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Die Wahrheit · 1935-04-17 · Heft 16-17 (17.4.1935) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 16-17 (17.4.1935)
Date
1935-04-17
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Seite 10 Nr. 16/17 — 17. April 1935 DIE WAHRHEIT nm Ken I., Seitenatettengaeae 2 XI.i Zantralfrledhof neben dem L Tor Samrtag g—düotsoal__ *ert Maimonides war sich über die Getahr der Vergütung die von einem unzulänglich arbeitenden Darm tur Körper und Geist ausgeht, vollkommen klar In vermiedenen seiner Werke weist err ausführlich darauf hin Er hatte auch eine besondere Veranlassung, weil sein hoher Patient, der Sultan al-Malik al-Afdal. für den er eine eigene Qesundheitsanleitung schrieb, gerade m dieser Hinsicht seiner Betreuung bedurfte „Es ist volle Sorgfalt nötisr. die Natur zart « machen", sagt Maimonides in der Kronerschen Uebersetzung des von Maimonides arabisch geschriebenen Fi Tadbir As-Sihhat Dazu wird ein Ziironengencht benützt das zubereitet wird mit einem feiten Huhn, mit reichlich Kardamum, Zucker. Zitronenwasser oder gekochtem Mangold. Beim Essen sollen stets Krauter genommen werden, die mit Gerstentunke "ndi.woW"?c™;n: dem Olivenöl angemacht sind, ein eindeutiger Hinweis auf Notwendigkeit von Rohkost Dann kommt das Hauptgericht der Mahlzeit nach freier Wahl und daran anschließend Obst: Quitte oder Birne. Apfel oder Granatapfel. Nötigenfalls wird noch eine Unterstützung durch Rhabarber oder Latwerg gegeben. Von Maimonides ist uns eine Schritt über Hämorrhoiden erhalten. Auch in ihr wird die Anregung des Darmes als wichtig bezeichnet, — was mit den heutigen Ansichten über die Behandlung des Leidens übereinstimmt. Eine Anzahl von Speisen werden grundsätzlich als ungeeignet bezeichnet: dazu gehören Bohnen, Linsen, Kohl, verschiedene Fleischsorten, auch Pökelfleisch, alter Käse, ungesäuertes Brot. Hirn, Essig usw. Ein Teil dieser Speisen ist sehr scharf, ein Teil erzeugt Blähungen im Darm, die jedenfalls zu vermeiden sind. Folgende Speisen werden als geeignet bezeichnet: das Beste ist das Fleisch und die Brühe der fetten Henne, auch das des einjährigen Schafes, gekocht in Eidotter. Auch Nierenfett wird empfohlen und andere fette Speisen in Mandeln. Zucker, etwas Essig, Kresse, Sesamöl. Oel und andere Fette sind eben für die Darmtätigkeit gut. Besonders gelobt wird gedörrte Feige, auch Nuß und Anis. Die Zusammensetzung eines besondenren Latwerges wird ausführlich beschrieben. Zur Kräftigung eines geschwächten Körpers werden folgende Speisen empfohlen: leichte Speisen, wie die Brühe der Junghühner. Fleischbrühe. Dotter, von halbgekochten Eiern. Sirup für den. der ihn genießen kann, aber auch schwerer verträgliche Speisen, wie das Fleisch der Junghühner und das Brot Die Seelenkraft soll durch Wohlgerüche gestärkt werden, aber auch durch Musik, heitere Gespräche und eine freundliche Gesellschaft. Auch heute betrachten wir Musik und heitere Tafelgespräche als förderlich zur Anregung des Appetits. Auch zur Erziekng von Schlaf wird von einer zweckmäßigen Diät Gebrauch gemacht. Der Sultan Al- Afdal litt sehr unter Schlaflosigkeit Maimonides schrieb für ihn eine ausführliche Darlegung, wie er sein Leben führen solle. Er empfiehlt ihm bei Sonnenaufgang von dem bereits erwähnten Hydrömeltrank zu trinken.-dann auszureiten, nach der Rückkehr etwas Früchte 4u genießen: Pistazienkerne oder Zibeben oder trockene Datteln, dann sich von einem immer leiser werdenden Sänger in den Schlaf singen zu lassen. Bei starker Hitze soll Gerstenschleim genossen werden, entweder beim Einschlafen oder eine Stunde vor Ausübung der täglichen Gymnastik. Die Bedeutung der Leibesübungen als Gegenstück und Unterstützung einer richtigen Ernährung war Maimonides klar. — und wie ein ganz modern gesinnter Arzt weist er überall auf ihre Bedeutung für Körper und Seele hin. Er rät, weder bei starker Hitze noch starker Kälte die Uebungen auszuführen. Die bevorzugte Uebungszeit ist ihm der Beginn -des Tages nach dem Erwachen. Maimonides ist sich über den seelischen Einfluß der sportlichen Uebungen klar, und so verwendet er sie auch bei seinem zu Melancholie neigenden Sultan. Dr. W. S. Sachlicher Unsinn. Auf einer Gautagung des Nationalsozialistischen Lehrerbundes sprach in Nürnberg der Leiter des Rassenpolitischen Amtes der NSDAP Dr. Walter Gro ß. Nach dem Bericht des ..Fränkischen Kurier" bemerkte er u. a.: „Weil die ganze Welt buchstäblich auf jede Aeußerung, die in Deutschland hinsichtlich der Rassenpolitik falle, lauere und sie zur Hetze gegen Deutschland verwende, habe man bei der öffentlichen Auseinandersetzung mit rassenpolitischen Problemen grundsätzlich drei Dinge zu beachten: erstens dürfe nicht sachlicher Unsinn geredet werden, zweitens reiche es nicht aus, daß die Dinge, die vorgetragen würden, sachlich richtig seien, sie müßten auch politisch und weltanschaulich richtig sein und drittens sei es notwendig, daß man bei jedem Wort sich frage, was es für eine Auswirkung in der gesamtpolitischen Lage Deutschlands der Welt gegenüber habe." — Der Herr Leiter des Rassenpolitschen Amtes der deutschen Nazis sollte sich selbst öfters die Weisung erteilen, daß er bei seinen öffentlichen Vorträgen über rassenpolitische Probleme keinen „sachlichen Unsinn" redet. Die Befolgung dieser Weisung wird ihm zwar schwer fallen, denn das Rassenproblem ist, wie Größere als der Herr Groß bereits festgestellt haben, an sich ein sachlicher Unsinn. Bezeichnend ist die ängstliche Warnung vor der „Auswirkung der Welt gegenüber". Boykott der Berliner Olympischen Spiele. Der Makkabi-Weltverband untersagt allen in den Makkabiverbänden organisierten Sportlern die Teilnahme an den Olympischen Winterspielen 1936 in Garmisch-Partenkirchen und an den Olympischen Spielen 1936 in Berlin. — Der Makkabi-Weltverband hat lange zu diesem nur selbstverständlichen Beschlüsse gebraucht. Tristan Bernard erzählt aus der Jugend. Janine Auscher veröffentlicht in der Pariser Zeitschrift „L' U n i v e r s I s r a e 1 i t e" eine Unterhaltung, die .sie mit dem großen französischen Schriftsteller Tristan Bernard geführt hat Bei dieser Gelegenheit sprach Tristan Bernard auch über Erlebnisse in seiner Jugend. Er erzählte, wie er die ersten Jahre seines Lebens in Besancon verbracht habe. „Meine Bar-Mitzwa fand in der Schul von Besancon statt. Ich habe mich sorgsam vorbereitet. Was das Auswendiglernen anbetraf, ging alles gut Weniger gut schnitt ich beim Singen ab. Dabei hatte dch eine Leidenschaft fortwährend zu singen. Aber ich sang so falsch, daß ich gezwungen war, dieser Passion einen Kilometer weit von allen bewohnten Orten nachzugehen . . . Aber ich darf sagen, daß ich es war, der in den Augen meiner Familie am Tage der Bar-Mitzwa am besten sang ... Ich betrachte die Erinnerung an diesen Tag als einen großen Erfolg meines Lebens . . . Meine Familie hielt an der Tradition fest Mein väterlicher Großvater stammte aus Foussemagne. Mein Großvater mütterlicherseits Simon Ancel aus Charmes dn den Vogesen. Simon Ancel war sehr fromm, und ich begleitete ihn häufig in die Synagoge." Als Janine Auscher schließlich fragt: „Wissen Sie, Meister, daß es eine Zeit gab, wo ich mich fragte, ob Sie nicht getauft seien," antwortet ihr Tristan Bernard: „Was wagen Sie da zu sagen, Sie junger Frechdachs?" Und lächelnd fuhr er fort: „Wenn ich Diktator wäre, würde ich versuchen, ein Pogrom gegen solche schändlichen Juden zu organi: säeren!" Bergner — Reinhardt — Veidt. Unter dieser Ueberschrift nimmt die „NSZ, Rheinfront", Kaiserslautern-Saarbrücken, Stellung zu den Erfolgen jüdisch-deutscher Bühnenkünstler außerhalb Deutschlands: „Mit einer geradezu unheimlichen Zähigkeit und — man kann es nicht anders ausdrücken — Frechheit, setzen sich diese Herrschaften durch, und es scheint, ajs machten* sie. jetzt dife Kultur in Amerika, England, Ungarn usw., so wie sie früher in Deutschland .Kultur' machten. Spaltenlansr wird über Max Reinhardt, Elisabeth Bergner, Oskar Homolka, Oskar K a r 1 w e i s, Vicki Baum usw. berichtet . . . und daneben stehen an erster Stelle jene Nichtjuden, wie Conrad Veidt und andere, die es durch ihr Verhalten verwirkt haben, sich Deutsche nennen zu dürfen." Das Lindbergh-Baby — geschachtet Die Führer der deutsch-amerikanischen Nationalsozialisten haben eine große Werbe- und Sammelaktion zur Entlastung des wegen Entführung und Ermordung des Lindbergh-Babys zum Tode verurteilten Deutschen Richard Hauptmann eingeleitet und gleichzeitig in mehreren Versammlungen und in Flugblättern die Behauptung aufgestellt, daß das Kind von Juden für rituelle Pessachzwecke ..geschachtet" worden ist Auf Veranlassung von Führern der amerikanischen Juden wurde gegen die schuldigen Naziführer ein Verfahren wegen Verleumdung des Judentums und der jüdischen Religion eingeleitet. ZTA. nggicntsdies Kunltislicht Seit vielen Jahren das anerkannt beste ö^-notw Man achte auf die gas. gesch. Marke „Hyglen. Königsllcht" und Name Schul« Fabrik und Büro: Wien XIV., Braunhlrschengassae 3 Telephon R 33-1-87 PHÖNIX IM Li Ii »« Qemeinde&ronik. Gustav Planer 80 Jahre. Am 25. d. M. begeht Herr Bethausvorsteher Gustav Planer das Fest des 80. Geburtstages. Man will es nicht glauben: Gustav Planer 80 Jahre': Der körperlich und geistig so rüstige Mann soll diese hohe Jahreszahl erreicht haben? Keinem seiner überaus zahlreichen Freunde und Bekannten, die ihn wegen seiner hervorragenden Qualitäten herzlich lieben, ist es wohl je bewußt geworden, daß Gustav Planer im Patriarchenalter steht. Was er in den vergangenen Jahrzehnten aus ganzem Herzen heraus für die Wiener jüdische Gemeinschaft geleistet hat, das ist zu bekannt, um hier ausführlich geschildert zu werden; eine solchi Schilderung würde auch dem allezeit bescheidenei Wesen des braven Miannes widersprechen. E' wirkt seit vielen Jahren im Bethausvorstand V der Kultusgemeinde und nimmt sich insbesonde mit warmer Liebe des Großen Leopoldstädtt Tempels an, in dessen Gemeinde er eine führende Rolle spielt. Er war Obmann und ist heute Obmannstellvertreter der Bezirkskommission II der Kultusgemeinde, in der er, geschätzt von den Mitgliedern aller Parteien, emsig tätig ist, namentlich als Fürsorgerat auf dem Gebiete der Wohltätigkeit. Nächstenliebe ist überhaupt ein Grundzug der ausgezeichneten Persönlichkeit des Jubilars; vor allem leistet er als Präsident des „Vereines zur Versorgung armer alter Männer" geradezu Hervorragendes. Mit Stolz zählt ihn die „Union österreichischer Juden" zu einem ihrer pflichteifrigsten Mitglieder, er ist für diese Organisation, der er seit Jahrzehnten angehört, stets unentwegt eingetreten. Verehrer und Freunde des Jubilars vereinigen sich mit den von ihm so liebevoll befürsorgten jüdischen Armen in dem Wunsche, daß Gustav Planer seiner geschätzten Familie und der großen Schar seiner Freunde noch viele Jahre in ungeschwächter geistiger und körperlicher Rüstigkeit erhalten bleiben möge. 60. Geburtstag. Heute feiert der in weitesten Kreisen bekannte und geschätzte Herr Kommerziialrat Alexius Salz,er seinen 60. Geburtstag. Der Name des Jubilars hat überall einen sehr guten Ruf. Man kennt Komm.-Rat Alexius Salzer, der selbst seit 45 Jahren im kaufmännischen Berufe steht, als aufrechten Verfechter der Interessen seines Standes. In vielen wirtschaftlichen Organisationen genießt" er deshalb größte Hochachtung und Beliebtheit. Im Detaillisten-Verband, den er mitbegründen half, war er viele Jahre Vizepräsident, er ist Gremialrat des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft und gerichtlich beeideter Sachverständiger. Seine vielfache Inanspruchnahme in wirtschaftlichen Dingen läßt aber, was besonders anerkennenswert ist, sein warmes Interesse für das österreichische Judentum nicht in den Hintergrund treten. Seit 25 Jahren gehört Komm.-Rat Alexius Salzer der Leitung der „Union österreichischer Juden" als pflichteifriges Mitglied an. bei der letzten Delegiertenversammlung dieser Organisation wurde er in Anerkennung seiner vielfachen Verdienste um die „Union" einstimmig in den Zentralvorstand derselben gewählt. Auch liier widmet er sich vor allem wirtschaftlichen jüdischen Fragen, bei deren Behandlung der kluge Rat des Jubilars der „Union" besonders wichtig und willkommen ist. Ein ausgezeichneter Redner,

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