Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1935-05-03 · Heft 18 (3.5.1935) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 18 (3.5.1935)
Date
1935-05-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3062972-3064555-3064572--20190-3085408
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seile 6 Nr. 18 — 3. Mai 1935 DiE WAHRHFjT Der wirtschaftliche Boykott Deutschlands \mM Den Deutschen beliebt es, den Rückgang des Exportes 'md die Schrumpfung ihrer Wirtschaft ausschlic ch auf den Boykott Deutschlands durch die Judw. Europas und auf der übrigen Welt zurückzuführen. Mag auch die Anregung zum Boykott der deutschen Waren von jüdischen Kreisen ausgegangen sein, die sich eine Milderung des Druckes auf ihre deutschen Giaubensbrüder von einem Angriff auf ein Fundament der deutschen Wirtschaft, auf den Export, versprachen, so ist, wie sich aus einer ausführlichen Untersuchung des „Jewish Central Information Office" in Amsterdam ergibt, die katastrophale Abnahme des deutschen Exportes omr .zum geringsten Teile auf den Boykott durch die Juden zurückzuführen. Auch der viel wirksamere Boykott der katholischen und gewerkschaftlichen Kreise hat die schweren Schäden des deutschen Ausfuhrhandels nicht hervorgerufen. Die wichtigsten Gründe für die Abnahme der Ausfuhr Deutschland ist vielmehr die Umstellung der Wirtschaft auf das autark i s c h e S y s t e m, d i e Inaiispruchnahnie aller Fabriken und Werkstätten für die Rüstungen. Dazu kommt, daß für die Lieferungen im Inlande jede ausländische Konkurrenz ausgeschaltet ist und so bessere Preise erzielt werden können als im Auslandshandel, wo die ganze Welt mitkonkurriert. Diese Konkurrenzunfähigkeit für das Ausland wird noch gesteigert durch das formelle Festhalten Deutschlands am Goldwert seiner Währung, während seine Hauptkonkurrenten England und Amerika die Preise ihrer Waren im Auslande dadurch verbilligt haben, daß sie ihre Währungen um zirka 40 Prozent entwerteten. Die Schrumpfung des deutschen Außenhandels ist also nicht auf den Boykott durch die Juden, sondern auf die allgemeine verfehlte autark!sehe Wirtschafts- und Finanzpolitik zurückzuführen, die nur ein Ziel kennt, ohne Rücksicht auf das Wohl der Bevölkerung die Rüstung Deutschlands in kurzer Zeit so sehr zu vervollkommnen, daß die Pläne des Hitlerischen Buches „Mein Kampf" erreichbar scheinen. Wenn es auch der „Führer" für richtig findet, diese Pläne nach den Vorschriften der Parteiethik und des nleuheidnischen Glaubens vorläufig zu tarnen, so wird ihm das nicht gelingen. ..Die Welt hält die Augen offen und so bleibt auch der selbstverschuldete Rückgang des deutschen Außenhandels nicht verborgen, der über . kurz oder lang zum wirtschaftlichen und staatsfinanzieüen Zusammenbruche führen muß. Der Rückgang des deutschen Exportes in den ersten sieben Monaten des Jahres 1934 betrug im Vergleich mit der gleichen Periode des Jahres 1933 .nicht weniger als 357 Millionen Mark. Die Steigerung des Importes in der gleichen Periode war zirka 225 Millionen Mark, so daß das Defizit der deutschen Handelsbilanz in den ersten sieben Monaten des Jahres 1934 um mehr als 575 Millionen Mark gegenüber dem Jahre 1933 angestiegen ist. Bis Ende des Jahres 1934 dürfte nach diesen Ziffern das weitere Handelsdefizit Deutschlands gegenüber dem Jahre 1933 auf zirka eine Milliarde Mark angewachsen sein, wahrlich eine respektable Leistung, die wirklich nur das „Genie" des Führers und seines Klüngels in so kurzer Zeit zustandebringen konnte. aaBSMMP. -MiBa, Smifep, BepMüP. -ifoQz. »üfo os§s/SlS£ mm&E&€m X.. Fe?orfls??sireR(s es / Telc^ficn B 12 6CS Palästina — die Heimstätte? Wir haben in Nr. 11 unseres Blattes unter diesem Titel Auszüge aus einer Denkschrift eines Wiener Komitees jüdischer Deutschland-Emigranten veröffentlicht, in welcher Vorwürfe gegen das Wiener, bzw. das Berliner Palästina-Amt wegen der von ihnen getroffenen Auswahl von Palästina-Einwanderern aus dem Kreise der nach Wien verschlagenen deutschjüdischen Emigranten gemacht wurden. Das Berliner Palästina-Amt sendet uns nun eine umfangreiche Antwort und wir stehen nicht an, auch daraus die wesentlichen Stellen zu publizieren, wobei wir nochmals unsere in der ersten. Veröffentlichung abgegebene Erklärung wiederholen, daß wir die Verantwortung für die Richtigkeit der in der Denkschrift mitgeteilten Vorfälle dem Emigranten-Komitee selbst überlassen. Das Berliner Palästina-Amt schreibt u. a.: Von den 94 Bewerbern, die im November 1934 einen Fragebogen beim Palästina-Amt in Wien eingereicht haben, sind 27 bestätigt worden, für die 20 Zertifikate in der Herbst-Flüchtlings-Schedule von der Jewish Agency zur Verfügung gestellt wurden. Seit jener Zeit sind neue Zertifikate für Flüchtlinge von Jerusalem nicht mehr gegeben worden, so daß eine Möglichkeit zur Bestätigung weiterer Personen nicht gegeben war. Es ist nicht möglich, von einer Schedule auf die andere eine wesentliche Anzahl von Menschen vorzubestätigen, da man sich hier kein Urteil darüber bilden kann, wie viel Zertifikate überhaupt, welcher Altersgruppe und unter welchen sonstigen Bedingungen, die die Regierung anordnet, in der nächsten Periode kommen werden. Das Memorandum spricht davon, daß Leute bestätigt worden sind, für die „angeblich" Zertifikate nicht vorhanden sind. Offenbar glauben die Verfasser, daß das Berliner Palästina-Amt aus reinem Sadismus Zertifikate, die es besitzt und erteilen könnte, ungenutzt in seiner Schublade zurückbehält. Wir können hiermit öffentlich erklären, daß dies nicht der Fall ist Es wird weiter behauptet, daß Antragsteller seit November 1934 ohne positiven oder negativen Bescheid geblieben sind. Es ist dies in vier Fällen von den angeführten 94 Fällen der Fall, und zwar in solchen Fällen, wo es unmöglich gewesen ist, von irgendwelchen jüdischen Stellen an dem früheren Wohnort der Bewerber Auskünfte zu erhalten. Da das Memorandum gerade besonderen Wert darauf legt, daß die nach Palästina Uebersiedelnden starke Bindungen mit dem Judentum besitzen, weisen wir auch in diesem Zusammenhang darauf hin, daß die Verknüpfung dieser Leute mit dem Judentum so lose ist, daß man nicht riskieren kann, ihnen Zertifikate zu geben. So lange keine Auskünfte über einen Bewerber erhältlich sind, kann man ein Zertifikat nicht erteilen. Es ist völlig unrichtig, wenn erklärt wird, daß die Bewerber von Ablehnungen nicht verständigt worden sind. Sämtliche abgelehnten Bewerber sind sofort nach ihrer Ablehnung im Dezember oder Jänner benachrichtigt worden. Das Memorandum befaßt sich alsdann mit dem Gedankengang, daß Palästina verpflichtet sei, die Flüchtlinge aufzunehmen, und daß Palästina keinen Schaden dadurch erleiden könne, daß das verhältnismäßig kleine Häufchen Wiener Flüchtlinge ins Land einreise, auch wenn sie nicht beruflich für das Land geeignet sind. Für das Palästina-i-Amt in Berlin sowie für die Jewish Agency in Jerusalem kann selbstredend nicht maßgeblich die verhältnismäßig kleine Zahl von Flüchtlingen sein, die sich in Wien aufhalten. Für beide Aemter ist das Flüchtlings-Problem aller Flüchtlingsländer maßgebend. Es befinden sich Flüchtlinge in allen Ländern Europas. Ueberall ist mindestens drei Viertel der Flüchtlinge nicht beruflich in der Lage, sich produktiv in Palästina einzuordnen. Dieselben Ansprüche, die Wien stellen zu dürfen glaubt, kann man auch in sämtlichen anderen Ländern stellen. Wollte man die Ansprüche der Flüchtlinge in diesen Ländern, nur weil sie Flüchtlinge sind, als berechtigt anerkennen, würde allerdings in Palästina eine Katastrophe nicht nur für diese, sondern für den ganzen Aufbau entstehen. Auch schon durch die bestätigten Flüchtlinge ist ein scharfes Flüchtlings-Problem in Palästina entstanden. Eine große Anzahl dieser Einwanderer, die man unter Ansehung der Tatsache, daß sie Flüchtlinge waren, von weniger strengen beruflichen Voraussetzungen aus., als dies bei den Zertifikatsempfängern Deutschlands der Fall war, nach Palästina geschickt hat, ist zuWohlfahrtsempfängern in'Palästina geworden. Es beste htzurZeit im La n d e n i c h t die Möglichkeit, diese Menschen zu erhalten.,Wir stimmen absolut mit der Bemerkung des Memorandums überein, „in einer derartigen Situation ist es Pflicht des gesamten Judentums, den notleidenden Glaubensgenossen nach Möglichkeit zu helfen", aber eben nur nach Möglichkeit. So weit Palästina die Möglichkeit hierzu hat, hat es diese Verpflichtungen voll und ganz erfüllt Das Palästina-Alt ist kein Exportverein, der einfach Menschen exportiert, sondern wir übernehmen für die Menschen, die nach Palästina einwandern, eijje große Verantwortung, nämlich dafür, daß sie sich auch einordnen können. W i r lehnen die Bekanntgabe der Gründe der Ablehnungen der Zertifikatbewerber ab. Die Auskünfte, die wir über einzelne Bewerber bekommen haben, sind streng vertraulich, und muß das Komitee zu uns schon das Vertrauen haben, daß wir nach bestem Wissen und Gewissen entscheiden. Betreffs Herrn Rubinstein sind die Ausführungen des Memorandums dahingehend zu berichtigen, daß seine Frau bereits 192S durch einen streng orthodoxen Rabbiner ins Judentums aufgenommen wurde. Daß muß für das Palästina-Amt maßgebend sein. Das „Danziger Echo", das einzige Organ der jüdischen Bevölkerung Danzigs. blickt jetzt auf sein einjähriges Bestehen .zurück. Unter schweren Verhältnissen hat es in dieser Zeit verstanden, den Interessen der jüdischen Bevölkerung und dem Gedanken der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Danzig und Polen erhebliche Dienste zu leisten. Eine umfangreiche Wirtschaftsbeilage und ein gepflegtes Feuilleton haben dem Blatte auch außerhalb Danzigs Anerkennung eingebracht. GROSSFLEISCHHAUEREI tIEGM. KORN MEHL WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE! XVIII., WAHRINGERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen mr Koscherfleisch unter Aufsicht des ehrw. Rabbinates der Isr. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Für die Mitglieder der „Union österreichischer Juden" wurde eine Beratungsstelle für kauimännische, gewerbliche, Steuer- und Versieherungs-Angelegenheiten gegründet. Als Leiter dieser Beratungsstelle wurde vom Zentralvorstand der Vorsitzende der Wirtschaftskommission, Herr Konirn.-Rat Alexius Sa lz er, bestellt. Herr Komm.-Rat Salzer erteilt in allen! diesen Angelegenheiten eingehende Informationen jedem Mitglied der „Union" unentgeltlich, und zwar bis auf weiteres Wien I., Kohlmarkt 8, I. Stock, Tür 4, täglich (mit Ausnahme von Samstag) von 10—12 Uhr vormittags. Was sagt der „Gewerbebund" dazu? Rechtsanwalt Dr. Edwin Weissberger schreibt uns über Ersuchen und im Vollmachtsnamen des Herrn .Adolf Nefzger, Eigentümer und Herausgeber der „Neuen Wiener Friseur-Zeitung", folgendes: Im Aprilheft der von meinem Mandanten herausgegebenen Fachzeitschrift war ein Artikel unter dem Schlagwort „Der Offenbarungseid" erschienen, welcher mit gutem Grund den Unmut jüdischer Leser erregt hat, weil dieser in tendenziöser Art über den angeblichen Ausgleich eines jüdischen Geschäftsmannes berichtete. Herr Adolf Nefzger legt nun Wert darauf, Ihnen zur Kenntnis zu bringen, daß dieser Artikel ohne sein Wissen abgedruckt wurde und daß er auch niemals seine Einwilligung zum Abdruck jn seiner Zeitschrift gegeben hätte, wenn er ihm vorgelegt worden wäre. Wie sich durch sämtliche bisher erschienenen Nummern dieser Fachzeitschrift erweisen läßt liegt meinem Klienten eine Tendenz, wie sie in jenem erwähnten Artikel zum Ausdruck kommt, vollkommen fern Vielmenr hat ein Mitarbeiter dieser Zeitschrift, der lediglich über gewerberechtliche Fragen zu referieren hat, Herr Dr. Hans Judex, derzeit übrigens Sekretär oeirn Gewerbebund, eine längere Abwesenheit des Herrn Nefzger dazu benützt, um diesen Tendenzartikel zum Abdruck zu bringen. Herr Nefzger, welcher erst von dritter Seite auf tiesen Mißbrauch aufmerksam gemacht wurde, hat den Verfasser in ganz dezidierter Weise darauf aufmerksam gemacht, welche Konsequenzen er daraus ziehet» mußte, wenn in Hinkunft ein Referat ähnlichen Inhaltes eingereicht würde, und hat mich ersucht. Ihrer geschätzten Redaktion in geeigneter Weise hievon Mitteilung zu machen." In diesem Schreiben, das wir im genauen Wortlaut wiedergeben, ist besonders die Feststellung interessant, daß der Verfasser des antisemitischen Artikels Sekretär des Oesterreichischen Gewerbebundes ist Diesem Herrn sollte doch wohl seine vorgesetzte Behörde klar machen, daß es nicht gut angeht, ein Einkommen zu beziehen, welches zum großen Teil aus den Taschen jüdischer Handels- und Gewerbetreibender kommt, und gleichzeitig seine jüdischen Brotgeber durch antisemitische Ausfälle anzupöbeln. Wenn der Awfe'emitismus die ehrliche Ueberzeugung dieses Herrn Judex ist, so möge er auch ehrlich und charaktervoll genug sein, um es abzulehnen, eine Gage zu beziehen, welche zum großen Teil aus jüdischen Taschen fließt. Darf das sein? In mehreren Museumsgebäuden der Stadt Frankfurt findet zurzeit eine große Bibelausstellung statt, die sich in der Hauptsache auf die Luther-Bibel, deren 400. Geburtstag in diesem Jahre gefeiert wird, erstreckt. Neben zahlreichen bedeutenden Bibelausgaben sind auch die drei ältesten hebräischen Bibeln, das Alte Testament aus den Jahren 1488, 1492 und 1494 ausgestellt, die außer der Frankfurter Stadtbibliothek nur noch das Britische Museum besitzt ••;.tbm«W'«?ES"

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.