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Die Wahrheit · 1935-04-17 · Heft 16-17 (17.4.1935) · page 2

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 16-17 (17.4.1935)
Date
1935-04-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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f Was essen Äe zu $essadi? Naiürlidi nur die berühmten $dkmidl~JKaz%oth § Jlatfkam &wodctx&*ß ■ gentrate: Wien. 2. (Bezirk, £eopo£ds6asse US ■ Telephone: A 461-90, A 48-4-48, A 60-2-63, ■ £fn Veraucft nefrrf lie OAemeutfen F ■ Erzeugt aus feinstem Mehl unter streng orthodoxer Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Ober- * rabbiner Babad S £k *dkmidl-JKgiM*oUk und das Fabrikat „JITctrfte ftfimidt JT. dS." (Mazzoth, Orieß und Farwel) sind außerdem erhältlich in allen besseren Geschäften. SnMMMIMMUHMMUiHI Ilaren DUdierbedarf decken Sie am besten und billigsten in der Dnchliandlantf - Antiquariat HERMANN TBCHNER, In Wien 11., Ecke Taborstraße 52 Große Auswahl von Büchern aller Art, auch antiquarisch zu billigsten Preisen. Verlangen Sie Preislisten umsonst! Für Auskünfte R 41-4-20 Moderne Bücher können Sie bei uns für nur 10 Gr. pro Tag lesen! Keine weiteren Uebühren. Einzelne Bücher und ganze Bibliotheken werden angekauft und gut bezahlt! „Unsere Väter hatten es eilig beim Auszuge aus Mizrajim". Aber nicht nur einmal sind sie so ausgezogen aus einem Lande, zu dessen Aufbau sie mit ihrem Schweiß und Blut Bausteine zusammengetragen und das sie als Vaterland betrachtet hatten, bis es sich eines Tages als ein stiefmütterliches Mizrajim entpuppte. Da galt es Hals über Kopf retten, was zu retten war. Doch nicht (allein Gold und Silber, auch die Totenlade Josefs nahmen jene Flüchtlinge aus Mizrajim mit. Ebenso die unstet und heimatlos Gewordenen späterer Zeiten ihre Heiligtümer, viele die Grabsteine ihrer Toten. Aber alle nahmen sie mit wie die Wiegen, so die heiligen Bücher für sich und die, die in den Wiegen lagen. Da schuf der Rambam, selbst ein Flüchtling aus seinem Geburtsland, um seinen haßgepeitschten Brüdern die Wanderschaft zu erleichtern, ein Vademecum: seine „Jad hachasaka". Ein Volksbuch, das ein Buch unseres ganzen Volkes werden und ihm erhalten sollte, was ihm ein Lebenselixier geworden und geblieben ist: den Talmud. Maiinuni, ein Polyhistor, der das gesamte Wissen seiner Zeit beherrschte, der auch die Bücher anderer Religionen genau kannte, schuf zur Erhaltung der eigenen, des Judentums, eine neue Quelle, zugänglich für jeden, der ihrer Sprache mächtig ist. „Wer es eilig hat," wer im harten Kampf um das nackte Lehen nicht über die Zeit verfügt, um die in mächtigen Folianten schier unübersehbar verstreuten Goldkörner jüdischen Geistesgutes auszugraben und so zu sammeln, daß er sie jederzeit gebrauchsbereit zur Hand hat, dem bietet der Rambam diese Schätze dar wunderbar übersichtlich, wie auf der Fläche der Hand geordnet, in seiner ..Starken Hand". Feuilleton Funde aus der Zeit des Propheten Jeremias. Unweit des palästinensischen Dorfes El kubebe in der Shefelah, nahe dem alten Eleuteropolis, wurde in den letzten Tagen vom Leiter der „Welcome Archaeological Research Erpedition" J. L. S t a r k e y ein Fund Kemahct, dessen historischer Wert heute noch gar nicht abzusehen ist. Starkey, ein von merkwürdigen Glücksfällen begünstigter Archäologe von sehr bedeutenden Fähigkeiten — derselbe, der unter anderem die erste Handschrift des Johannes-Evangeliums entdeckte — arbeitet nun die dritte Saison auf dem heute Teil el duwer genannten Hügel, der nichts anderes als die stärkste jüdische Festung der Königszeit, das immer wieder in der Bibel genannte L a c h i s h birgt. Direktor Starkey hatte die Freundlichkeit, mich als einzigen Publizisten einzuladen, die Ergebnisse seiner Grabungen zu besichtigen und über das Gesehene zu berichten, soweit ein Bericht angesichts der noch lange nicht abgeschlossenen Forschungen tunlich erscheint. Was aus der Masse des zu Tage Gebrachten in einem kurzen Zeitungsbericht dargestellt werden kann, ist nicht allzu viel, aber es dürfte auch dem Laien ein Bild der gewaltigen und überaus wichtigen Ergebnisse vermitteln, die auch selbst dann wichtig wären, wenn nicht in den letzten Tagen die erste bekannte handschriftliche Korrespondenz aus der jüdischen Königszeit festgestellt worden wäre. Der Platz, den Starkey entdeckt hat. ist, wie gesagt, das langgesuchte Lachish, dessen Eroberung durch Nebuchadnezar auf dem berühmten, durch Sir Austin H. Layard in den 1850er-Jahren in Ninive aufgefundenen Lachish-Relief (jetzt im British Museum) herausgearbeitet ist. Starkey aber fand viel mehr als die Zeugen der Belagerung durch die Babylonier; er grub die ersten Befestigungen durch die Hyksosbevölkerung aus, deckte die Spuren der Aegypter in Lachish auf, grub die drei jüdischen Befestigungsmauern aus und Wie oft, wenn Zweck und Stunde drängen und wir es „eilig haben", Rede zu stehen diem Anruf: „Was sagifc der Talmud über dies und jenes?" — wie oft denken wir dann an diese „Starke Hand" und beklagen es, daß seit ihr nichts Aehnliches, keine solchie erschöpfende, systematische, zuverlässige Darstellung der talmudische Gedankenschätze für aktuelle Fragen geschaffen worden ist! Wie bitter rächt sich diese Unterlassung, so oft der Talmud zu verteidigen ist! Dieses Versäumnis wert zu machen, zu einer solchen jüdischen Großtat sollte den Anstoß geben unser Rambampessach! Cal€ Pension Echsfein Semmering Doch wollen wir , uns bescheiden. Daß wir die Mazzah noch heute als Brot des Elends, des „Galuth", essen, dessen ist Zeuge schon die Zerklüftung in unserer Mitte. Ist nicht echtes Galuth der Mangel an einheitlicher weitblickender Leitung und darum an sqlchen lebenswichtigen Leistungen, solchen Großtate,n des Judentums? So lassen wir denn wenigstens unsere Kinder als „Mazzah der Erlösung" kosten,;das köstliche und nahrhafte Brot des „Mischne Tora"! Einzig ist nicht nur seine Sprache, sondern ebenso sein Inhalt, von echter Künstlerhand gestaltet; wie eine reife Frucht vom Baume jüdischer Erkenntnis. Wie das amerikanische Kind am Verfassungstage der Union die Magna Charta seines Vaterlandes mit Stolz aufsagt, so sollte jedes jüdische Kind imstande sein, legte den Grund zu weiteren, manches Jahr beanspruchenden Grabungen. Von besonderer historischer Wichtigkeit ist natürlich die jüdische Periode dieser größten bekannten Ruine aus salomonischer Zeit. Die scheinbar uneinnehmbare Festung fiel 588 den Babyloniern in die Hände, nachdem die Belagerer viele Tausende von Oelbäumen herangeschleppt und die Stadt durch ein Feuermeer umzingelt hatten. Starkey legte eine sehr deutlich erkennbare schwarzgebrannte Steinschicht frei, die wie ein Kranz die ganze Stadt umzieht und an eine dichte Schicht Holzasche grenzt. In dieser Asche wurde eine Unmenge von Olivenkernen gefunden, so daß auch die Jahreszeit festgestellt werden konnte, in der der Brand gelegt worden ist. Außerhalb der Mauer wurden vorisraelitische und jüdische Gräber aller Systeme und Größen entdeckt, die eine Unmenge von Kleinfunden aller Art enthielten. Eine der interessantesten Entdeckungen aber ist ein ägyptischer Tempel, der zur Zeit Ramses II. (also zur Zeit Moses) zerstört worden sein muß. Die persische Periode von Lachish, durch die flüchtigere Befestigung erkennbar, hinterließ eine großartige Burg des Festungskommandanten, die auf den Resten der zerstörten jüdischen Burg auf der Spitze des Berges erbaut worden war. Der Palast, auffallend schon durch seine für die damalige Zeiten bemerkenswerten Größenverhältnisse — die Mittelhalle mißt fünfzehn mal zwanzig Schritte im Geviert — ist derart gut erhalten ausgegraben worden, daß die Verwendung jedes Raumes, ob es Empfangszimmer, Harem, Badezimmer oder Schlafzimmer ist, nachgewiesen werden konnte. Alle diese Dinge aber treten an Wichtigkeit hinter jenen historisch einzigartigen Fund zurück, der unter dem gToßen Torturm der ersten Mauer gemacht wurde, wo sich in einem Raum von etwa dreieinhalb Meter im Quadrat das Archiv des Kommandanten befunden kaben mag. Hier fand Starkey und sein Stab zwölf beschriebene T o n t a f e 1 n, die deshalb von unschätzbarem Wert sind, weil alle bis heute gefundenen hebräischen Ostraka, wie die aus Samaria, unpersönliche Dokumente darstellen, während es sich hier, ein einziges Stück ausgenommen, das ein Namensverzeichnis ist, um persönliche Briefe oder Briefkopien für Archivzwecke handelt. Prof. Harry Torczyner von der am Geburtstage des Rambam im hebräischen Urtext den Schluß des „Mischne" vorzutragen: „Israel erhofft die messianische Zeit, nicht um eine weltliche Macht zu erlangen und über die anderen Völker zu herrschen, auch nicht um leiblicher Genüsse willen, sondern nur um ungehindert und sorgenfrei der Erforschung der Tora and der Wahrheit obliegen zu können und des ewigen Lebens teilhaft zu werden. In jener Zeit werden Krieg und Zwist aufhören, die gesamte Menschheit wird der höchsten Vollkommenheit zustreben, und „die Erde wird voll sein der Gotteserkenntnis, wie die Wasser bedecken den Meeresgrund". * * „Maror - al schum mali?" Woran erinnert das bittere Kraut auf der Sederschüssel? „Daran, dal! die Aegypter unseren Vätern das Leben verbitterten." Daß es nicht erst ägyptischer Feinde dazu bedarf, um einem Juden das Leben zu verbittern, dafür bleibt Maimuni ein klassisches Beispiel. Aber auch dafür, wie der im Judentum fest Wurzelnde sich durch Gegner und Mißstände im eigenen Lager nicht in seiner Liebe zum Judentum beirren läßt, auch nicht im W i r k e n für Juden. Maimonides, als Muster eines ganzen echten Juden, — dieses Lebensbild festzuhalten und der Jugend vorzuhalten, das sollte die Aufgabe aller derer sein, die seines Geistes einen Hauch fühlen und ihm nachzueifern sich bestreben. Der Inbegriff edelster Bescheidenheit, bei aller Willensstärke nachsichtiK für die Schwächen landerer, aber unnachsichtig gegen sich selbst. Ein Mann, der in Tora, Avoda und Gemiluth chassadim völlig aufging, bei aller wissenschaftlichen und beruflichen Inanspruchnahme jedem Hilfesuchenden von nah und fern zugänglich, der Typus des Weisen und Frommen; der sein Leben einzig auf den altjüdischen Grundsatz gestellt harte: „Dein ganzes Tun sei Gott geweiht!" Selbst seine Gegner — und deren hatte er viele, wie selten einer — beugten sich vor der Größe und Reinheit seines Charakters. Und einer von ihnen rang sich das Geständnis ab: „Nach ihm stand keiner auf gleich ihm." Audi unserem ersten Mose wurde dies nachgesagt — Hebräischen Universität in Jerusalem, der die Urkunr den jetzt bearbeitet, teilt mir darüber Folgendes mit; Die Schrift, zum Teil recht gut erhalten, zum Teil aber schwer lesbar, ähnelt stark der Schrift auf den Ostraka von Samaria, ist aber etwas kursiver und beweist — es ist die Schrift mehrerer Schreiber zu untenscheiden —, daß man damals bereits viel und geläufig schrieb. Die Worte sind im allgemeinen durch Punkte oder Strichlein als Worttrenner abgeteilt. Die Sprache ist reines biblisches Hebräisch in einer, etwa der Shiloahschrift entsprechenden, an Vokalbuchstaben armen Orthographie. Die auf den Tafeln vorkommenden Namen wie Gemaryahu, Neriyahu, Shema'yahu, Ya'asanyahu, Matanyahu, Yirmiyahu und andere weisen allein schon deutlich auf die Zeit des Propheten Jeremias und auf die letzten Jahre des Reiches Juda hin, was mit dem archäologischen Befund übereinstimmt und, wie es scheint, auch durch die Nennung einzelner, in der Bibel vorkommender Personen bestätigt wird. Was den Sinn der Briefe betrifft, scheint es sich um vertrauliche Berichte eines jüdischen Beamten einer Art babylonisch orientierten Intelligence Service gehandelt zu haben, die im allgemeinen nicht an den König, der in der dritten Person erwähnt wird, sondern an einen hohen Offizier gerichtet sind. Starkey und Torczyner vermuten, daß die Tonurkunden Archivabschriften von Papyrusbriefen darstellen. Es ist sehr wahrscheinlich, daß die noch nicht erschlossenen Bauten aus der Königszeit noch weitere derartige Ostraka bergen. Sicher aber ist, daß die Schriftstücke von politischem Charakter sind und auch Tatsachen historischer Bedeutung melden. Ueberdies aber ist der Fund auch religionshistorisch wichtig, nicht nur durch die wiederholten Segensformeln, sondern vor allem auch dadurch, daß zum Beispiel in einer Tafel die Botschaft eines Propheten erwähnt wird. Wir besitzen also hier ein sehr wichtiges Zeugnis von Schreibweise, Sprache und Stil der jüdischen Königs- und Prophetenzeit in Urkunden von mehr oder weniger literarischer Art. Es wird von nun an unmöglich sein, über biblische Texte ohne genaue Berücksichtigung dieser Originaldokumente aus den letzten Jahren des Königtums zu urteilen. M. Y. Ben-Gavriel.

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