Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1935
- Issue
- Heft 15 (12.4.1935)
- Date
- 1935-04-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Nr. 15 —12. April 1935 DIE WAHRHEIT % '.rrtS ,*i ~r: 15 f < I*." 4' lt j 'i - TOS b& - Speise-Schokoladen, Haselnuß; u. Bitter- Schokoladen Mokka-Bohnen, Kakao-Pulver n anerkannt bester Qualität, erzeugt unter Aufsicht Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner H. Schenk in der Fabrik CHOKOLATERIE GOURMET CTGCN IWM.NEB, Wien II., 6t. Mehreiifg.19 Parolen und Programme, denen das Wörtdien nanti" voransteht, sind immer nur von bedingtem Werte, weil sie letzten Endes sidi im rein Negativen und Defensiven ersdiöpfen. Bundeskanzler Dr. Sc hu sc hui gg. Vom Schweizer Judentum. Tagung des Israelitischen Gemeindebundes. Anläßlich einer Tagung des Schweizer Israelitischen Gemeindebundes in Luzern. an der zahlreiche Delegierte der jüdischen Gemeinden aus allen Teilen der Schweiz teilgenommen haben, wurde ein Tätigkeitsbericht erstattet, dem zu entnehmen ist,'daß außer den üblichen administrativen Ausgaben weitere Mittel für das Flüchtlingswerk, für konstruktive Hilfe und für Abwehr- und Aufklärungsarbeit erforderlich wurden. Es wird darauf hingewiesen, wie vom Auslande her daran gearbeitet wird, gewisse Methoden in allen Ländern durchzusetzen und welch große Rolle der Antisemitismus in der nationalsozialistischen Propaganda spielt. Man sucht ihn überall zu verbreiten, um das an den deutschen Juden begangene Unrecht nachträglich zu rechtfertigen und Anhänger und Nachahmer zu finden, damit man nicht allein dasteht. Die Fortsetzung der Prozeßverhandlungen über die gefälschten sogenannten „Protokolle der Weisen von Z i o n" ist auf den 29. April angesetzt Die Angeklagten und insbesondere ihre Freunde im Dritten Reich haben den Weg der Beeinflussung der öffentlichen Meinung durch die Presse beschritten, da sie anscheinend das Urteil nicht in Ruhe abwarten können. Es muß abgelehnt werden, diese Taktik zu befolgen. Das Vertrauen zu Gesetz und Gerichten ist derart, daß es nicht nötig ist, solche Taktiken anzuwenden, die in wenig schweizerischer Art auch von einigen der geistigen „Gleichschaltung^' zum Opfer gefallenen Blättern der Schweiz aufgenommen wurden. Die Wahrheit kann warten. Man wird sich jüdischerseits in den wenigen Wochen bis zur Prozeßverhandlung durch nichts provozieren lassen. Der Bericht stellt unter anderem nooh fest, daß die Meinungen innerhalb des Schweizer Isr. Gemeindebundes darüber, ob er sich an den Bestrebungen iür einen jüdischen Weltkongreß beteiligen soll oder nicht, ziemlich stark auseinandergehen. * Stimmungsmache für den „ProtokoH"-Prozeß. Der von Alfred Rosenberg in Erfurt herausgegebene „W e 11 - D i e n s t" verbreitet in der Nazi-Presse folgenden Appell: „Das Berner Gericht hat nunmehr -den endgültigen Termin für die Wiederaufnahme des Prozesses um die ..Protokolle der Weisen von Zion* auf den 29. April bis 4. Mai festgesetzt In Anbetracht der außerordentlichen Wichtigkeit, den dieser Rechtsstreit für die ganze arische Welt, insbesondere aber für die Judenkenner in allen Ländern hat, wäre sehr wünschenswert, wenn die Leser und Freunde des ,Welt-Dienst\ soweit ihre Reisedispositionen für die Osterzeit dies zulassen, den Prozeß Verhandlungen in Bern beiwohnen würden. Es böte sich auch dem für den Berner Prozeß geschaffenen internationalen Komitee eine günstige Gelegenheit den zahlreichen Helfern persönlichen Dank für ihre tatkräftige Unterstützung und Mitarbeit auszusprechen. Interessenten mögen sich an die Schriftleitung des .Welt- Dienst' wenden." Die Nazi-Zeitungen werden aufgefordert, Korrespondenten zu dem Prozeß nach Bern zu entsenden und deren Namen dem „Welt-Dienst" mitzuteilen. Verband der Sabbathfreunde „Schomre Schabbos" Wien IL, Leopoldsgasse 16, Telephon A 46-0-15 Auszahlung der Arbeitslosenunterstützung. In Anbetracht der bevorstehenden Pessachfelertage werden jene strenggläubigen jüdischen Arbeitslosen, deren Kontroll- oder Auszahlungstag auf einen der Pessachfeiertage fällt, eingeladen, in unserem Sekretariat um Ausstellung einer Bescheinigung anzusuchen, auf Grund welcher die Arbeitslosenämter den Kontroll-, bzw. Auszahlungstag auf einen anderen Wochentag verlegen. Stellenvermittlung. Offene Stellen: 1 Bürstenbinder. ■ Verkäufer mit Praxis in der Seidentextilbranche, Verkäufer mit Praxis in der Herrenwäsche- und Textilbranche, Praktikanten im Alter von 14 bis 16 Jahren. Stellengesuche: Geschultes, verläßliches, kaufmännisches, gewerbliches Personal mit bester Nachfrage. Also vir treffen uns bestimmt an den Sederabenden bei A. BARSCH AM Wien II., Große Schiff gösse Nr 3 Telephon \ 46-4-30 Unter Aufsicht Sr. Ehrw. Herrn Rabb. Josef Babad Berühmt sind seihe ungarischen Weine, Palästinaweine, Meth, Slibowitz, Kognak von S 2.— per Liter aufwärts. Besonders empfehlenswert: seine streng koschere Küche noa bv tbd Dilemma der tschechischen Jüdisch" nationalen. Das Abgeordnetenhaus der Tschechoslowakischen Republik nahm jüngst nach längerer Debatte das neu e Wahlgesetz an, wonach beim zweiten Skrutinium nur die Stimmen solcher Parteien berücksichtigt werden, die wenigstens in einem Wahlkreis die Mindestzahl von 20.000 Stimmen und im ganzen Staate mindestens 120.000 gültige Stimmen erzielt haben. Der ursprüngliche Regierungsentwurf, in dem für die kleinen Minderheiten ein Quorum von 50.000 Stimmen vorgesehen war, wurde fallen gelassen, so daß die Jüdische Partei nicht mehr mit Aussicht auf Erfolg gesondert kandidieren kann, da' sie 120.000 Stimmen im ganzen Staatsgebiet nicht wird aufbringen können, selbst wenn es ihr gelingen sollte, im Wahlkreis Presov das zweite Erfordernis zu erfüllen, nämlich 20.000 Stimmen aufzubringen. In den Kreisen der Jüdischen Partei, in denen mit einer Annahme des Minderheiten-Quorums gerechnet worden war, wodurch der Partei ermöglicht worden wäre, gesondert zu kandidieren und eine Reihe Mandate zu erringen, hat die im Parlament getroffene Entscheidung enttäuschend gewirkt Die Partei wird sich nun wohl genötigt-sehen, sich nach Bundesgenossen im Wahlkampf umzusehen. Darüber, wer diese Bundesgenossen sein sollen, ist eine Entscheidung noch nicht gefaliea " " Z.T. A. TAPEZIERER ZERKOWITZ Werkstätte für .moderne Möbel sowie aller Reparaturen in bester Ausführung und Material Spezialist ImjTapexleren von Wohnungan und Lokalen unter Garantie. L, Nentorgasse 18, Tel. U 23-8-28. Wohnung: Tel. U 22-7-31 WerkstSlte; I-, Seitenstettengasse 2 _ Niederlage der Zionisten in der - : jüdischen Gemeinde Czernowitz. ■;f. In Czernowitz, wo seit längerer Zeit die gewählte Vertretung der Jüdischen Gemeinde aufgelöst und an ihre Stelle eine ernannte Vertretung unter Leitung von Dr. Menczer eingesetzt worden war. ist die Neuwahl der Gemeinderepräsentanz vorgenommen worden. An dem Wahlkampf hatten sich drei Parteien, die Zionisten unter Führung des ehemaligen Senators und Abgeordneten Dr. Mayer Ebner, die Orthodoxen unter der Führung Jizchak Rosners und die „Regierungspartei" mit dem bisherigen kommissarischen Gemeindevorsitzenden Dr. Menczer an der Spitze, beteiligt. Die „Regierungspartei" erhielt 21, die Zionisten 15 Mandate. Die Orthodoxen blieben ohne Vertretung. JtlaimonitlesS'eiewn. Maimonides-Feier der Wiener Kultusgemeiride. Sonntag, den 14. April, um 7 Uhr abends, findet im großen Leopoldstädter Tempel, Wien IL, Tempelgasse 3, die offiziell© Maimonides-Feier der israelitischen Kiütusgemieinde Wien statt Nach einer Ansprache des Oberrabbiners Dr. Feuchtwang hält Oberrabbiner Dr. T a g 1 i c h t die Festrede. Kompositionen von Salomon S u 1 z e r, ausgeführt von den Vereinigten Tempelchören unter Leitung des Kapellmeisters Kurt Fuchsgelb, bilden die Umrahmung der Feier, bei welcher Oberkantor M a r g o 1 i e s die kantoralen Funktionen versieht. Der Verband der türkischen Israeliten (Sephardim) zu Wien veranstaltet anläßlich der 800jährigen Wiederkehr des Geburtstages des großen Philosophen Moses Mairnonides am Freitag, den 12. April, ^7 Uhr abends, im sephardischen Tempel, II., Zirkusgasse 22, einen Festgottesdienst, bei dem Prof. Dr. Manfred Papo die Gedenkrede halten wird. GROSSFLEISCHHAUEREI IIEGM. KORNMEHl WIEN IX., BERGBASSE NR. 19 FILIALE i XVIII., WAHRINGERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten _ Abte Hungen für Koscher fleisch unter. Aufsicht des «hrw. Rabbinates der Isr. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Semeindeiftronik Doppeljubiläum imTempelverein IV/V. Eine erhebende Feier vereinigte am vergangenen Sonntag abends überaus zahlreiche Mitglieder und Freunde im festlich geschmückten Tempel für die Bezirke Wieden-Margareten in der Siebenbrunnengasse. Galt es doch, das 60jährige Vereinsjubiläum und den 25jährigen Bestand des Tempels zu feiern. Und so kamen alle Anhänger des Vereines zu dem ^schönen schönen Feste, aber auch die Judenschaft der übrigen Bezirke nahm an dem Doppeljubiläum herzlichen Anteil. Vertreter der Muttergemeinde waren erschienen und Deputierte der Tempelvereine aller Wiener Gemeindebezirke. Man sah ü. a. den Oberrabbiner Dr. D. Feuchtwang und Herrn Rabbiner Dr. M. Rosen mann, in Vertretung der Kultusgemeinde den Altvize Präsidenten Dr. J. O r n s t e i n sowie die Kultusvor steher Berthold Sinai und Dr. Leo Landau, welcher in Vertretung der Organisation der Tempelvereine er schienen war, Amtsdirektor Reg.-Rat G. Fuchsgelb, den Obmann des österreichischen Kantorenverbandes J. L ö w i t und zahlreiche Kantoren, viele Damen des Frauenwohltätigkeitsvereines IV/V mit Frau Präsidentin Karoline Ho ff mann an der Spitze, eine starke Abordnung der Bezirksorganisation IV/V des Bundes jüdischer Frontsoldaten in Uniform. Vertreter der „Union österreichischer Juden" und der übrigen jüdi sehen Parteien, der jüdischen Presse u. v. a. Mit einem Orgelpräludium und dem herrlichen Vortrage des „Ma tauwo" durch Oberkantor K. Katz, unterstützt von dem trefflichen Chor, begann die Feier. Dann verrichtete Kantor A. E h r e n t a 1 das Minchagebet. Hierauf ergriff der rührige Obmann des Tempelvereines, Herr Desider W.ollner, das .Wort zu einer innigen Begrüßungsansprache. Nach dem herzlichen Willkömmgruß an die erschienenen Festgäste schilderte er in großen Zügen die Entwicklung des Tempelvereines aus seinen kleinen Anfängen bis zum heutigen Jubeltage, Er berichtete, daß vor 60 Jahren eine Schar wackerer gotresfürchtiger Männer sich zusammengetan hat, um in den beiden Bezirken einen religiösen Mittelpunkt zu schaffen. Auf dem Margaretenplatz wurde ein Bethaus errichtet, das sich aber bald für die sich stets ver mehrende Zahl der Andächtigen als zu klein erwies. Da ergriff vor 25 Jahren der unvergeßliche Obmann des Tempelvereines, Herr Adolf Hoff mann s. A., die Initiative zur Gründung eines schönen Gotteshauses. Seiner unermüdlichen Tatkraft und der hingebungsvollen Mitarbeit seiner Getreuen gelang das große Werk. In der Siebenbrunnengasse wurde der Tempel errichtet, und am Erew Pesach erfolgte nach einer tiefsinnigen Abschiedsrede des Herrn Rabbiner Dr. Weiss s. A. der Auszug aus dem Bethaus auf dem Margaretenpl'atz. Nun schilderte Herr Obmann Wollner in eindrucks vollen Worten die Geschicke der neuen Andachtsstätte in den schweren Kriegs- und Nachkriegsjahren. Er gedachte der Männer und Frauen, die hilfreich am schönen Werke mittätig waren, erwähnte pietätvoll nebst Adolf Hoff mann s. A. die dahingeschiedenen Präsidialmitgiieder des Tempelvereines, seine Rabbiner und Kantoren und gab seiner Freude Ausdruck, dem Ehrenpräsidenten Ignaz Taussig, dem Ehrenmitglied Max Spitzer, der segensreich wirkenden Präsidentii des Frauen-Wohltätigkeitsvereines, Frau Karoline Hoff mann, sowie den anwesenden Mitgliedern des seiner zeitigen Baukomitees den Gruß der Festversammlunjc entbieten zu können. Mit einem Appell an -die Mitglieder zur weiteren treuen Gefolgschaft und Unter. Stützung der schwierigen Arbeiten des Tempelvorstandes in dieser ernsten Zeit, schloß Obmann Wollner seine sinnreichen Ausführungen. Sodann betrat der Vereinsrabbiner Dr. M. G M e h r e r die Kanzel, um in einer überaus eindrucksvollen Festpredigt die Bedeutung des Jubeltages zu charakterisieren. Er skizzierte die Aufgaben eines Gotteshauses, die sich nicht auf die Abhaltung des Gottesdienstes beschränken, sondern auch die jüdische Lehre umfassen. In beiden Hinsichten leistet der Tempelverein, der auf so exponiertem Posten steht, gleich Hervorragendes, sein Gottesdienst ist ein erhebender, seine Bibelschule mustergültig und der Jugendgottesdienst eine .Herzensfreude für die vielen Kinder, die ihn besuchen. Auch auf dem Gebiete der. Wohltätigkeit tut der Tempelverein in Gemeinschaft mit dem so edel wirkenden Frauen-Wohltätigkeitsverein seine jüdische Pflicht. All diese Leistungen sind der emsigen Arbeit des Vereinsvorstandes zu danken, an dessen Spitze ein Mann steht, den jüdisches. Herz und jüdischer Sinn bei seiner hingebungsvollen Tätigkeit leiten, der Vereinsobmänn Desider Wollner.' Ihm vor allem gebührt Dank und Anerkennung' für sein Wirken, bei dem er von seinen tatkräftigen Vorstandskollegen stets unter- •vy^-ÜMI ^^^^.»S^r^tSWWP?^» .^m^WS^rM^}