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Die Wahrheit · 1935-04-17 · Heft 16-17 (17.4.1935) · page 5

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DIE WAHRHEIT Nr. 16/17 — 17. April 1935 Seite 5 MOSES MAIMONIDES. Du schlanker Knabe mit dem tiefen Blick, Wie liebtest Du der Heimat Duft und Blühen. Das Jugendglück zerrann und das Geschick Verbannte Dich, ließ Dich von dannen ziehen; Es hielt für Dich ein schweres Los bereit: Wohl eine Flut von bittern Tagen An Schmerz und Weh und großem Leid, Was Menschen nur an Erdenbürde tragen. Der Glaubenskampf voll Wut und Haß entbrannt, Er raubte Dir der Heimat stilles Streben; Er jagte grausam Dich von Land zu Land Ließ führen Dich ein ruhlos Wanderleben. Zum Manne machte Dich die harte Zeit, Bis endlich ward ein Ziel dem Ringen. Dein Geist von schwerem Joch befreit, Er regte mächtig seine Schwingen. Mit schöpferischer Wacht und Kraft Schriebst Werke Du für Ewigkeiten Aus Sphären höchster Wissenschaft, Aus Fernen, grenzenlosen Weiten. Dein scharfes Denken klar enthüllt, Was niemand anzutasten wagte, Von hohem Forschergeist erfüllt Jahrhunderte noch überragte; Im Herzen tiefe Frömmigkeit Ein Vorbild edlen Menschentumes. Ein Arzt, ein Helfer, Deine Zeit Bewußt war Deines hehren Ruhmes. Rastlose Arbeit Dich verzehrt, Ein sich Verströmen, Vorwärtsschreiten — Bis sanft der Tod dem Schaffen wehrt, Die Schriften Deiner Hand entgleiten. In heiliger Erde ruhest Du Und viele Hoffnungen mit Dir versanken. Seit Moses war kein Mann wie Du An Würde, Größe der Gedanken. — Achthundert Jahre eilten hin im Strom der Zeit, Seitdem zum ersten Mal Dich Mutterlippen küßten. In Ehrfurcht, tiefer Dankbarkeit Zur Jubelfeier Tausende nun rüsten. Das Licht, das Dein Jahrhundert einst erhellt, Das Licht des Geistes Völker selbst verbindet: Es leuchtet heute einer ganzen Welt, Die Deinem Genius Lorbeerkränze windet. Beate Baiimgarten. Moses Maimonides als Philosoph und Theolog*) Das Gesamtjudentum und mit ihm das katholische Spanien und, wie es verteiltet, auch das mohammedanische Aegypten, feiern in verschiedenen, weit über das gewöhnliche Maß hinausgehenden Veranstaltungen die 800. Wiederkehr des Tages, an welchem Moses Maimonides das Licht der Welt erblickte und seinerzeit zum Licht der Welt wurde. Am 30. März 1135, nach dem jüdischen Kalender am 14. Nissan 4895, und zwar Sabbat Erew- Pessach, um 1 Uhr nachmittags, ist Moses, der Sohn des Rabbinats-Assessors Maimon, daher der Name Maimuni, später „Rambain" (Rabbi Mose ben Maimon) genannt, in Kordova, Spanien, geboren worden; am 13. Dezember 1204, das ist am 20. Tebeth 4965, ist er in Fostat bei Kairo in Aegypten gestorben, -'s- Zwischen diesen; beiden Daten liegt ein Leben -Zusammengeballt, das gigantisch zu nennero ist, aber nicht etwa deshalb, weil es eine Fülle von krassen Wechselfälen des Schicksals aufweist, wie Flucht, Verfolgungen, Anklagen, bitterste Armut, und sodann aufsteigend die Stelle eines Leibarztes am Hofe des mächtigen Sultans Saladin und die Würde eines „Nagid", eines ungekrönten Fürsten im Judentume, sondern gigantisch einzig und allein darum, weil dieses gottbegnadete Leben geistige Lichtstrahlen aussenden konnte, die acht Jahrhunderte durchdrangen, ohne bis zur Stunde zu erlöschen. ..ij: Bereits vor Maimonides und gleichzeitig mit ihm besaß das Judentum ein© lange Reihe talmudischer, philosophischer und auch staatsmännischer Autoritäten. Vor ihm lebten: Saadia Gaon, Talmudist und Philosoph von weitreichendem Rufe, Chasdai ibn Schaprut und Samuel Hanagid, beide Gelehrte und Männer von politischem Einflüsse, der Kodifikator des Talmud Isak Alfasi, Salomon ibn Gabirol, Philosoph und Paitan; neben Maimonides blühten der berühmteste Dichter des Judentums Jehuda Halevy, zugleich Verfasser des Kusari, wie auch Abraham ibn Esra, Mathematiker und Bibelforscher. Und dennoch reichte die Wirkung keiner dieser Koryphäen an jene heran, die von Maimuni ausgegangen war. Schon seine Zeitgenossen empfanden die Distanz, die zwischen ihm und den anderen war, und Charisi konnte in seinem Tachkemoni von Maimonides singen: „Wenn ale Gelehrten der Welt die Höhe der Weisheit erklommen, Moses hat den Aufstieg zu Gott selber genommen." _ _ ebenso *) Vortrag, gehalten bei der Maimonides-Feier des „Vereines für jüdische Geschichte und Literatur" am 25. März 1935. Von Rabbiner Dr. M. Rosenraann. „Ein Engel Gottes bist du, wenn auch, gleich uns, als Mensch zu sehen; Deinetwegen sprach einst Gott zu den Engeln: Lassen wir den Menschen nach unserem Ebenbild erstehen." Die modernen Historiker, welche Maimonides Wesen und Wirken neu zu erforschen anstrebten, versuchten besondere Bezeichnungen für ihn zu prägen. Abraham Geiger nennt ihn einen „systematischen Kopf", Graetz den „geistigen König des Judentums", Dubnow den „geistigen Organisator", David Kaufmann den „Polyhistor", Hermann Cohen den „lebendigsten und innerlichsten Vertreter EPHRUSSI * Gegründet 1856 ' Banktfcsdittlie allerAvtf Abteilung für Wertpapiere Wien IX., Waaagasse Nr. 2 des Judentums". Allein abgesehen von dem schwer erfaßbaren Phänomen der Persönlichkeit bleibt noch die Frage nach dem Epochalen seines Schaffens offen. Worin bestand dieses und wie kam es, daß gerade um seine Werke noch zu Lebzeiten und noch mehr nach seinem Tode schwere Kämpfe im Judentume entstanden? Weiters warum hatte die katholische Kirche des Mittelalters, die sonst gegen alles Spätjüdische sich ablehnend verhielt, die Lehren des Rabbi Moyses Judäeus, wie Maimonides genannt wurde, durch die großen Scholastiker Albertus Magnus, Thomas von Aquino, Duns Scolus und andere in den Kreis der Betrachtung gezogen? Ferner worin dürfte es begründet sein, daß von allen früheren jüdischen Philosophen Maimonides als der einzige anzuführen wäre, der auf die jüdischen Denker der Neuzeit Moses Mendelssohn, Salomon Maimon und seihst Nachman Krochmal starken Einfluß ausgeübt hatte? An der Hand eines Bibelwortes, das auch für Moses ben Maimon Geltung haben kann: „Ein Mann aus Aegypten hat uns gerettet aus der Hand des Hirten, auch schöpfte er für uns und tränkte die Herde" (Exodus II, 19) werde dieser Geisterheros zunächst als Philosoph und sodann als Theolog in großen Zügen vorgeführt. Maimonides hatte frühzeitig, fast noch ein Kind, die Werke des großen griechischen Philosophen Aristoteles kennen gelernt, u. zw. nicht in den Originalen, die damals für verschollen galten, sondern in den arabischen Uebersetzungen. Bearbeitungen und nicht selten auch umgestaltenden Auffassungen des Arfarabi, Ibn Sina sowie des Bagdaders Al-Ghazali und insbesondere des Berbers Ibn Tumart. Dieser, Philosoph, Sektengründer und Eroberer zugleich, über den Professor Goldziher erst vor wenigen Jahrzehnten in einer fundamentalen Abhandlung bis dahin unbekannte Quellen erschlossen hatte, schuf aits einer Vereinigung der aristotelisch-arabischen Weltanschauung und den Lehren des Korans die Bewegung der Almoha den, hebräisch am besten durch das Wort: Hammjachadim, Verkünder der Einheit Gottes, zu übersetzen. Ibn Tumart sowie sein Nachfolger Abdul-Mumen harten ganz Marokko erobert und sodann nach Südspanien hinübergesetzt. Beide hatten die Gewohnheit, gleichwie sechs Jahrhunderte später der Lordprotektor von England Oliver Cromwell mit seinen „eisernen Männern" die Psalmen zu beten pflegte, mit den Kriegern an den Brunnen, auf den Straßen, in den Lagern religiöse Gespräche zu führen und im „Tauchid", im „Bekenntnis der Gotteseinheit" vor aller Welt die Unkörperlichkeit Gottes zu verkünden, aber auch die Forderung aufzustellen, der Gottheit keine Attribute, d. h. menschlichen Eigenschaften, wie z. B. Hören, Sehen» Sprechen beizulegen und das unerschütterliche Dogma von der reinen Geistigkeit des ewigen Wesens zu verkünden. Diese Almohadenlehre, anfänglich mit Feuer und Schwert verbreitet, verflachte, versumpfte, entartete nach und nach in einen Mahadismus, aHein auf den jungen Maimuni hatte sie eine gewärtige dauernde Macht ausgeübt. Aus seinen eigenen Angaben ist zu ersehen, daß er in Sevilla, und aus den Forschungen des Professors Salomon Münk, ergibt sich, daß der Jüngling in Fez (Marokko) zu den Füßen der — damals almohadisch Hotel Bellevue ü£3 Pörtschach am Worthersee Vornehmes Hans unter streng ritueller Leitung. Herrliche Lage, direkt am See. Schöne sonnige Zimmer mit Fließwasser. Vorzügliche internatioo. Köche. Volle Pension: Vor- und Nadisaiaon S 9.— Hauptsaison........S 12.— Seebad und Garage frei. Geöffnet vom Mai bis Oktober VERLANGEN SIE PROSPEKTE»

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