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Die Wahrheit · 1935-04-12 · Heft 15 (12.4.1935) · page 2

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1935
Issue
Heft 15 (12.4.1935)
Date
1935-04-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite, 2 Nr. 15 12. April 1935 DIE WAHRHEIT IPIBHHUBUIM JTur nocft wenige Jage? Rasch also Ihren Bedarf decken an den berühmten $€fmiidl-Jtlaz%oth bei Jlatfian <&rodetzüy Zentratc: "Wien, 2. älezirft, jCeopofdsgasse 43 Telephone: A 46-1-90, A 48-4-48, A 60-2-6% £fn Vetaudk mied Sie fiAenveugenf ' Erzeugt aus feinstem Mehl unter streng orthodoxer Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Babad Die Stfmtiai-JftlaMxottk und das Fabrikat „JRcbüc Schmidt Jl. <8." (Mazzoth, Qrieß und Farwel) sind außerdem erhältlich in allen besseren Geschäften. _ SuUHHmMlBMHBHBMHUMHnMBH^ Vor 400Jahren — und heute. Die spanische Regierung, die den Maimonidesieierlichkeiten einen höchst offiziellen Anstrich gab, wollte offensichtlich und bewußt das große Unrecht wieder gutmachen, das „ad maiorem Dei gloriam" am jüdischen Volke in Spanien in den Zeiten Ferdinands und Isabellas, vor über 400 Jahren, begangen wurde. Es ist dies übrigens nicht der erste Schritt des offiziellen Spaniens in dieser Richtung. Die spanische Regierung hat, nach dem nationalsozialistischen Umschwung in Deutschland und den darauf einsetzenden Judenverfolgungen, mehr als einmal durch den Mund ihrer offiziellen Vertreter ihre Sympathien für das Judentum kundgegeben, für dasselbe Judentum, das vor vier Jahrhunderten brutal aus dem Lande verwiesen wurde. Bezeichnend ist noch dabei, daß die Huldigungen zu Ehren des großen Juden Maimonides von einer ausgesprochen rechtsstehenden, katholischen Regierung ausgingen. Der Wunsch, die Schmach, die die Torquemados und Isabellas auf das spanisch© Volk geladen haben, wieder wegzuwischen, ist nur zu offensichtlich. Die Juden, die damals ein blühendes Land von hoher Kultur verlassen mußten, zu der sie nicht wenig beigetragen und die sie durch die .Werke der Halevys, Gabirols, Ibn Ezras, Maimonides bereichert hatten, haben es sich bestimmt nicht träumen lassen, daß .nach wenigen Jahrhunderten dieses ungastliche Land, das sie auf dem Scheiterhaufen verbrannte, daß dieses selbe Spanien in die ganze zivilisierte Welt, an hervorragende Juden und Nichtjuden Einladungen zur Teilnahme an großen Staatsfeierlichkeiten zu Ehren eines großen spanischen Juden verschicken wird. Und dennoch ... in der gleichen Stadt Cordova, wo einst jüdische Bücher öffentlich in Flammen aufgingen, wurden Worte höchster Anerkennung für das Judentum gesprochen und das Protektorat über diese Feierlichkeit hatte der Präsident der Republik übernommen und der Kultusminister hielt die Eröffnungsrede. Vier Jahrhunderte . . . was bedeutet ein solcher Zeitraum in der Geschichte des „ewigen Volkes"? Nur einen Augenblick. Cai€ Pension Echslein Semmering ■■■■■■■■■■■■■HUHMMMHHUUHUH Blickt man auf jene^Zeit zurück und vergleicht sie mit dem sich überstürzenden und so hastig abrollendem Weltgeschehen der Gegenwart, so drängt sich die Annahme auf, daß wir heute wohl nicht mehr ganze. Jahrhunderte auf das Verschwinden der Barbarei werden warten brauchen. Für die heutigen Verfolgungen, für die heute brennenden Scheiterhaufen," für die heutige Vertreibung und die1-heutige Diskriminierung werden wir die Genugtuung w&hl viel, viel früher erhalten. Wer weiß, ob wir nicht vielleicht noch in unseren Tagen große Feierlichkeiten und Huldigungen für den jüdischen Geist unserer Zeit von; Seiten der heutigen Inquisitionsländer erleben werden?!" Das American Jewish Committee gegen einen Jüdischen Weltkongreß. Das American Jewish Committee, diese größte und angesehenste Vereinigung der amerikanischen Juden, hielt, wie wir bereits berichteten, am 6. Jänner 1935 im New York unter dem Vorsitz ihres Präsidenten Cyrus Adler und in Anwesenheit des Herrn Neville Laski, Präsident des Board of Deputies der britischen Juden, eine Versammlung ab, deren Protokoll nun vorliegt. Den Hauptgegenstand der Beratung der Versammlung bildete der Antrag, einen jüdischen Weltkongreß (World Jewish Congress) einzuberufen und zu diesem Zwecke „demokratische Wahlen" am 28. April 1935 in New York zu veranstalten. Aus den Beratungen der Versammlung des American Jewish Committee, die einstimmig gegen die Einberufung eines Jüdischen Weltkongresses Stellung n a h m (es waren 460 Personen anwesend, die 68 Veneinigungen in 18 amerikanischen Staaten repräsentierten), ist folgendes hervorzuheben: Dr. Adler führte aus, daß aus den Reden und Beschlüssen der Proponenten des „World Jewish Congress" hervorgeht, daß der Kongreß ein dauerndes Parlament bilden soll, dessen Abgeordnete, die von den Juden der verschiedenen Länder gewählt werden, „bevollmächtigt" sein sollen, sich mit allen Gegenständen zu beschäftigen, die die Juden in irgend einem Lande der Welt betreffen. Der „World Jewish Congress" soll ermächtigt sein, mit den verschiedenen Regierungen zu verhandeln in Angelegenheiten, die die Ehre der jüdischen Bürger betreffen. Dr. Adler beendtete seine Ansprache mit den Worten: „Ein jüdisches Parlament würde denen Recht geben, welche den Juden die politische Gleichberechtigung aus dem Grunde verweigern wollen, weil sie einen Staat im Staate und eine internationale solidarische jüdisch-politische Gemeinschaft bilden. Ein' jüdisches Parlament würde bei unseren. Mitbürgern in lallen Ländern Mißtrauen über die Einstellung der Juden als Bürger hervorrufen." Die Resolution, welche vom American Jewish Committee gegen den Kongreß angenommen wurde, enthält durchaus Sätze, mit denen wir uns voll und ganz einverstanden erklären. So zum Beispiel: „Die Schaffung einer allgemeinen Wahlmaschinerie für die Juden der Vereinigten Staaten für den Zweck der Errichtung eines Weltkongresses muß bei unseren Mitbürgern eine geistige Verwirrung herbeiführen, welche, nur ungünstig für die Juden wirken kann. Ohne Einsetzung eines souveränen Kongresses können und sollen die Juden miteinander sich ins Einvernehmen setzen über das tragische Schicksal der deutschen Juden und der anderer Länder, wie es längst geschehen ist. Dieses Einvernehmen wurde tatsächlich mit jeder bedeutenden jüdischen Gemeinschaft der Welt hergestellt. Vertreter jüdischer Organisationen wurden und werden zu Beratungen für solche Zwecke entsendet, wann immer es notwendig ist. Itaren ~ BttAerbedarf decken'Sie am besten und. billigsten in der Buchhandlung - Antiquariat MEBMANfl TU CM NEB, In WlCHll.. Ecke Taborstraße 52 Große Auswahl von Büchern aller Art, auch antiquarisch zu billigsten Preisen. Verlangen Sie Preislisten umsonst! Für Auskünfte R 41-4-20 ^Moderne Bücher können Sie bei uns für nur 10 Gr. pro Tag lesen! Keine weiteren Gebühren. Einzelne Bücher und ganze Bibliotheken werden angekauft und gut bezahlt! Der projektierte „World Jewish Congress" soll ein ständiges Parlament bilden. Das kann die Lage der Juden in allen Ländern gefährden. Juden erkennen nur eine Obrigkeit an, das ist die Obrigkeit des Landes, in welchem sie leben. Ein jüdisches Parlament wie der jüdische Weltkongreß, würde den falschen Vorwurf bekräftigen, daß es eine internationale jüdische Solidarität und jüdisch-politische Zusammengehörigkeit gibt. i Die Juden der Vereinigten Staaten von Amerika haben die Rechte und Pflichten der amerikanischen Bürger erhalten und auf sich genommen. Sie anerkennen ihre unbedingte Zugehörigkeit zu ilirem Vaterlande, welches sie lieben und als dessen loyale Bürger sie sich in unlösbarer Verbundenheit betrachten. Die jüdischen Gemeinschaften von Amerika bestehen seit 280 Jahren. Sie wurden sogar vor der Unabhängigkeitserklärung von jüdischen Siedlern gegründet zu dem Zwecke, religiöse Wohltätigkeits- und Schülwerke durchzuführen. Beschlüsse der Konferenz in Genua im August 1932 für die -Schaffung «ines Jüdischen Weltkongresses,, die wie folgt lauten: „Der Weltkongreß, begründet auf dem Gedanken des jüdischen Volkes als eines einheitlichen nationalen Organismus (Volksorganismus), soll der legitimierte Vertreter sein, berechtigt und verpflichtet, sich mit allen Cafe Franz-Iosefs-Kai Wien I., Franz-Josefs-Kal 45 wie alljährlich streng HDB f?t#; ^ltPD "l Unter Leitung des Herrn M. RAPPAPORT Fragen des jüdischen Lebens zu beschäftigen und das jüdische Volk in der Außenwelt zu vertreten in dem Kampfe für seine bürge/liehen und nationalen Rechte" und ähnliche können keine günstigen Resultate hervorrufen, sondern nur die Juden, wo immer sie leben, in unangenehme Lagen, ja selbst ins Unglück bringen." Wichtig ist, daß der anwesende Herr Neville Laski, der Präsident des Board of Deputies in London, in einer Ansprache die gleiche Haltung gegenüber dem Gedanken eines Jüdischen Weltkongresses einnahm. Dabei sprach er nicht nur im Namen der englischen Juden, sondern auch der holländischen, der belgischen und französischen Juden, die sich eingehend mit dieser Frage befaßt hatten. Er sagte u. a.: „Ich will Ihnen ein Beispiel geben von dem Mißgeschick, mit dem derartige internationale Versammlungen verbunden sind. Wir Juden in Europa haben viel zu leiden unter den sogenannten „Protokollen der Weisen von Zion'" (gefälschte Geheimprotokolle des 1. Zionisten-Kongresses in Basel). DiedeutscheRegierung. die unerschöpfliche Mittel für alles hat außer für die ehrenvolle Bezahlung ihrer Schulden, hat Millionen von Mark ausgegeben, um diese Protokolle in beinahe alle Länder zu verteilen. Können wir mehr unseren Feinden in die Hände arbeiten als durch die Errichtung einer internationalen politischen Vereinigung, deren Existenz wir immer in Abrede stellen? Durch die Errichtung einer internationalen jüdischen Repräsentation würden Sie der deutschen Regierung Geld ersparen, um für die „Protokolle der Weisen von Zion" Propaganda zu inachen und Sie . würden der Bevölkerung von Europa den Beweis 4azu liefern, was die deutsche -Regierung behauptet."

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