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Die Wahrheit · 1935-04-17 · Heft 16-17 (17.4.1935) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 16-17 (17.4.1935)
Date
1935-04-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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DIE WAHRHEIT Nr. 16/17 — 17. April 1935 Seite 7 Restaurant nofei Stefanie vormals Operer II., TaDorslraöe k, Tel. R 46 5 5T «vmik Reichhaltige Pessach-Speiialitä- ^M«** \WJ ten ä la Carte und Menu zu bil- \W*i lijen Preisen. Karmel- und Palästina-Weine in Flaschen und offen. entstand ein Kampf, der Jahrhunderte lang andauerte, an dem selbst noch Rabbeim Nissim Gerundi in Barcelona (gest. 1380) und noch manch späterer teilnahm, der aber schließlich an dem Granitbau der Gedankenwelt des Maimonides sich brach. — Moses Maimonides, der den Satz des zweiten sinaitischen Gebotes: „Du sollst dir kein Bild, keine Gestalt machen von dem, was im Himmel droben und was auf Erden unten und im Wasser unterhalb der Erde ist" sinngemäß erweitert hatte: „auch nicht in deinen Gedanken und Worten" und der diese Vergeistigung auch auf allen Gebieten durchgeführt hatte, war aus dem Judentume nicht mehr wegzudenken und zu verdrängen und so schuf dieses jenen Spruch: „Von Moses, dem Sohne Amrams bis zu Moses, dem Sohn Maimons, war nichts seinesgleiche n." Maimonides wäre aber nicht die große Persönlichkeit gewesen, wenn er sich nur an die Theorie gehalten und nicht zugleich seine philosophischen und talmudischen Kenntnisse in den Dienst des Judentums gestellt hätte. Die Almohaden, von denen früher eingehend gesprochen wurde, waren nämlich nicht bloß begeisterte Anhänger der Gotteseinheit, sondern auch fanatische Bekenner ihrer mohammedanischen Anschauungen und überall, wo sie erobernd erschienen, verlangten sie von Juden und Christen Annahme des Islams Die nächste Nummer nnseres Dianes erscheint infolge der Feiertage Freitag, den $. Mai 1935 oder Auswanderung. Zu letzterer entschloß sich (1148) Maimon. Von Cordova zog die ganze Familie längst des Südens Spaniens, bis isie sich entschloß, nach Fez (Marokko) zu übersiedeln. Dort sah der junge Maimonides die Unterdrückung seiner Brüder, von welchen nicht wenige zum Scheine den Islam angenommen hatten. Als nun ein jüdischer Gelehrter, dessen Name nicht überliefert wurde, gegen diese Kryptomohammedaner eine Flugschrift veröffentlichte, in der er ihnen die Berechtigung, auch seelisch dem Judentume anzugehören, absprach und sie als Götzendiener bezeichnete, verfaßte Maimonides ein „Iggeret Haschmad" (Schreiben über den Abfall), auch „Maamar Kiddusch Haschern" (Abhandlung über die Heiligung des göttlichen Namens) genannt. Er wies in demselben den übereifrigen Gelehrten zurück, sprach den „Gezwungenen" Aufmunterung undjTrost zu und riet ihnen, wenn möglich, das ungastliche Land zu verlassen. Er selber tat dies. Die ganze Familie bestieg ein Schiff nach Palästina (1165) und landete nach einer (stürmischen. Seefahrt in Acco, von wo sie Jerusalem und Hebron aufsuchte. Der Vater blieb im Heiligen Lande, woselbst er später starb. Der große Sohn und dessen Bruder David lenkten die Schritte nach Aegypten. In Fostat bei Kairo widmete sich David dem Juwelenhandel, wogegen der Gelehrte der Wissenschaft lebte. Da traf Maimuni ein harter Schicksalsschlag. Der Bruder ertrank auf der Reise nach Indien, und mit ihm war auch die Erhaltung der Familie durch den Handel verloren gegangen. Schwere Sorge lastete auf Maimuni; da erfaßte er den Beruf eines Arztes. Die in arabischer Sprache vorhanden gewesenen Arbeiten der griechischen Aerzte bildeten nunmehr auch das Gebiet seiner Forschung und Verwendung, wie auch Jahres- oder Sommerwohnung, 2 Zimmer, Kabinett und Küche, große Terrasse, in schönster Lage, sofort zu vermieten. KRAUS, II., Große Pfarrgasse 23/10 seine Hingebung und Hilfsbereitschaft ihm überall den Weg ebneten, bis er von Stufe zu Stufe steigend, Leibarzt des Sultans Saladin und seines Hofes wurde. Von dieser Stelle aus übernahm er das Ehrenamt eines Rabbiners in Kairo und erlangte die Bezeichnung eines „Nagid" für die Juden des Morgenlandes. Als solcher richtete er „Iggeret Teman" das Schreiben nach Jemen. Dort war ein falscher Messias erstanden, der die Verzweiflung der Juden über die Verfolgungen durch die fanatisierten Araber dazu benützte, um sie für sich zu gewinnen'. Maimonides wandte sich gegen die Verführungskünste desselben und benützte diese Gelegenheit, um unter philosophischen und talmudischen Ausführungen seine Brüder zu ermahnen, in ihren Leiden das Gottesvertrauen nicht einzubüßen. Ueberdies gelang es Maimonides später durch Einflußnahme ihr Los zu erleichtern. Maimonides wuchs nach und nach zu einem wirklichen „Führer" des Judentums auch über die arabische Kulturzone hinaus und aus allen Orten der Welt, wo Juden wohnten, wandte man sich an ihm mit Fragen religionsphilosophischer oder rein ritueller Art, die er unermüdlich, wenn auch bloß mit einem einzigen Worte zu be- Berzn. rranenheUhadi Tafzmannsdorfj (Burgenland) | Mineral-, Moor- und natürliche Kohlensäuresprudelbäder.; j Billiger Pensionspreis inklusive Heilbäder. — Auskünfte und;!Prospekte: Kardirektion oder Kurkommission, Bad! jTatzmannsdorf, Burgenland. Zwei rituelle Restaurants.!! Generalvertretung Wien I., Kohlmarkt 8 Tel. U 25-104! Vor lästigen Verfärbungen schätzt O DO L-Zahnpasta Ihr« Zahne. 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Ehrenvoll für das Wiener Maimonides-Institut, wie für die gesamte Judenheit Wiens war es, daß Herr Dr. Kaminka sich an, den historischen Feierlichkeiten, die vom 25. bis 30. März in Cordova stattfanden, beteiligte; in einer am 11. d. M. abgehaltenen Versammlung des Maimonides-Institutes berichtete Dr. Kaminka über seine dort gewonnenen Eindrücke. Dr. Kaminka führte u. a. aus: Als bekannt wurde, daß in Cordova die Feier veranstaltet werden soll, sagten manche, daß diese Stadt, wenngleich Geburtsstadt des Rambam, doch eigentlich nicht legitimiert erscheine, sein Andenken besonders zu feiern, da er den Ort schon im Alter von 13 Jahren verlassen mußte. Aber man weiß, daß die Grundlagen des Wissens und der Weltauffassung bei bedeutenden Gelehrten in ganz jungem Alter gegeben zu sein pflegen, hier kommt aber in Betracht, daß die Vorfahren des Maimonides durch mehrere Generationen in Cordova wohnten, darunter große Gelehrte; der Vater des Rambam, Rabbi Maimon, war ein hervorragender Talmudist, Mathematiker und Astronom. Es konnte sich auch nur dort, wo unter den Kalifen auch bei den Mohammedanern Religion mit wissenschaftlicher Forschung verbunden war, diese Synthese in der geistigen Wirksamkeit unserer großen Philosophen herausbilden. Noch jetzt ist die Stadt, in der eine Akademie für Wissenschaft und Kunst besteht, eine der ältesten Kulturstätten Europas. Außer auf Maimonides blickt sie stolz auf Averroes und Seneca, die dort geboren wurden. Die großen weltgeschichtlichen Wandlungen gelangen dort besonders zum Bewußtsein, wenn man die gewaltige Kathedrale besucht, die von den Kalifen als Moschee, und zwar wieder an Stelle einer früheren westgotischen Kirche erbaut worden war. Im Jahre 1236 wurde Cordova von den Christen erobert, der König von Kastilien gewährte den Juden voHe Religionsfreiheit, aber die gute Zeit währte nur bis zum Jahre 1391. In diesem Unglücksjahre fanden infolge mehrjähriger Verhetzung durch den fanatischen Priester Fernando Martinez blutige Exzesse statt. Die Synagoge, errichtet im Jahre 1315, wurde 1492 geschlossen, sie wurde vorübergehend auch als Kirche benjitzt: jetzt steht sie — ein leeres Mauerwerk — unter Denkmalschutz. Tief ergriffen waren alle jüdischen Teilnehmer, als am 25. März 1935, 12 Uhr mittags, im Rathaus- Festsaale der Bürgermeister die Vertreter der jüdischen Körperschaften mit Herzlichkeit begrüßte. Im Namen der Nachkommen der aus Spanien vertriebenen Juden sprach der Oberrabbiner von Sarajevo. Dr. Moriz Levy, der u. a. sagte: „Wir sind jetzt in das freie Spanien gekommen, welches das Unrecht wieder gutmachen will, welches das Spanien Torquemadas unseren Vorfahren gegenüber begangen hat." Der Zivilgouverneur sagte, er sei geradezu erschüttert gewesen, da er die spanische Sprache aus dem Munde eines Nachkommen der seinerzeit ausgewanderten jüdischen Mitbürger höre. Dr. Kaminka sprach über einige große Ideen Maimonides, welche nicht bloß für di£ Judenheit, sondern für die ganze Menschheit von Bedeutung sind, insbesondere über seine Interpretation des Prophetenwortes: „Wahrheit und Frieden lieben!", das bedeutet, an der eigenen geistigen und sittlichen Vervollkommnung, wie an der der Menschheit zu arbeiten; in unserer Zeit, da Lüge und Gehässigkeit unter den Völkern noch so sehr den Horizont verdüstern, sind die Augen aller Freunde von Wahrheit und Frieden im Geiste des Rambam nach Cordova gerichtet. Es sprachen noch: Rabbiner Dr. Artur W e i 11 aus Basel (französisch) namens der Schweizer jüdischen Gemeinden und Prot. Dr. L. Roth (hebräisch) von der hebräischen Universität in Jerusalem. In einer Abend- Versammlung sprach Prof. J a e n aus Cordova. ein Historiker und republikanischer Politiker, über die geistige Geschichte der Stadt Cordova und hob hervor, die Tradition von Cordova sei die Tradition ihrer großen Söhne, auf die sie stolz ist: Maimonides, Averroes und Seneca. Am folgenden Tage (26. März) wurde im Hofe der Synagoge eine Gedenktafel zu Ehren Maimonides enthüllt, wobei der Zivilgouverneur von Andalusien eine große Ansprache hielt und den beachtenswerten Satz aussprach: „Es wird keinen Frieden unter den Völkern geben, sola.-ge es keinen Frieden mit Israel gib t." Am 29. März gab das Festkomitee zu Ehren der Gäste unter Teilnahme der Spitzen der Behörden und der Mitglieder der Akademie ein Bankett. Dabei hielten Ansprachen: der Grand-Rabbin von Paris Julien W e i 11, der Oberrabbiner von Jugoslawien Dr. A 1kalay (auch in Vertretung des dortigen Senates, als Mitglied desselben), der Vorsteher der neu errichteten jüdischen Gemeinde von Madrid. Don Ignacio Bauer. Den Höhepunkt erreichte die Feier durch die gottesdienstliche Veranstaltung in der als Ruine dastehenden ehemaligen Synagoge, welche für diesen Zweck vom Rathaus eingerichtet wurde. Die jüdischen Gemeinden Gibraltar und Barcelona sandten zwei Thorarollen, Gebetutensilien und Kiduschwein. Der Vorhof war von der Stadtverwaltung mit Palmen geschmückt worden, auch war eine Ehrenwache beigestellt. Es fanden sich 33 Männer und 8 Frauen ein, alle tief ergriifen durch die Erinnerung, daß seit mehr als vierhundert Jahren dort kein jüdisches Gebet verrichtet wurde, wo zahlreiche hebräische Sätze an den Wänden von früherem religiösen Leben Zeugnis ablegen, und daß zur Zeit der Inquisition wegen des geiingsten Verdachtes einer Uebung jüdischer Bräuche die ülaubenstreuen lebend auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden, während jetzt Juden von den obersten Behörden des Landes und der Stadt in ehrenvollster Weise zur öffentlichen Ausübung des jüdischen Kultus eingeladen wurden. Dieser Empfindung gaben auch die Reden am Freitag Abend Ausdruck. Es sprachen der Grand-Rabbin Weill (französisch), Dr. Kaminka (hebräisch). Bei dem Sabbatvormittag-Gottesdienste wurden sämtliche Teilnehmer zur Thora gerufen, es wurden Gebete für den Präsidenten der Republik, für die Behörden des Landes, der Regierung und der Stadt gesprochen. Anläßlich der Abschiedsieier wurden ebenfalls Ansprachen gehalten. Es kam hiebei zum Ausdruck, daß alle Gebildeten Spaniens die gleiche Verehrung für den großen Philosophen Moses Maimonides hegen wie die jüdischen Körperschaften der ganzen Welt, deren Vertreter an der Feier teilnahmen. Die Zeitungen Spaniens brachten in diesen Tagen ausführliche Berichte sowie zahlreiche Illustrationen. Im ganzen Lande sprachen die Bewohner mit Begeisterung von Maimonides, von jüdischer Kultur und Wissenschaft

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