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Die Wahrheit · 1935-04-12 · Heft 15 (12.4.1935) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 15 (12.4.1935)
Date
1935-04-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 - ■ Nr. 15 — 12. April 1935 DIE WAHRHEIT ^schloß mit den Worten: „Man hat mich als Gegner .des Judenstaates verschrien. Ich halte dafür, daß sogar eine Million Juden in Palästina noch keinen Judenstaat ergeben. Aber gerade diejenigen, die am lautesten nach dem Judenstaat schreien, zerstören den Kern der jüdischen Selbständigkeit durch ihre Einstellung zu jeder zentralen nationalen Autorität Dieser Mangel an bürgerlicher Verantwortlichkeit, diese Anarchie im öffentlichen Leben wirkt sich noch weit ärger aus als zum Beispiel, die Bodenspekulation." Damit war die Generaldebatte geschlos-; sen und es begannen die 'Kommissionssitzungen. In der von den Revisionisten aufgeworfenen Frage der Einberufung einer Round Table-Konferenz kam es zunächst zu einem Kompromiß. Das Aktions-Komitee hatte eine „V e r s t ä n d i g u n g-s - Kommission" gewählt, in der die einzelnen Parteien im Verhältnis zu ihrer Stärke vertreten waren. Der Antrag der Revisionisten, die Kommission paritätisch aus Revisionisten und Nichtrevisionisten zusammenzusetzen, wurde abgelehnt. Aber die „Verständigungs-Komission" kam zu keiner Verständigung, sondern es kam zu einer schweren Kriseier Gesamtorganisation. Die Krisis trat in Erscheinung, als feststand, daß die Versuche der Allgemeinen Zionisten, eine Koalition aller Parteien auf der Basis der Disziplin zu schaffen, fehlgeschlagen sind. Die Revisionisten wollten ihre Zustimmung zu einer Koalition auf der Basis der Disziplin nicht geben, während andererseits die Arbeiterparteiler den vom Misrachi-Führer Rabbi Meir Berlin gemachten Vorschlag, die Disziplinfrage der Verständigungs-Kommission zu überweisen, die auch ein gemeinsames Programm für Erweiterung der Koalition zu finden hätte, zurückwiesen. Am späten Abend des 7. April wurde endlich die der Parteienberatungen wegen lange unterbrochene Tagung wieder eröffnet Die Revisionisten waren zu Beginn der Sitzung nicht zugegen. Sie berieten über eine von der revisionistischen Weltexekutive in Paris ihnen zugesandte Erklärung. Darin forderte die Exekutive der Weltunion der Zionisten-Revisionisten die revisionistischen Mitglieder auf, die Session des Aktions-Komitees-zu verlassen, nachdem die revisionistischen Vorschläge zur Einberufung einer Round Table-Konferenz zwecks Herstellung des innerzionistischen Friedens vom Aktionskomitee zurückgewiesen worden waren. Die Exekutive der Union der Zionisten-Revisio- .nisten hat in der gleichen Erklärung offiziell mitgeteilt, daß die Revisionisten sich am XIX. Zionistenkongreß nicht mehr beteiligen werden. Später erschienen die revisionistischen Aktions-Komitee-Mitglieder in der Sitzung, gaben EIN ERLESENER 6ENDSS sind die nach einem speziellen Verfahren erzeugten, in Geschmack und Bekönunlichkelt unerreichten STRUMMAZZOTH und GRIESS die als VOrxQglichf schmackhaft, hygienisch einwandfrei erzengt, bestbekannt sind und wegen Ihrer Güte und Billigkeit allgemein bevorzugt werden Die vielen tausende Prennde der Qualitäts- Mazzoth ,|S t r U m" lassen sich keine anderen Erzeugnisse aufdrängen. Froher Passach — nur mit Strum-Mazzoth die als das beste österr. Fabrikat anerkannt sind! Wer einmal Stram-Mazzoth genießt, nimmt keine anderen. Die Mazzoth Bäckerei H. STRUM, II., Rotensterngasse 11, steht unter Aufsicht des ehrw. Rabbinats der israel. Kultusgemeinde Wien. Besonders in ritueller Hinsicht sind Strum-Mazzoth unbedingt einwandfrei. 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Mit dem Ausischeiden der Revisionisten ist der lange verkleisterte Sprung in der zionistischen Organisation offenbar geworden, die Revisionisten werden ihre politischen Sonderaktionen, die sie schon als Angehörige der Gesamtorganisation unbekümmert um deren Proteste unternommen haben, nun unbeschwert von jeder Disziplin einleiten, die zionistische Organisation kracht wirklich, wie „Die Stimme" jüngst feststellte, in ihren Fugen. Den letzten Mißton gab dieser Krach auf heiligem Boden ... * * Aus den Kommissions- und Schlußberatungen des Aktions-Komitees wäre noch folgendes zu erwähnen: Die Kommission für die Ueberführung der sterblichen Ueberreste Herzls nach Palästina beschloß zwar, einstimmig, die Beisetzung in Jerusalem zu empfehlen, das Plenum des Aktions- Komitees verschob jedoch die Abstimmung auf seine nächste noch vor dem Kongreß abzuhaltende Tagung in dem Wunsche, wenigstens in dieser Frage einen einmütigen Entschluß herbeizuführen. (Daraus ist ersichtlich, daß im Plenum vorläufig eine Einmütigkeit nicht herbeizuführen war.) In der Bankkommission wurde über die Verantwortung für die Liquidation in der Jewish Colonial Trust infolge der schweren Verluste in Europa (!!) debattiert. Der Berichterstatter der Bankkommission erklärte, das Institut sei infolge finanzieller Schwierigkeiten dreier Grpßschuldner gefährdet gewesen. Mißwmmammmmmmammmmmmmmuaamm^B Die nächste Nummer unseres Blattes erscheint als Pessach- und Rambam-Festnummer am Erew Pessach (Mittwoch, den 17. April). brauche seien nicht vorgekommen, sondern bloß Fahrlässigkeit bei der Erteilung einiger großer Kredite. Es bestehe die Hoffnung, daß der Colonial Trust die Verluste wieder wettmachen werde. Die Anglo Palestine Bank steht auf durchaus fester Grundlage, alle ihre Geschäfte seien in-voller Qrdnun& JÜe JKomoijssion habe beschlossen, ein Verbot niir Mitglieder der Direktion zu erlassen, bei den Banken Kredite aufzunehmen. Aus den Ausführungen der meisten Redner war zu schließen, daß der Colonial Trust seine Tätigkeit wieder aufnehmen wird, mit der Einschränkung, daß der Trust seine Geschäfte auf Palästina beschränke. Die Politische Kommission verhandelte über die Araberirage und den Status Palästinas. Die Redner sprachen sich zum größten Teil gegen die Umwandlung Palästinas in ein . britisches Dominion aus. t ■■'■'] Das Aktions-Komitee forderte die Regierung,;I! in einer Resolution auf, die Arbeiter-Einwanderungsschedule für die nächste Halbjahresperiode entsprechend den akuten Bedürfnissen^ des Landes nach neuen Arbeiterhänden zu erhöhen. Ferner wurde die Regierung ersucht, der Zionistischen Exekutive die Regelung der jüdischen Einwanderung nicht dadurch zu erschweren, daß Sonder-Kategorien und Unter-Kategorien von Einwanderern geschaffen werden. In einer weiteren Resolution appellierte das Aktions-Komitee an die Regierung, allen Personen, die als Touristen nach Palästina kommen urjd später Arbeit im Lande finden, dauernde Aufenthaltserlaubnis zu geben. Göbbels-Mark in Litauen. Das litauische Innenministerium schildert in einem Kommunique die vor kurzem in Tauroggen vorgefallenen antisemitischen Ausschreitungen und verurteilt schärfstens die P r o p a g a n d a, die zu diesen Ausschreitungen geführt hat. In dem Kommunique heißt es u. a.: Dunkle Elemente haben das Gerücht verbreitet, ein jüdischer Einwohner habe ein christliches Kind zu rituellen Zwecken ermordet. Dieses Gerücht wurde von ausländischen nichtlitauischen EJementen (das Kommunique des litauischen Innenministeriums spielt hier direkt auf die deutsche Propaganda an, Die Red.) unter Ausnutzung des Urastandes ausgesprengt, daß an dem gleichen Tag die Leiche eines Neugeborenen im Krankenhaus seziert wurde. Abends kam es zu einer Ansammlung vor dem Krankenhaus, wobei Provokateure versuchten, die Menge zu veranlassen, gewaltsam in das Krankenhaus einzudringen. Als die Menge von der Polizei auseinandergetrieben wurde, sammelten sich die Demonstranten später wieder vor dem Wohnhaus des Einwohners, der von dep Hetzern als der angebliche Mörder des Kindes bezeichnet worden war. Im Hause dieses jüdischen Einwohners wurden die Fensterscheiben zertrümmert und in einigen Straßen wurden Juden mißhandelt. Die Polizei hat weitere Unruhen verhindert und die Hetzer festgenommen. 30 Personen wurden dem Kommandanten zur Bestrafung im administrativen Weg übergeben. Es besteht kein Zweifel, daß die Hetze zu provokatorischen Zwecken inszeniert wurde. Die litauische Oeffentlichkeit verurteilt eine solche Tätigkeit aufs schärfste. Z. T. A. Die bestrenommierle orth. *1BD ' orth. ")t£0 relnwurslu. Seldiwaren-Erzeaaung EISEN & HONIGSBER Inhaber: JL EMSEN S bringt auch für Pessach ihre Spezialitäten Erhältlich in allen ihren Verkaufsstellen Alleinige Erzeugungsstätte und Versand 111., Rabengasse 13. Telephon U 14-1-68 Wilhelm v. Humboldt. Zum hundertsten Todestage. Von Klotilde Benedikt. Das große Rambamjubiläum verschlang für das Wiener Judentum den Gedenktag an einen der größten deutschen Geister, dessen das Wiener Judentum um so mehr gedenken sollte, als der Nichtjude Humboldt seine Leistungen für-das reichsdeutsche Judentum, z. B. die Freizügigkeit, die Möglichkeit, Grund und Boden zu erwerben, die wenigstens theoretische Aufnahme auf den Universitäten, von Wien aus, in seiner Stellung als preußischer Delegierter am Wiener Kongreß und unter Suppliken der österreichischen Judenschaft mühsam errang. Diese Erfolge, urteilen jüdische Historiker, brachten die Gesamtjudenschaft um ein Jahrhundert vorwärts, denn was die deutschen Juden errungen, konnte auf die Dauer den Juden anderer Länder nicht vorenthalten werden. Das Erreichte konnte aber einen Mann nicht befriedigen, der seine Briefe aus dem Wiener Gesandtschaftspalais an seinen Bruder Alexander seit Jahren in jiddischer Sprache und hebräischer Kursivschrift schrieb, welche Kenntnisse die beiden Sprachgenies einmal spielend von Henriette Herz erlernt hatten und nun im diplomatischen Verkehr verwerteten, um ihre Korrespondenz übrigens auch Metternichs Spionagedienst zu entziehen. Man denke sich heute einen deutschen, noch dazu altaristokratischen Gesandten, der seine Briefe in hebräischen Lettern schreibt! Humboldts Verdienst um das Judentum ist um .so größer, als sein Handeln nur die Billigung eines der drei Geister fand, auf deren Urteil er allein Wert legte, die seines Bruders Alexander, des persönlichen Freundes der Rothschild und Meyerbeer. Goethe und die Gattin Karoline hatten nur Spott und Hohn für ihn, für den sie Worte fanden, die ihrer wahrlich nicht würdig sind, bei Karoline um so erstaunlicher, als sie gleichzeitig eine vom Gatten geduldete, herzliche Freundschaft zu einem jüdischen Arzt hatte. Zu Wilhelms Schmerz konnte er nicht erreichen, was ihm allein vorschwebte: Die vollständige staatsbürgerliche Gleichstellung der Juden. Deswegen hat er, wenn er Karoline über seine drei historischen Leistungen am Wiener Kongreß schrieb (Wiederherstellung des Kirchenstaates, Wiedererstattung der geraubten Kunstschätze, Einverleibung der Saar) seiner Judenleistungen nicht gedacht. Desto dankbarer aber die gesamte jüdische Mitwelt, und so übergab ihm der österreichische Jude Simon Edler von L ä m miö 1, der Schöpfer der Brünner Tuchindustrie, dessen direkter Nachkomme, Dr. Emil von Hofmannsthal, noch unter uns Wienern lebt, ein so kostbares Silbergeschirr, wie es kein zweites märkisches Adefsgeschledit aufzuweisen gehabt hätte. Lächelnd wies das hochsinnige Ehepaar Humboldt diese Art der Anerkennung zurück. Um so dankbarer sollte jeder Wiener Jude, der bewundernd vor den Rubensbildern unserer Staatsgalerie steht, deren Wiedergabe unser österreichisches Vaterland Humboldt verdankt, dabei auch dessen gedenken, was er unseren Glaubensgenossen geleistet hat und was geflissentlich oder aus Unkenntnis in den Jubiläumsartikeln der europäischen Tagespresse verschwiegen wurde. Mit Recht sagte der jüdische Schweizer Philosoph Karl Joel: Wilhelm von Humboldt ist einer der ganz wenigen großen Deutschen, der Humanität nicht nur gepredigt, sondern gelebthat. Adolph S. Ochs gestorben. In New York verstarb 77 jährig Adolph S. Ochs, Besitzer der größten amerikanischen Zeitung „Ne\v York Times" und Mitdirektor der Associated Press, fr stammte, aus "einer jüdischen Familie in Fürth, Bayern, und brächte es vom Zeitungsjungen zum Zeitungskönis- Er betätigte sich intensiv an jüdischen kulturellen nni karitativen Werken. w^sgaaw

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