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Die Wahrheit · 1935-05-03 · Heft 18 (3.5.1935) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 18 (3.5.1935)
Date
1935-05-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
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nlE WAHRHEIT Nr. 18 — 3. Mai 1935 Seite 7 Spezialhaus für Wolle und Strickgarne Moritz Hagel Wien, Z. Bez., Taborstraße Nr. 17 Fabriksniederlage. Wirku. Strickmoden _Telephon A 49-3-69_ Die Bukarester Studenten-Unruhen. Der rumänische Innenminister erklärte Presse-Vertretern gegenüber, daß er die nötigen Schritte ergriffen habe, um eine Wiederholung der Studenten-Unruhen, wie sie in den letzten Wochen an der Bukarester Universität vorgekommen sind, zu verhindern. Er versicherte, daß die Mehrzahl der studentischen Körperschaften einmütig die Ausschreitungen einer Weinen Zahl irregeführter Studenten schärfstens verurteilt. Der Innenminister erklärte ferner, daß die Schuldigen vor ein S t a n d g e r i c h t gestellt werden; außerdem werden die Universitätsbehördeini ein Disziplinarverfahren gegen sie einleiten. Z. T. A. Sprechverbot für deutsche Juden. Kürzlich hat das deutsche Propaganda-Ministerium eirnVerbot des öffentlichen Auf trete ff s~ in Versammlungen an Führer jener Gruppen im deutschen Judentum erlassen, die für ein Verbleiben von Juden in der deutschen Heimat Propaganda machen. Von diesem Verbot wurden u. a. der bekannte Führer des religiös-liberalen Judentums Bruno Woyda und der Vizepräsident des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens Dr. Bruno Weil betroffen. Einen riefen Eindruck machte es auf die jüdischen Kreise Deutschlands, daß seit einiger Zeit auch der hervorragende jüdische Gelehrte und Denker Martin Buber, seit Hermann Cohen's Tod. die repräsentative Gestalt dies deutschen Judentums, mit einem Sprechverbot belegt wurde, das sich auch auf seine Lehrertätigkeit in dem von ihm geschaffenen und geleiteten frankfurter Jüdischen Lehrhaus erstreckt. Buber hat in seinen öffentlichen Reden und in seinen Aufsätzen mit keinem Worte den Nationalsozialismus und das herrschende Regime in Deutschland kritisiert. Z.T. A. Semeindechronib. Hohe Auszeichnung für Prof. Dr. Julius Schnitzler. Der Bundespräsident hat dem Primararzt des Krankenhauses Wieden i. R. Hofrat a. o. Universitätspfrofessor Dr. Julius Schnitzler taxfrei das Komturkreuz des österreichischen Verdienstordens verliehen. Der Mailänder Oberrabbiner gestorben. Im Alter von 88 Jahrero ist der Oberrabbiner von Mailand Dr. Alessandro Da Fano gestorben. Da Fano stand an" der Spitze des italienischen Rabbmerräts. Seit dem Jahre 1892 war er mit dem gegenwärtigen PapstPiusXI. eng befreundet, den er in der hebräischen Sprache unterrichtete: Oberrabbiner Da Fano war Abkömmling einer berühmten jüdischen Familie, die seit dem 15. Jahrhundert in der Geschichte bekannt ist und aus der zahlreiche Rabbiner, Gelehrte und Politiker hervorgingen. Dienstag, den 16. April, fand unter großer Beteiligung das Begräbnis statt. Ganz ausnahmsweise und nur der letztwilligen Verfügung des Verstorbenen entsprechend, wurde die Leiche im Tempel aufgebahrt, obwohl dies in Italien nicht üblich ist. Nicht nur das ganze jüdische Mailand war zu diesem Begräbnis erschienen, sondern auch aus vielen anderen Orten kamen Trauergäste, vor allem die Oberrabbiner von Florenz Professor A r t o m, von Mantua Dr. C a 1 o, der Rabbiner von Alessandria Ro c c i, der Vizerabbiner von Turin Dr. Di Segni, die Präsidenten der Kultusgemeinden von Triest. Dr. Morpurgo, von Genua, Modena, Livorno u. a. Ferner sah man die Vertreter der Regierung, des Fascio, der Vize-Podestä von Mailand erschien in Begleitung von" vier in Trauer gekleideten Valletti, welche am Sarge die Ehrenwache hielten. An der Spitze des Zuges schritten die Schüler und. die Lehrer der von Fano gegründeten jüdischen Schule mit der Fahne. Unter den zahlreichen Beileidstelegrammen an die Familie des Verstorbenen ist vor allem das des Papstes zu nennen, welches durch seinen Zeremonienmeister, Monsignore Caccia Domiriione, übermittelt wurde. Auf den besonderen Wunsch des Verstorbenen wurden keinerlei Reden gehalten, doch ist beschlossen worden, an dem'zum 30. Tage nach dem-Hinscheiden stattfindenden feierlichen Trauergottesdienst sein Andenken gebührend zu ehren. Das ganze" jüdische Mailand trauert um seinen' verehrten1' Oberrabbiner,: welcher durch 43 Jahre auf seinem Posten stand und sich auch durch sein hohe.? Alter von seiner Pflichterfüllung nicht; abhalten ließ. Adolf Back Das war ein furchtbarer Schlag iür die vielen Freunde des in weitesten Kreisen geschätzten und beliebten Herrn Adolf'Back, als sie am 21. v. M. erfuhren, daß ihr guter Freund in der Nacht vorher im 67. Lebensjahre gestorben war. Wohl wußten alle, die die schwere Krankheit, die ihn iast ein Jahr lang ans Krankenlager fesselte, beobachteten, daß hier die ärztliche Kunst versagen müsse. Aber alle erfüllte die leise Hoffnung, daß doch dieses kostbare Menschenleben gerettet werden könne, eine Hoffnung, die nun zu Schanden wurde. Undalle, die die Nachricht von dem Hinscheiden dieses edlen Menschen traf, fühlten mit der schwergeprüften Familie in aufrichtiger Trauer, denn groß ist allenthalben der Verlust, der durch den Heimgang dieses braven Mannes entstanden ist. .„Seine. Familie beklagt nicht nur das Hinscheiden ihres" Oberhauptes, sondern auch ihres wahren Mittelpunktes, denn Adolf Back war sowohl seiner engeren Familie, seiner braven Gattin, seiner Tochter, seinem Sohne, seiner Schwiegertochter und seinem Enkelkinde in herzlicher Liebe verbunden, um ihn scharten sich auch seine Geschwister und deren Angehörige, sein Bruder Max. mit dem er das geachtete Geschäft am Rudolisplätz betrieb, und seine Schwestern, denen er vielfach Stütze bedeutete. Das Familienleben im Hause Back, in das der unerbittliche Tod nun eine schwere Lücke gerissen hat, war wegen seiner besonderen Innigkeit allseits bekannt, ebenso bekannt war aber auch, welch guter Freund der Heimgegangene jenen vielen Menschen war, die er mit seiner Freundschaft auszeichnete. Zu diesen gehörte vor ajlem der Kreis_der „Union österreichischer Juden", in deren Zentralvorstand er saß, in deren Bezirksorganisation Leopoldstadt er als Obmann-Stellvertreter mit eifriger MÖBEL Moderne Küchen- Vorzlmmer- Wohnzlmmer- F. KOHN, Wien IL, TABORSTRASSE Nr. 22 Telephon R 40-7-14 Samstag geschlossen. Hingebung wirkte. Denn Adolf Back, der gute Mensch, der geschätzte Kaufmann, war auch ein braver Jude. Das bekundete er im Bethause „Talmud-Thora", II., Malzgasse, dem er, den frommen Traditionen, in denen er erzogen wurde, treu, seit seiner frühesten Jugend angehörte, das bekundete er durch seine Arbeit in der „Union", an der von ihm geleitet seine Familie und seine persönlichen Freunde Anteil nahmen. Und so gaben neben den vielen anderen teilnahmsvoll Ergriffenen vor allem die führenden Mitglieder der „Union österreichischer Juden" ihrem guten Freunde Adolf Back aui seinem letzten Wege das Geleite. Schon bei der Abholung der Leiche hatten sich viele aus diesem Kreise in der Wohnung des Verstorbenen eingefunden, von wo sie dem am Bethause „Talmud-Thora'*, II. Malzgasse vorbeigeführten Leichenzuge in tieister Ergriffenheit folgten. Beim Leichenbegängnisse, das unter starker Beteiligung am 23. v. M. stattfand, war der Zentralvorstand der „Union" mit dem Gesamtpräsidium und dein Ehrenpräsidenten Dr. J. 0 r n s t e i n an der Spitze vollzählig vertreten. Die Trauerrede hielt Oberrabbiner Dr. I. Tag licht, der aus persönlicher Kenntnis ein schönes Bild vom Wesen und Wirken des Menschen und Juden Adolf Back entwarf. Der Vizepräsident Dr. Karl Steiner nahm namens der „Union" herzlichen Abschied von dem treuen Mitarbeiter, dem die „Union" stets ein dankbares Angedenken bewahren wird. Vizepräsident Max Kohn überbrachte die Abschiedsgrüße des „Vereines reisender Kaufleute". Die kantorale Funktion versah Oberkantor Kogan in schöner Weise. Die Freunde trugen den Sarg zur letzten Ruhestätte und schaufelten das Grab zu, in dem, tiefbetrauert von allen, die ihn gekannt und geliebt haben, ein guter Mensch, ein braver Jude liegt. Ehre seinem Angedenken. O. H. Seit vielen Jahren das anerkannt beste sö^tiöw Man achte auf die gas. gesch. Marke iiHyglen. Kdnlgsllcht" und Name Schulz Fabrik und Büro: Wien XIV., Braunhirschengassse 3 Telephon R 33-1-87 Wien!•« Seiienstettengasse 2 XI. t Zentralfpiedhof neben dem I. Tor _SauutMg g—(hlomaaai_ Gustav Planer — ein Achtziger Es war sicherlich nicht den Wünschen des allezeit bescheiden wirkenden Herrn Gustav Planer entsprechend, daß man seinen 80. Geburtstag in solenner Weise feierte. Aber seine Freunde, deren er allenthalben so viele besitzt, ließen es sich nicht nehmen, den beliebten Jubilar an seinem Jubeltage besonders zu ehren. Und so fand am 27. v. M. im Rahmen des Sabbatvormittagsgottesdienstes im Großen Leopoldstädter Tempel eine Feier statt, der zahlreiche Freunde des Jubilars beiwohnten. Herr Gustav Planer, der auch an seinem Jubeltage den gewohnten Dienst beim Seter versah, wurde vom Chor mit einem schönen Hailelluja begrüßt. Oberkantor Marguli es rezitierte ihm zu Ehren ein feierliches Mischeberach, dann richtete Oberrabbiner Dr. I. T a g 1 i c h t an ihn eine herzliche Ansprache, in der er die Krone des Alters pries, die Gustav Planer errungen habe und die weithin leuchte durch den Glanz der Diademe Judentum und Wohltätigkeit. Auf jüdischem und humanitärem Gebiete leistet der Jubilar Hervorragendes, als BethausvorstanJ wirkt er im Großen Leopoldstädter Temnel hingebungsvoll, den Armen ist er ein väterlicher Freund, namentlich als Kassier des „Vereines zur Unterstützung armer alter Männer" ist er unermüdlich tätig. Die Freunde des Jubilars benützten den schönen Anlaß zu Spenden für verschiedene wohltätige Zwecke. Im Anschluß an den erhebenden Gottesdienst fand im Zeremoniensaal eine Feier statt, bei der der Jubilar von dem Präsidenten des Bethausvorstandes I/II, Hof rat Fuchs, und von dem Altvizepräsidenten der Kultusgemeinde, Dr. J. O r tt s t e / n, in innigen Ansprachen herzlichst beglückwünscht wurde. Besonderen Eindruck machte die Gratulationsrede der S7jährigen Frau Dir. Ullmann, die namens des Verbandes jüdischer Altersfürsorge sprach und mit erstaunlicher Frische Worte wählte, die aus vollstem Herzen kamen und zu aller Herzen gingen. Tief ergriffen dankte der Jubilar für die ihm zuteil gewordenen Ehrungea — Am 29. v. M. versammelten sich über Einladung des „Vereines, zur Unterstützung armer alter Männer" im Restaurant Barschak die Familie und die Freunde des Herrn Gustav Planer, um ihn. der durch sein emsiges Wirken diese Ovationen wahrlich verdient hat. nochmals zu feiern. Die Festtafel, der der Obmann des Vereines Herr Edmund Hotmann präsidierte, vereinigte eine illustre Gesellschaft, in der sich u. a. befanden: Oberrabbiner Dr. I. Taglicht, Altvizepräsident Dr. J. Ornstein, Vizepräsident Dr. J. Ticho, Kultusvorsteher Geza Klinger, zahlreiche Bethausvorsteher, die Vorstandsmitglieder des „Vereines zur Unterstützung armer alter Männer", des Krankenunterstützungsvereines „Montefiore". der Bezirksorganisation Leopoldstadt der „Union österreichischer Juden" u. v. a. An den Jubilar richteten herzliche Ansprachen namens des ^Vereines zur Unterstützung armer alter Männer" dessen Präsident Edmund Hoimann und dessen Schriftführer Amtsleiter Rudolf Kraus, der auch einige der zahlreich eingelangten Gratulationen zur Verlesung brachte. Unter diesen befand sich ein in überaus herzlichen Worten gehaltenes Glückwunschschreiben des Bürgermeisters der Stadt Wien, Herrn Minister a. D. Schmitz, der dem Jubilar in inniger Weise iür seine charitative Tätigkeit zum Wohle der Armen dankte. Ferner sprachen Oberrabbiner Dr. I. Taglicht und Vizepräsident Dr. J. Ticho, die die geistige und körperliche Rüstigkeit des Jubilars priesen, eine Rüstigkeit, die ihm fortwährend die ersprießliche Tätigkeit auf jüdischem und humanitärem Gebiete ermögliche. Herzliche Glückwünsche überbrachte auch Dir. G. K o 1 m i n namens der Bezirksorganisation Leopoldstadt der „Union" und der unionistischen Mitglieder der Bezirkskomrnission II der Kultusgemeinde. Mischeberachs rezitierten die Oberkantoren G. Margulies und Leo Funke, der erstere sprach in erhebender Weise das Tischgebet. Die Dankesworte des Jubilars klangen in ein warmes Bekenntnis desselben zu den Institutionen, denen er angehöre, aus, er versprach weiter zu wirken auf jüdischem und charitatrvem Gebiete und iür die „Union", der er in Treue anhänge. Budapest. Am 25. April beging Honved-General Mattin Zöld von Sioagard seinen 70. Geburtstag. Er ist der einzige jüdische General der kön. ung. Honved. General v. Zöld, der die Ludovika-Akademie und die Stabsoffiziersschule in Budapest absolviert hatte, ist bei Ausbruch des Weltkrieges mit einem Landsturm- Bataillon aus Gyula nach Dalmatien eingerückt. Als Verteidiger der sich unterhalb des L o v c s e n er-' streckenden Halbinsel Crotolle schlug er in viertägigem Gefecht den Ansturm der montenegrinischen Streitkräfte überlegen zurück. Später zeichnete er sich in Wollt y n i e n und in der Bukowina (Januar 1916) aus. Bei der Verteidigung des Obstgartens bei Rarance warf er, seine Mannschaft durch persönliche Tapferkeit anfeuernd, die in die Schützengräben eindringende russische Uebermacht heldenmütig zurück. Für seine Kriegstaten wurde er von Franz Josef I. mit der Erhebung in den ungarischen' Ade 1 sstand und mit dem eisernen Kronenorden ausgezeichnet. Im weiteren Kriegsverlaufe errang Zöld für seine großartigen strategischen Leistungen in"1 Ostgalizien, in der Ukraine und später an. der italienischen Front die höchsten Aus-.; Zeichnungen. Sein Regiment führte er in voller O r d n u n g vom italienischen Kriegsschauplatz in die Heimat zurück.

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