Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1935-05-03 · Heft 18 (3.5.1935) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 18 (3.5.1935)
Date
1935-05-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3062972-3064555-3064572--20189-3085407
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

TMi WAHRHEIT Nr. 18 — 3. Mai 1935 Seite 5 Herzu. frauenneitoadj Tafzmannsdorfj (Onritenland) 5 Mineral-, Moor- und natürliche Kohlensäuresprudelbider.!! Billiger Pensionspreis inklusive Heilbäder. — Auskünfte und ■ •Prospekte: Kurdirektion oder Kurkommission, Bad! :Tatzmannsdorf, Surgenland. Zwei rituelle Restaurants.! : : ■Generalvertretung Wien I., Kohlmarkt 8 Tel. ü 25-104! Die neue Palästina-Einwanderungs- Schedule. Am 17. April wurde die Ausgabe der neuen Arbeiter^Einwanderungs-Schedule für das Sommer-Halbjahr 1935 amtlich bekanntgegeben. Von den 8000 Zertifikaten der neuen Schedule wird die Jewish Agency jedoch nur 7600 erhalten, während 400 Zertifikate von der Regierung zurückbehalten werden, um sie Bewerbern zuzuteilen, die sich unmittelbar an sie um die Erlaubnis zu dauernder Niederlassung in Palästina wenden. Im vorigen Jahre wurden bekanntlich von der Regierung Einwanderungs Zertifikate auch an ägyptische Araber ausgefolgt, die in Haifa als Hafenarbeiter Verwendung fanden. Ob diesmal die von der Regiemng direkt zu verteilenden Zertifikate ausschließlich für jüdische Bewerber bestimmt sind, steht noch nicht fest. Die letzte, im November 1934 gewährte Schedule für Oktober 1934 bis März 1935 lautete auf 7500 Zertifikate. Damals erklärte die Jewish Agency, sie habe 18.600 Arbeiter-Zertifikate angefordert und dies mit der Situation auf dem jüdischen Arbeitsmarkt in Palästina begründet. Die Regierung habe darauf erwidert, daß sie ihrerseits die Aufnahmefähigkeit des Landes mit 9700 männlichen und weiblichen Arbeitern bemessen habe, wovon aber 2200 Zertifikate auf Rechnung zukünftiger illegaler Einwanderung und nachträglicher Legalisierung des Aufenthaltes von als Touristen! Eingewanderten abzuziehen seien, so daß eine Netto-Arbefffrer-Schedule von 7500 Zertifikaten auszugeben sei. Z. T. A. Ein überflüssiger Prozeß. Nach mehrtägiger. Verhandlungen ist nun auch der zweite, im Revisionsverfahren durchgeführte, Prozeß, den der jüdische BanKbeamte J a b e s ein italienischer Staatsangehöriger, gegen den „Deutschen Verein" in Kairo, vor dem dortigen In t e r n a t i onalen Gericht angestrengt hatte, zu Ende gegangen. Wie im ersten Prozeß wurde auch diesmal auf Antrag des Staatsanwalts die Beleidigungsklage des Jabes gegen den „Deutschen Verein", der in Broschüren rassepolitischen Inhalts das Vorgehen der Hitler- Regierung gegen die Juden zu rechtfertigen versuchte, wegen mangelnder Aktiv-Legitimation zurückgewiesen. Das Gericht stellt sich auf den Standpunkt, daß eine einzelne Person nicht legitimiert sei, eine derartige Klage zu führen, wo es sich um Angriffe auf eine ganze Gemeinschaft handelt. Der Kläger Jabes glaubte, im Interesse des Judentums die mit Schadensersatzansprüchen verbundene Beiedigungsklage anstrengen zu müssen. Die führenden jüdischen Kreise in Aegypten hatten sich aber in dem Prozeß, dessen Ausgang von Anfang an juristisch zweifelhaft war, nicht engagiert, und auch jüdische Kreise des Auslandes zeigten für den Prozeß kein Interesse. Im Gegensatz zu dem Prozeß um die »Protokolle" in Bern, der von legitimierten Vertretungen des schweizerischen Judentums angestrengt wird, handelt es sich bei dem Kairoer Prozeß um ein isoliertes Vorgehen. Dennoch wurde vom Berliner Reichspropaganda-Ministerium und den von Alired Rosenberg beeinflußten deutschen Auslandpropaganda- Zentralen behauptet, daß hinter der Kairoer Anklage das „gesamte Judentum'" stehe. Der Ausgang des Prozesses wird denn auch von der gesamten inlanddeutschen Presse und der von der deutschen Propaganda beeinflußten antisemitischen Auslandpresse als eine „Niederlage des Judentums" und als ein moralischer Erfolg Hitler-Deutschlands hingestellt. In den den Kommentaren dieser Zeitungen wird verschwiegen, daß das Kairoer Internationale Gericht lediglich aus formalen Motiven die Klage des Jabes abgewiesen hat. Das Kairoer Gericht und insbesondere der Generalstaatsanwalt Holmes werden mit Lob überschüttet und ihre formal juristischen Darlegungen werden in Plädoyers gegen das Judentum umgedeutet. Von deutscher Seite wurde der Prozeß mit einem großen Aufwand an Mitteln geführt. Von Berlin aus wurde Professor Grimm als Sachverständiger entsandt Als Vertreter des „Deutschen Vereins" trat der Kairoer Rechtsanwalt Kamel Sedky auf. Der Kläger Jabes wurde von Rechtsanwalt Castro vertreten. Z. T. A. Urteil im Kattowitzer Talmudprozeß bestätigt. Das Appel lationsgericht in Kattow i t z hat das Urteil des Erstgerichtes, welches den Redakteur des nicht mehr erscheinenden antisemitischen Blättchens „Bliskowica", Eduard Chowanski, wegen Beleidigung der jüdischen Religion zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt hat, bestätigt. Klägerin war die Jüdische Gemeinde von Kattow i t z. Chowanski hatte auf Grund deutscher Quellen eine Reihe gefälschter Talmud- Zitate veröffentlicht. Zum Prozeß hatten sich Vertreter reichsdeutscher Zeitungen, so auch des „Völkischen Beobachters'" und des „Stürmers", eingefunden. Z. T. A. Jüdischer Alterspräsident in beiden Häusern des ungarischen Parlaments. Das neugewählte ungarische Abgeordnetenhaus trat am 29. v. M. zu seiner ersten, formellen Sitzung zusammen und wählte zum Alterspräsidenten den jüdischen Abgeordneten Paul Sander. Ministerpräsident Qömbös hat Sandor direkt aufgefordert, die Alterspräsidentschaft zu übernehmen. Ein Teil der rechtsradikalen Presse machte gegen die Alterspräsidentschaft Sandors, weil er Jude ist, vergebens Stimmung. Auch das Magnatenhaus ist durch einen 'Juden, den Szegeder Oberrabbiner Immanuel Low als Alterspräsident eröffnet worden. Ein famoser Wahlpakt. Der ZentralausschuL) der Jüdischen Partei in der Tschechoslowakei hat mit 33 gegen 10 Stimmen bei 3 Stimmenthaltungen beschlossen, einen Wahlpakt mit der tschechischen sozialdemokratischen Partei auf der Grundlage einzugehen, daß der Jüdischen Partei zwei Mandate für das Parlament 2)«K&e OA toOkQ&K — ßeftjfcH jctojfc vqk ictyeHf Restaurant Hotel Stefanie vormals Operer II., TaliorsiraOe 12. Tel. R 46 5 51 Ausgiebige Brafen-Menüs S 1.60 «mm "., Geflügel- ., S 2 2« ~K?J Vorzügliche Zubereitung — Scnwechater Biere -- Naturweine garantiert werden. Zu denjenigen, die sich der Stimme enthielten, gehörte auch der bisherige Abgeordnete der Jüdischen Partei Dr. Julius R e i s z, Bratislava. Der Beschluß des Zentralausschusses der Jüdischen Partei, den Wahlpakt mit den tschechischen Sozialdemokraten zu sanktionieren, kam auch nicht ohne heftige Opposition des Präsidenten der Partei selbst, Dr. Emil Ma rgu 1 ies, Leitmeritz, und einer Reihe Mitglieder des Zentralausschusses zustande. Nach Annahme des Paktes haben denn auch Präsident Dr. Margulies und einige Vorstandsmitglieder erklärt, daß sie ihre Stellen in der Partei niederlegen. Sie wollten dieses politische Gaukelspiel nicht weiter mitmachen. Allgemein hat diese Kombination, die beschönigend ein wahltechnisches Abkommen genannt wird, höchste Empöning ausgelöst und wird als Provokation der jüdischen Bevölkerung empfunden. Im übrigen wird die Jüdische Partei auf der Wahlliste auch gar nicht genannt werden, wahrscheinlich weil sich die Sozialdemokraten schämen, offiziell und in aller Oefientlichkeit als Judenschutztruppe angeprangert zu werden. Die zwei jüdischen Kandidaten werden also nur unter die anderen tschechischen Kandidaten eingeschmuggelt. Alfred Rosenberg: Papst Pius „jüdischer Abstammung". Der „Reschspost" wird aus München u. a. geschrieben: Alfred Rosenberg, den die vernichtende wissenschaftliche Durchleuchtung seines „Mythos"-Buches durch die Gegenschrift „Studien" katholischer Gelehrter arg bloßgestellt und als schlimmsten Dilettanten entlarvt hat, will nun, wie die „Nationalsozialistischen Monatshefte" ankündigen, mit einer Schrift „An die Dunkelmänner unserer Zeit!" antworten, in der er u. a. „nachweisen" will, daß Papst Pius XI. durch seine Mutter jüdischer Abstammung sei und daß der Kardinal-Staatssekretär Pacelli einen Juden unter seinen Verwandten gehabt hat. Dies sei laut Rosenberg auch der Grund, warum im neuen Codex Juris Can. nichts mehr über die Juden stehe. ». bei ■«»buiiHihijk«it IMVAtlDinTf.ltMTIH *. W> «In Mf*to<« AJWf «iTiii-imriK 1. Im AbfektottaB« I * ALLGEMEINE VERSICHERUNG* A.-G. PENSIONS-VEREIN WIEN, I., JCHELLINGG ASSE 1 Helfet 250 jüdischen Jungärzten. Das Präsidium der „Vereinigung jüdischer Aerzte in Oesterreich" veröiientlicht folgenden Aufruf: „250 junge Kollegen haben ihr Diplom errungen — und liegen aui der Straße. Denn von den bezahlten Stellen und Stipendien an den Spitälern des Staates und der Gemeinde Wien sind sie als Juden ausgeschlossen und als unbesoldete Hospitanten können sie nicht arbeiten, weil sie zum allergrößten Teil völlig mitteltos sind, weil ihnen das Notwendigste für Wohnung, Ernährung, Kleidung fehlt. Auch sie dürsten nach Ausbildung in ihrem Interesse und im Interesse derer, denen sie einst Hilfe bringen sollen. Um diesem schrecklichen Zustande abzuheilen, haben wir beschlossen, einen „Ausbildungsfonds tiir Jungarzte" zu schaiien und aus diesem Fonds monatliche Stipendien zu verleihen, um die drückendsten Sorgen zu beheben. Wieviele solcher Stipendien wir schaffen werden, hängt von den Mitteln ab, die Ihr, Kollegen und Kolleginnen, uns zur Verfügung stellen werdet. Im Gedenken an eure eigene Jugend und an euren eigenen, wahrscheinlich auch nicht leichten Kampf um das Studium und die Ausbildung werdet Ihr Verständnis aufbringen für diejenigen, weiche noch härter betroffen sind, weil sie für ihre Zugehörigkeit zum Judentum leiden müssen. Helfet uns, Hilfe zu bringen! Wir und die iüdischen Jungärzte hoffen auf euch!" Zieht sich Weizmahn von der Politik zurück? Dem Tschechoslowakischen Presse-Büro wird aus Jerusalem berichttet, daß sich der frühere Präsident der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency Dr. Chaim Weizmann mit der Absicht tragen solle, sich aus der Politik zurückzuziehen. Diese sensationeile Mitteilung ist aui folgende Tatsachen zurückzuführen: E manne! N e w m a n. das frühere Mitglied der Executive der Jewish Agency, und Nahum M e n n aus Polen registrierten bei der Jerusalemer Behörde eine neue Gesellschaft für chemische Industrie in Palästina mit einem Kapital van 100.000 Pfund. Die Gründung der Gesellschaft kam auf Grund von Beratungen mit Lord Melc h e 11 als dem Repräsentanten des Imperial Chemical Trust zustande. Dr. Chaim W e i zrn a n n erklärte sich auf Einladung der Gründer der neuen Gesellschaft und Lord Melchetts bereit, den Vorsitz zu übernehmen. Internationales Studentenkomitee gegen Numerus clausus. Das Komitee der internationalen Studentenürganlsationen hat dieser Tage in Genf eine Tagung abgehalten und eine Resolution angenommen, in welcher der Numerus clausus gegen gewisse Kategorien von Lernbegierigen aus Gründen ihrer Rasse oder ihrer Weltanschauung scharf abgelehnt wird. Z. T. A. Nc-ueiniührung im Restaurant Hotel Steianie, II., Taborstraße 12. Abends auch kleine Fleischspeisen (Rimlsbraten S 1.20. Kalbsbraten S 1.30) in bekannt vorzüglicher Zubereitung. Außerdem immer frische Frische, wann und gesülzt. Speisen am Rost. (Siehe auch Inserat aui Seite 5.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.