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Die Wahrheit · 1935-05-17 · Heft 20 (17.5.1935) · page 1

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 20 (17.5.1935)
Date
1935-05-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis dieser Nummer 40 Groschen HU if W In Deutschland «erboten! ens chri Di« bbahrlicit mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden" Erscheint jeden Freitag BMMMipiiiiliM Redaktion und Administration: Wien II., Heinestraße 13 — Telephon R 46-2-16 liuiiiiiiuiüiiniiiiitti Postsparkassenkonto Wien: A 100.918 51. Jahrgang Wien, 17. Mai 1935 Nummer 20 Sieg der gerechten Sache. Der Berner „Protokoll"-Prozeß ist nach mehr als Mtägiger Verhandlung so ausgegangen, wie die ganze kultivierte Menschheit es erwartete. Die Schweizer antisemitischen Verbreiter dieser Hetz- und Sudelschrift und mehr noch ihre Hintermänner im Dritten Reiche haben einen vernichtenden Schlag erhalten. Nach monatelangen Verschleppungsversuchen und einer Schlußverhandlung, die an Gründlichkeit nichts zu wünschen übrig ließ, hat der Richter sein Urteil gesprochen. Und dieses Urteil ist zugleich das Urteil der ganzen Kulturwelt. Eindeutig wurde trotz der tagelangen dummdreisten Erörterungen des Herrn „Sachverständigen" aus dem Dritten Reiche Fleischhauer erwiesen, daß die „Protokolle" eine Fälschung, ein Plagiat sind und daß sie zur Schundliteratur gehören. Mehr noch: Der Richter sagte in seinem Urteilsspruch ausdrücklich, daß sie Unsinn sind. Auf diesen Unsinn, auf diesen Schund, der „eine verrohende und unmoralische Wirkung hat und geeignet ist, zu Verbrechen anzureizen", stützen sich seit Jahrzehnten die Antisemiten aller Herren Länder, auf diesen Unsinn, auf diesen Schund schwören die Führer eines Reiches im Herzen Europas. Sie sind in Bern gerichtet worden, denn sie saßen eigentlich auf der Anklagebank, nicht die kläglichen Helden, die nur Werkzeuge höherer Herren waren. Das Schweizer Judentum hat im Kampfe um die Ehre der Gesamtjudenheit einen gewaltigen Erfolg errungen, ihm gebührt der Dank dafür, daß es unserer gerechten Sache zum Siege verholten hat. Mit welcher Lüge und Verleumdung werden nun die Antisemiten nach dieser empfindlichen Niederlage kommen? Den Höhepunkt der letzten Verhandlungstage des denkwürdigen Prozesses, mit dessen prinzipieller Bedeutung wir uns noch näher beschäftigen werden, bildeten die Ausführungen des vom Gericht bestellten Hauptgutachters, des bekannten Schweizer Schriftstellers C. A. L o o s 1 i. In Erörterungen, die drei Tage in Anspruch nahmen, führte der tiefschürfende Publizist die Dummheiten des Herrn Fleischhauer ad absurdum. Wir geben im folgenden die wichtigsten Stellen dieser gewaltigen Anklage gegen den Antisemitismus wieder: Zwei Fragen richte ich an jeden, der gesunden Sinnes ist: 1. Wem haben die „Zionistischen Protokolle" bis heute genützt, wessen Ziele haben sie gefördert: wen haben sie andererseits geschädigt, entrechtet und erwürgt? 2. Wer sind die Juden, die uns als zu jedem Verbrechen bereit und eingeschworen geschildert werden, die uns angeblich unterjochen, schließlich vernichten wollen? Es sind die Bernheim, die Brunschvig, die Boneff, die Bloch, die Loeb, die Hirsche!, die Piquart, die Levy oder wie sie alle heißen mögen, mit deren Vätern wir die Schulbank gedrückt, mit denen wir unseren Militärdienst geleistet, mit denen wir gelebt und gehandelt haben. Sie. mit denen wir Freude und Leid redlich seteilt haben, die uns. wie wir ihnen, oft hilfreich beigestanden sind1, sie sollen unsere Verräter, unsere zukünftigen Vernichter sein? Wir haben von Fleischhauer gehört: Ausnahmen gibt es nicht! Jeder Jude ist. weil Jude, ein ruchloser Verbrecher. So lehrt es der Antisemitismus, lehrt es das nordische Ariertum, das wird mittels unzähliger Bücher. Zeitungen. Zeitschriiten, Rede- und Sprechmaschinen verbreitet. Herr Präsident, wenn das Wissenschaft ist, dann erbitte ich mir als höchste Gnade und Ehrung ein Diplom u n h e i 1b alirer T!ro'tt'eiIhaf*li gkei t. Wenn es Wissenschaft heißen soll, daß jeder Sternickel. Haarmann, Denke (die bekannten hingerichteten Massenmörder und Menschenfleischfresser). Julius Streicher vermöge ihrer nordisch-arischen Abkunft edleren Blutes sein sollen als unsere Juden, dann bitte ich um einen wohlgezielten Gnadenschuß, denn dann freut mich mein irdisches Dasein keine Minute länger. Die Behauptung, es sei noch nie ein Prozeß gegen die Echtheit der „Protokolle" angestrengt worden, ist unwah r. Der verstorbene Achad Haarn hat den Grafen Reventlow gezwungen, öffentlich zu erklären, er bedauere, Achad Haam als den Verfasser der „Protokolle" bezeichnet zu haben. Es ist sonderbar um die Mentalität der Antisemiten bestellt: Klagen die Juden nicht, dann wird gesagt, sie erkennen selbst die Echtheit der „Protokolle" an. Klagen sie aber, so wird ihnen das als Frechheit angekreidet. Das ganze Gutachten Fleischhauers ist ein Gespinst, welches auf keinerlei Urkunden gegründet Sst. Zweck des Gutachtens ist der Kampf gegen Judentum. Freimaurerei, Demokratie und Liberalismus. Mit aus dem Zusammen- Nadi Amalie a nnd Hanada Koschere Küche auf der Majestic 56.000 t Berengaria 52.00O t Aquitania 46.000 t Cuaatd H}fute=Stac Repräsentanz: Wien I. Kärntnerring 4 Tel. U 46-0-48 U 42-0-43 hang gerissenen Zitaten kann jede Person, jede Gemeinschaft in Gründl und Boden verurteilt werden. Das ist aber die Methode, die Fleischhauer fünf Tage lang uns vordenionstriert hat. Ferner wies Loosli nach, daß keine einzige Ausgabe der „Protokolle" mit anderen Ausgaben wörtlich oder auch nur sinngemäß übereinstimmt. Jede einzige Ausgabe ist somit eine Fälschung für sich. Dasselbe gilt für die Kommentare der verschiedenen Herausgeber der „Protokolle", immer wieder wird von den Antisemiten die Methode der Zitate- und Urkundenfälschung angewandt. Diese Fälschunssart illustriert Loosli an einigen den „Protokollen" entnommenen Beispielen. Die .(udengegner verstümmeln Texte, verfälschen den Sinn der Texte, reissen Zitate aus dem Zusammenhang oder unterschlagen den nachfolgenden, erläuternden Text. Joly war — das ist festgestellt — kein Jude. Sein Buch „Dialogues" wurde bereits im Jahre 1865 deutsch übersetzt und in Deutschland richtig als Pamphlet gegen Napoleon III. eingeschätzt Ueber die Absicht der „Totengespräche" bestand keinen Augenblick ein Irrtum. Schon bei der ersten Durchsicht der ..Protokolle" sticht die große Uebereinstimmung mit den ..Tetengesprächen" in die Augen. An 176 Stellen Hauserverwaltungen Vermittlungen Geldbeschaffungen SENSAL A 48-9-22 TAUBPIANN Wlan, II. Bvslrk, NordpolatraB« 2/3 Reparaturkredite Zinsvorsdtfisse kulantest Rasiere Dldi gut nnd billig Oeslerrelcbisdies Qualität* raDrtkal Ueberau erhältlich ist inhaltlich und wörtlich aus den „Totengesprächen" abgeschrieben worden. Wo in Jolys Broschüre Napoleon gemeint ist, werden in den „Protokollen" die Juden unterschoben. Zweck der Fälschung ist, den Haß gegen die Juden zu schüren. Zu diesem Zweck wurde oft der Text der „Dialogues" verstümmelt, der Sinn wurde entstellt. Die Juden müßten Erztrottel gewesen sein, hätten sie für die Aufstellung ihrer von den Antisemiten behaupteten Weltherrschaftspläne nichts Eigenes und Scoßkräftigeres als eine Abschrift hervorgebracht. In seinem Buche „Mein Kampf bezieht sich Hitler wiederholt aui die „Protokolle", die er als echt bezeichnet. Rosenberg, der deutsche Kulturminister, der sein Buch „Mythus des 20. Jahrhunderts" — wie dies vom Bischof von Münster und seinen Mitarbeitern festgestellt wurde — zum Teil aus dem Buch eines Irrsinnigen, Grünwedel, abgeschrieben hat. ist der richtige Vorkämpfer für die Echtheit der „Protokolle". Man kann sich denken, wie solche Leute Talmud. Schulchan Aruch und anderes behandeln. Die Kronzeugen des Gutachters Fleischhauer: Taxil. Rohling usw., waren, wie einwandfrei festgestellt ist. gemeine Schwindler. Tiefen Eindruck machte die Feststellung Loosli's, daß Adolf Hitlers Buch „Mein Kampf" den deutlichen Beweis dafür erbringt daß der deutsche Führer die „Protokolle" zu seinem politischen Kompendium gemacht hat. An Hand von zahlreichen Beispielen aus den „Protokollen" weist Loosli nach, daß nicht die .luden, sondern die derzeitige nationalsozialistische Regierung die in den „Protokollen" niedergelegten Maximen sehr genau verfolgt. Und gerade diese Leute wollen die Juden als die Urheber der „Protokolle" hinstellen. Die „Protokolle" entsprechen nicht dem Geist der Juden, sondern dem Geist des heutigen Deutschland. Wem haben die „Protokolle" gedient? Sicherlich nicht den Juden, sondern den Antisemiten zur Schürung des Rassen- und Religionshasses. Der verstorbene Theodor F r i t s c h in Leipzig, zu dem sich Fleischhauer als Freund bekennt, war wegen Verleumdung und Fälschung vorbestraft. Der hervorragende Gelehrte Prof. Kittel ein Nichtjude, sagte in einem Prozeß als Sachverständiger über Fritsch, dieser sei „geistig und moralisch defekt". Keine der von Fleischhauer gegen die Juden vorgebrachten Beschuldigungen stütze sich auf Dokumente, die irgendwelchen Wert haben: sie sind größtenteils subjektive Meinungsäußerungen. Fleischhauers Gutachten ist unsagbar liederlich abgefaßt. Fleischhauer nimmt in seinem Gutachten vorweg an, daß die „Protokolle" echt sind, und unternimmt es dann, aus ihrem Inhalt alles, was er will, zu „beweisen". Das ist eine eigentümliche Methode. Die Antisemiten betrachten alles, was ihnen nützt, als erlaubt. Diese Auffassung: bedeutet nicht nur eine Gefährdung der Juden, sondern eine Gefährdung der abendländischen Kultur schlechthin. Diese Gefahr ist viel größer als einst die der Horden Attilas. Die Antisemiten betrachten jeden Menschen als vernichtungswürdig, der ihren Ideen nicht beipflichtet. Fleischhauers Gutachten, schloß Loosli, stützt sich lediglich auf nachweisbare Fälschungen und sich widersprechende Behauptungen. Es geht dem Gutachter nicht um die Wahrheit, sondern um die Werbung für die antisemitische Idee. Auf Grund des Berttischen Strafgesetzbuches und der Strafgesetzbücher der meisten zivilisierten Staaten müßten nicht nur die „Protokolle", sondern es müßte auch Fleischhauers Gutachten über dieselben als „Schundliteratur" behandelt werden. Fleischhauers Gutachten ist nicht Wissenschaft, sondern eine gewissenlose Werbeschrift.

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