sie glaubt, der wird unweigerlich dazu getrieben. Täuschung und Gewalt vor Recht gehen zu lassen. Wäre das Judentum wirklich alles das. als was es sich nach den „Protokollen" darstellt, dann würden seine Gegner zwangsläufig im Kampfe mit ihm immer mehr aufdas moralische Niveau der „Protokolle" herabgedrückt werden. Es bliebe ihnen nichts als ein Kopieren des so unendlich dürftigen und geistlosen sogenannten aufbauenden Teiles der ..Protokolle". Das ist der Kern der Erwägungen, die Herrn Loosli und mich bestimmen, den „Protokolle"-Glauben für so unendlich gefährlich zu halten und daher mit aller Schärfe gegen ihn aufzutreten. Fürsprecher Brunschvig, Vertreter der Israelitischen Kultusgemeinde Bern, führte in seinem sensationellen Plädoyer u. a. aus: Fleischhauer war weder in der Lage, noch hat er die Absicr.t fceiia.i. . . abzugeben. Wer einen Bodung-Verlag leitet und eine Korrespondenz herausgibt, wie der „Welt-Dienst", die die schamlosesten Verdächtigungen über das Judentum verbreitet, wer dickleibige antisemitische Geheimlexika verlege, wer mit den Antisemiten in der ganzen Welt als führende Stelle Verbindungen aufrecht erhalte, sei von vornherein ungeeignet, ein Gutachten in der Frage der „Protokolle" zu erstatten. Man hätte erwarten dürfen, daß Fleischhauer bei seiner fanatisch antisemitischen Einstellung es hätte ablehnen müssen, hier als Gutachter aufzutreten. Aber es sei ihm weniger darauf angekommen, eine Expertise zu liefern, als den Gerichtssaal als Tribüne für antisemitische Propaganda zu benutzen. Das ganze Gutachten stand auf der Stufe eines minderwertigen Kriminalromans. Der Anwalt wies Fleischhauer eine Reihe direkter Zitatfälschungen nach, so vor allem bei G o e t h e. Fleischhauers Zitate seien fast durchgängig aus mit Fälschungen arbeitenden antisemitischen Handbüchern abgeschrieben. Andere Zitate seien überhaupt nicht vorhanden; sie seien von irgendjemand aus dem antisemitischen Lager erfunden. Gründlich rechnete Brunschvig mit Fieischhauers Behauptung vom „semitischen Geist" und dessen unheilvollem Wirken ab. War der Jude G u ndolf, der Meisterwerke deutschen Geistes schrieb, war der Ozeanflieger H ü h n e f e I d mit seiner jüdischen Mutter von „gemeinem semitischem Geiste" besessen? Kann man den Bolschewismus als jüdisch bezeichnen, wo er einen Kampf gegen die jüdische Religion in Rußiand bis zur Vernichtung führt? Den semitischen Geist will Fleischhauer besonders in den sexuelle Angelegenheiten behandelnden Abschnitten des Talmud und Schulchan Aruch verewigt sehen. Er vergißt, daß in diesen Büchern Rechtsfragen, auch solche sexueller Natur, geordnet werden mußten. Ueberschriften. wie sie Fleischhauer verlesen habe, finde man überall, nicht zuletzt im kantonalen Strafrecht von Bern. Wenn Fleischhauer so hemmungslos die sittliche Moral des Judentums angegriffen habe, .so müsse man fragen, ob gedruckte Liederverse: „Wenn das Judenblut vom Messer spritzt, dann gehts nochmal so gut" etwa die Moral des „arischen Geistes" wären. So lange es in Deutschland eine derartig unsittliche Wochenschrift wie den Nürnberger „Stürme r", noch dazu in einer Auflage von 200.000 Exemplaren, gäbe, habe der Gutachter beschämt zu schweigen. Pornographische Zeichnungen, Ueberschriften und Aufsätze, wie „die geschändete Adelheid W.". „Stellenangebote für junge Mädchen, eine neue jüdische Methode zum Zwecke der Massenschändung" — solche Schamlosigkeiten scheinen in weiten Kreisen der Antisemiten der Ausfluß „arischen Geistes" zu sein. Die „Weisen von Zion" existieren nicht: aber dafür gibt es die antisemitischen „W eisen von Erfurt". An der Spitze dieser „Weisen" stehe kein anderer als der antisemitische Gutachter dieses Prozesses. Ulrich Fleischhauer. Dieser führt planmäßig einen „übernationalen, interkonfessionellen Zusammenschluß", wie er selbst schreibt, in der ganzen Welt herbei. Das sei die wahre Weltverschwörung und die eigentliche Weltgefahr. Fürsprecher Brunschvig schloß: Fälschung sind die „Protokolle". SchundBteratur sind sie ebenfalls. Der Gutachter Fleischhauer ist ein Agitator. Die rohe Gewalt lehnt Fleischhauer ab. Wir kennen diese falsche Melodie. Wer den Juden ohne Aufhören und auf allen zugänglichen Wegen als die Bestie in Menschengestalt ausgibt, ist schuldig an dem Blut und an den Tränen, die eine Gewissenlosigkeit wie diese unvermeidbar zur Folge hat. Färbt jüdisches Blut das Pflaster, so werden wir wieder hören, das ist Schuld der Juden und nicht ihrer Mörder. Gegen Schlechtigkeit und Niedertracht werden wir ankämpfen bis zum letzten Blutstropfen. Unsere Kinder aber werden wir lehren, was in den jüdischen Religionsschulen der Schweiz gelehrt wird: „Jeder Mensch ist unser Nächster: denn jeder Mensch ist ein Kind Gottes, der unser aller Vater ist. Tue also, mein Kind, jedem Menschen, wie Du wünschest, daß man Dir tue." Der Vertreter des Schweizer Israel. Gemeindebundes, Fürsprecher Prof. Dr. MattL führte u. a. aus: Der kämpferische Antisemitismus in der Schweiz stützte sich zu seiner Rechtfertigung vorwiegend auf die „Protokolle". Es war daher für die Kläger selbstverständlich, beim Richter zu beantragen, die „Protokolle' in einem gerichtlichen Verfahren auf ihre Echtheit prüfen zu lassen. Die Frage, ob der Prozeß mit einem solchen Aufwand durchgeführt werden sollte, war mit einem Ja zu beantworten, da es vom schweizerischen Standpunkte aus um eine ernste Sache geht. Die schweizerische Verfassung kennt keine Unterschiede zwischen Juden und Nichtjuden. Es hieße unsere Verfassung verneinen, wenn wir Methoden bei uns eindringen ließen, die zur Zeit in anderen Staaten eingedrungen sind. Aufhebung der demokratischen Freiheiten hieße die Existenzberechtigung der Schweiz verneinen. Es wäre schlimmste Despotie, wenn man darauf ausginge, die Juden in der Schweiz für rechtlos zu erklären. Wenn als Säilußerg^bnis dieses umfangreichen Verfahrens über die unmittelbare juristische Lösung hinaus eine Welle in die Oeffentlichkeit dringt, die zui Umkehr bestimmen kann vor der Verfolgung von Zielen, die als schädlich erkannt werden müssen, dann sind Zeit, Mühe und finanzielle Opfer dieses Prozesses vollauf gerechtfertigt. Die „Protokolle" — Plagiat, Schund, Fälschung. Nach vierzehntägiger Prozeßdauer hat der bernische Richter das Urteil im Prozeß um die Echtheit der „Protokolle" gefällt und zur Begründung folgendes angeführt: Die Aussagen von Oberrabbiner Dr. Ehrenpreis (Stockholm) haben auf mich einen sehr starken und beweiskräftigen Eindruck gemacht. Der Echtheitsbeweis der Protokolle, den Fritsch mit der Berufung auf Ehrenpreis anführt, fällt mit dieser Zeugenaussage in sich zusammen. Was Cafe Pension Eckstein Semmering Für die über drei Millionen polnischer Juden kann das Ableben Marse hall Pilsudskis von einschneidender Bedeutung sein. Unter Pilsudskis Führung hatten zahlreiche .luden, manche in verantwortungsvoller Stellung, an den Freiheitskämpfen und am russisch - polnischen Kriege von 1920 teilgenommen. Die von der polnischen Judenheit für ihr Vaterland gebrachten Opfer hat Pilsudski nie vergessen und sich später, wiewohl er in Fragen der eigentlichen jüdischen Politik niemals eingriff, sowohl für die Wahrung der Rechte der jüdischen Staatsbürger im allgemeinen, als auch für die bedrohten Interessen einzelner Juden, insbesondere ehemaliger Mitkämpfer, immer wieder tatkräftig eingesetzt. Nach der von ihm im Jahre 1926 durchgeführten Mai-Umwälzung wurde der antisemitische Kurs, der im Anschluß an die polnisch-ukrainischen Kämpfe des Jahres 1918 eingesetzt hatte, verlassen. Seinen Gegnern gegenüber betonte Pilsudski, daß diese eine Politik der Pogrome führen wollen, die sie als eine polnische Politik bezeichnen, während in Wirklichkeit nur eine Zusammenfassung aller Kräfte im Staate den Anspruch erheben könne, als n ationale Politik zu gelten. Zu verschiedenen jüdischen Persönlichkeiten unterhielt der verstorbene Marschall freundschaftliche Beziehungen. Das patriarchalische Verhältnis, das zwischen ihm und den Bürgern Polens bestand, erstreckte sich auch auf die Juden. Abgesehen von den herzlichen Empfängen jüdischer Abordnungen bei offiziellen Anlässen erfuhr man von Zeit zu Zeit immer wieder von dem tatkräftigen Einschreiten des Marschalls, wenn es galt, Bitten ehemaliger jüdischer Legionäre und anderer jüdischer Bürger zu erfüllen. Er hat sich wiederholt für die Ermöglichung einer Existenzgündung früherer jüdischer Mitkämpfer und für Auswanderungshilfe an sie nach Palästina und an- Fritsch behauptet, ist völlig mißglückt. Der Fund der hebräischen Urausgabe der Protokolle ist heute nur eine Behauptung. Auch die weiteren Behauptungen Fritschs sind nicht beweiskräftig. Bewiesen ist einzig, daß die Protokolle vom „Dialogue aux enfers" zum größten feil abgeschrieben worden sind. Sie sind ein Plagiat, das war schon seit 1921 bekannt. Es ist bis zum höchsten Grad wahrscheinlich, daß Ratschowsky der Kopist war. Die Herausgeber wußten davon. Bis und mit der 15. Auflage der Protokolle wurde J o 1 y totgeschwiegen; er wäre auch weiter totgeschwiegen worden, wenn der Berner Prozeß nicht dazwischen gekommen wäre. Die Befürworter der Echtheit müssen nun Joly auch anerkennen. Der Wahrheitsbeweis für die Behauptung, daß die Protokolle am Bnei-Brith-Kongireß in Basel beschlossen wurden, ist n i c h t g e 1 u n g e n. Ich stelle somit fest, daß ein Beweis für die Echtheit der Protokolle nicht erbracht ist. Sie ialien ebenso wie die eingeklagten Schriften unter den Begriff des Artikels 14 des bernischen Schundliteratur- Gesetzes, denn sie haben eine verrohende und unmoralische Wirkung und sind geeignet, zu Verbrechen anzureizen. Die Protokolle sind sowohl gefälscht wie Plagiat. Ich bin überzeugt, daß sie Schundliteratur und mehr als das, lächerlicher Unsinn sind. Der Angeklagte, der ehemalige Führer des Bundes nationalsozialistischer Eidgenossen, Theodor Fischer, wird zu 50 Franken Buße und zu fünf Neuntel der Gerichtskosten verurteilt; der Angeklagte Schnell erhält 20 Franken Buße, und hat fünf Achtzehntel der Gerichtskosten zu tragen. Beide Angeklagte haben die klägerischen Parteikosten zu ersetzen. Ein Sechstel der Qeriohtskosten trägt der'Staat Der Vertreter der Angeklagten hat gegen dieses Urteil Appellation erklärt. Auf Konfiskation der Broschüren wird verzichtet, weil eine solche praktisch wirkungslos wäre. Die „Union österreichischer Juden" hat an den Schweizer Israelitischen Gemeindebund, Zürich, folgendes Telegramm gerichtet: Herzlichst gratuliert zu großem Erfolge im Kampfe um jüdische Ehre gegen Lüge und Verleumdung in dankbarer Anerkennung Ihrer besonderen Verdienste Union österreichischer Juden, Wien. deren Ländern erfolgreich eingesetzt. Seine G a tt i n, die in der öffentlichen Wohlfahrtspflege hervorragend tätig ist, hat sich seinerzeit dafür eingesetzt, daß bei allgemeinen Fürsorgeaktionen, insbesondere bei Kinderspeisungen, auf die jüdischen rituellen Vorschriften Bedacht genommen werde. Durch eigene Kraft. Es kann jetzt schon als feststehend betrachtet werden, daß dem Ruf der Bundesregierung au dis Bevölkerung, aus ihren Mitteln die Bestrebungen zu unterstützen, durch ein wahrhaft großzügiges Programm, durch die A r b e i t s s c h 1 a c h t, vielen tausenden Oesterreichern Arbeit zu geben, ein ganz großer Erfolg beschieden sein wird. Wenn Bundesminister Dr. B u r e s c h und Nationalbankpräsident Dr. K i e n b ö c k bei ihren jüngsten Presseerklärungen auf die Festigung der wirtschaftlichen Verhältnisse unseres Landes, auf das steigende Vertrauen des Auslandes zu Oesterreich hingewiesen haben, so haftete ihren Worten keine wie immer geartete Uebertreibung an. Die österreichische Bevölkerung wird die ihr gebotene Gelegenheit, das ständig wachsende Sparkapital in eine gut verzinsliche, mit der Wertbeständigkeitsklausel der Trefferanleihe ausgestattete Staatsanleihe anzulegen und es so dem Kreislauf der Wdrtschaft wieder zuzuführen, gewiß gerne benützen. Daß die Nazis nun unterirdisch gegen die Anleihe wühlen möchten, weil das Gelingen der Arbeitsschlacht iiire ohnehin schwach gewordenen illegalen Positionen noch mehr, untergraben wird, liegt auf der Hand. Aber gerade dieser Umstand wird für alle vaterländisch gesinnten Kreise — und nicht zuletzt für die jüdische Bevölkerung unseres Landes — ein noch größerer Ansporn sein, alles Erdenkliche zu tun, um der Regierung bei der Durchführung ihrer auf die eigene- Kraft gegründeten gewaltigen Aufgabe tatkräftig zur Seite zu stehen. Pilsudski und die Juden,

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