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Die Wahrheit · 1935-04-12 · Heft 15 (12.4.1935) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 15 (12.4.1935)
Date
1935-04-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 15 — 12. April 1935 Seite 3 KUNDMACHUNG Die Wiener Molkerei bringt audi heuer Pessach-Koschermilch in allen ihren Filialen zum Verkauf. Die PeSSach-KOSChermilch wird in ihren Meiereien in Niederosterreidi unter streng ritueller Aufsicht der von Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Dr. M. Rosenmann bestellten religiös verläßlichen Organe dtm#ö erzeugt. Jede Kanne und jede Flasche ist mit einer Plombe, respektive mit einer Schleife versehen mit dem Aufdruck: nos ihn Wien, 10. April 1935. Wiener Molkerei. Rückgang der Juden in Österreich. Das österreichische Bundesamt für Statistik gibt als Ergebnis der Volkszählung 1934 folgende Zahlen (in Klammern steht der perzentuelle Anteil an der Gesamtbevölkerungj) bekannt: In Oesterreich wurden am 22. März 1934 6,112.658 Personen (90,5 Prozent) römisch-katholischen Glaubensbekenntnisses, 3242 (0,1 Prozent) griechisch-katholischen, 350 (0,0 Prozent) armenisch-katholischen, 280.333 (4,2 Prozent) evangelischen Glaubensbekenntnisses A. B., 15.119 (0,2 Prozent) evangelischen Glaubensbekenntnisses II. B., 36.776 (0,5 Prozent) altkatholischen, 191.481 (2,8 Prozent) israelitischen, 7105 (0,1 Prozent) Angehörige anderer Glaubensbekenntnisse, 106.080 (1,6 Prozent) konfessionslose Personen gezählt. Von den Israeliten entfiel die Hauptmasse auf Wien. Sie zählten in Wien 176.034 oder 91,9 Prozent aller Israeliten und 9,4 Prozent der Wiener Bevölkerung. Im Jahre 1923 wurden in Wien 201.513 Israeliten oder 10,8 Prozent der Wiener Bevölkerung, im Jahre 1910 175.318 oder 8,6 Prozent der Wiener Bevölkerung gezählt. Oesterreich zählt also insgesamt 191.481 Juden, Wien nicht mehr als 176.034. Der Rückgang ist ganz enorm. Er betrug in den letzten elf Jahren durchschnittlich 2400 pro Jahr. Nachdem aber inzwischen der Geburtenrückgang stärker geworden (auf eine Geburt entfallen zirka drei Todes- und Austrittsfälle) und die Ueberalterung der jüdischen Bevölkerung fortgeschritten ist, ist mit einem weiteren Rückgang der österreichischen Judenschaft zu rechnen. EPHRUSSI & C* Gegründet 1856 Danhäesdiütte aHcrAil Abteilung für Wertpapiere Wien IX., Wasagasse Nr. 2 Krise in der zionistischen Organisation Vom 28. März bis 8. April tagte in Jerusalem der sogenannte „Kleine Zionistenkongreß", das Aktionskomitee der zionistischen Organisation. Wir berichten im folgenden summarisch über die Beratungen und werden auf ihr wesentliches Ergebnis, die Spaltunginder zionistischen Organisation durch Ausscheiden der Revisionisten, noch zurückkommen. Die Hauptpunkte der Beratung bildeten dieFragendesinnerenFriedens und der Disziplin der zionistischen Organisation. Die Allgemeinen Zionisten verlangten zur Stärkung der Disziplin die Aufnahme einer Disziplinserklärung auf dem Schekel-Formular. Dieser Antrag richtet sich hauptsächlich gegen die Revisionisten, denen ein Bruch der Disziplin vorgeworfen wird, weil sie sich z. B. direkt mit Umgehung der zionistischen Organisation an den Völkerbund gewendet haben. Dagegen verlangten die Revisionisten die sofortige Einberufung einer sogenannten Round Table-Konferenz zur Beseitigung der schwerwiegenden Differenzen zwischen ihnen und den übrigen zionistischen Parteien. Der größte Gegner der Round Table-Konferenz ist die Histadruth, die Exekutive des Allgemeinen Jüdischen Arbeiter-Verbandes in Palästina, die sich dieser Forderung Jabotinskys, die sie als Ultimatum bezeichnet, nicht beugen will. Dieser Stellungnahme kommt um so größere Bedeutung zu, als anläßlich der Abstimmung über den von Ben Gurion und Jabotinsky in London abgeschlossenen „Arbeitsfrieden" sich ergeben hat, daß die Histadruth über nicht weniger als 70.000 Mitglieder verfügt. Bekanntlich ist dieses Uebereinkommen durch Abstimmung in Palästina abgelehnt worden, so daß die alten sozialdemokratischen Führer der Histadruth eine Niederlage erlitten habtem und esi sfcfi zeigt, daß der Radikalismus in dieser verhältnismäßig isehr großen Organisation die Oberhand gewinnt. Das Organ der Histadruth, die Tageszeitung „Davar", bezeichnet die Politik Jabotinskys als eine selbstmörderische. Jabotinsky dagegen bleibt dabei, daß nach Ablehnung des Londoner Abkommens durch die Histadruth eine Round Table-Konferenz aller zionistischen Parteien <Jie letzte Chance zur Rettung des Zionismus bedeutet. Interessant war in der Debatte, daß die Angaben über die Größe der Besiedlung Palästinas durch die Juden sehr wesentlich voneinander abweichen. Der Vorsitzende des jüdischen Nationalrates in Palästina. Ben Zwi, gibt die Zahl der in Palästina angesiedelten Juden mit 400.000 an. Dagegen berichtete Miss Henrietta Szold in einem historischen Vergleiche mit der Besiedlung Nordamerikas, daß das Judentum in Palästina gegenwärtig 250.000 Seelen zählt. Sie spricht die Hoffnung aus, daß die Palästina-Judenheit in 50 Jahren mindestens so groß sein wird wie heute das amerikanische Judentum, das 5 Millionen Menschen umfaßt. Wichtige Ziifern über die Einwanderungsbewegung gaben Dr. Arthur Ruppin und Qrünbaum. Im ersten Jahresviertel 1935 soll die Einwanderung aui 14.000 Personen gegen 7000 im ersten Jahresviertel 1933 gestiegen sein. Wenig günstig erscheint uns die Tatsache des Dominierens des sogenannten Kapitalisten-Elements im letzten Jahre. Unter den 42.000 Einwanderern des Jahres 1934 waren nur 22.000, das sind 52%, Arbeiter- Einwanderer. Auch Qrünbaum wies auf die Notwendigkeit erhöhter Anstrengung zur Vergrößerung des Prozentsatzes der Arbeiter-Einwanderung hin. Sehr erfreulich wäre die Feststellung Proiessor Brodetzkys, „daß innerhalb der zionistischen Exekutive volle Uebereinstimmung sowohl über das politische Programm als auch über die politischen Methoden herrsche.'" Nach dem ganzen Eindruck, den die Zerrissenheit der palästinensischen Parteien macht, die abgrundtiefe Gegensätze zu trennen scheinen, muß man wohl sagen, „die Botschaft hört man wohl, allein es fehlt der Glaube". Die Wichtigkeit, welche den Maßnahmen zur Stärkung der Disziplin beigemessen wird, dio von mehreren Rednern als das Um und Aui der Beratungen dargestellt wurde, spricht leider auch nicht für die Auffassung Brodetzkys. Sehr lehrreich waren die Ausführungen Shertoks über die Erfolge der politischen Arbeit in Palästina. Die von der Exekutive vertretene Politik steigender Einwanderung stehe glänzend gerechtfertigt da. Es müssen aber die Bemühungen zur Steigerung der Einwanderung fortgesetzt werden. Die objektiven Bedingungen einer großen Kolonisation müssen erst geschaffen werden. Was benötigt wird, sind große konstruktive Projekte, die Etablierung jüdischer Siedlungen in den noch unerschlossenen Gebieten, wobei natürlich die Interessen der arabischen Landwirte gesichert bleiben HERRENKLEIDERSALON S. FROST III., Landstraße Hauptstraße 28 Tetephon U 11-2-72 bringt den modernen Frühjahrs - Ulster und den feinen Maßanzug in prächtigsten Dessins für den eleganten Herrn sollen. Transjordanien darf nicht überstürzt werden. „Der Jordan ist zwar ein schmales, aber tiefes Wasser, und jemand, der mit einem Sprung darüber hinwegzusetzen versucht, gerät in die Gefahr, zu ertrinken." Ueber die Finanzpläne der Exekutive referierte Elieser Kaplan. Danach hat sich das Verhältnis der Investitionen zur Schuldenrückzahlung sehr zugunsten der ersteren gehoben. Kaplan verlangt, daß die Banken Darlehen an die palästinensischen Unternehmer nur unter der Bedingung geben, daß sie jüdische Arbeiter in ihren Betrieben beschäftigen. Dieser Antrag, dessen Durchführung nicht zur Förderung des Friedens zwischen der jüdischen und arabischen Bevölkerung und zum Wohle der Juden in der Diaspora hätte beitragen können, deren Erhaltung die wesentlichste Voraussetzung für die Fortführung des Palästinawerkes bildet, wurde nicht weiter behandelt. In der Generaldebatte wurde wiederholt das Verhältnis der nichtzionistischen, id est nichtnationalen Vertreter zu den zionistischen, d. h. nationalen Teil der Jewish Agency gestreiit. Die Frage des Fifty-Fiity- Prinzips in der Jewish Agency soll dem nächsten Kongreß zur Erörterung vorbehalten bleiben. Die Nichtnationalen werden sich merken müssen, daß es Herr Dr. Nahum Gold mann war, der die Exekutive aufforderte, Schritte zu einer Herabsetzung der gegenwärtigen 50%igen Vertretung der Nichtzionisten in der Jewish Agency zu unternehmen. Ben Gurion, der durch die Abstimmung über den Arbeitsfrieden in Palästina desavouierte Führer der Histadruth, führte aus, er sei zwar traurig über die Ablehnung des Londoner Abkommens mit Jabotinsky, aber er sei stolz darauf, daß die Histadruth ihren Standpunkt verteidigt hat. Ben Gurion beugt sich also dem Radikalismus der jungen Führer der sozialdemokratischen Organisation. Scharfe Angriffe gegen die Exekutive und gegen das Aktions-Komitee brachte der Revisionist Ben Chorin vor. Die Arbeit der Exekutive bestünde aus einer Kette von Improvisationen. Sie hat sich als unfähig erwiesen, die Entwicklung in Palästina zu leiten und der wirtschaftlichen Schwierigkeiten Herr zu werden. Die Bodenspekulation hat sich zur größten Plage des Landes ausgewachsen. Ihm trat David Remez, einer der Führer der Palästinensischen Arbeiterpartei, entgegen. Vom Standpunkte eines jüdischnationalen Zionisten machte Herr Dr. Chaim Weizmann sehr vernünftige, realpolitische Aeußerungen. Er übte Kritik an den gegenwärtigen Kolonisation»- und Einwanderungsmethoden und legte dem Aktions- Komitee ein Projekt nationaler Kolonisation für eine Reihe von Jahren vor. „Es muß aber Vorsorge dafür getroffen werden, daß es nicht an nationalem Kapital für die Durchführung dieser Projekte mangle." Weizmann begrüßte es, daß die Zionistische Organisation sich nicht mehr mit rein negativer Kritik befasse, sondern positive Forderungen zu stellen beginne, wie zum Beispiel Verstärkung der landwirtschaftlichen Kolonisation und Bekämpfung der Bodenspekulation. Sehr richtig äußerte sich Dr. Weizmann über die weitgehenden Industriebestrebungen in Palästina. „Der Vorwurf", sagte er, „ich sei ein Gegner der Industrie, geht durchaus fehl. Wenn man aber neue Unternehmungen gesund fundieren will, darf man nicht ungestraft eine Erhöhung der Quantität auf Kosten der Qualität der Produktion erstreben. Die Zukunft unserer Industrie hängt davon ab, ob es uns gelingt, unsere Produktion so zu verfeinern, daß wir erstklassige Qualitätsware auf den Markt bringen können. Denn wir sind nicht in der Lage, etwa mit unseren Rohstoffen mit anderen Ländern zu konkurrieren. Wir müssen bei dieser Konkurrenz unsere Kunstfertigkeit und unsere Intelligenz in die Waagschale werfen. Unsere vornehmste Aufgabe besteht aber in der Verbreiterung unserer landwirtschaftlichen Basis. DieChaluzim sind unsere Armee, die Pflüge sind unsere Waffen." Die Ausführungen Dr. Chaim Weizmanns bestätigen das, was wir immer, verhöhnt von den unverbesserlichen Phantasten, ausgeführt haben. Die Massenindustrie ist in Palästina aus zwei Gründen unmöglich. Erstens, wegen des . Mangels an Rohstoffen, Eisen, Metallen, Kohle usw., dann weil England neben Japan keinen anderen Konkurrenten für sein asiatisches und afrikanisches Absatzgebiet erstehen lassen wird. Weizmann

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