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Die Wahrheit · 1935-04-12 · Heft 15 (12.4.1935) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 15 (12.4.1935)
Date
1935-04-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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T)IE WAHRHEIT Nr. 15 — 12. April 1935 Seite 5 Feierliche Sederabende am 17. und 18. April im HOTEL - RESTAURANT STEFANIE vorm. OPERER Wien II., Taborstraße 12 ä la Carte und reichhaltige Pessach- Menüs zu zeitgemäßen Preisen. Karmel- und Palästina-Weihe in Flaschen und offen Rechtzeitige Anmeldungen erbeten l TELEPHON R 46-5-57 Das Danziger Nazi-Debakel. Der polnische Generalkommissär in Danzig, Minister Dr. Papee, hat am 4. April an den Senat eine Note gerichtet, in der er unter Beifügung eines der B o y k o 11 z e 11 e 1, die in den letzten Tagen an Zahlreichen jüdischen [Geschäften angebracht worden sind, darauf hinweist, daß diese antisemitische Propaganda eine normale Entwicklung der Handelsbeziehungen zwischen Danzig und Polen insbesondere in allen denjenigen Wirtschaftsgebieten erschwere, in denen das jüdische Element repräsentiert ist Der Generalkommissar erinnert im Namen der polnischen Regierung den Danziger Senat erneut an die Verpflichtungen, die er im sogenannten Protokoll über die Ausnutzung des Danziger Hafens vom Jahre 1933 auf sich genommen hat. Abschließend wird im Auftrage der polnischen Regierung an den Senat die Anfrage gerichtet, welche Verordnungen erlassen worden sind, um diesem Zustand ein Ende zu bereiten. Politik verdirbt den Sport. Im neuen Stadion zu Tel Aviv fand in den letzten Tagen unter starker Beteiligung aus aller Herren Länder die zweite Makkabiade statt. Die sportlichen Ergebnisse dieser Veranstaltung sind sehr beachtenswert, insbesondere gereichen die Erfolge der aus Oesterreich gekommenen Teilnehmer den jüdischen Sportlern unseres Landes zu hoher Ehre. Weniger befriedigt kann man mit den politischen Ergebnissen der Makkabiade sein. Man wird sich zwar fragen, was eine solche Veranstaltung mit Politik zu tun hat, aber bei den Zionisten ist eben alles möglich, auch die anderen Nationalisten abgeguckte Verquickung von Sport mit Politik. Und so wußte der Draht vom ansonsten eindrucksvoll verlaufenen Eröffnungstag der Makkabiade auch zu melden, daß der geplante Aufmarsch der Ma kk a bia h-Te il n ehmer durch die Stadt Tel Aviv wegen Gefahr von Ruhestörungen behördlich untersagt worden ist. Ruhestörungen — aha, die Araber, denkt der Leser. Weit gefehlt, nicht von den Arabern befürchtete man solche Störungen, sondern von einer bestimmten jüdischen Partei. Der Arbeitersportverband „HapoeI" beteiligte sich nämlich an dieser „bürgerlichen" Sportveranstaltung nicht nur selbst nicht, er suchte sie auch mit allen Mitteln zu boykottieren. Dazu gehörte unter anderem das Verbot der Teilnahme auch für seine Einzelmitglieder, so durfte zum Beispiel der bekannte Schwerathlet Miky H i r s c h 1, der als Wiener Hakoahner Meister von Oesterreich wurde und vor einiger Zeit nach Palästina als Trainer ging, bei der Makkabiade nicht antreten, weil der „Hapoel", der ihn zu kapern verstand, ihm die Teilnahme an der Makkabiade verbot. So geht ein jüdischer Sportverband in Palästina, der zur gierchen Zeit Verbindung mit den arabischen Sportklubs sucht, gegen seine Sportbrüder aus aller Welt vor. Kein Wunder, daß man da den Aufmarsch verbot, um nicht der Welt -das traurige Schauspiel einer wüsten Schlägerei unter Juden zu bieten, die dem Sport, mehr aber noch der Politik huldigen. Der Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, I., Kohlmessergasse 18, Tel. U 27-0-65, sucht dringend Stellen für: a) Kontoristen, Buchhalter, langjährig. Geschäftsführer aus der Schuhbranche, Handelshilfsarbeiter, Geschäftsdiener, Packer, Inkassanten, Verkäufer, Auslagenarrangeure, Kellner, Innenarchitektin, Krankenpflegerinnen, Heilmasseurinnen, Nachhilfelehrer und -lehrerinnen für Mittelschulfächer; b) Arbeit für gewerbliche Hilfskräfte aller Art (darunter auch Chemiker, Installateure, Bauingenieure, Herrenschneider, Teppichstopferin, Seifensieder sowie ungelernte Arbeiter: c) handwerkliche und kaufmännische Lehrstellen •für Knaben und Mädchen. In demselben Verein sind derzeit offene Stellen für: Geschultes Hauspersonal jeder Art, Kinderfräulein mit Sprachkenntnissen. Maschinnäherinnen für Herrenhemden eingearbeitet (Spezial-Kragennäherinnen). Selbständige Schneiderinnen für Mäntel und Kostüme. Gut eingearbeitete Konfektionsnäherinnen. Kanditensieder. Selbständige Damenschneider. Lagerist aus der Galanteriebranche (Spielsachen, Seife, Parfüm, Papier, Kurzwaren). „Kauft österreichische Hetzschriften". Die antisemitische Hetzschrift, die vor einiger Zeit von Ulrich Mosers Verlag in Graz unter dem Titel „Gibt es jüdische Ritualmorde?" herausgegeben worden ist und deren Autor sich Christian Loge nennt, ohne so zu heißen, wurde bekanntlich von den österreichischen Behörden verboten, weil sie zum Haß gegen die Angehörigen des jüdischen. Religionsbekenntnisses aufreizt. Allein dieses Verbot hindert nicht, daß das Erzeugnis des österreichischen Verlages (und ausdrücklich als solches gekennzeichnet) im Dritten Reich uniter einem erheblichen Propagandaaufwand verbreitet wird. Die Hetzschrift wird in der letzten Ausgab© des „Börsenblattes für den Deutschen Buchhandel" in einem ganzseitigen Inserat angekündigt und in dieser Anpreisung wird ausführlich eine Kritik des „bekannten Kulturhistorikers Friedrich Zoepfl" im katholischen „Klerusblatt" Eichstätt zitiert. Wenn auch der Kritiker kaum zu dem Buch Stellung nimmt, wenn er sich auch darauf beschränkt, einfach zu referieren, was das antisemitische Pamphlet enthält, so legt der Verlag doch Wert darauf, aus der Kritik unter anderem folgenden Satz zu zitieren: „Scharf wendet sich der Verfasser, selbst Katholik, gegen jene katholischen Kreise, die sich von den jüdischen Verdunkelungsmachenschaften einnehmen lassen und dienstgefällig den jüdischen Ritualmord in das Gebiet der Fabel verweisen." Die Feststellung des Kritikers: „Die dem Buch beigegebenen Abbildungen sind weniger für die Tatsache selbst voni Belang als für die Vorstellung, die im Volk vom jüdischen Ritualmord herrschten" kommt zwar beinahe einer Ablehnung gleich, aber es ist beschämend genug für unser Land, daß ein österreichischer Verlag im Ausland eine Propagandasohrift vertreiben kann, die im Inland als gesetzwidrig stigmatisiert worden ist. Worte und Taten. Der Leiter des Rassenamtes in Berlin, Groß, erklärte am 21. März 1935 vor der auswärtigen Presse u. a.: „Wir sind Gegner jedes Chauvinismus, denn wir zuerkennen allen anderen Rassen dieser Erde das gleiche Recht, das wir für uns selbst in Anspruch nehmen... Alle Gäste fremder Kulturen sinid bei uns stets hochwillkommen." So sagte er. Am gleichen Tage wird wie folgt verfügt: Reichspressekammer: Die Bestimmungen der Arierparagraphen sollen sich von nun an auch auf diejenigen Nichtarier erstrecken, die bisher als Kriegsteilnehmer die Berechtigung zur Weiterarbeit im Pressewesen zugestanden bekommen hatten. Der Paragraph erstreckt sich von jetzt an auf alle Formen der Tätigkeit im Zeitungswesen, feste Mitarbeit, gelegentliche Mitarbeit sowie auf Zeitungshandel im Straßenverkauf oder in Buchhandlungen. „Gäste — hochwillkommen." Aber man darf doch den Gastgebern nicht zumuten, ihre gleichgeschaltete Zeitungsnahrung auch nur im Straßenhandei von nicht hunderprozentigen Ariern entgegennehmen zu müssetiL Da muß bei aller Gastfreundschaft am Germanenherd Juda verrecken. Was wieder ein Beispiel ist vom neudeutschen Wort und der zugehörigen Tat. Jüdische Einwanderung in die Vereinigten Staaten. Einem Bericht auf der Jahresversammlung des Verbandes HIAS ist zu entnehmen, daß im Jahre 1934 in dte Vereinigten Staaten 9107 Juden eingereist sinid, davon 5339 Einwanderer und 3768 Nichteinwanderer. Die Zahl der in dien Vereinigten Staaten eingetroffenen Juden war um 3379 höher als im vorangegangenem Jahre. Der frühere Präsident des Danziger Senats, Dr. R a u s c h n i n g, übergab der Presse folgende Erklärung zu Beschuldigungen, die in einer großen Danziger Versammlung von Julius Streicher gegen ihn erhoben wurden: „Es ist nicht wahr, daß ich Danzig an die Jaden verraten wollte. Wahr ist vielmehr, daß ich in pflichtgemäßer Wahrnehmung der Danziger Verfassung i ü r die rechtliche und. wirtschaftliche Gleichstellung der jüdischen Bevölkerung Danzigs wie aber auch jeden anderen Bevölkerungsteils Sorge trug, da dies um so mehr meine Pflicht war, als jede rechtliche oder wirtschaftliche Benachteiligung auch gegen vertragliche Verpflichtungen der Freien Stadt Danzig verstoßen und schwere Schäden für das wirtschaftliche Leben Danzigs hätte zur Folge haben müssen. Es ist nicht wahr, daß ich diesen „sogenannten Verrat"' heimlich „begehen" wollte. Wahr ist vielmehr, daß ich in aller Oeffentlichkeit durch Regierungserklärungen und in voller Uebereinstimmung mit dem Gesamt-Senat die Sicherstellung der Rechte der jüdischen Bevölkerung und aller Bevölkerungsteile als verpflichtende Aufgabe der Regierung zugesagt habe. Es ist nicht wahr, daß ich nicht habe zulassen wollen, daß man die Wahrehit über die Juden erfuhr und daß ich den „Stürmer" verboten habe. Wahr ist vielmehr, daß der Herr Polizeipräsident den Vertrieb dieses Blattes für einige Folgen verboten hat, da er die öffentliche Sicherheit durch den Vertrieb dieser Zeitung für gefährdet ansah. Schwere K o 1 rek t i v be 1 e i d i g u n g e n der jüdischen Bevölkerung Danzigs hatten einen Zustand herbeigeführt, der den vertraglichen Abmachungen, der Rechtslage und den ausdrücklichen Regierungserklärungen ■ zuwidersprach." Nach Abgabe dieser Erklärung hat der frühere Senatspräsident Rauschnin^ Danzig verlassen, um sich der Rache der Streicher-Anhänger zu entziehen. * Der „Bund Deutscher Frontkämpfer des Weltkrieges E. V." in Danzig veröffentlicht in seinem Mitteilungsblatt „Feldgrauer Alarm!" verschiedene Artikel, die besonderes Interesse verdienen. In dem -Leitartikel „Frontkämpfer oder Parteisoldat" wird i.an den Ausspruch Kaiser Wilhelm IL: „Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche" erinnert ■und betont: „und es standen Deutsche, Juden und Askari, Sozialisten, Zentrumswähler und Deutschnationale Schulter an Schulter im Kampf gegen eine Welt von Feinden für Deutschland". Das Blatt wendet sich deshalb auch gegen den Antisemitismus. In dem Aufsatz „Religion und Politik" polemisiert es gegen die Deutschen Christen, da sie „den von ihnen gepflegten politischen Antisemitismus auch in die Kirche tragen" wollen. „Sie merken anscheinend, daß Christentum und Antisemitismus sich gegenseitig ausschließende Ideenwelten sind, und machen nun den geradezu komisch anmutenden Versuch, alles Jüdische Geistesgut' aus dem Christentum zu entfernen." — Nach den Satzungen des Bundes kann stimmberechtigtes Mitglied „jeder Frontkämpfer des Deutschen Heeres im Weltkriege werden, ohne Einschränkung irgendwelcher Art". In einem Gedicht, das die Zeitschrift veröffentlicht, heißt es: Volksgemeinschaft! In härtesten Jahren haben wir ihren Sinn erfahren: Nur Deutsche! Sonst alles einerlei! Was galten uns Posten, was galt uns Partei? Und keine der Kugeln, die uns umjagt, hat je nach Bekenntnis und Rasse gefragt, und ins Massengrab senkten wir viele hinein ohne beglaubigten Ahnenschein." Internationale Faschistenkonferenz gegen Rassentheorie. In den letzten Tagen hat in Amsterdam eine internationale Faschistenkonferenz stattgefunden. Nach Konierenzschluß gab der Vorsitzende und Führer der italienischen Delegation. Eugenio Coselschi, Mitglied des italienischen Parlaments, Pressevertretern Aufklärungen über die Ziele der internationalen faschistischen Bewegung und machte Mitteilungen über den Verlauf der Amsterdamer Beratungen. Er betonte hierbei, daß der Weltfaschismus jede Unterdrückung einer Klasse oder Rasse und die Rassentheorie im allgemeinen ablehnt. Die Bewegung erstrebe vielmehr die Kooperation aller Klassen und Rassen. Vorherrschaft einer bestimmten Rasse wäre Ausfluß materialistische? Auffassungen und stehe der Herbeiführung einer durch geistige Bindungen gewährleisteten Einheit im Wege. Z. T. A.

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